Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Das Geschäft mit der Flasche
Säuglingsernährung auf den Philippinen und die Praktiken von Babymilchfirmen
Andreas W. Adelberger

 
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ARUGAAN - dieses Wort aus einer der vielen philippinischen Sprachen (Tagalog) bedeutet soviel wie «voll und ganz ernähren» und gleichzeitig auch «ganz da sein für jemanden». Es hat eine tiefe und umfassende Bedeutung unter Philippinern.
ARUGAAN ist aber auch der Name einer philippinischen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, berufstätige Frauen zu unterstützen hinsichtlich der Ernährung ihrer Säuglinge durch Stillen, sowie mit Beratung zu Fragen der Kindererziehung und der Gesundheit. Die Mitglieder von ARUGAAN ermuntern zur Selbstorganisation der Mütter, um mütterfreundliche Initiativen -vor allem am Arbeitsplatz - zu etablieren.

Muttermilchersatzprodukte
Weltweit - so schätzt UNICEF - sterben jährlich mindestens 1,5 Millionen Säuglinge weil sie nicht gestillt wurden. Die Verwendung künstlicher Babynahrung hat hierbei einen wesentlichen Anteil daran. Gleichzeitig werden die Unternehmensgewinne in den Industriestaaten immer stärker durch Auslandsgeschäfte erzielt, durch Exporterlöse zum Beispiel. Dies trifft auch für die Sparte Babynahrung (oder genauer: Muttermilchersatzprodukte) zu. Diese Kunstprodukte werden durch die Hersteller und ein oft kommerziell abhängiges Gesundheitssystem als angebliche Alternativen zur Muttermilch dargestellt und mit riesigem Werbeaufwand unter die Mütter gebracht.
Muttermilchersatzprodukte umfassen heute eine von Eltern kaum zu überblickende Palette von Pulvern, Breien, hypoallergenen Nahrungen, Durchfalldiäten, Anfangsnahrungen, Folgenahrungen ... Diese Produkte, für die in Deutschland, wie auch in sogenannten Entwicklungsländern durch die Herstellerfirmen aggressiv geworben wird, führen jedoch unter bestimmten Bedingungen zu schwerwiegenden Krankheiten wie Diarrhö, also Durchfallerkrankungen, die häufig den Tod zur Folge haben.
Der Durchfall der Säuglinge geht dabei einher mit Fieber, trockener und welker Haut, verminderter Nahrungsaufnahme und Pulsbeschleunigung und führt, wenn er nicht oder ungenügend behandelt wird, zu einer schwerwiegenden Infektion mit krankhafter Schläfrigkeit. Schließlich endet dies mit Koma und einem qualvollen Tod.

Eine Mutteram Bett ihres  todkranken Kindes Laut UNICEF befinden sich die Philippinen bezüglich der Höhe der Kindersterblichkeit international unter den ersten zehn Ländern. Die Hälfte der Todesfälle wird durch Durchfallerkrankungen verursacht, eigentlich eine vermeidbare Krankheit. Dieser flaschengefütterte Säugling weist alle typischen Symptome auf: Abmagerung infolge der verminderten Nahrungsaufnahme, Fieber und Apathie.

 

Die Gründe sind vielschichtig und komplex
Da wären zum einen die klimatischen und hygienischen Rahmenbedingungen vieler Länder zu nennen. Wasser, ein knappes, kostbares Gut ist im Gegensatz zu Muttermilch längst nicht überall hygienisch einwandfrei. Mehr als zwei Milliarden Menschen leben schon heute ohne Zugang zu sauberem Trink- und Sanitärwasser.
Trink- und Brauchwasserkreisläufe sind oft - dies ist für die Philippinen nicht anders - überhaupt nicht getrennt. Es kommt zur Verschmutzung des Trinkwassers, hauptsächlich mit Kolibakterien. Zugang zu sauberem Wasser haben auf den Philippinen nicht einmal die Hälfte aller Haushalte (45 %). Die Möglichkeit zur Benutzung sanitärer Toiletten haben nur 42 %. Wird Milchpulver oder andere Ersatzprodukte mit verschmutztem Wasser zubereitet, sind Durchfallerkrankungen vorprogrammiert.
In Ländern der Tropen und Subtropen ist zudem der Infektionsdruck hoch, die hohen Temperaturen bilden einen idealen Nährboden für Krankheitserreger.

