Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Kinder- und Jugendliteratur über die "Eine Welt"
Andrea Pahl

Seit Bestehen des Projektes "Eine Welt in der Schule" spielen Kinder- und Jugendbücher über Menschen in anderen, oft fernen Ländern eine wesentliche Rolle für die Arbeit an den Praxisvorschlägen des Projektes. Zahlreichen Unterrichtsbeispielen liegt zentral ein Bilderbuch oder ein Roman zugrunde. Das Lesen dieser Bücher öffnet einen Weg in fremde Welten und lässt auf einfache Art und für jede Altersstufe erfahrbar den Alltag anderer Menschen und Kulturen auf dieser Erde lebendig werden. Dabei ist es zunächst weniger relevant, von wem, wo und wann dieses Buch geschrieben worden ist. Im Vordergrund steht die Faszination von Bild und/oder Text. Finden die Kinder und Jugendlichen dazu einen Zugang, sind die Geschichten nachvollziehbar und spannend, die Bilder attraktiv und interessant, dann ist der Weg geöffnet, um Näheres über diese Menschen, ihre Kultur, ihren Alltag, ihre Wünsche, ihre Sorgen usw. zu erfahren - die Brücke ist geschlagen und kann sozusagen ausgebaut werden.
Die unübersehbare Vielfalt der auf dem Buchmarkt erhältlichen Bilderbücher und Romane über das Leben in anderen Kulturen wirft jedoch auch zahlreiche Fragen auf. Wie können Lehrerinnen und Lehrer erkennen, welche Qualität hinter den einzelnen Werken steckt? Wer hat was mit welchem Hintergrund und mit welcher Motivation geschrieben? Gibt es Kriterien für ein "gutes" Kinder- und Jugendbuch? Wenn ja, wer entwickelt diese Kriterien? Und schließlich, wie transportiere ich meine Unterrichtsziele mit Hilfe eines Buches? Wie viel Fiktion, wie viel Wirklichkeit kann und will ich den Schülerinnen und Schülern vermitteln?
Zunehmend steht auch die Frage im Raum, wie viel Lesestoff ist den Kindern und Jugendlichen überhaupt noch zuzumuten? Ist das Medium Buch noch aktuell oder ist nur noch faszinierend, was zappelt und kracht?
Dies alles sind Fragen, die uns auch in unserer täglichen Arbeit im Projekt "Eine Welt in der Schule" beschäftigen und die ich im Folgenden näher beleuchten möchte.

Faszination "Buch" - das Leseverhalten der Deutschen
"Ist der Einsatz einer Klassenlektüre noch aktuell?", fragt manche Lehrerin, mancher Lehrer verunsichert. Sind die Kinder und Jugendlichen noch in der Lage Ganzschriften zu lesen und inhaltlich zu verstehen? Interessiert sie so etwas überhaupt oder muss es die CD-Rom oder das Video sein?
Spätestens seit der PISA-Untersuchung zur Lesekompetenz, die zum Teil bedenkliche Schwächen bei unseren Jugendlichen vor allem im Verständnis der gelesenen Texte zu Tage brachte, verstärken sich solche Fragen. Lesekompetenz wird in der PISA-Studie als aktives Auseinandersetzen mit Texten aufgefasst. Damit ist gemeint, dass die Leserin, der Leser aufbauend auf den elementaren Lesefähigkeiten den Text mit seinem Vor-, Welt- und Sprachwissen verbindet und daraus die Bedeutung des Textes erschließt. Zusätzlich fließen beim Lesen auch konkrete Erwartungen und Vorstellungen in den Text mit ein. Lesen ist also ein höchst komplexer Vorgang, bei dem Wissen, Verständnis und Kreativität gleichermaßen gefordert sind. Je länger ein Text ist, umso mehr sind diese Fähigkeiten gefragt, um dem Inhalt folgen zu können bzw. die Faszination und die Spannung beim Lesen zu erhalten. Um diese umfangreichen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen zu entwickeln ist eine hohe Motivation zum Lesen notwendig, die nur erreicht werden kann durch spannende und attraktive Texte und, wie leider häufig beim Lernen, Übung, Übung, Übung ... - also regelmäßige Arbeit mit Literatur.
Das hört sich anstrengend an und klingt mehr nach Frustration als nach Faszination.
Trotzdem ist das Buch noch nicht dem Untergang geweiht, wenn sich auch die Lesegewohnheiten und die Lesestrategien der Deutschen dem Informationsangebot der Medien immer mehr anpassen.
In einer Studie der "Stiftung Lesen" aus dem Jahr 2000 wurde das Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend untersucht. 2530 Personen ab 14 Jahren wurden für die Studie der Stiftung Lesen über ihr Leseverhalten befragt. Darüber hinaus wurden 120 ausführliche Leserbefragungen analysiert, um genauere Charakteristika beim Leseverhalten zu erstellen. Im Folgenden nun eine Auswahl der in unserem Zusammenhang interessanten Ergebnisse:

