Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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"Eine Welt" im Unterricht - eine fiktive Geschichte
Wolfgang Brünjes

Seit mehr als zwanzig Jahren ist das Projekt "Eine Welt in der Schule" im Bereich der Lehrerfortbildung tätig. Seither hat sich - nicht zuletzt aufgrund unserer Tätigkeit - einiges im Bereich der entwicklungspädagogischen Bildung getan. Doch leider ist es auch heutzutage noch manches Mal so, dass Unterrichtseinheiten zu dieser Thematik in den Schulen durchgeführt werden, die unserer Zielsetzung "eine positive Einstellung gegenüber fremden Kulturen und Völkern bei den Schülerinnen und Schülern zu fördern" entgegen wirken.
Dies ist jedoch nicht böser Wille der Beteiligten, sondern liegt häufig an der Unkenntnis unserer didaktisch-methodischen Kriterien.
Daher ist die folgende Geschichte auch nicht als Satire zu verstehen. Es handelt sich vielmehr um eine Fiktion, die aufzeigen soll, welche Fehler unseres Erachtens bei der Umsetzung der "Eine Welt"-Thematik im Unterricht geschehen können und unserer langjährigen Erfahrung nach noch immer gemacht werden.

Eine Schande! (I.)
Frau T. betritt den Klassenraum ihrer 6b. Sie kennt ihre Klasse bereits seit vier Jahren, seit zwei Jahren ist sie deren Klassenlehrerin. Die Klasse setzt sich aus 11 Schülerinnen und 13 Schülern zusammen. Sämtliche Schülerinnen und Schüler besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit; die Eltern einer Schülerin stammen aus Senegal. Der Lernbereich "Eine Welt" wird seit einiger Zeit regelmäßig thematisiert. Die Vorgängerin von Frau T. bemerkte: "Fremdenfeindlichkeit oder gar Ausländerhass sind bei uns kein Thema, schlicht, weil wir gar keine Ausländer in der Klasse haben! Außerdem müssen die erst einmal lernen, was Klassengemeinschaft heißt, bevor es in die weite Welt geht."
Frau T. sieht das allerdings ein wenig anders. Sie ist der Ansicht, dass in einer zusammenwachsenden Welt den Kindern und Jugendlichen der globale Bezug frühzeitig verdeutlicht werden muss. Daher und weil die Kinder bereits in sehr jungen Jahren Vorurteile bilden, kann man mit dem Einsatz des Themas gar nicht früh genug beginnen.
Die Äußerung über die Klassengemeinschaft nimmt Frau T. sowieso nicht ernst. Erstens ist sie gar nicht so schlecht wie behauptet und zweitens besteht schon ein Unterschied, ob z.B. "solidarisches Handeln" hier in der Schulklasse oder dort in einem Entwicklungsland auftauchen. Wenn man anfängt eine Verbindung zwischen diesem solidarischem Handeln in der Klasse und dem solidarischem Handeln der Schülerinnen und Schüler mit den Menschen in diesen Ländern herzustellen - ja dann "Gute Nacht!". Es wird schlichtweg nicht mehr möglich sein, überhaupt noch etwas zu thematisieren.
Endlich ist es so weit, aus organisatorischen Gründen immer wieder verschoben, will sie jetzt, gegen Ende des Schuljahres die seit langem geplante Unterrichtseinheit zum Lernbereich "Eine Welt" durchführen. Für die Klasse ist es die erste dieser Art. Deshalb und weil die Schülerinnen und Schüler demnächst in eine andere Schule wechseln, soll diese Einheit auch sehr umfassend sein. Dadurch, dass, sie mit dem anderen Unterrichtsstoff zügig durch kam und sie mehrere Projekttage integrieren kann, stehen ihr als Klassenlehrerin fast 50 Unterrichtsstunden zur Verfügung.
Im Vorfeld der Planung war Frau T. unsicher, in welcher Region sie exemplarisch die Probleme von Entwicklungsländern behandeln soll. Zuerst tendierte sie zu einem "aktuellen" Land wie Afghanistan, das fast täglich in der Presse und im Fernsehen erwähnt wird. Dies erscheint ihr jedoch zu brisant, weil sie nicht überschauen kann, wie sehr die Schülerinnen und Schüler von den aktuellen Ereignissen beeinflusst werden. Die Länderwahl fällt ihr schließlich aber doch relativ leicht. Die Eltern von G., einer Schülerin ihrer Klasse, stammen nämlich aus Senegal. Was bietet sich also mehr an, als "Afrika" in den Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens zu stellen? Somit hat Frau T. durch die geografische Auswahl gleich zwei Vorteile auf ihrer Seite:
1. Sie kann den Schülerinnen und Schülern viel Wissenswertes über Afrika näher bringen.
2. Hier bietet sich die Möglichkeit G. stärker in die Klassenaktivitäten mit einzubeziehen. Den Mitschülern wird die schwierige Lebenssituation von G. - die bisher immer äußerst "unscheinbar" und zurückhaltend war - endlich bewusst.
Nach umfangreicher Recherche, Gesprächen mit in Deutschland lebenden Afrikanern, mühsamer und z.T. auch kostspieliger Materialbeschaffung sowie einigen anschließend verworfenen Unterrichtsplanungen skizziert sie ihre Unterrichtseinheit wie folgt:

Unterrichtseinheit "Afrika"
1. Geografisches Grundwissen (Einzel-/ Partnerarbeit) - 4 Unterrichtsstunden.
Über Atlasarbeit und Geografiespiele wird den Schülerinnen und Schülern geografisches Grundwissen über Afrika vermittelt (Lage des Kontinents/Klimazonen/...)
2. Afrika im Überblick (Einzel-/Partnerarbeit) - 6 Std.
Mit Hilfe von Arbeitsblättern, Atlasarbeit und Arbeit mit dem Schulbuch informieren sich die Schülerinnen und Schüler über folgende afrikanische Großräume
- Nordafrika
- Zentralafrika
- Südafrika
3. Probleme in Afrika (Gruppenarbeit) - 13 Std.
Schülerinnen und Schüler fertigen eine Collage an und tragen ein 15-minütiges Kurzreferat zu folgenden Themen vor:
- Die Wüste breitet sich aus!
- Die Situation der Frauen in Ostafrika (Mädchenbeschneidung)
- Warten auf die Wundermedizin (AIDS)
- Ruanda nach dem Bürgerkrieg
- Sklaven der Armut (Kinderarbeit)
- Hunger in Afrika - warum?
4. Tiere und Pflanzen (Einzel-/Partner-/Gruppenarbeit) - 8 Std.
Die Schülerinnen und Schüler informieren sich über ausgewählte Tiere und Pflanzen, stellen ein Pflanzenmemory und Steckbriefe über ihre "Lieblingstiere" her
5. Kakao und Schokolade (Einzel-/Partner-/Gruppenarbeit) - 13 Std.
Mit Hilfe diverser Medien lernen die Schülerinnen und Schüler u.a. folgende Aspekte kennen:
- Bestandteile der Schokolade
- Kakaoanbauländer
- Das Leben in Ghana
- Kakaoanbau und -ernte
- Kulturgeschichte des Kakaos
- Kakao-Handel/Fairer Handel
6. Lösungsansätze (Diskussion) - 2 Std.
Die S. diskutieren die Frage "Wie kann den Menschen, vor allem den Kindern, in Afrika geholfen werden?"
7. Vorbereitungen für das Schulfest - 2 Std.

