Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Babynahrung - ein Thema für die Schule?
Wolfgang Brünjes

 
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Informationsmappe von IBFANAls die Aktionsgruppe Babynahrung e.V. auf uns zu kam und vorschlug mit uns gemeinsam einen Unterrichtsentwurf für das brisante Thema «Muttermilchersatznahrung» zu entwickeln, waren wir zuerst ein wenig ratlos. Dass die Ernährung mit künstlicher Babynahrung ein heikles Kapitel ist, war uns klar. Die Bezüge zum Themenbereich «Eine Welt» waren für uns ebenso erkennbar. Schwierigkeiten bereiteten uns vor allem zwei Aspekt:

- die Auswahl der Schulstufe(n) und
- die inhaltliche und methodische Herangehensweise.

Ein Thema für die Sekundarstufe 1
Nach langem hin und her kamen wir zu dem Ergebnis, dass diese Thematik in den höheren Klassen der Sekundarstufe 1 erprobt werden sollte. Wir sind der Ansicht, dass Grundschüler sowie Schülerinnen und Schüler der unteren Jahrgangsstufen der Sekundarstufe 1 bei einer unterrichtlichen Behandlung dieses Themas sehr leicht emotional überfordert werden können.
Das Thema «Künstliche Babynahrung» muss, wenn es glaubhaft vermittelt werden soll, die gegenwärtige Situation in den sogenannten Entwicklungsländern aufgreifen. Realität ist, dass dort sehr viele Babys und Kleinkinder an den Folgen, die der Einsatz von Muttermilchersatzprodukten nach sich ziehen kann, sterben. Wie soll man diesen Umstand jüngeren Schülerinnen und Schülern vermitteln, ohne sie mit der Lösung allein zu lassen? Während uns für ältere Schülerinnen und Schüler noch Lösungsmöglichkeiten - auch wenn sie «realutopisch» sind - einfielen (z. B. Einsatz eines Rollenspiels), fehlen uns diese bisher bei den jüngeren. Dieser Umstand gab den Ausschlag, dass wir diese Thematik in den höheren Jahrgangsstufen angesiedelt haben.
Hinzu kam bei der Auswahl der Schulstufe das Schülerinteresse. Ausgehend davon, dass die Sexualität für die Jugendlichen einen immer höheren Stellenwert bekommt und zum Beispiel der Wunsch oder die Ablehnung Kinder zu bekommen häufiger diskutiert wird, sprechen wir mit der unterrichtlichen Umsetzung in dieser Altersgruppe «junge Erwachsene» an.

Zusammenhänge müssen dargestellt werden
Bei der Planung des Unterrichtsbeispiels kamen wir schnell zu der Zielsetzung, dass wir die künstliche Babynahrung nicht «verteufeln» wollen. Aussagen wie «Muttermilchersatznahrung ist schlecht» sollten nicht am Ende des Unterrichtsvorhabens stehen. Zum einen gibt es (z.B. medizinische) Gründe, die den Einsatz von Muttermilchersatznahrung erforderlich machen, zum anderen muss man die gesellschaftliche Realität berücksichtigen, d.h. in den Familien der Schülerinnen und Schüler werden die Babys zum Teil damit ernährt bzw. sie selbst haben Muttermilchersatznahrung als Babys bekommen. Eine generelle Missbilligung dieser Nahrung würde die Schülerinnen und Schüler dementsprechend zu stark verunsichern.
Uns ging es bei der Planung des Unterrichtsvorschlags vielmehr darum den Jugendlichen Zusammenhänge zwischen künstlicher Babynahrung, den Vermarktungsstrategien der Babynahrungsindustrie und hohen Sterbeziffern von Babys, die in «Dritte»-Welt-Ländern mit Muttermilchersatznahrung «ernährt» werden, zu verdeutlichen. Unser Grundsatz lautet dabei: Der Einsatz von Muttermilchersatznahrung muss immer situationsbezogen gesehen werden. Das, was in der Bundesrepublik Deutschland vertretbar ist, kann anderswo - z. B. wegen der hygienischen Umstände - fatalste Folgen haben.