Die Einzigartigkeit der Muttermilch
Die Inhaltsstoffe der Muttermilch sind einzigartig und stellen eine unübertroffene «Erfindung» von Mutter Natur dar: Nur die Muttermilch ist den Bedürfnissen des Säuglings optimal angepasst. Sie ist immer richtig temperiert, jederzeit verfügbar und sämtliche Nährstoffe sind ideal auf den Säuglingsorganismus abgestimmt. Muttermilch enthält eine hervorragende Kombination aus weißen Blutzellen sowie eine immense Zahl von molekularen Komponenten (Antikörper, Fettsäuren, Hormone u. a.). Manchmal wird Muttermilch als das «weiße Blut» bezeichnet. Das Heer der Immunzellen verfügt über eine Vielzahl von Schutzfaktoren und ständig finden Wissenschaftler weitere beeindruckende Inhaltsstoffe, die den Säugling schützen. Die Schutzwirkung beruht z. B. auf der Herstellung von spezifischen Antikörpern, der Stimulation von Abwehrmechanismen, dem Abfangen von Mikroben, sowie der Schädigung von Virenhüllen, der Eisenbindung, der Auflösung von bakteriellen Zellwänden und vieles, vieles mehr.
Alle die genannten positiven Eigenschaften der Muttermilch fehlen den Kunstprodukten und machen flaschenernährte Säuglinge damit wesentlich anfälliger für Krankheiten. Studien in Europa weisen in jüngster Zeit nach, dass gerade der «Cocktail» der vielen verschiedenen Inhaltsstoffe eine hohe allergene Belastung darstellt. Die (energie-)aufwendige, ressourcenverbrauchende Herstellung von Muttermilchersatzprodukten birgt - entgegen aller Sicherheitsbehauptungen der Hersteller - außerdem immer wieder das Risiko, dass sich in der Produktionskette Fremd- bzw. Schadstoffe (z. B. giftige Spritzmittel der konventionellen Landwirtschaft, Dioxine, Schwermetalle) einschleichen und anreichern.

Dosenmilch als SäuglingsnahrungOft bleibt kein anderer Ausweg: ungeeignete Dosenmilch für die Flasche

 

Babynahrungsprodukte sind teuer
Der globale Analphabetismus betrug laut UNESCO schon 1984 mehr als 1,1 Milliarden Menschen. Vor allem Frauen waren betroffen.
Auf den Philippinen betrug 1995 die Zahl der Analphabeten mehr als 3,3 Millionen Menschen. 9 Hauptsprachen sind dort offiziell registriert. Insgesamt geht man sogar von 988 verschiedenen Sprachen aus. Hersteller von Säuglingsnahrung nehmen auf die Vielzahl von Sprachen oder Analphabeten bei der Etikettierung ihrer Produkte jedoch gar nicht oder kaum Rücksicht. Durch die Verwendung von Bildern satter und runder Säuglinge auf den Etiketten werden Muttermilchersatzprodukte außerdem idealisiert. Die Käuferinnen werden angelockt. Säuglingsnahrung muss aber genauestens nach Anleitung auf der Verpackung zubereitet werden - wofür die Fähigkeit zum Lesen unabdingbar ist. Hier liegt eine wesentliche Ursache für die falsche Zubereitung von Säuglingsnahrung.

