Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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"Global Spots"
Arbeit zwischen Mythos und Realität

Barbara Zahn

 
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Diese Arbeit macht mich krankMaterial zum Thema Kinderarbeit in Sambia Mehr >>>
 
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Eine Welt für KinderMaterial für Kindergarten und Schule & Sonderheft zum Thema Konsumgüter Mehr >>>
 
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ErziehungsratgeberFür Eltern! Wie Sie Kindern fremde Kulturen näherbringen Mehr >>>
 
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Globalisierung prägt unser Leben und Denken. Sie hat Auswirkungen auf die Arbeit jedes einzelnen und eröffnet neue Dimensionen im Blick auf Arbeit allgemein, einem der brennendsten Themen unserer Zeit. Globales Lernen, das sich damit beschäftigt, kann kein Fach neben anderen wie Chemie und Mathematik sein. Es ist eine Art des Denkens: weltoffen, mit weitem Horizont, die Eine Welt bedenkend, globale Bezüge im Blick behaltend. So kann es nicht nur Sache einer Unterrichtseinheit sein, sondern an vielen Stellen des Unterrichts sollte der globale Kontext mitbedacht werden.
In der Empfehlung der KMK "Eine Welt/Dritte Welt in Unterricht und Schule" vom 27./28. 2. 1997 heißt es zusammenfassend zu den Aufgaben der Schule:
"Bei der Erziehung zur gemeinsamen Verantwortung für die "Eine Welt" ist auch die Schule gefordert, die Komplexität der zu lösenden Probleme und ihre existenzielle Relevanz, darzustellen. Diese Erziehungsaufgabe ist insgesamt so bedeutsam, dass sie Bestandteil der Allgemeinbildung sein muss ... Sie setzt neben Wissensvermittlung eine verstärkte Handlungsorientierung des Unterrichts voraus, um neben dem Problembewusstsein im Sinne globaler Verantwortung die eigene Handlungsfähigkeit zu entwickeln."
Das Thema Arbeit ist vor diesem Hintergrund nicht auf einmal abzuhandeln. Es umfasst so viele Facetten und berührt so viele Bereiche, dass es angemessener ist, immer wieder darauf einzugehen, sozusagen immer wieder ein "globales Fenster" aufzumachen.
Versucht man einmal die wichtigsten Fragestellungen mit Blick auf Arbeit vorher, etwa zu Beginn des Jahres, aufzulisten, so werden sich leichter Gelegenheiten finden, sie nun auch in geeignetem Zusammenhang in den Unterricht einzubringen. Es ist aber auch denkbar, sie im Rahmen eines fächerübergreifenden Projekts z. B. mit Beteiligung von Deutsch, Wirtschaftslehre, Geschichte, Religion, Erdkunde und Bildende Kunst aufzugreifen.


