Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.

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Eine Aktion zur fairen Woche
Jugendliche führen eine Marktbeobachtung durch
Ludger Klein-Ridder

 
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Das "neue" TransFair"-Logo (seit 2003)Angeregt durch den Bericht über die Ausstellung "Mercado Forestal" im Heft 1/März 2000 von "Eine Welt in der Schule" begann ich nach dem Projekt "Mein liebstes Kleidungsstück" (Heft 3/2001) die Schülerinnen und Schüler auf den Besuch dieser Ausstellung vorzubereiten. Zuerst hatte ich daran gedacht, sie für Gütersloh zu organisieren und sie zusammen mit örtlichen Initiativen wie amnesty international oder dem Flüchtlingsrat Gütersloh und dem Umweltamt der Stadt durchzuführen, war dann aber froh, dass das "Welthaus Bielefeld" sie schon zum passenden Zeitpunkt ins Bielefelder Rathaus geholt hatte. Auch ein Vorbereitungstreffen für Lehrerinnen und Lehrer im Welthaus half zum Gelingen des Ausstellungsbesuches mit Schulklassen beizutragen. Es wurde dort besprochen, wie die Ausstellung aufgebaut sein würde und in welcher Form den Schülerinnen und Schülern erlebnisreicher Unterricht ermöglicht werden könnte. So waren wir als Lehrerinnen und Lehrer gut informiert über das Konzept:
Das "alte" TransFair"-LogoIn drei Stationen wurden Bananenanbau, Kaffeeanbau und Goldabbau nicht nur kognitiv, sondern auch haptisch bzw. multisensorisch erfasst. Am Beispiel Kaffee erfuhren wir (d.h. die Schülerinnen, Schüler und ich) dann vom TransFair-Zeichen und seiner Bedeutung. Es leuchtete den Schülerinnen und Schülern sofort ein, dass der Anteil am Arbeitslohn bzw. "Gewinn" für die Bauern lächerlich gering war und durch die TransFair-Vermarktung verbessert werden könnte.
Als ich dann von der "Fairen Woche" erfuhr, in der schwerpunktmäßig das TransFair-Symbol und andere "nachhaltige" Handelsmarken beworben werden sollten, erschien es mir sinnvoll, im Sinne eines Spiralcurriculums, die Idee des TransFair-Handels zu vertiefen. Hierzu bot sich im Rahmen des Wirtschaftslehreunterrichts in Jahrgang 8 eine Markterkundung an.
Da meine früheren Markterkundungen mit anderen Klassen zum Beispiel Biolandprodukte und Fast-Food-Kritisches erfasst hatten, fand ich es ganz hilfreich, jetzt noch einen Schritt dazuzutun und das TransFair-Logo zum Hauptgegenstand der Untersuchung zu machen.

Vorbereitungen
Hilfreich war der schon vorbereitete Fragebogen im Heft "Strategien für faires Handeln: Agenda 21 praktisch" mit dem Untertitel "Darf's ein bisschen fair sein?" (Verbraucherzentrale NRW, Mintropstr. 27, 40215 Düsseldorf E-Mail: ernaehrung@vz-nrw.de). Marktuntersuchungen haben für mich mehrere Lerneffekte: nicht nur die Schülerinnen und Schüler erfahren etwas, auch die Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn sie nach TransFair gefragt werden. Marktleiterinnen, die bisher noch nicht von TransFair gehört haben, können dazu gebracht werden, diese Produkte zu berücksichtigen, Jugendliche können ganz praktisch sinnvolleren Konsum erfahrbar machen für sich und andere.
In Vorbereitung auf die "Faire Woche" hatte ich die Fachkonferenz Gesellschaftslehre informiert, dabei einen Mitstreiter gewinnen können und die Organisationsarbeit dadurch für mich halbiert. Mein Kollege hatte schon in einer Projektwoche zum Thema Bananen gearbeitet und das Video "Bananen - Reif für den fairen Handel" (TransFair e.V. - Remigiusstr. 21, 50937 Köln) eingesetzt.
Fast genau einen Monat vor der Fairen Woche hatte ich unsere Markterkundung auf der Homepage der Fairen Woche unter "Aktionen" angemeldet, damit eine bundesweite Übersicht über die Gesamtkampagne ermöglicht und gleichzeitig die Aktivitäten an unserer Schule in Gütersloh bekannt gemacht werden konnten.
Und jede Menge Material für die Schülerinnen und Schüler, vor allem zur Weitergabe an die Verbraucherinnen und Verbraucher, an die Marktleiterinnen und -leiter traf ein: Ein Informationsheft zur fairen Woche, ein Faltkärtchen "Fair kauft sich besser", ein Infoblatt "Guter Kaffee. Harte Arbeit. Fairer Preis", mehrere Infofaltblätter "Fair gehandelte Produkte! Wie funktioniert das?", "Faire Woche", "Informationsmaterialien von TransFair und Rugmark", "Beim Einkauf ein Stück weit die Welt fair-ändern", verschiedene Poster zur Fairen Woche und zum fairen Handel und die Kampagnen-Zeitung in den Ausgaben Dezember 2000, Mai 2001 und September 2001, alles von TransFair.
Das wurde dann auch bei den Befragungen als kleines Dankeschön bzw. mit der Bitte zum Aushängen übergeben.
Und nun waren wir alle gespannt, was bei unserer Befragungsaktion herauskommen würde. Wir gingen davon aus, dass das TransFair-Zeichen noch nicht so bekannt wäre und wir im Sinne einer Aufklärungsarbeit das von uns als richtig erkannte Verbraucherverhalten positiv beeinflussen könnten. Weil wir selbst noch von unserem Mercado Forestal-Erlebnis Bescheid wussten, schien es uns jetzt als Experten wichtig, unsere Mitmenschen zu testen.
Es war klar, dass die Lokalzeitung den Bericht veröffentlichen würde; das hatte man uns zugesagt. Und so gaben wir uns auch Mühe, alles ordentlich und gewissenhaft durchzuführen.