Wie steige ich ein?
Die Thematisierung von Entwicklungsländern war schon immer ein Anliegen von Frau T. Aufgewachsen in einer Wohlstandsgesellschaft denkt sie bereits seit ihrer Kindheit, es ist eine Schande, wie Menschen in anderen Teilen der Erde leben und leiden müssen, und das alles, weil es uns so gut geht.
Diesen Ansatz möchte sie auch ihren Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben. Gleich zu Beginn der Unterrichtseinheit sollen sie erkennen, wie ernst die Situation in Entwicklungsländern ist und welche bevorzugte Lebenssituation sie selbst hierzulande vorfinden. Um diese Betroffenheit auszulösen, wählt Frau T. als Einstieg in das Thema ein Dia.
Auf diesem eindrücklichen Dia wird vieles von dem deutlich, was zu dem Thema gehört: Armut und Hunger dokumentieren dabei die ungerechte Verteilung auf unserem Planeten.
Die Schülerinnen und Schüler reagieren wie erwünscht: Ohne alberne Kommentare abzugeben, analysieren sie das Bild. Von Anfang an sind sie in den Bann gezogen und äußern ernsthaft und ehrlich ihre Gefühle.
In einem anschließenden Brainstorming werden von den Schülerinnen und Schülern fast alle Punkte erwähnt, die auch Frau T. in ihre Unterrichtseinheit eingeplant hat. Mit den Schülerinnen und Schülern bespricht Frau T. die weitere Vorgehensweise. In den Folgestunden lernen sie einiges über die Geografie Afrikas und über die sehr unterschiedlichen Regionen kennen.

Löwe

 

 

 

 

Zum Einstieg ungeeignet:
Tierwelt und Hunger/Elend

Verhungerndes Kind

Die Kunst zu motivieren!
Frau T. weiß, dass vor allem gesellschaftliche und kulturelle Unterschiede bei den Schülerinnen und Schülern auf Interesse stoßen. Diese Motivationshilfe macht sie sich zu nutze und leitet sehr viele Unterrichtsstunden mit einem Dia als Gesprächsimpuls ein.
Die Schülerinnen und Schüler reagieren begeistert darauf. Sie sind sofort bei der Sache und die Beteiligung ist enorm. Jeder möchte zu Wort kommen und schildern, was auf dem jeweiligem Dia zu sehen oder manchmal auch nicht zu sehen ist, wie es im Gegensatz hierzu bei uns aussieht und wie man es zu bewerten hat. Und wenn ab und zu Fragen auftauchen, sitzt in der Klasse mit G. eine "Expertin", die jederzeit zurate gezogen werden kann.
Frau T. kann sich nur an wenige gleichwertige Einstiege erinnern und freut sich schon bald genauso wie die Schülerinnen und Schüler auf den Anfang der nächsten Stunde.

Gruppenarbeit
Nachdem der Unterricht in der Anfangsphase häufig lehrerzentriert stattfindet, sollen die Schüler jetzt selbsttätig arbeiten. Dazu teilen sie sich in sechs 4er-Gruppen auf und bearbeiten zum Aspekt "Probleme in Afrika" folgende Unterpunkte:
- Sahara - Eine Wüste breitet sich aus!
- Die Situation der Frauen in Ostafrika (Mädchenbeschneidung)
- Warten auf die Wundermedizin (AIDS)
- Ruanda nach dem Bürgerkrieg
- Sklaven der Armut (Kinderarbeit)
- Hunger in Afrika - warum?
Frau T. bemerkt, dass es mit der Gruppenarbeit nicht "hundertprozentig" klappt. Es tauchen bei ihr Fragen in Hinblick auf die "Schülerorientiertheit der Themen", dem "Abstraktionsniveau der Grundlagentexte" und der Zusammensetzung der Gruppen - die sie ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Art hat frei wählen lassen - auf.
Ferner erweist sich das Thema "Frauen in Ostafrika" als Fehlgriff. Von den Jungen fortlaufend verspottet, findet sich erst nach langer Überzeugungsarbeit eine Mädchengruppe, die sehr unmotiviert arbeitet und nur sehr bescheidene Ergebnisse zustande bringt.
Jede Gruppe stellt als Produkt eine großformatige Collage her, die anschließend in Schaukästen auf dem Flur ausgestellt werden sollen. Außerdem muss jede Gruppe einen 15-minütigen Vortrag vor der Klasse über ihre Arbeitsergebnisse halten.
Ohne zu murren hören sich die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse der anderen Gruppen an. Sie sind von den Problemen - die ihrer eigenen Lebenswelt doch so fern sind - vollständig in den Bann gezogen. Somit ist Frau T. im Großen und Ganzen dennoch zufrieden. Sie ist überrascht, wie ernsthaft, konzentriert und engagiert die meisten Schülerinnen und Schüler bei der Sache sind. In der Planungsphase hatte sie noch Bedenken, ob sie überhaupt die innerliche Reife hätten, um mit diesen schwierigen Themen umgehen zu können. Diese Angst stellt sich jedoch im Nachhinein als unbegründet heraus.