Arbeit - Muße - Lebensqualität - was ist das Ziel?
Gewiss könnte man die Situation von Arbeitslosen oder die von Workaholics eindringlich vor Augen führen. Es scheint mir aber noch dringlicher, ganz radikal d. h. bis zu den Wurzeln über Arbeit nach zu denken, um nicht in unserer historisch und kulturell beschränkten Sicht verhaftet zu bleiben.
Historisch gesehen war z. B. Nichtarbeit in vielen Kulturen nicht verwerflich, sondern durchaus erstrebenswert. Bei den Griechen etwa war Arbeit etwas, was Sklaven zu erledigen hatten, ein Freizeitproblem entstand aus dem Müßiggang der freien Bürger nicht. Im Gegenteil: wir verdanken ihm Olympische Spiele, Theater, philosophische Schriften, wunderbare Werke der Bildhauerei und Malerei usw.
Interkulturell gesehen, gäbe es viele Beispiele, die nachdenklich machen. Um nur zwei zu nennen: Bei einem Stamm in Papua Neuguinea gilt es als unanständig, an zwei Tagen hintereinander zu arbeiten. In einem Dorf in Tansania werden an einem Regentag die Frauen, nachdem sie ihr Haus gekehrt und den einen Topf und die wenigen Teller und Löffel gespült haben, viele Stunden Zeit haben, um sich mit den Nachbarinnen zu unterhalten, während die vielen Utensilien, die sich in einem deutschen Haushalt befinden, samt Fensterputzen, Böden wachsen, Abstauben, usw. deutsche Frauen in Atem halten.
Das soll nicht zur Romantisierung der ach so guten alten Zeit oder der fernen Welt führen. Wir können weder zur griechischen Polis noch zur Subsistenzwirtschaft zurück. Aber es soll anstacheln, alternativ zu denken, um Antworten zu finden auf Hannah Arendts prophetisches Wort von 1958, dass unserer Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgehen werde. In einem neuen Buch versucht es ein Historiker:
"Was man retten müsse, sei nicht die überkommene Arbeitsgesellschaft, wie dies gegenwärtig allenthalben versucht werde, sondern den erreichten Wohlstand. (besser im globalen Kontext gesehen "Existenzsicherung", B.Z.) Dies setze jedoch voraus, dass wir neue Lebensformen entwickeln und praktische Möglichkeiten für ein lohnendes Leben jenseits der Arbeitsgesellschaft eröffnen - in der Tat ein weites in Zukunft immer wichtiger werdendes Feld" (SONTHEIMER, in die ZEIT v. 20.5.1998 über KROCKOW, CHR.: Der deutsche Niedergang, Stuttgart 1998).
So wie es ist, wie Ressourcen, Einkommen, Arbeitschancen unter den 6 Mrd. Menschen verteilt sind, muss und darf es nicht bleiben. Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler dürfen sich von nichts und niemandem einreden lassen, dass angesichts der ökonomischen Sachzwänge - wer zwingt da wen? - soziale Gerechtigkeit nur ein romantisches Ideal sei. Wenn schon absolutistische Könige sorgen wollten für ein Huhn im Topf jedes Untertanen an jedem Sonntag, so sollten wir uns nicht mit weniger zufrieden geben.

Wie man die Welt "fairändern" kann
Für Schülerinnen und Schüler ist hier ein Begriff hilfreich, den sie aus dem Sport kennen, der positiv besetzt ist und der auch von Kampagnen der Nichtregierungsorganisationen verwendet wird. Ich meine das Wort "Fair".
Dafür gibt es viele Ansatzpunkte, wenn man Situationen durchspielt beim Einkaufen, beim Hausbau, beim Klamottenkauf, beim Kochen und Backen usw. Ich habe mit großer positiver Resonanz in verschiedenen Klassen einige Stationen für Gruppen angeboten, an denen sich manche der anstehenden Fragen bündeln lassen. Als besonders geeignete Anknüpfungspunkte erwiesen sich hervorgehobene Tage oder Zeiträume (wie Fußballweltmeisterschaft, Muttertag, Tag der Arbeit).
· Fairplay: Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft erschien eine gut gemachte Zeitung (BROT FÜR DIE WELT) mit Themen wie "Ausländer in der Bundesliga", "Werbung und Sponsoring", "Fußbälle fair produzieren und handeln", "menschenwürdige Bedingungen in der Sportartikelindustrie", "Idole für viele", "Geld und Verantwortung". Hier gibt es gutes Anschauungsmaterial. Wir haben uns mit dem Thema im Englischunterricht beschäftigt. Die Schülerinnen und Schüler haben kurze Berichte geschrieben und Collagen erstellt.
· Fair trade: Zum Muttertag werden Blumen geschenkt. Viele kommen aus dem Süden. Dazu und über die Arbeitsbedingungen von Blumenarbeiterinnen in Kolumbien gibt es Materialien wie eine Blumenzeitung (BROT FÜR DIE WELT) oder einen Comic "Teresa, Ayudame" über eine Blumenarbeiterin in Kolumbien, Gewerkschaftsarbeit und Kinderrechte (TERRE DES HOMMES).
· Fair work: Warum am l. Mai keine Schule ist. das wussten weder Schülerinnen und Schüler in der 3. noch in der 8. Klasse. Ich nutze den Anlass, mit Kopien aus Geschichtsbüchern auf Kinderarbeit im 19. Jahrhundert und mit Fotos auf Kinderarbeit heute hinzuweisen, aufmerksam zu machen auf den "Global march" und Aktionsmöglichkeiten, die auch in der Presse und im Fernsehen im Mai 1998 Beachtung finden und beim "global chat" im Internet, gesponsert von der Kindernothilfe, weltweite Kontakte und Gespräche ermöglichen.