- Nur noch 6 % der Deutschen lesen täglich in einem Buch. In einer ähnlichen Studie von 1992 waren es noch 16 %. Es wird angenommen, dass das Lesen eines Buches nicht mehr so selbstverständlich zum Tagesablauf gehört wie früher. Gelesen wird, wenn man Zeit hat und sich entspannt fühlt.
- Angefangene Texte werden nicht unbedingt gründlich durchgelesen. Fast jeder dritte Jugendliche bis 19 Jahren gibt an: "Ich überfliege manchmal die Seiten und lese nur das Interessanteste." 1992 sagte das noch knapp jeder Zehnte. Allerdings gilt das in abgeschwächter Form auch in allen anderen Altersgruppen. Sogar unter den Lesern über 60 Jahren geben 16 % an, gelegentlich die Seiten zu überfliegen.
- Verstärkt hat sich das Gefühl der Informationsflut. 74 % der Befragten gaben an, dass es unmöglich sei, bei den vielen Neuerscheinungen an Büchern den Überblick zu behalten. 1992 hatten erst 63 % diesen Eindruck. Information über den Büchermarkt ist also gefragt und dringend notwendig.
- Insgesamt gibt es einen hohen Bedarf an Leseförderungsinitiativen - möglichst von der frühen Kindheit an. Zwar geben rund 28 % der Befragten an, Vielleser zu sein, 45 % zählen sich allerdings zu den Kaum- und Weniglesern. 38 % der Befragten gaben an, höchstens fünf Bücher im Jahr zu lesen.
- Der positive Einfluss der Familie auf die Leseerziehung der Kinder geht zunehmend zurück. Der Studie zufolge sagt nur jeder vierte Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren: "Bei uns zu Hause achtete man darauf, dass ich gute Bücher las." 1992 gaben dies noch rund 46 % der Jugendlichen an. Nur 27 % der Jugendlichen erinnern sich, dass sie sich oft mit ihren Eltern über ein Buch unterhalten hätten - 1992 waren das noch 38 %. Die Äußerung "Bei uns zu Hause gibt es viele Bücher" wird noch von 41 % der Befragten bejaht, das sind fast ein Drittel weniger als noch 1992 (60 %).
- Entscheidend für die Lesesozialisation sind auch der Deutschunterricht und die Nutzung von Bibliotheken und Büchereien. Einen interessanten Deutschunterricht hatten laut dieser Studie noch 32 % der Befragten (1992 = 54%). Das Ausleihen von Büchern ging von 51 % (1992) auf 26 % in der aktuellen Befragung zurück. Beides also Faktoren, die es wieder zu beleben und zu unterstützen gilt.
- Immerhin: 31 % der Bevölkerung haben ausdrücklich Interesse an der Literatur!

Zusammenfassend kommt die Studie zu dem Ergebnis: Viele lesen zwar nicht weniger als früher, aber dafür seltener und oberflächlicher. Insgesamt wird die Lektüre schneller abgebrochen, wenn sie nicht den Erwartungen entspricht. Die Vielleser der Bevölkerung sind lesefreudig und kompetent wie nie zuvor, doch leider ist ein sehr großer Teil der Deutschen immer noch nicht ausreichend auf die Anforderungen unseres Informationszeitalters vorbereitet. Die Lesekompetenz ist eine entscheidende Voraussetzung, um in unserer multimedial geprägten Gesellschaft mithalten zu können. Anregungen zum Lesen kommen nicht mehr so selbstverständlich aus dem familiären Umfeld, umso wichtiger also in der Schule Kinder und Jugendliche an Bücher (und nicht nur kurze Textpassagen) heranzuführen.

Hier klicken, um Abb. 1 anzusehen Abb. 1: Lesesozialisation und Familieneinfluss bei 14- bis 19-Jährigen

Deutlich wird aber auch: Was nicht spannend ist bzw. wo Kinder und Jugendliche keinen Zugang zum Inhalt der Texte bekommen, wird nicht oder nur oberflächlich gelesen. Wenn Texte hingegen faszinierend sind und gar eine neue Welt eröffnen, dann werden sogar eigentlich abschreckend "dicke Schinken" in kurzer Zeit verschlungen. Solche Bücher kann man lieben und immer wieder lesen.
Diese Tatsache wurde besonders deutlich in der ZDF-Aktion "Das große Lesen - Das Lieblingsbuch der Deutschen". Im Herbst 2004 wurden bei dieser Aktion die fünfzig beliebtesten Bücher der Deutschen gewählt. Auf den ersten drei Plätzen landeten Bücher, die sicher nicht wegen ihrer schnellen und einfachen Lesbarkeit das Rennen machten:

Platz 1: Der Herr der Ringe, John Ronald Reul Tolkien
Platz 2: Die Bibel
Platz 3: Die Säulen der Erde, Ken Follet

Und nicht nur dass sehr umfangreiche und durchaus anspruchsvolle Bücher unter den beliebtesten Büchern der Deutschen auftauchen, es wurden auch Romane genannt, die sich mit anderen Ländern und Kulturen beschäftigen bzw. von außereuropäischen Autoren stammen:
Platz 8: Der Alchimist, Paulo Coelho
Platz 13: Das Geisterhaus, Isabel Allende
Platz 16: Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zfón
Platz 36: Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez
Platz 42: Die Liebe in den Zeiten der Cholera, G. G. Márquez

Unter den aufgelisteten TOP 100 finden sich noch weitere Titel:
Platz 55: Traumfänger, Marlo Morgan
Platz 60: Wüstenblume, Waris Dirie
Platz 74: Die weiße Massai, Corinne Hoffmann
Platz 78: Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
Platz 81: Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig
Platz 91: Der Chronist der Winde, Henning Mankell
Platz 100: Rote Sonne schwarzes Land, Barbara Wood

Auch wenn Themen und Qualität dieser Romane sehr unterschiedlich sind, so wird doch deutlich, dass die Lust am Lesen in Deutschland vorhanden ist und keineswegs nur kurze, leicht eingängige Texte bevorzugt werden. Klar wird aber auch, dass politische Korrektheiten oder gar pädagogische Elemente kein direktes Auswahlkriterium für Literatur sind. Wichtig für den Leser sind Inhalte, die fesseln und faszinieren, und Figuren, mit denen man sich identifizieren kann bzw. deren Problematik nachvollziehbar ist. Sind diese Voraussetzungen gegeben, spielt der Umfang des Textes nur eine untergeordnete Rolle und Bilder sind - trotz Medienverwöhntheit - nicht unbedingt mehr nötig.
Aus diesen Umfragen zu den Lesegewohnheiten und Lieblingsbüchern der Deutschen können folgende Erkenntnisse für den Einsatz von Literatur zum Themenbereich "Eine Welt" abgeleitet werden.
- Wesentliche Aufgabe der Schule ist es nach wie vor, die Lesekompetenz der Kinder und Jugendlichen zu stärken und ihr Interesse für Bücher zu wecken. Je geringer die Buchkultur in den Familien wird, umso größer ist die Notwendigkeit in der Schule dieser Tendenz entgegenzuwirken.
- Das Lesen von Büchern ist spannend und wird auch von Kindern und Jugendlichen so empfunden. Voraussetzung dafür sind allerdings Texte und Romane, die sie faszinieren und deren Figuren Bezüge zum eigenen Alltag der Leserinnen und Leser ermöglichen bzw. nachvollziehbar sind.
- Romane über fremde Länder und Kulturen können zwei motivierende Aspekte beim Lesen verbinden: Erstens bietet die ferne Welt immer Spannung, Fantasie und Exotik. Zweitens kann man über die Probleme anderer immer sehr viel über seinen eigenen Alltag und sich selber lernen.
- Medien wie Fernsehen, Video, DVD und CD-Rom sind eine sinnvolle Ergänzung zum Buch, können dieses aber keinesfalls ersetzen und benötigen oft ebenfalls Textverständnis und Lesekompetenzen. Jeder, der schon einmal fasziniert einem Roman gefolgt ist und diesen dann später verfilmt gesehen hat, weiß, wie viel Tiefe/Differenziertheit und eigene Fantasie der Film nicht wiedergeben kann.
Die Entscheidung für das Buch, einen Roman im Unterricht (und nicht nur im Fach Deutsch) kann also ganz eindeutig getroffen werden. Bleiben die Fragen nach den Auswahlkriterien und der Art und Weise des Einsatzes zu klären.