Von Flora und Fauna
Afrika - dieser Kontinent wird von Frau T. auch heute noch mit wilden Tieren und exotischen Pflanzen in Verbindung gebracht. Nach dem für die Schülerinnen und Schüler der emotional sicherlich sehr anstrengende Aspekt "Probleme in Afrika" behandelt wurde, beschäftigen sie sich jetzt mit der dortigen Tier- und Pflanzenwelt.
Anschließend geht es mit der Kakaopflanze und der Schokoladenproduktion weiter. Beide Aspekte nehmen die Schülerinnen und Schüler dankbar auf. Sie stellen ein Pflanzenmemory her und spielen es; sie fertigen Steckbriefe von ihren "afrikanischen" Lieblingstieren an und sie "schlickern" reichlich Süßes - verlieren dabei aber nicht die Sorgen und Nöte der ghanaischen Kakaobauern aus den Augen.

Junge FrauImmer problematisch: Exotik

Weil noch etwas Zeit zur Verfügung steht und die Schülerinnen und Schüler bisher so diszipliniert gearbeitet haben, möchte Frau T. sie mit einer "kreativen" Arbeitsphase belohnen. Dazu "organisiert" Frau T. einen Projekttag, besorgt einiges an Bastelmaterial und alle gemeinsam fertigen ein typisch afrikanisches Dorf. Es werden Hütten aus Ton gebaut, Figuren aus Stroh gefertigt, Kleidungsstücke genäht u.v.m. Das Arbeiten mit den vielen verschiedenen Materialien fordert die Schülerinnen und Schüler auf sehr vielen Ebenen, aber gleichzeitig macht es ihnen sehr viel Spaß und sie werden mit einem ausgefüllten Vormittag belohnt.

Wie geht es weiter?
Natürlich weiß auch Frau T. nicht immer eine Antwort auf die Frage, wie die Probleme gelöst werden können. Deshalb möchte sie dies möglichst offen mit den Schülerinnen und Schülern diskutieren. Sie fertigt ein Banner an mit der Frage "Wie kann den Menschen, vor allem den Kindern, in Afrika geholfen werden?".
Noch bevor die Schülerinnen und Schüler den Klassenraum betreten, heftet sie ihn an die Tafel. Als sie dann zum Unterrichtsbeginn die Tafel aufklappt und mit dem Tageslichtprojektor ein Diagramm an die Wand wirft, setzt sofort eine heftige Diskussion ein.

Grafik: Menschenwürdiges Kinderleben: Die Kosten im VergleichMotivierend oder moralisierend?