Sisyphos - zwei Bilder

Arbeit ist nicht immer besser als Nichtarbeit. Das Prinzip "Arbeit als Quelle von Einkommen"( wie z. B. Entwicklungshilfeprojekte nach dem Prinzip "Food for work") darf nicht dazu führen, dass menschliche Schufterei hingenommen und Technik nicht eingesetzt wird.

Bild - vor 2500 Jahren: Die Geschichte bzw. das Bild des unglücklichen griechischen Helden, der verdammt ist, ewig einen Stein einen Berg hinaufzuschleppen, der dann wieder herunterrollt, ist Anstoß, über Arbeit sehr aktuell nachzudenken. Ist Arbeit an sich immer und überall schon wert- und sinnvoll? Was macht erfüllte Arbeit aus? Wie wird dies in verschiedenen Kulturen gesehen?

Bild - ums Jahr 2000: Das Bild von Steine klopfenden jungen Mädchen in Nepal auf einem Kalender, dessen unterer Teil zuerst überklebt ist, lässt vermuten, dass die schön gekleideten Frauen ein Fest vorbereiten. Um so mehr schockt die Realität und lässt nachdenken, ob es human ist, Kinder und Frauen schuften zu lassen beim Straßenbau, obwohl es modernste Technologie gibt und BRECHT schon vor Jahren schrieb:" Ich halte dafür dass Aufgabe der Wissenschaft - und Technik - es ist, das Los der menschlichen Existenz zu erleichtern". Wie ist das denn, so fragen nicht nur Kinder, kann eine Maschine nicht für Menschen arbeiten, d. h. so, dass durch ihre Wertschöpfung alle, nicht nur die Besitzer, ihr Auskommen haben? Wie kann das geschehen, dass alle davon profitieren?

Und wenn es an Arbeit fehlt? Bei Deutsch sprechenden Schülerinnen und Schülern kommen hier viele Kommentare. Manche meinen, von Sozialhilfe ließe es sich leben, andere wissen um die Stigmatisierung von Arbeitslosen. In meiner internationalen Vorbereitungsklasse kann ich nur hoffen und spüren, dass Kinder z. B. beim Nichtmitmachendürfen als Arbeitslose beim Weltspiel (s. o.) entsprechende Erfahrungen gemacht haben. Das Weltspiel hatte hohe Wellen geschlagen. Unfair, ungerecht erschien allen die Zuteilung des Geldes per zugeteiltem Los, die Chancenungleichheit im Supermarkt. Dies regte an, Fallberichte zu hören und die Sache mit dem Geld genauer unter die Lupe zu nehmen.

Arbeit und Lohn

Die Zuordnung von Lohn zu bestimmten Arbeiten ist historisch und gesellschaftsbedingt, sie ist nicht unumstößlich, sie darf kein Tabu sein.

Plakat: Was verdienen Sie?Verdient Jeder, wie er es verdient? - Zuteilen von Geldscheinen
Jede Schülerin und jeder Schüler bekommt eine Anzahl Geldscheine und muss sie gerecht verteilen (bei Banken ist Spielgeld, bei BROT FÜR DIE WELT sind große Scheine kostenlos erhältlich). Unterschiedliche Personen sind durch Bilder präsent und ihre Situation muss bedacht werden:
· eine Mutter mit vielen Kindern,
· ein Busfahrer,
· ein Bäcker,
· eine alte Frau,
· ein Arzt,
· eine Krankenschwester,
· ein Kind, das schwer arbeitet,
· ein Mann bei der Müllabfuhr,
· ein Clown,
· ein Sportler,
· Rositas Vater,
· ein Geschäftsmann.