Ein empfehlenswertes Buch: "Als Sosu sein Dorf rettete" von Meshack AsareFormenvielfalt der Kinder- und Jugendliteratur oder: Das "gute Buch" gibt es nicht!
Kinder- und Jugendliteratur zum Themenbereich "Eine Welt" zeichnet sich durch eine breite Formenvielfalt aus. Einen Gesamtüberblick über das aktuelle Angebot zu erlangen ist sehr schwierig und kaum zu realisieren. Wichtig ist der Hinweis, dass es die Gattungen Kinder- und Jugendbuch im außereuropäischen Bereich oft so nicht gibt. Dort muss man schauen, welche Geschichten oder Romane für die jeweilige Altersstufe geeignet sind. Ansonsten sind den Formen keine Grenzen gesetzt. Es gibt tradierte Formen wie Märchen, Fabeln und phantastische Geschichten - allerdings mit neuen Themen. Weiter gibt es sehr moderne, filmische Erzählformen und natürlich Kurzgeschichten.
Wichtiger und vielfältiger sind jedoch die unterschiedlichen inhaltlichen Aufmachungen der Texte. Dazu kann man folgende Kategorien ausmachen:

- Die Multi-Kulti-Idylle
Bei dieser Erzählform werden kulturelle, ethnische oder sprachliche Unterschiede nicht besonders betont. Es gibt eher einen allgemein menschlichen Universalismus. Probleme und Spannungen ergeben sich nicht durch das Zusammensein verschiedener kultureller Identitäten, sondern aus der generellen Verschiedenheit der handelnden Menschen. Jeder ist eben von Natur aus ein Individuum und irgendwie anders als der andere. Solche Geschichten eigenen sich gut als Einstieg in die "Eine-Welt"-Thematik, weil sie grundsätzlich sensibilisieren für Unterschiede, aber auch für Gemeinsamkeiten innerhalb einer Gruppe.

- Ethnisierung/Kulturalisierung
In diesen Texten werden Minderheiten oder Angehörige diskriminierter Gruppen zu Repräsentanten einer Ethnie bzw. Kultur erhoben. Die oft einfühlsamen und spannenden Schilderungen des Lebensalltages dieser Randgruppen haben einen hohen emotionalen Faktor für die Leserin, den Leser. Problematisch kann es werden, wenn die Geschichte sehr einseitig auf das Leben dieser Gruppen ausgerichtet ist und dabei die Leser das Gefühl für den Stellenwert dieser Gruppe innerhalb eines Landes, einer Kultur verlieren.

- Defizitdarstellung
In diesen Geschichten werden Personen im Vergleich zu den Angehörigen der dominanten Gruppe einer Kultur oder eines Landes als sozial schlechter gestellt, sprachlich weniger versiert bzw. generell weniger gebildet dargestellt. Diese Form ist immer gut geeignet, sehr schnell die Solidarität der Leser mit der handelnden Hauptperson hervorzurufen und gespannt zu verfolgen, wie diese ihr Schicksal meistert. Oft sind diese Schilderungen wenig realistisch, werden aber aufgrund der positiven Wirkungen für die eigenen Hoffnungen und Ideale gerne gelesen - vorausgesetzt die Geschichte geht gut aus.

Abenteuer bzw. Exotik
Naturkatastrophen, dramatische Fluchten oder Kämpfe, exotische Rituale und Feste - alles, was das Leben fremder Kulturen aufregend, interessant und spannend macht, gehört in diese Kategorie. Man kann auch sagen: das sind die "Gewürze" für einen "guten" Roman, der auf alle Fälle seine Leser fesselt. Ausgewogenheit oder gar Anbindung an die Realität kommt dabei erst an zweiter Stelle oder gar nicht zum Zuge.

- Das Einzelschicksal
Eine Person einer diskriminierten Gruppe wird isoliert und einzeln in die dominante Gruppe aufgenommen. Häufig geschieht dieses über eine Freundschafts- oder Liebesbeziehung und nach erbrachten Assimilationsleistungen. Eine in vielen Romanen beschriebene Form, die einen hohen Motivationscharakter für die Leserinnen und Leser hat.

Generell tritt kaum eine dieser Formen wirklich isoliert auf, sondern die meisten Autoren verwenden mehrere Aspekte für ihre Geschichten. Eine ausgewogene Darstellung fremder Kulturen wäre wünschenswert, bleibt aber ein pädagogischer Traum und würde auch Literatur allzu sehr pädagogisieren. Ein Kinderbuch oder ein Roman ist kein Schulbuch und genau das macht seinen Reiz aus. Gerade weil wir in der Schule mit Kindern und Jugendlichen über diese Texte und Darstellungen sprechen können, haben wir eine gute Chance, die motivierende Wirkung solcher Bücher zu nutzen und gleichzeitig der Realität in anderen Ländern und Kulturen durch ergänzende Fakten näher zu kommen.
Das "gute Buch" an sich gibt es also weniger. Entscheidend ist, welche Hilfen ich den Kindern und Jugendlichen beim Lesen anbieten kann und welche ergänzenden Hinweise ich zu der dargestellten Kultur, die im Zentrum der Handlung steht, gebe. Je vielseitiger die Darstellung einer fremden Kultur in einem Roman ist, umso einfacher gestaltet sich das Lesen dieses Buches im Unterricht, da umso weniger ergänzende Informationen für die Schülerinnen und Schüler notwendig sind.