Die richtige Sterilisierung der Flaschen und Sauger und das Erfordernis, das Milchpulver sehr genau zu dosieren, stellt hier ein Problem dar. Auch eine zu dünne oder zu dicke Zubereitung löst beim empfindlichen Säuglingsorganismus schnell Durchfall aus. Zusätzlich kommt es mangels Geld zu dem Phänomen der «Streckung» des Milchpulvers oder gar der Verwendung von billigeren - völlig ungeeigneten - Produkten wie z. B. Kondensmilch und Kaffeeweißer.
Hat eine Mutter erst einmal damit begonnen künstliche Babynahrung zu füttern - z. B. weil man ihr Gratisproben geschenkt hat - ist sie dazu verdammt, in Zukunft einen Großteil ihres kargen Familieneinkommens, auf den Philippinen ist dies teilweise mehr als ein Drittel, dafür auszugeben. Denn, wird ein Säugling nicht gestillt, versiegt die Milchproduktion in der mütterlichen Brust.
Außerdem kommt es zu einem weiteren Problem. Wer hat schon überhaupt die Möglichkeit zum Kochen auf einem Herd? In «armen» Regionen die Wenigsten. Brennholz muss oft von weit her herbeigeschafft werden um das häusliche Feuer am Brennen zu halten und um damit das Wasser für die Flaschen und Sauger lange genug zu kochen. Ein hoher Aufwand, der oft nicht konsequent genug betrieben werden kann. Bei der weiteren Zubereitung entstehen auch nach dem Kochen zusätzliche Risiken einer Verschmutzung der Sauger mit Kolibakterien.

Die Flaschen werden häufig nur unzureichend gereinigtEine alte, schmutzige Schüssel und nicht sterilisierte Flaschen: Das sind oftmals die Bedingungen, unter denen Säuglingsnahrung zubereitet wird

 


 

Prestigeobjekt Flasche
Seitdem es Milchpulver und andere Muttermilchersatzprodukte gibt, werden dafür immense Werbeanstrengungen unternommen. Im Rahmen ihrer weltweiten Vermarktungsanstrengungen versuchen die Hersteller, Müttern bzw. Eltern ein bestimmtes Bild der Säuglingsernährung (und der Säuglingspflege) zu vermitteln. Verkürzt lautet dies: Die modernen Eltern von heute geben ihrem Säugling die Flasche, überlassen die Beurteilung und Pflege ihres Kindes möglichst den «Experten».
Seitdem in den industrialisierten Ländern ab den sechziger Jahren die Geburtenzahlen zurückgehen (und sich außerdem eine gesunde Skepsis gegenüber den Werbebehauptungen der Babynahrungshersteller und der zunehmenden Medikalisierung im Geburtsbereich entwickelt hat), werden die Geschäfte vor allem in anderen Kontinenten gemacht. Zum Vergleich: Obwohl die Philippinen mit 61 Millionen Einwohnern rund 20 Millionen weniger Bewohner haben als Deutschland, ist die Zahl der jährlichen Geburten dort mit rund 2 Millionen Babys fast dreimal so hoch (Deutschland 1996: 790.000) - ein idealer Absatzmarkt! Für die aufstrebenden Mittelschichten Asiens - auch der der Philippinen - erscheint die Flaschenernährung durch die überall vorhandene, über Jahrzehnte betriebene aggressive Werbung oft zwangsläufig als ein selbstverständliches Symbol des Erfolges - mit zum Teil tödlichen Folgen.