Es soll also nachgedacht werden, ob Alter, Geschlecht, Fleiß, Ausbildung, Hautfarbe und Bedeutung für die Allgemeinheit für die Höhe des Verdienstes verantwortlich sind. Soll nach Verdienst oder Verantwortung oder Regeln aus der Vergangenheit bezahlt werden?

Arbeit (Zeit-Magazin 1.11.1996, S. 45)

3333 Mark. Dafür schuftet ein ostdeutscher Industriearbeiter einen Monat lang. Der Westkollege bringt's dagegen auf 4539 Mark.

225000 Mark kriegt Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp pro Monat. Aber verdient er sie?

275000 Mark verdiente Eisenfaust Mike Tyson pro Sekunde beim Kampf gegen Bruce Seldon in Las Vegas. 20 Millionen Mark in 109 Sekunden.

748 Mark kostet Formel 1-Flitzer Michael Schumacher pro Woche. Nicht schlecht für das bisschen im Kreis Herumfahren.

Das Vermögen der 358Milliardäre der Welt überstieg das jährliche Gesamteinkommen der Länder, in denen die 45 ärmsten Prozent der Weltbevölkerung leben.



Meine Mutter arbeitet nicht

Ein Satz, hervorgehoben an der Tafel, als Denkanstoß nicht nur um den Muttertag herum! Arbeit wird bewertet, warum eigentlich nur Lohnarbeit? Gesellschaftliche Arbeit, Erziehungsarbeit, soziale Arbeit, was ist mit ihr? Frauen hatten sich sozusagen immer schon mit "Arbeitslosigkeit" auseinanderzusetzen. Macht das krank? Führt es zu negativer Einschätzung, Isolation, Abkapselung? Was ist schuld daran? Was ließe sich ändern?
Anlässlich des Internationalen Frauentags, der bei den Schülerinnen und Schülern aus Kasachstan einen großen Stellenwert hat, beschäftigen wir uns mit diesen Fragen. Besonders spannend wird die Diskussion dadurch, dass zuerst jeweils Mädchen und Jungen getrennt diskutieren. Die Mädchen lehnen häufiger die Rolle als "Nur-Hausfrau" ab, bei den Jungen sind weniger Vorbehalte.

Lohn der Arbeit - Zahlen betrachten und vergleichen
Reale Löhne von verschiedenen Leuten werden festgehalten, verglichen und diskutiert. Ein heikles Thema? Wird hier Anstiftung zum Neid, zum Klassenhass, gepredigt? Nur wer satt ist, empfindet das Reden vom Essen als niedrig. Auch Sexualität war ein Tabu. Es ist nicht einzusehen, dass das Reden vom Geld intimere Bereiche ansprechen soll, außer es ginge dabei nicht mit rechten Dingen zu. Wenn wir meinen, dass alles sein Recht hat, dann lasst uns über Geld und Einkommen sprechen und nachdenken. Mindestens zwei Vor-Urteile gilt es dabei auszuräumen:

1. Geldverdienst hätte allein etwas mit Verdienst zu tun. d. h., dass der Besserverdienende immer derjenige ist, der es auch besser verdient hat. Arbeit muss sich lohnen, aber wird sie auch gerecht entlohnt?

2. Die Höhe des Verdienstes richte sich nach den Umständen. So wird behauptet, ein Afrikaner, ein Chilene, ein Türke in Anatolien "müsse" nicht so viel verdienen, weil das Leben dort billiger sei. Noch immer hört man Erklärungen, wonach etwa Nichteuropäer per se anspruchsloser seien, mehr Arbeit bei größerer Hitze oder Kälte aushalten usw. Man täusche sich nicht, ob in Osteuropa oder in Südamerika, an vielen Orten der Welt sind die Lebenshaltungskosten ähnlicher als man erwartet nicht zuletzt aufgrund weltweit gleicher Produkte, wobei Importgüter in vielen Ländern sogar wesentlich teurer sind. Hier ist es hilfreich, mit Vergleichen zu arbeiten z. B- mit Warenkörben oder Lebenshaltungskosten wie im Beispiel von Rosita. Sie verdient am Tag so viel wie 6 Eier kosten.