Perspektivenwechsel und/oder Empathie?
Was kann ich bei den Schülerinnen und Schülern durch das Lesen von Büchern über andere Kulturen erreichen?
"Yoruba-Mädchen, tanzend ..." von Simi Bedford und "Traumatische Tropen" von Nigel BarleyWünschenswert ist da vor allem der Perspektivenwechsel. Durch die beschriebene, fremde Lebenswelt kann es der Leserin, dem Leser gelingen sich in die Bedürfnisse, Probleme und Wünsche der vorgestellten Personen hineinzuversetzen und somit die Welt aus einer neuen, anderen Perspektive zu betrachten. Besser gelingt das häufiger noch, wenn unsere eigene Kultur aus einer fremden Perspektive beschrieben wird. Das Buch "Traumatische Tropen" von Nigel Barley (Stuttgart 1993) ist ein wunderbares Beispiel für beide Varianten. Ein Ethnologe besucht eine fremde Kultur im Norden Kameruns und entdeckt dabei sich selber. Spannend und sehr amüsant wird beschrieben, wie er sich an die hochkomplexe Sprache und die für ihn neuen Gewohnheiten der fremden Kultur herantastet. Genauso amüsant, wie die Menschen dieser Kultur ihn erleben und versuchen, seine seltsamen Riten und Gebräuche zu enträtseln. Besonders positiv dabei ist, dass keinerlei Auf- oder Abwertung dabei entsteht, sondern ein faszinierendes gegenseitiges Kennen lernen mit viel Humor beschrieben wird.
Die ausländische Perspektive auf unsere europäische Lebenskultur taucht auch in vielen Romanen auf, in denen Menschen anderer Kulturen Erfahrungen im Alltagsleben bei uns machen. Ein Beispiel zu diesem Aspekt ist der Roman "Yoruba-Mädchen, tanzend" von Simi Bedford (Frankfurt 1994). In diesem Roman schlägt sich ein Mädchen, Remi aus Nigeria, durch das britische Bildungssystem. Im Alter von sechs Jahren schickt der Vater Remi von Nigeria aus nach England in ein Internat. Dort sieht sie sich immer wieder mit einem stereotypen Afrikabild (Tarzan-Filme u. Ä.) konfrontiert und von den anderen Mädchen ausgegrenzt. Um von den Mitschülerinnen akzeptiert zu werden, erfindet sie schließlich sogar Geschichten über Afrika, die diesem Bild entsprechen. Der Roman ist autobiographisch geschrieben und man begleitet die Hauptfigur bis zum Studium. Sowohl die Perspektive der Europäer (Verwandte, Mitschülerinnen, Freundinnen, eines Deutschen, den sie später kennen lernt) als auch die Sichtweise von Remi werden beim Lesen deutlich und nachvollziehbar. Spannend auch, mit Remi gemeinsam zu erleben, dass sie ihre Identität finden muss und es nicht darum geht zu lernen, wie ein Europäer zu sein oder zu denken - jeder also am Schluss seine Perspektive behält.
Der Wunsch nach Empathie geht weit über den Perspektivenwechsel hinaus und ist entsprechend schwieriger zu erreichen - wenn überhaupt.
Ein empathischer Zugang zu einem Menschen suggeriert, die Leserin, der Leser könne sich wirklich in die Rolle der handelnden Person hineinversetzen. Das scheint mir nur sehr bedingt möglich! Im Sinne des interkulturellen Lernens halte ich es für realistischer und ergiebiger, wenn die Kinder und Jugendlichen ihre eigene Rolle oder Sichtweise kennen und einordnen lernen. Es geht weniger darum, zu denken wie Menschen aus fremden Kulturen, sondern vielmehr um das Erkennen verschiedener Denkmuster und Werte. Das zu tolerieren und sich damit wirklich auseinander zu setzen fordert schon sehr viel interkulturelle Fähigkeit.