Ein Unterrichtsvorschlag
Auf unseren Lehrerfortbildungstagungen entwickelten wir zum Themenkreis «Künstliche Babynahrung» einen Unterrichtsvorschlag, den ich hier kurz vorstellen möchte.
Wir entschieden uns dafür die Thematik nicht auf ein «Dritte»-Welt-Land einzugrenzen. Schülerinnen und Schüler besitzen zu diesem Problemfeld ihre Erfahrungen. Diese sollten dann auch mit in den Unterricht eingebracht werden, zumal sie den obengenannten Grundsatz erst greifbar machen. Daher sollte die Thematik die Situation sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in einem sogenannten Entwicklungsland widerspiegeln.
Anfänglich wollten wir die Philippinen in den Mittelpunkt stellen. Zentraler inhaltlicher Schwerpunkt sollte dann die künstliche Babynahrung sein. Von diesem Ansatz sind wir jedoch schnell abgekommen, weil wir befürchteten, dass die Jugendlichen dieses Land anschließend allein mit der Schlagzeile «Viele tote Babys auf den Philippinen» verbinden würden. Deshalb halten wir es für unumgänglich, dass dem Thema ein Vorspann, der die Situation bei uns ebenfalls anspricht, vorangestellt wird.
Nach diesem «allgemeinen» Vorspann kann dann konkret auf die Situation in einem sogenannten Entwicklungsland eingegangen werden. Wir wählten in diesem Fall die Philippinen, weil die Materiallage zu dem Problemfeld «Babynahrung auf den Philippinen» recht gut ist. Eine Reduzierung des Blickwinkels allein auf die Armuts- und Elendsproblematik muss hierbei tunlichst vermieden werden. Die soziale Realität sollte zwar abgebildet werden, Hinweise darauf, dass das Land mehr ausmacht als die Babynahrungsproblematik sind aber unbedingt erforderlich, will man der Manifestation der oben angesprochenen Schlagzeile nicht Vorschub leisten.
In der Folge sollte dann auf die Vermarktungspraktiken der Babynahrungsmittelindustrie, wenn möglich bezugnehmend auf das ausgewählte Land, eingegangen werden. Dieser Unterrichtsteil ist natürlich besonders wichtig, gelten die Vermarktungspraktiken doch als Hauptursache für die gegenwärtige Situation. Hieraus leitet sich anschließend die Frage nach den Lösungsmöglichkeiten (z. B. Internationaler Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten) ab. Je nach Interessenlage und Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler können hier auch eigene Aktionen geplant und umgesetzt werden.

Ergebnisse
Die an der Planung beteiligten Lehrerinnen und Lehrer waren bis zuletzt unschlüssig darüber, ob sie mit dem Thema «Künstliche Babynahrung» die Jugendlichen überhaupt erreichen. Es wurde mit einkalkuliert, dass dieses Thema von den Schülerinnen und Schülern abgelehnt werden könnte und dass es eventuell nicht zum geplanten Unterrichtsvorhaben kommen würde. Um so überraschter waren alle Beteiligten, dass die Jugendlichen dieses Thema sehr schnell zu «ihrem» Thema machten. Wir geben gerne zu, dass das Thema «Künstliche Babynahrung» auf den ersten Blick kein «Knüller» ist. Unterrichtsbeispiele mit den Überschriften «Gewürze», «Fußball» usw. haben es da leichter. Die Bereitschaft und die Ernsthaftigkeit mit denen sich die Jugendlichen während der Erprobungen diesem Thema widmeten, lassen uns aber zu dem Schluss kommen, dass das Schülerinteresse und -engagement für dieses Thema sehr groß ist.

Dokumentiert wird die Bereitschaft sich auf dieses Thema einzulassen in einem Erprobungsbericht. Der Artikel berichtet von den Erfahrungen mit einer 9. Hauptschulklasse. Bei der Umsetzung orientierte sich die Lehrerin sehr stark an dem von uns ausgearbeiteten Unterrichtsvorschlag. Die Umsetzung des Unterrichtsvorhabens zum Thema «Künstliche Babynahrung» war nach Aussage der Lehrerin ein voller Erfolg.

Entwurf eines Unterrichtsvorhabens zum Thema "Babynahrung"

Hinführung zum Thema

Fotos mit unterschiedlichen Aussagen ( Das Beste fürs Baby/Das erste Gift/Es sterben jährlich ... ) werden den S. gezeigt.

Die S. suchen Gründe für die Plakataussagen (erste Sammlungsphase evtl. schriftlich) und kommen zu dem Schluss: Das Problem ist vor allem in der "Dritten" Welt existenziell.

Material

3 Poster

Bearbeitung eines Quiz

Die S. bekommen ein Quiz. Sie erarbeiten sich erste Informationen zum Thema. 
Die Antworten werden mit Hilfe von Texten und Bildern, die z.T. gemeinsam gelesen werden, herausgearbeitet. 
Besonderes Gewicht bekommen die folgenden drei Aspekte: 
- Flaschenkindkrankheit 
- Gründe für den Tod 
- Warum stillen viele Mütter nicht?

 

Quiz
Poster "Flaschenkindkrankheit" 
Texte "Gründe für den Tod" 
Zeitungsfotos "Warum stillen viele Mütter nicht?" 