Beide Beispiele belegen, dass nichts unversucht bleibt, um vor sich selbst und anderen Ungleichheit zu rechtfertigen. Bei Schülerinnen und Schülern, die sich gern mit Sportlerinnen und Sportlern identifizieren, kann es Unverständnis gegenüber der Kritik an deren extrem hohem Verdienst geben. Die Diskussionen sind auf jeden Fall spannend.


Irgendetwas stimmt da nicht!

Das Thema Arbeit regt an, viele Fragen zu stellen, ohne dass einem hier schon Lösungen oder gleich didaktische Umsetzungen einfallen. Aber ich glaube, radikal über Arbeit nachzudenken, umzudenken, neu zu denken ist das wenigste, was wir in der Schule tun können. Einige Fragen sollen angerissen werden, die Bilder den Gesprächsanstoß geben.

· Rikschafahrer. Sie strampeln sich mühselig ab. Man könnte technische Hilfsmittel einsetzen, aber das Heer der Rikschafahrer hätte dann keine Arbeitsmöglichkeiten mehr. Was tun?

· Brauchen wir "Gartenzwerge"? Ist die Produktion von Gartenzwergen gerechtfertigt, weil dies Arbeitsmöglichkeiten schafft? Aber wer bestimmt unsere "echten" Bedürfnisse? Welche Verrücktheiten sind erlaubt, welche nicht? Soll gesteuert werden, was erfunden wird? Bedürfnisse werden manipuliert, ohne Kosten und Mühe zu scheuen. Sollte Werbung verboten werden? Das klingt nach Diktatur. "Konsumterror" aber ebenfalls? Wo ist das vernünftige Maß?

· Perlonstrümpfe, der eingebaute Verschleiß. Werden nicht viele Dinge auf Verschleiß hin produziert, damit daran verdient wird? Wenn jeder ein gutes Auto hätte, das lange fährt, müssten weniger hergestellt werden, d. h. es würde weniger verdient. Zugleich aber bräuchte jeder auch weniger Geld, um den gleichen Lebensstandard zu haben? Und außerdem würden weniger Ressourcen verschwendet.

Lob der Arbeit. Ist jede Arbeit ihren Lohn wert? Ist Arbeit an sich schon wertvoll und "anständig", respektabel und ein Segen? Haben Börsenspekulanten produktiv etwas geleistet, wenn sie Geld hin- und herschieben? Giftgasfabriken bieten Arbeitsplätze. Sind sie damit gesellschaftlich nützlich? Fleiß ist nicht per se schon eine Tugend. Was hätte man darum gegeben, wenn Arbeiter im Dritten Reich weniger fleißig gewesen wären, statt Munition zu produzieren lieber Fußball gespielt und Soldaten lieber ihre Zeit als andere Menschen totgeschlagen hätten.
Ist Arbeit also immer besser als Nichtarbeit? In Russland wurden in den letzten Jahren durch die Rüstungskonversion 5 Millionen Leute (plus Millionen von Soldaten) arbeitslos. Bedeutet das, dass auf Teufel komm raus unsinnige, schädliche, gefährliche Dinge hergestellt werden sollen und die Ressourcen verschleudert werden, nur weil Arbeitsplätze entstehen? Umwelttechnologien schaffen neue Arbeitsplätze. Aber, so Erhard Eppler schon vor Jahren, ist es nicht schizophren, wenn erst die Umwelt verschmutzt werden muss, damit eine Industrie entstehen kann, die das wieder in Ordnung bringt und dass nur dies in die Statistik als "Wachstum" eingeht?

· Lob der Faulheit. Dies ist nicht nur ein hübsches Lied von LESSING. Muße, Zeit zu haben für Kreativität und die Seele baumeln zu lassen, tut gut. Kinder brauchen Spiele - Erwachsene auch. Und u. U. ist dies nicht nur dem Menschen angemessen, sondern auch, wenn man an die Forderung der Industrie- nach mehr Kreativität denkt, ein wichtiger Produktionsfaktor. Die Idee, aus Segeltuch Hosen für die Goldsucher im Wilden Westen herzustellen, brachte vermutlich mehr als aus dem Sacramento-Fluss je im Schweiße des Angesichtes bei Tag und Nacht Gold heraus zu waschen war.

