Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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"Aus dem Alltag eines kolumbianischen Jungen"
Eine Stunde aus dem Religionsunterricht "Kinder unserer Erde"
Ulrich Paulsch

 
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Geprägt von der Arbeit mit Straßenkindern in Buenos Aires, Argentinien (1992-1993) und in Bogota, Kolumbien (1996) habe ich mich entschlossen Lehrer zu werden, um mich auch beruflich weiterhin Kindern widmen zu können. Es ist mir daher in der schulischen Arbeit ein großes Anliegen, wo immer möglich, über die Situation von Kindern in den sog. "Dritte Welt"-Ländern zu informieren.
Folienbild für die EinstiegsphaseDen folgenden Unterrichtsentwurf habe ich in einer Religionsstunde durchgeführt, an der Kinder der dritten und vierten Klasse teilnahmen: Zehn Jungen und fünf Mädchen im Alter zwischen neun und elf Jahren. Fünf Kinder kommen aus der dritten Klasse, zehn Kinder aus dem vierten Schuljahr. Sieben Kinder sind russische Spätaussiedler und haben teilweise noch leichte Probleme mit der deutschen Sprache.
In der Regel sind die Kinder mit Interesse und Spaß bei der Sache. Einige Schülerinnen und Schüler sind sogar von sich aus auf mich zugekommen und äußerten großes Interesse daran, etwas über Kinder in anderen Ländern zu erfahren.
Vor dieser konkreten Einheit über den kolumbianischen Jungen Pablo habe ich mit den Kindern schon einige Stunden zum Thema "Lebensweisen von Kindern in anderen Ländern fordern zum Nachdenken heraus" durchgeführt. Unter diesem Anspruch stand auch die folgende Stunde.

Die Schülerinnen und Schüler sollen
· durch die Ratesituation motiviert und zum Thema hingeführt werden.
· dem Lehrervortrag folgen.
· den Inhalt des Lehrervortrags anhand der Bildkarten in eigenen Worten rekonstruieren.
· sich durch das Domino-Spiel in handlungsorientierter und spielerischer Weise mit den Schwierigkeiten im Tagesablauf des Jungen auseinandersetzen.
· aktiv beim Spiel in der Gruppe mitwirken.
· eigenständig das Arbeitsblatt bearbeiten.
· ihr Wissen um die Schwierigkeiten des Jungen vertiefen.
· mittels der Wortkarten auf dem Südamerika-Plakat ihre Eintragungen handlungsorientiert kontrollieren.

Rückblick
In den vorangegangenen Stunden zur Einheit wurde darüber gesprochen, was Kinder überall auf der Welt zum Leben brauchen und was ihnen Freude bereitet.
Zuletzt wurde in die geographischen und bevölkerungspolitischen Gegebenheiten Südamerikas und insbesondere Kolumbiens eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler lernten anhand eines Globus die Entfernung von Deutschland nach Südamerika einschätzen. Sie erfuhren, wo Kolumbien liegt, welche Sprache dort gesprochen wird, welche unterschiedlichen klimatischen Regionen es gibt und dass viele Menschen in Armut am Rande der großen Städte leben.
In der vorgestellten Stunde kommen exemplarisch die Schwierigkeiten im Alltag eines kolumbianischen Jungen aus einem Elendsviertel in den Blick. Der Beginn des Lehrervortrags knüpfte direkt an diese Informationen an.

Karte des Domino-Spiels

 

 

 

 

 

Karte des Domino-SpielsKarte des Domino-Spiels

 

 

 

 

 