Präsentation u. Auswertung eines Videofilms

Der Videofilm ,,Stillen für Schülerinnen und Schüler" (Lauf länge ca. 16 min.) wird gemeinsam angeschaut. 
Die S. beschäftigen sich mit einzelnen Aspekten, die im Film angesprochen werden und fertigen dazu in Gruppenarbeit eine Wandzeitung an. 
a) historische Entwicklung (das Problemfeld "Babynahrung" bei uns) 
b) Vorteile des Stillens (die gesundheitlichen, ökonomischen und ökologischen Vorteile des Stillens) 
c) die Situation in der "Dritten" Welt

 

Videofilm 
a) Grafiken 
Text 
b) 4 Kopien "Stillen macht Spaß" 
Text 
c) Foto "Slum" 
Text 

Zubereitung von künstlicher Babynahrung

Die S. bereiten künstliche Babynahrung unter Bedingungen zu, wie sie in der "Dritten Welt" meist vorherrschen. 
Auf dem Schulhof wird eine Feuerstelle errichtet. Darauf soll nun die Babynahrung mit (Oberflächen-) Wasser zubereitet werden. Die Beschriftung der Milchpulverdose ist in einer fremden Sprache abgefasst. 
Die S. diskutieren, wie man unter diesen Bedingungen die Nahrung hygienisch zubereiten kann.

 

Milchpulverdose bzw. entsprechende Dosenbeschriftung 
Milchpulver 
Babyflasche 
Messlöffel 
Topf, Brennholz, Eimer, Steine... 

Hinführung zur Situation auf den Philippinen

Nach einer geographischen Einordnung (Klima, Größe, Einwohnerzahl usw.) beschäftigen sich die S. mit der gegenwärtigen sozialen Situation auf den Philippinen. 
Es wird dabei darauf geachtet, dass nicht das Bild eines "verelendeten" Landes entsteht. Trotzdem soll das Problemfeld "künstliche Babynahrung auf den Philippinen" thematisiert werden. Besonders beachtet wird dabei das Problemgebiet Stadt/Slum.

 

Wirtschaftsdaten
Gesundheitsdaten 
Klima v. Manila 
Text "Evelyne's Vermächtnis" 
Heft "Philippinen" 
Fotos 
Plakate von terre d. hommes 
Text "Babynahrung auf den Philippinen" 
Heft "Babys sind wichtiger als Profit"

Darstellung der Vermarktungsstrategien

Anhand einer Zeichnung werden die S. auf das Problemfeld "Säuglingssterblichkeit durch künstliche Babynahrung" hingewiesen. Ein Text und eine Grafik weisen auf die Vermarktungs- strategien der Babynahrunghersteller hin. 
Ein Schema, das die aggressive Vermarktung darstellt, wird in Einzelteile zerlegt eingegeben und soll von den S. zusammengefügt werden. Es kann dann gemeinsam am OH-Projektor besprochen werden. 
Die Thematik soll soweit möglich am Beispiel Philippinen dargestellt werden.

 

Zeichnung 
Text 
Grafik 
zerlegtes, Schema 

Die Werbung der Babynahrunghersteller

Einzelne Aspekte der Werbung der Babynahrungshersteller werden anhand von Werbegeschenken, Anzeigen und Fotos dargestellt.

 

Liste mit Produkten etc. 
Werbegeschenke, Fotos ... 

Der Internationale Kodex

Durch die Kernfrage "Wie kann die aggressive Vermarktung gestoppt werden?" diskutieren die S. Lösungsmöglichkeiten (u.a. Brief an Unternehmen/ Boykott/Kritische Aktionäre). 
Der Internationale Kodex wird als eine Lösungs- möglichkeit vorgestellt. Die S. überprüfen die Einhaltung des Kodex bei uns, indem sie eine Kontrolle in Supermärkten u.ä. durchführen

 

Text "Internationaler Kodex" 
Fragebogen 
Kodexverstöße 

Diskussion von Lösungsmöglichkeiten

Die S. diskutieren Lösungsmöglichkeiten in Form eines Rollenspiels. 

 

Rollenkarten 

Präsentation der Schülerarbeiten

Die Arbeiten der S. können sowohl in der Schule als auch in anderen Einrichtungen (Stillgruppen, Gesundheitsamt, Krankenkassen, Weltläden ...) präsentiert werden.
 

Ein Materialordner mit Unterrichtsmaterialien zu diesem Vorschlag sowie Literatur zum Thema kann beim Projekt "Eine Welt in der Schule" ausgeliehen werden.
Weitere Informationen sind außerdem bei der Aktionsgruppe Babynahrung e.V., Untere Maschstr. 21, 37073 Göttingen, Tel.: 0551/5310-34 (Fax: -35), E-Mail: info@babynahrung.org erhältlich.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 1/1998 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,5 MB).


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