Subtile Werbepraktiken
Auf dem Weg zu immer höherem Absatz ihrer Produkte durchforsten die Marketingstrategen der Babynahrungshersteller sämtliche Bereiche der Gesellschaft, in denen sie Werbung für ihre Produkte machen können. Dazu gehören sowohl scheinbar naheliegende Methoden wie eingängige Spots und Slogans in den Massenmedien, immer stärker jedoch treten schwierig zu durchschauende Taktiken in den Vordergrund. Das Internationale Aktionsnetzwerk Säuglingsnahrung IBFAN (International Baby Food Action Network), dem in Deutschland die Aktionsgruppe Babynahrung e. V. (AGB) angehört, dokumentiert diese Praktiken seit Jahrzehnten. Folgende Zielgruppen haben die Hersteller bei ihren Werbefeldzügen besonders im Auge:
- Krankenhäuser und Entbindungsstationen (Werbemaßnahmen: Kostenlose Wandposter, Kalender, Brutkästen, Flaschenwärmer, Babywaagen, ganze Kreißsaaleinrichtungen, ...)
- Gesundheitspersonal (Fortbildungen und Kongresse, Einkaufen von «Experten» für eigene Zwecke, Verschenken von Milchpulver an das Personal «für eigene Zwecke», ...)
- Mütter (kostenlose Mütterberatungstelefone Geschenksets, Gratisproben von Milchpulver, Kassetten, Taschen, Spielzeug für die Kinder, ...)
- allgemeine Öffentlichkeit (Hier gilt: Grundsätzlich ist alles erlaubt, was ein positives Bild der Firma vermittelt. Finanziert werden durchaus auch sinnvolle Projekte und Initiativen, die vordergründig nichts mit den Produkten der Firma zu tun haben.)

Ein Vermarktungskodex wird geboren
Noch zu Beginn der achtziger Jahre lagen die Zuwächse bei den Umsätzen in den Entwicklungsländern für die Babynahrungsfirmen zwischen 15 und 20 Prozent. Die aggressiven Vermarktungspraktiken hatten ein übriges dazu getan, den Absatz zu steigern. Gleichzeitig begann die Weltöffentlichkeit aufzuwachen, der Begriff der «kommerziogenen Mangelernährung» machte die Runde. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verabschiedete bei der Weltgesundheitsversammlung (WHA) 1981 auf Drängen von UNICEF, IBFAN und vieler anderer Organisationen und Einzelpersonen einen Internationalen Kodex, der die Vermarktung für Muttermilchersatzprodukte weltweit regeln soll.
Weitere Resolutionen der WHA zu diesem Thema sind seitdem gefolgt, nur: Sowohl der «Internationale Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten», als auch die Resolutionen der WHA werden durch die Babymilchfirmen keineswegs eingehalten. Seit Verabschiedung des Kodex findet daher eine scharfe Auseinandersetzung zwischen den Herstellern und den Organisationen statt, die sich für die Säuglingsgesundheit einsetzen.
Verboten ist nach dem Internationalen Kodex z. B. jede Werbung, die sich direkt an die Verbraucherinnen (oder deren Familienangehörige) wendet, also keine Gratisartikel, keine Kontakte zwischen Firmenpersonal und schwangeren oder stillenden Frauen. Verkaufsanreize oder Provisionen für Firmenpersonal sind genausowenig erlaubt wie idealisierende Kinderbilder.

Massenhaft Verstöße
IBFAN veröffentlicht seit Jahrzehnten mit seinen «Breaking the Rules» Verstöße gegen den Internationalen Kodex und nachfolgende Resolutionen. Die Nichteinhaltung des Kodex hat unter anderem zu einem Verbraucherboykott gegenüber dem weltweit größten Anbieter von Säuglingsnahrung geführt, der mittlerweile von Gruppen in 18 Staaten getragen wird.
1997 bestätigt eine repräsentative Studie, die im Auftrag der Kirche von England gestartet wurde, ausdrücklich die Recherchen von IBFAN. Die Studie, die in Bangladesch, Polen, Thailand und Südafrika durchgeführt wurde, weist nach, dass in allen (!) untersuchten Ländern Firmenpersonal unaufgefordert Gesundheitseinrichtungen besucht hat mit der Absicht Mütter zu kontaktieren. Schriftliche und visuelle Informationen sowie kostenlose Proben wurden an Frauen verteilt. Proben sowie kostenlose und verbilligte Lieferungen erhielten auch Gesundheitseinrichtungen.
Erschreckend ist vor allem die Schlussfolgerung der Studie: «Die Ergebnisse zeigen, dass viele Firmen Aktivitäten entfalten, die gegen den Kodex verstoßen, und das eher systematisch als nur in gelegentlichen Fällen».