Pablo aus Kolumbien

In der Regel singen wir zu Beginn der Stunde im Stuhlkreis. Heute bleiben die Kinder an ihren Tischen, weil sie für die Einstiegsphase in einer gewissen Entfernung zur Projektionswand sitzen müssen und sie sich vor der Präsentation im Halbkreis vor der Tafel formieren.
Obwohl das Lied "Komm Herr, segne uns" in seiner sprachlichen Form für Kinder schwer verständlich ist, enthält es wesentliche Aspekte für die gesamte Einheit:
Das Miteinander-Teilen, die Aufforderung, Frieden zu stiften und die Hoffnung auf Gott, gerade bei Problemen, die uns so unlösbar scheinen wie die der "Eine-Welt"-Thematik.
Auf diese Aspekte des Liedes weise ich die Kinder an geeigneter Stelle hin.
Mir liefert der Aspekt des Teilens den Übergang zur Einstiegsphase:
Auf dem Folienbild, das die Kinder nach der Dalli-Klick-Methode erraten sollen, teilen sich die Jungen das Putzen des Autos wie auch später den dafür erhaltenen Lohn. Methode wie Bild sind für die Kinder motivierend. Die Methode, weil sie Spannung erzeugt und das Bild, weil es neugierig macht auf das, was dahinter steckt. Es führt mitten hinein in den Tagesablauf des kolumbianischen Jungen Pablo und insofern die Kinder genau zum Thema. Die Kinder sind mit viel Spaß beim Erraten des Bildes dabei und betrachten so auch jedes Detail genauer. Auf dem Foto sieht man drei Jungen, die gemeinsam ein Auto putzen.
In der Erzählung des Tagesablaufes von Pablo wird dann begründet, warum die Jungen überhaupt Autos putzen müssen.
Die Phase der Präsentation ist geprägt vom Lehrervortrag, der durch Bildkarten gestützt wird. Die Kinder bilden vor der Tafel einen Halbkreis und folgen dem Vortrag. Dies wird ihnen erleichtert durch die die Erzählung begleitenden Bildkarten, welche zum entsprechenden Zeitpunkt von mir an die Tafel gehängt werden. Weil nicht nur der akustische, sondern auch der visuelle Kanal angesprochen wird, ist eine bessere Informationsaufnahme zu erwarten. Meine Schilderung des Alltagslebens von Pablo befasst sich vor allem mit schülernahen Bereichen wie Familie, Wohnen, Essen, Schule etc.
Nach der Erzählung wird den Kindern Zeit gegeben für spontane Äußerungen oder Rückfragen. Anhand der Bildkarten an der Tafel versuchen die Kinder dann. den Tagesablauf in ihren Worten zu rekonstruieren. Auf Details oder Vollständigkeit lege ich dabei keinen Wert, da der Inhalt der Erzählung auch in den weiteren Phasen der Stunde aufgegriffen wird und den Kindern so wieder ins Bewusstsein kommt. Allerdings stellt die Nacherzählung eine Form der Überprüfung hinsichtlich der Informationsaufnahme dar und zeigt schon eine erste Sensibilität der Kinder für die Schwierigkeiten Pablos.
Diese wird in der anschließenden Phase noch vertieft. Die Kinder bekommen Domino-Karten, die die in der Erzählung exemplarisch vorgestellten Schwierigkeiten des Jungen wiedergeben. Die Kinder setzen sich an drei Gruppentischen zusammen und spielen nach einer kurzen Einführung meinerseits gemeinsam das Domino-Spiel. Sie beschäftigen sich dadurch handlungsorientiert und spielerisch mit Pablos Problemen. Die Domino-Form scheint mir deshalb angebracht, weil sie die Kinder über Versuch und Irrtum zu kommunikativer Aktivität anregt. Zudem lässt sich das Spiel durch neues Mischen der Karten mehrmals spielen und wird zumindest beim zweiten Durchgang noch nicht langweilig. Eine Gruppe, die schnell zum Ende kommt, kann daher das Spiel wiederholen.
Am Ende dieser Phase gehen die Schülerinnen und Schüler, die an die Gruppentische gekommen sind, wieder an ihre Plätze zurück.