Markterkundung des TransFair-Logos
Plakat zur "Fairen Woche" 200129 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8c und ebenso viele der 9g der Anne-Frank-Gesamtschule führten zur Fairen Woche eine Marktbeobachtung durch.
Nach einer ausführlichen Vorbesprechung und einem Probelauf in der Klasse erledigten die Schülerinnen und Schüler die Befragungen als Hausarbeit am Nachmittag in den jeweils nächstgelegenen oder für sie interessanten Geschäften. Sie hatten sich mit befreundeten Mitschülern abgesprochen, damit sie sich sicherer fühlen konnten. Die Beobachtung des Warenangebotes in den Läden war fast interessanter als die Befragung der Kundschaft, da sie hier häufiger frustrierende Erfahrungen (Ablehnung, Beschimpfung u.a.m.) machen mussten. Am Ende sollten etwa drei Bögen pro Schülerin/Schüler ausgefüllt sein. Wenn also zwei Jugendliche zusammen unterwegs waren, mussten auch sechs Bögen bearbeitet worden sein. Da die Bögen nur wenig Platz zum Beschreiben hatten und die Jugendlichen größere Experten waren als das befragte Publikum, erledigten clevere Jugendliche die Aufgaben in Partnerarbeit: eine Person fragte, die andere notierte die Antworten.
Die Ergebnisse kamen also durch Fragebögen zum Warenangebot mit TransFair-Logo, an Hand von Fragen an die Marktleiterinnen und -leiter zur Situation der TransFair-Produkte in den Filialen und durch Befragung der Kundschaft (ca. 100 Kunden) zum Bekanntheitsgrad der Logos zustande.

Ergebnisse
28% der Kundschaft ist TransFair schon ein Begriff, 20% kennen hierzu eine oder mehrere Organisationen. Genannt wurden TransFair, gepa, RUGMARK, Eine- und Dritte-Welt-Läden.
Immerhin 43% der Befragten kannten das TransFair-Siegel.
Bekannt ist ihnen das Siegel zu 28% aus der Zeitung, zu 24% von Plakaten, zu 40% von Verpackungen und zu 8% vom Fernsehen.
An Produkten mit TransFair-Siegel wurden richtig genannt und in der Häufigkeit des Angebotes zu folgenden Prozentwerten erfasst:
- Kaffee: 42%
- Tee 24%
- Schokolade 20%
- Honig 6%
- Orangensaft 2%
Auf die Frage nach dem eigenen Einkaufsverhalten bezogen auf TransFair-Produkte bekannten sich gut 34% der Kunden von Eine- und Dritte-Welt-Läden, Bioläden, Marktkauf, real, Jibi, Elli, Disco, HL und Edeka dazu, diese schon gekauft zu haben.
Die Kunden, die TransFair bisher noch nicht berücksichtigt haben, wollen zu 30% in Zukunft auf TransFair achten, zu 44% vielleicht.
Immerhin 27% der Befragten konnten die Idee des fairen Handels erklären. Am häufigsten genannt wurden der "faire" Preis für die Produzenten in den außereuropäischen Erzeugerländern und die gerechtere Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter.
In den einzelnen Verbrauchermärkten sind die TransFair-Produkte recht unterschiedlich platziert. Am häufigsten jedoch schon in griffgünstiger und auf Augenhöhe befindlicher Position. Dies erklärt sich vielleicht mit der Randlage (Herr Höer, real) der Siegel tragenden Produkte. Leider sind die Produkte mit TransFair-Siegel nicht zu einem Regalblock zusammengefasst, sondern verstreut unter den jeweiligen anderen Produkten zu finden, die dann natürlich über einen "unfairen" Billigpreis die Gütesiegel-Waren verdrängen.
Kein Wunder, dass alle Marktleiterinnen und Marktleiter die TransFair-Produktpalette nur erweitern würden, wenn die Kundinnen und Kunden die entsprechende Nachfrage zeigten.
Die Schülerinnen und Schüler fanden das Befragungsthema abwechslungsreich und auch ein wenig abenteuerlich. Die Ergebnisse waren für sie selbst erstaunlich, weil dieser hohe Bekanntheitsgrad nicht so vorhergesehen worden war.