· Recht auf Arbeit, Recht auf Faulheit.
Geht es beim "Recht auf Arbeit" um diese oder nicht vielmehr darum, die Existenz zu sichern, Grundbedürfnisse zu befriedigen? Nun wird trotz Arbeit zu wenig verdient bzw. umgekehrt reicht der Verdienst weit über die Befriedigung der Grundbedürfnisse hinaus. Und was das Recht auf Faulheit betrifft, zumindest wurde neulich die Einführung des Sabbats bzw. Sonntags als eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit bezeichnet. Es könnte sein, dass Faule in der Geschichte der Menschheit weniger Schaden angerichtet haben als die Felsigen.

Profitmaximierung· Profitmaximierung.
Bedürfnisbefriedung ist zweitrangig, der Rubel muss rollen. Aber ist mehr zu Verdienen wirklich der alleinige Motor, der die Wirtschaft am Laufen hält? Gibt es nicht Leute, die nicht nur des Geldes wegen hervorragende Arbeit leisten (z. B. Forscher, Künstler). Bringen die Aufsichtsratsvorsitzenden mit ihren 1000-fach höheren Gehältern 1000-fach mehr Leistung? Ist die Arbeit eines Sportlers 1000-mal mehr wert als die eines Arbeiters bei der Müllabfuhr?

· Der Süden als Absatzmarkt. Werbeplakate für Babynahrung: Make a champion out of your child. In Jamaika bedeutet das Kaufen dieser Produkte für ein Kind, dass damit der gesamte Wochenlohn des Vaters verbraucht wäre.
In Papua Neuguinea gab es Werbekampagnen für Häuser mit Wellblechdach. Wellblech muss gekauft werden. Traditionelle Häuser können aus Buschmaterial in Gemeinschaftsarbeit hergestellt werden.
In Thailand wurden Kanäle zugeschüttet. Die Menschen brauchen Fahrzeuge. Sie kosten Geld, Boote konnten aus Naturmaterial selbst hergestellt werden.

· Verschwendung. Rohstoffe aber auch menschliche Zeit und Kraft werden verschleudert. Der Ozean wird abgefischt, der Urwald gerodet, das Geschäft nur auf Zeit betrieben. Und nach uns die Sintflut? Ein neues profitables Geschäft. Gewinne werden privatisiert, ins Ausland transferiert. Die Folgekosten trägt meist die Allgemeinheit. Verluste werden sozialisiert, die Arbeitsplätze müssen gerettet werden, große Firmen haben Trümpfe in der Hand. Wo aber liegen Verantwortlichkeit für Umwelt und Menschheit für eine nachhaltige Entwicklung, die vor Kindern verantwortet werden kann?

· Akademisches Proletariat.
Wenn alle studieren wollen, wo kriegen wir Facharbeiter her? Ist dies wirklich eine Schreckensvision? Bildung ist Bürgerrecht, ein Wert in sich. Es geht nicht an, mit dieser Argumentation Menschen vom Studium zurückzuhalten. Nachgedacht werden sollte aber auch: Warum muss höhere Bildung eigentlich immer mit mehr Verdienst einhergehen? Ist es nicht schon ein Privileg, wenn man das auf Kosten der Allgemeinheit lernen kann und dann arbeiten darf, was man gern macht? Ein bisschen Luther gehörte dazu und seine starken Worte, dass alle Berufe gleichen Wert, Rang und Würde haben.

Internationale Produktwerbung· Warencharakter aller Dinge.
Macht es nicht das Zusammenleben entsetzlich wenn alles unter dem Gesichtspunkt des Tauschwertes gesehen wird? Die Frage heißt dann bei allem "Was bringt's?" Mammon, Sinn? Könnte man dann nicht Arbeit ganz neu sehen und - frei nach Marx - das "Jagen und Fischen" nicht nur als Betätigungen im "Freizeitpark Deutschland", sondern als schöpferische Tätigkeit?