Was der Kodex sagt - die wichtigsten Vorschriften des Internationalen Kodex

  1. Keine Werbung für Muttermilchersatzprodukte
  2. Keine kostenlosen Proben an Mütter und Lieferungen an Krankenhäuser
  3. Keine Werbung für Produkte über das Gesundheitssystem
  4. Kein Kontakt zwischen Firmenpersonal und Müttern
  5. Keine Geschenke oder persönliche Proben an Gesundheitspersonal
  6. Keine Idealisierung der künstlichen Säuglingsernährung in Wort und Bild inklusive Bilder von Säuglingen auf den Etiketten der Produkte
  7. Informationen an Gesundheitspersonal sollten nur wissenschaftlich und sachlich sein
  8. Jede Information über die künstliche Säuglingsernährung einschließlich der Etiketten sollte folgendes enthalten: Informationen über die Vorzüge des Stillens sowie der Kosten und Risiken der künstlichen Säuglingsernährung
  9. Ungeeignete Produkte sollten nicht für Babys beworben werden

Aufgaben für die Zukunft
Die Verantwortung der Babynahrungshersteller aus den Industriestaaten ist augenfällig. Sie lehnen jedoch häufig jede Verantwortung ab. Für die Rahmenbedingungen ihrer Vermarktungspolitik - beispielsweise für den Export - zeichnet auch der jeweilige Gesetzgeber eines Landes verantwortlich. Verbraucher können ihren Einfluss hierbei geltend machen, vor allem: Öffentlichkeit herstellen für dieses für viele unbekannte Problem. Der weltweite Druck hat mittlerweile - wenn auch kleine - Erfolge zu verbuchen. Insgesamt gibt es z. B. bei der Etikettierung Fortschritte, Warnhinweise bezüglich der Verwendung des Produkts sind obligatorisch.
Ansatzpunkte für die Mitarbeit - Schutz und Förderung des Stillens - gibt es weltweit genug. Einer davon ist die Schaffung einer stillfreundlichen Gesetzgebung und die konsequente Inpflichtnahme der Hersteller. Die Schülerinnen und Schüler als mögliche zukünftige Eltern zu kritischem Verbraucherverhalten zu bewegen wäre ein weiteres Ziel. Ein distanziertes Verhältnis schon bei Schulkindern gegenüber den Versprechungen der Werbung, das wäre da schon ein kleiner, aber sicherlich wichtiger Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt letztlich sogar für mehr Säuglingsgesundheit weltweit.

Literatur
AKTIONSGRUPPE BABYNAHRUNG u. a. (Hrsg.): Cracking the Code, Überwachung des Internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatznahrung (deutsche Fassung), Göttingen 1997
AKTIONSGRUPPE BABYNAHRUNG (Hrsg.): Stillen. Schutz, Förderung und Unterstützung, die besondere Rolle des Gesundheitspersonals. Eine gemeinsame Erklärung von WHO und UNICEF, Göttingen 1990
BARRINGTON-WARD, SIMON: Putting babies before business. In: UNICEF, Progress of Nations, New York 1997 Fischer Taschenbuch Verlag: Der Fischer Weltalmanach 1998, Frankfurt am Main 1997
INTERNATIONAL CODE DOCUMENTATION CENTRE (Hrsg.), The Code Handbook. A Guide to Implementing the International Code of Marketing of Breastmilk Substitutes, 1997
LAUNER, EKKEHARD (Hrsg.): Nestle', Milupa... Babynahrung in der Dritten Welt, Göttingen 1991
WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT GLOBALE UMWELTVERÄNDERUNGEN: Jahresbericht 1997, Bonn 1997

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 1/1998 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,5 MB).


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