Schwierigkeiten
Schülerinnen und Schüler, die Unterricht und tatsächliche Lebensbedingungen hier und weltweit miteinander verknüpfen, wie das ja elektronisch schon geschieht (Internet), haben es immer schwerer, eine Befragung durchzuführen. Erwachsene und Berufstätige werden immer ungehaltener, unfreundlicher, ignoranter gegenüber den Bedürfnissen eines zeitbezogenen zukunftsorientierten Unterrichts. Schroffe Abfuhr für unsere Schülerinnen und Schüler entmutigt. Daher die Bitte, Kinder und Jugendliche auch als Kunden ernst zu nehmen und nicht als lästig zu empfinden, wenn der Wirtschaftslehreunterricht Markbeobachtung zum Thema hat. Es bedeutet für viele Schülerinnen und Schüler schon Selbstüberwindung genug, auf andere zuzugehen. Pech auch, dass in einem Falle gerade die Tierschützer vor einer Filiale demonstrierten, weshalb eine Schülerin mit ihrem Anliegen gar nicht durchkam und rausgeworfen wurde. Selbstvertrauen aber muss wachsen können, Misstrauen der Angestellten sollte nicht an erster Stelle stehen. Die überwiegende Zahl der Filialleiterinnen und Filialleiter reagierte jedoch professionell entgegenkommend und es gab auch Bereitschaft, zur Fairen Woche passend Plakate auszuhängen. Vielleicht können die Kundinnen und Kunden in den kommenden Tagen verstärkt diese Plakate mit dem TransFair-Logo an den Eingängen ihrer Verbrauchermärkte sehen. Aber kaufen sollten sie diese TransFair-Produkte jetzt schon verstärkt, wenn es die Einkommenslage erlaubt. Denn so können wir alle zu einer faireren Welt mit gerechteren wirtschaftlichen Verhältnissen gelangen. Und dafür lohnt es sich dann auch, guten Unterricht zu machen ...

Veröffentlichung in der lokalen PresseEin Zeitungsartikel
Wie eingangs schon erwähnt, sollte die Marktbeobachtung in der lokalen Presse veröffentlicht werden. Was davon dann tatsächlich veröffentlicht wurde, enthält der Zeitungsbericht vom 29.9., also noch innerhalb der Fairen Woche, der aber leider schon in der Überschrift TransFair nicht korrekt wiedergibt.
Die Schülerinnen und Schüler haben sich den Vergleich der beiden Texte vorgenommen und dazu einige Dinge herausgefunden.
Wenn man das Ziel hatte, das TransFair-Siegel bekannter zu machen, haben wir vielleicht einen ganz kleinen Beitrag dazu geleistet.
Aber vom Wissen zum Handeln ist noch ein weiterer Schritt zu tun. Daher sind nicht nur die Aussagen der Verbraucher, TransFair in Zukunft berücksichtigen zu wollen, tröstlich, sondern vor allem Schüleraussagen wie "Das kaufen wir schon", oder "Da guck ich jetzt immer nach", oder die Frage "Kaufen sie das denn auch, Herr Klein-Ridder?".

Gerechtigkeit
Ein Referent aus Bielefeld war zum Abschluss der Woche in unseren beiden Klassen und vertiefte die Eindrücke und Erfahrungen unserer Schülerinnen und Schüler.
Seine Methode, kleine Schokoladentäfelchen mit dem Aufdruck "Wir handeln fair - NRW" (http://www.wirhandelnfair.de) ganz ungerecht zu verteilen, d.h. eine Tischgruppe bekam nichts, eine andere 20 für 6 Schülerinnen, rief große Unruhe und großen Unmut hervor und bei uns ein schlechtes Gewissen, dass wir diese Ungerechtigkeit zur Methode erhoben hatten. Aber der Lerneffekt könnte so der größere gewesen sein - nämlich, dass gegen unfaire Handelsbedingungen etwas getan werden kann und muss

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 1/2002 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,5 MB).

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