Welche Ziele verfolgt also der Einsatz von Büchern zum Thema "Eine Welt"?
- Durch das Lesen über andere, fremde Kulturen differenziert sich die Welt. Es entstehen Kontakte zwischen Menschen und Gesellschaften. Es wächst die Kenntnis alternativer Lebensformen, Werte und Weltbilder. Konzepte wie Demokratie und Menschenrechte werden mit Leben und konkreten Inhalten gefüllt.
- Menschen interpretieren Literatur höchst unterschiedlich (Ideen, Werte, Hintergründe). Der gemeinsame Austausch in der Klasse über ein Buch führt nicht zur Angleichung, sondern eher zur Wahrnehmung von Unterschieden innerhalb der Klasse und zwischen der eigenen Gruppe und der dargestellten Kultur - dieses aber auf der Basis von gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz. Alle Menschen integrieren Gehörtes in ihr eigenes Weltbild - sie passen es sozusagen ihrer eigenen Kultur an, verwandeln es in Vertrautes oder lehnen es bei totalem Unverständnis ab. Kinder und Jugendliche lernen somit ihre eigenen Ideen, Werte und Hintergründe zu definieren und zu differenzieren. Sie erleben sich selbst im Spiegel des Fremden.
- Literatur schafft eigene authentische Welten. Hintergründe, Geschichten und Visionen sind in dem Maße authentisch, wie sie von Menschen erdacht und umgesetzt werden. Wesentliche Themen des modernen Lebens können einfließen, reflektiert und in einen neuen Zusammenhang gestellt werden. Literatur hat nicht den Anspruch politisch korrekt zu sein, führt aber zum Nachdenken über Ethik, Moral und politische Systeme, weil sie den Menschen in diesen Umfeldern beschreibt und handeln lässt. Fiktion kann somit für Kinder und Jugendliche zu konkretem Handeln in ihrem Alltag führen.

Wer schreibt was?
Wichtig sind auch einige Gedanken zu den Autoren der Romane aus und über andere Länder.
Autoren müssen gelesen werden. Jemand muss sie bekannt machen, das heißt sie müssen von einem Verlag akzeptiert werden, der davon ausgeht, dass eine größere Anzahl Leser sich für dieses Werk interessiert und es auch verstehen kann. Dieser Umstand birgt die Gefahr in sich, dass allzu Fremdartiges ignoriert wird, da man sich vom Verlegen dieser Bücher keinen Gewinn verspricht.
Autoren müssen schreiben können und schreiben dürfen. Nicht jeder, der etwas zu erzählen hat, kann das in eine angemessene Schriftform bringen, und in vielen Ländern darf nicht alles geschrieben und veröffentlicht werden. Alphabetisierung ist Voraussetzung zum Schreiben und freie Meinungsäußerung eine Notwendigkeit zum Veröffentlichen eines Buches. Vieles, was wir hier in Deutschland lesen, ist in den Ländern über die dort geschrieben wird oft gar nicht bekannt - würde vielleicht auch so nicht verstanden werden. Das ist kein Grund etwas nicht zu lesen, aber eine wichtige Erkenntnis, wenn man solche Bücher in der Hand hat.
Ausländische Autoren müssen in unsere Sprache übersetzt werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig das bei Literatur oft ist. Anhand eines arabischen Textes, den ich übersetzt haben wollte, konnte ich bei vier Übersetzungen ganz unterschiedliche Deutungen in Empfang nehmen. An Übersetzungen werden also hohe Ansprüche gestellt, z. B. was die Kenntnis von Humor, Ironie, Doppeldeutigkeiten usw. der jeweiligen Sprache angeht.
Die vor dem Lesegenuss zu stellenden Grundfragen sind also die klassischen W-Fragen:
- Wer hat das Buch geschrieben? Nationalität und Bildungsgrad.
- Wo wurde das Buch geschrieben? Vor Ort oder im Exil.
- Für wen wurde das Buch geschrieben? Landsleute oder fremde Kulturen (z. B. wir Deutsche).
- Wann wurde das Buch geschrieben? Sichtweisen, aber auch Übersetzungstechniken haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert und entwickelt.

Diese Fragen sind wichtig, um ein Buch einordnen zu können - nicht im Sinne einer Wertung von gut oder schlecht, sondern im Hinblick auf ein besseres Verstehen des Werkes.

Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht
In den letzten Jahrzehnten ist eine große Zahl an Kinder- und Jugendliteratur mit einem sehr differenzierten Blick über fremde Kulturen und andere Länder erschienen. Wie soll man also eine Entscheidung treffen, welches Buch für die Behandlung in der Schule geeignet ist? Nicht umsonst bildet dieser Bereich eine wesentliche Aufgabe innerhalb unserer Arbeit im Projekt "Eine Welt in der Schule". Wir bieten eine umfangreiche Auswahl an Klassensätzen zur "Eine Welt"-Thematik an, zu den meisten dieser Bücher gibt es praxiserprobte Unterrichtsideen, und natürlich kann man sich bei uns ausführlich für die eigene Zielsetzung/Klassenstufe (telefonisch oder persönlich) beraten lassen. Sehr kompetente Beratung und Information bietet auch die Aktion "Guck mal übern Tellerrand - Lies mal wie die anderen leben". Diese Aktion gibt schon seit Jahren Buchempfehlungslisten für den Themenbereich "Eine Welt" heraus und man kann dort diese Bücher zum Teil ausleihen. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang die Stiftung "Schule für die Eine Welt" in der Schweiz. Schon Ende der 70er Jahre wurde dort die "Erklärung von Bern" entwickelt. Es handelt sich dabei um Kriterien für Kinder- und Jugendbücher zum Thema "Eine Welt" sowie um eine immer wieder aktualisierte Empfehlungsliste.
An dieser Stelle nun kurz die wichtigsten Kriterien, um eine Vorstellung zu bekommen, worauf grundsätzlich bei der Buchauswahl für den Einsatz in der Schule zu achten ist:
1. Die Menschen aus anderen Kulturen sollten immer als kompetent und entscheidungsfähig in ihren Lebensbelangen dargestellt werden. Nur so kann grundsätzlich eine Achtung vor dem anderen entstehen.
2. Alles, was an Sitten, Gebräuchen und Traditionen von Menschen anderer Kulturen vorgestellt wird, sollte so beschrieben werden, dass ihre Bedeutung, ihr Wert im Leben dieser Menschen verständlich wird. Herausgerissene exotische Rituale oder unverständliche religiöse Bekenntnisse erzeugen zum Beispiel eher Abstand und Unverständnis.
3. Überlegenheitsgefühle der eigenen Kultur sollten nicht weiter verstärkt werden. Es ist gut, wenn Kinder und Jugendliche ihre eigene Kultur schätzen, aber sie sollte nie als anderen überlegen empfunden werden.
4. Die Menschen aus anderen Kulturen sollten so weit wie möglich aus ihrer eigenen Perspektive über die Geschichte ihres Landes, ihrer Kultur berichten und ihre Rolle darin darstellen. Bei vielen Romanen sind dafür allerdings zusätzliche Informationen aus dem Land notwendig.
5. Verzichtet werden sollte auf Klischees und Stereotype. Wenn derartige Figuren dargestellt werden, sollte eindeutig klargestellt sein, dass es sich hierbei um ein Klischee bzw. Stereotyp handelt. Schließlich sollen bei den Kindern und Jugendlichen nach der Lektüre differenziertere Vorstellungen vorhanden sein als vorher.
6. Sprache und Stil des Buches sollten auf keinen Fall rassistisch sein, ebenso wenig die Illustrationen bei den Kinderbüchern.

Ein empfehlenswertes Buch: " Mustafa mit dem Bauchladen" von Ghazzi Abdel-QuadirSind diese Voraussetzungen gegeben und ist das Buch darüber hinaus noch ansprechend oder gar spannend für die Kinder und Jugendlichen, dann hat man gute Chancen auf einen interessanten Unterricht.
Wir haben im Laufe unserer Projekttätigkeit zahlreiche Unterrichtsbeispiele zu konkreten Kinderbüchern und Romanen entwickelt. An dieser Stelle deshalb nur ein paar grundsätzliche Anmerkungen: Es spielen immer vier Aspekte und die dazu gehörigen Fragen bei der Behandlung von Literatur zum Thema "Eine Welt" eine Rolle:

I. Ergänzende Aspekte zum Buch
Damit sind sämtliche Zusatzinformationen gemeint, die ich brauche, um die Handlung des Buches in einem Land, einer Kultur einzuordnen. Informationen über Ort und Zeit der Handlung, über Geographie und Geschichte des Landes usw. aber auch über das Vorwissen, das die Schülerinnen und Schüler zu diesem Thema mitbringen.

II. Thematische Aspekte zum Buch
Welche Themen behandelt der Roman? Welche Themen möchte ich im Unterricht dazu behandeln und was interessiert meine Schülerinnen und Schüler an der Geschichte? Unter diesem Aspekt ist auch die Frage zu klären, welche Bezüge der Roman zum Alltag der Kinder und Jugendlichen hier anbietet.

III. Inhaltliche Aspekte des Buches
Aus welcher Perspektive wird das Buch erzählt? Wer sind die Hauptfiguren? Sind die Konflikte allgemein menschlicher oder interkultureller Art? Gibt es Schlüsselszenen, die ein besonderes Augenmerk verlangen? Können die Schülerinnen und Schüler selber Lösungsmöglichkeiten erarbeiten?

IV. Gestalterische Aspekte
Nicht nur beim Kinderbuch spielen Bilder und Illustrationen eine Rolle. Schon die Figur auf dem Titel kann bei Kindern und Jugendliche bestimmte Vorstellungen wecken. Sind die Figuren fremd oder vertraut? Drücken die Bilder Fremdheit aus, sind sie ungewöhnlich in Farbe oder Gestaltung? Aber auch die Frage nach Textelementen, die auf eine andere Kultur hindeuten, gehört dazu.