Arbeit neu denken

Ist der Mensch, was er arbeitet? Ist nicht das meiste "entfremdete Arbeit" noch heute? Träumte nicht Marx davon, vom Reich der Notwendigkeit zum Reich der Freiheit zu gelangen, vom Fischen und Jagen? Finden sich nicht auch im biblischen Kontext Hinweise auf Blumen und Vögel, die nicht arbeiten und doch leben? Und der berühmte Beerdigungstext "und wenn das Leben köstlich gewesen ist, dann war es Mühe und Arbeit" kann gegen den Strich gelesen werden,"was war es schon, allenfalls Arbeit". Liegt vielleicht der Fluch, von dem die Bibel im Blick auf Arbeit spricht, darin, dass er so viel vergebliches Tun umschreibt, eine gerechte Verteilung der Reichtümer und Güter der Erde trotz aller Mühe und Anstrengung nicht gelingt?

Unser Jack hat einen Doktor in Soziologie, unser Jim einen Magister - aber unser John hat Arbeit. (Peter Croft)


Ich denke, ein Paradigmenwechsel wäre notwendig. Es kommt auf das gesellschaftliche Umfeld an. wie Arbeit eingeschätzt wird und das kann ganz anders sein als wir es für "selbstverständlich" halten. Wie Arbeit bewertet wird, auch das könnte zum Projekt Weltethos (KÜNG) gehören, interkulturelles Lernen zur Klärung beitragen.
· In Asien sind wandernde Bettelmönche hoch angesehen, sie werden verehrt als Vorbilder für die letzte Stufe auf dem Weg ins Nirwana.
· Im Alten Testament ist von Sabbatjahren die Rede, von Losjahren, in denen Schulden erlassen und Besitz neu verteilt werden soll.
· In Südamerika bei den Nachfahren der Inkas sind noch heute viele Arten von Gemeinschaftsarbeiten ohne individuellen Verdienst üblich.

"Ein Mensch sagt und ist stolz darauf, er geht in seiner Arbeit auf. Doch bald geht er, nicht ganz so munter, in seiner Arbeit unter". (Eugen Roth)

· In Papua Neuguinea ist es sehr schwierig, überhaupt Lohnarbeitsmöglichkeiten zu finden und Berufsausbildungen sich auszudenken, da z. B. alle Leute Häuser bauen können, alle ihre Gärten haben, alle ihre Kinder ausbilden zu dem, was notwendig ist.
· In Afrika brachte die Subsistenzwirtschaft bestimmte Arbeiten mit sich im Haus und auf dem Feld. Manches wurde allein, vieles gemeinsam gemacht. -Spezialisierung gab es wenig u. a. Künstler, Medizinmänner, Vortänzer. Langweilig war es nicht, zu leben hatten die Leute, mal schlecht, mal recht, die Ressourcen wurden immer wieder untereinander aufgeteilt.

Ein mühsam erworbener Arbeitsplatz wird aufgegeben, um z. T. Wochen bei dem schwerkranken Vater zu Hause, bzw. im Hospital zu verbringen bzw. um die Trauerzeit gemeinsam zu begehen. (Papua Neuguinea)

· In den USA gibt es Leute, die in jüngeren Jahren aufhören mit regulärer Arbeit, weil sie genug verdient haben und davon jetzt leben. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie darunter leiden. Sie genießen den Luxus, bzw. geben z. T. beträchtliche "donations", engagieren sich in der Nachbarschaft oder in fernen Ländern in ehrenamtlichen Tätigkeiten, aus denen sie auch persönliche Befriedigung ziehen.

Arbeit ist das halbe Leben.
Arbeit schafft Befriedigung. Doch das ist nur die eine Hälfte. Wenn es wirklich nicht mehr entlohnte Arbeit für alle geben sollte, trotz bester Qualifikation keine Arbeit gefunden wird, die übliche Selektion in der Leistungsgesellschaft ad absurdum geführt wird, dann muss eine Umverteilung eingefordert werden, d. h. dass alle weniger arbeiten, was das Vernünftigste wäre, oder dass die privilegierten 20 % der Gesellschaft, die Arbeit besitzen, den Wert, den sie schaffen, teilen, um den anderen 80 % Arbeit oder einen Lebensunterhalt zu geben.