Um den Kindern die Möglichkeit zu geben, die durch das Spiel erfassten Schwierigkeiten des Jungen auch selbst zu formulieren, erhalten sie in der zeitlich zu begrenzenden Vertiefungsphase ein Arbeitsblatt mit einem Lückentext. Bei den auszufüllenden Lücken handelt es sich wiederum um die Probleme Pablos, die in den vorangegangenen Phasen thematisiert wurden. Die ausgewählten Beispiele orientieren sich zudem schon auf die nächste Stunde hin, in der der Tagesablauf eines gleichaltrigen deutschen Jungen behandelt wird. Da sich daran ein Vergleich der beiden Situationen anschließt, müssen die Beispiele kompatibel sein (z. B. Pablo muss seiner Mutter das verdiente Geld abgeben/Ralf möchte von seiner Mutter mehr Taschengeld haben.)
Das Arbeitsblatt enthält eine schriftliche Arbeitsanweisung, die von mir aber zusätzlich auch mündlich erteilt wird. Der Kasten mit den Lückenwörtern auf dem Arbeitsblatt ist differenziert gestaltet: Die leseschwächeren Kinder erhalten die Lückenwörter in der Reihenfolge, in der sie eingesetzt werden müssen, die anderen erhalten die Wörter durcheinander gemischt.
Weil erfahrungsgemäß bei dieser Form der Einzelarbeit einige Kinder schneller fertig sind als andere, habe ich eine Pufferstation mit einem Memory-Spiel eingerichtet, das zum großen Teil die gleichen Motive enthält wie die Domino-Bilder. Der Vorteil ist hierbei- dass Memory von einem allein, aber auch von mehreren zusammen gespielt werden kann.

Zur Ergebnissicherung und -kontrolle lesen die Kinder die Sätze des Arbeitsblattes vor, indem sie sich gegenseitig aufrufen. Sie heften dann Wortkarten, die den Lückenwörtern entsprechen, an ein vorbereitetes Südamerika-Plakat. Auf diese handlungsorientierte Weise kontrollieren die Kinder ihre Eintragungen in doppelter Hinsicht: Sie hören und sehen die richtige Antwort.
Da unsere Lehrplaneinheit in ein fächerverbindendes Thema eingebunden ist, kann das Plakat auch in anderen Fächern und für andere Zwecke verwendet werden. Zunächst soll aber mit seiner Hilfe in den nächsten Stunden der Vergleich mit dem Tagesablauf des deutschen Jungen gelingen.

Ausblick
In der kommenden Stunde wird dem Tagesverlauf Pablos derjenige eines deutschen Jungen mit dessen spezifischen Schwierigkeiten gegenübergestellt. Später sollen die Kinder die Probleme beider Jungen in Beziehung setzen und miteinander vergleichen.
Gemäß der Themen der Inhaltsspalte zu dieser Lehrplaneinheit überlegen die Kinder in einer anschließenden Stunde, was ihnen am Leben des Jungen aus Kolumbien gefallen und was dieser sich wohl von deutschen Kindern wünschen würde. Des Weiteren soll die Klasse verschiedene Formen der Kinderarbeit kennen lernen Schließlich rückt der Aspekt des Teilens in den Mittelpunkt und gegen Ende des Unterrichtsvorhabens werden biblische Aspekte zum Gesichtspunkt einer gerechteren Welt betrachtet.

Literatur
CONTO DE KNOLL. D.: Die Straßenkinder von Bogota; Frankfurt/M. 1991.
MARCUS, I./SCHULZE, T./SCHULZE. H.;Globales Lernen; München 1995 (Entnahme der Fotos für Bildkarten, Domino und Memory)
SCHMITT, R. (Hrsg.); Eine Welt in der Schule. Klasse 1-10; Frankfurt/M. 1997
WEBER, H.; Kinder in Lateinamerika; Wiesbaden 1979 (Entnahme der Fotos für Bildkarten, Domino und Memory)
EDELBROCK, A./SCHWEITZER, F.; Solidarität in der Einen Welt - im Lehrplan. In; Zeitschrift "Entwurf 2/96", S. 16-21
Zeitschrift "Spuren M 1.6", Wohlstand und Hunger in der Welt; Rottenburg a. N. 1996 (Entnahme der Domino- und Memory-Vorlagen)

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 1/2001 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,3 MB).

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