Ein empfehlenswertes Buch: "Township blues" von Lutz van Dijk Zusätzlich zu diesen vier Aspekten kommt nun noch ein ganz wesentlicher Bereich bei den meisten Unterrichtsbeispielen hinzu: Die Handlungsaktivitäten über das eigentliche Lesen und Besprechen des Buches hinaus. Damit verlässt man zwar den klassischen Literatur-Deutschunterricht, aber es wäre schade diese Möglichkeiten ungenutzt zu lassen, zumal diese Aktivitäten sich auch wieder motivierend auf das Lesen des Textes auswirken. Folgende Handlungsmöglichkeiten bieten sich in der Regel an:
- Das Führen eines Lesetagebuches, bei dem einzelne Kapitel des Buches von den Schülerinnen und Schülern zusammengefasst und kommentiert werden.
- Das eigene Fort- oder zu Ende Schreiben der Geschichte, um dieses später mit dem Original zu vergleichen.
- Rollenspiele zu einzelnen Schlüsselszenen, um den Perspektivenwechsel zu erleichtern und/oder eigene Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.
- Das Kennen lernen von Elementen der beschriebenen Kultur (Musik, Nahrung, Bilder aus dem Land usw.) als Ergänzung zum Text.
- Schülervorträge zu einzelnen Aspekten des Landes (Landschaft, Tiere, Schulen, Klima usw.)
- Briefe an die Autorin, den Autor für Rückmeldungen oder Fragen.
- Kontakte zu Personen aus dem beschriebenen Land oder aus der Kultur, um den Eindruck zu vertiefen und gegebenenfalls auch zu differenzieren.
- Bilder gestalten zu den Texten.
- Vorlesen oder Vorspielen des Textes in anderen Klassen/Gruppen der Schule.
Es müssen nicht immer bei jedem Buch alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Es lohnt sich aber diese Ergänzungen zum Lesen in Erwägung zu ziehen, um die Literatur aus der "Einen Welt" etwas lebendig werden zu lassen. Außerdem lassen sich auf diesem Wege viele Einseitigkeiten, die die schriftstellerische Freiheit bei einem Roman mit sich bringt, ergänzen und differenzieren, so dass bei jeder freien Literatur der pädagogische und politische Anspruch in der Schule nicht zu kurz kommt.

Die Notwendigkeit der "zweiten Hand"
Zum Schluss möchte ich noch ein Bild dafür geben, um die Bedeutung von Literatur über Menschen aus anderen Kulturen für Kinder und Jugendliche zu verdeutlichen:
"Haben sie schon einmal versucht den Ton einer klatschenden Hand zu hören?"
Das geht nicht! Um einen Ton zu hören braucht man immer zwei Hände und für einen guten Ton sollten beide Hände gleich stark sein!
Kinder und Jugendliche brauchen andere Menschen als "zweite Hand" um sich selber wahrzunehmen. Bücher können dabei eine Hilfe sein, da sie die Leserin, den Leser indirekt mit Personen konfrontieren und Zeit lassen mitzuerleben und nachzuspüren, wie die eigene Haltung zu dem Geschehen ist. Fragen tauchen dann auf:
- Wie leben andere anderswo?
- Was ist mir nahe, was ist mir fremd?
- Warum tue ich dieses oder jenes, warum tut die Person im Buch dieses oder jenes?
- Wie reden, träumen, lieben oder streiten diese Menschen und wie tue ich das?
- Kann ich ihre Ängste teilen, ihre Sorgen nachvollziehen, ihren Mut würdigen?
- Was tue ich für meine Träume und Ziele?
Insofern gibt es vielleicht doch das "gute" Buch. Geschichten, die Kinder und Jugendliche am Ende ihrer Identität und Kultur ein Stück näher gebracht haben und gleichzeitig vermitteln, dass keiner wie der andere ist und Vielfalt wertfrei nebeneinander stehen kann. Denn: Wer sich selber kennt, hat auch weniger Angst vor "Anderen".

Literaturhinweise und Internetadressen
http://www.stiftunglesen.de
RÖSCH, HEIDI: Jim Knopf ist nicht schwarz - Antirassismus in der Kinder und Jugendliteratur
RÖSCH, HEIDI: Entschlüsselungsversuche - Kinder- und Jugendliteratur im globalen Diskurs, Baltmannsweiler: Schneider, 2000
http://www.litprom.de
http://www.welthungerhilfe.de/inhalt/aktionen/kinderbuch.html

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