Vom Mythos der Arbeit

Ein Tourist und ein einheimischer Fischer treffen sich am Strand. Der Tourist entwirft ein Szenario mit größeren Booten, mehr Fisch, Fischfangflotten usw. "Was dann?", fragt der Fischer. Er wäre ein gemachter Mann, könnte Urlaub machen, am Strand sitzen, genießen. "Tu ich ja jetzt schon". (nach Heinrich Böll: Anekdoten zur Senkung der Arbeitsmoral)

Schülergruppe zum Thema "Arbeit und Wirtschaft auf den Philippinen"Arbeit in Zeiten der Globalisierung, das birgt Chancen und Gefahren. Globalisierung könnte eine Falle sein, weil die Wirtschaft ohne demokratische Kontrolle bleibt. Multinationale Konzerne suchen, indem sie Länder untereinander ausspielen, ein günstiges Investitionsklima ohne Sozialabgaben usw. in Billiglohnländern. Wir sollten uns nicht täuschen und nichts vormachen lassen. Was heißt das letztlich, den Gürtel enger schnallen? Wir können und wollen und sollen nicht so billig arbeiten wie in Chinas Gefängnissen. Es ist nicht nur ein Akt des Mitleids, auch nicht der Humanität allein, den Arbeitern im Süden zu helfen, bessere Arbeitsbedingungen zu bekommen, sondern es ist aus "egoistischen" Gründen, zur Sicherung unserer Arbeitsplätze, notwendig, dass die Löhne und Arbeitsbedingungen angeglichen werden. Deshalb müssen wir nicht lernen, unter so miesen Bedingungen wie die Arbeiter in Südostasien zu arbeiten, sondern umgekehrt mit allen Mitteln versuchen, die Menschen dort zu unterstützen, dass sie ihre Rechte einklagen. Schon lange war von Dritte Welt Gruppen darüber geklagt worden, dass diese gemeinsamen Interessen weder von den Gewerkschaften noch von den Menschen hier genügend erkannt worden waren. Dabei war dies selbst in Unterrichtsmodellen für die Grundschule angesprochen, mitunter allerdings auch als zu politisch weg gestrichen worden. Heute merken wir: Das provinzielle Denken schlägt zurück. Schiffsunglücke mit nicht ausgebildeten "Billigmatrosen" aus dem Süden, bei denen Erdöl die Strände des Nordens verwüsten, sind nur spektakuläre Beispiele dafür.

Lohn der Mühe
Im alten China, so wird berichtet, hatte ein Bauer ein kleines Reisfeld oberhalb einer Schlucht. Täglich stieg er mehrmals in die Schlucht hinab, um Wasser für seine Felder hinaufzutragen. Als die Amerikaner ins Land kamen und den Bauern seine mühsame Arbeit verrichten sahen, boten sie ihm an, eine Pumpe zu bauen, die ihm die ganze Last des Wassertragens ersparen würde. Der Bauer lehnte höflich ab; könnte ich nicht mehr Wasser tragen, so fehlte mir die Zeit zum Nachdenken. (Peter Bloch in Beate Both: Wenn wir anfingen mit dem Herzen zu denken)

Globales Lernen bzw. Lernen im Kontext der Einen Welt tut not, überall, nicht zuletzt auch in der Schule. Schon in den 70er Jahren, als ich das Weltspiel mit Kindern zum ersten Mal spielte, konnte jedes Kind verstehen, dass Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit weniger mit Dürre und Katastrophen als mit ungerechten Wirtschaftsbeziehungen zu tun hat. Wenn Kinder lernten, dass nicht die Ausländer an allem schuld sind, das wäre schon viel, ließe ein wenig hoffen, dass die Welt nicht bleiben muss wie sie ist und Arbeit ein lebenswerter Teil unserer Existenz ist, aber nur das halbe Leben zu sein braucht.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 2/1999 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,9 MB).

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