Von Mitverantwortung, Ungerechtigkeit, aber auch von Hilflosigkeit ist die Rede. Nur gut, dass es in der direkten Nachbarschaft den Verein "Soli e.V." gibt, der ein Patenschaftsprojekt mit einer Schule in Nairobi unterhält. Sehr schnell sind sich die Schülerinnen und Schüler einig, mit einer Sach- oder Geldspende kann den Menschen in Afrika "direkt" geholfen werden. Mit Feuereifer erkundigen sie sich über das Patenschaftsprojekt, besorgen für das kommende Schulfest Sammelbüchsen und gehen mit ihnen in ihrer Freizeit zu den Geschäften und Betrieben in ihrem Stadtviertel.
Frau T. ist sich bewusst, dass die Schülerinnen und Schüler während der Unterrichtseinheit zeitweise auch mit recht negativen Eindrücken aus Afrika konfrontiert wurden. Ein positiver Abschluss ist daher als "Gegenpol" geplant. Sie setzt sich dafür ein, dass auf dem ohnehin stattfindenden Schulfest ein "Afrika-Raum" eingerichtet wird. Afrikanische Folklore als Hintergrundmusik, bunte, mit Ornamenten verzierte Stoffe, die das Licht im Raum dämpfen, Weihrauchdämpfe, die uns über den Geruchssinn der "fremden" Kultur näher bringen und eventuell einige "typisch" afrikanische Speisen - Frau T. hat unzählige Ideen, wie sie den Raum herrichten kann. Schließlich sollen hier die Schülerinnen und Schüler und Eltern der afrikanischen Kultur begegnen.
Damit die Eltern auch mitbekommen, wie groß die inhaltliche Bandbreite der aufgegriffenen Einzelaspekte ist, wird der Afrika-Raum mit Materialien und Arbeitsergebnissen aus dem Unterricht gestaltet. Zu jeder Unterrichtsphase hängt nachher etwas an der Wand, angefangen bei dem Einstiegsdia und aufgehört mit dem Banner "Wie kann den Menschen, vor allem den Kindern, in Afrika geholfen werden?" und den dazugehörigen Sammelbüchsen.
Die Planung, das Besorgen einzelner Gegenstände, die Herrichtung des Afrika-Raumes - all dies macht sehr viel Arbeit und nicht immer ist sich Frau T. im Vorfeld sicher, ob das Ergebnis den Aufwand überhaupt rechtfertigt. Als der große Tag aber gekommen ist, fühlt sich Frau T. durch die Reaktionen der Beteiligten mehr als "belohnt". Auch wenn sie die Elternschaft nicht in das Unterrichtsgeschehen hat einbeziehen können, äußern sich fast alle Eltern begeistert über den Unterrichtsverlauf, über die Gestaltung des Afrika-Raumes und über das Engagement ihrer Kinder.

Zu guter Letzt
Frau T. ist stolz - auf ihre Schülerinnen und Schüler und ein klein wenig auch auf sich selbst. Fast 1.000 Euro hat ihre Klasse gesammelt. Natürlich waren die Eltern auf diesem Fest in Spendierlaune und ein "Sponsor" hat mit seiner 500-Euro-Spende bereits mehr als die Hälfte des Betrages aufgebracht. Mit 1.000 Euro wird man auch nicht das Elend in dieser Welt beseitigen, aber einigen Kindern in Nairobi wird man damit schon helfen können.
Frau T. ist glücklich - in ihrer ganzen Schullaufbahn hatte sie bisher keine vergleichbare Klasse. Die Betroffenheit, die das Thema bei den Schülern auslöste, aber auch das Engagement beim Spendensammeln waren einzigartig.
Frau T. ist nachdenklich! In der Zeitschrift "Eine Welt in der Schule" liest sie einen Artikel über Kriterien zum Lernbereich "Eine Welt". Einige Kriterien sind wirklich einleuchtend. Sie wird ihre Unterrichtseinheit noch einmal überdenken müssen.

 

Der gute Wille
Die fiktive Lehrerin Frau T. ist hoch motiviert. Die Planung der Unterrichtseinheit kostet zwar viel Zeit und ein wenig Geld, aber sie ist engagiert bei der Sache; die Durchführung läuft aus ihrer Sicht fast "perfekt"; in einer Reflexion wird sie auf das Engagement und die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler verweisen. Dies sind alles Gründe, um normalerweise eine Unterrichtseinheit und die daran Beteiligten über den grünen Klee zu loben. Wenn man sich jedoch die didaktisch-methodischen Kriterien des Projekts "Eine Welt in der Schule" einmal vor Augen führt, muss man leider sagen, dass diese Unterrichtseinheit, so wie sie in diesem Beispiel beschrieben wurde, mit sehr vielen Mängeln belastet ist.
Ausgehend von den Kriterien und von den Erfahrungen, die wir im Projekt machen, wurden in diesem Beispiel gegen eine ganze Reihe von "Regeln" verstoßen.

Didaktisch-methodische Kriterien für die "Eine Welt" - Thematik

1. Alle Bemühungen um ein solidarisches Verhältnis zu den Menschen in der fernen "Einen Welt" müssen eingebettet sein in eine umfassende Sozialerziehung in der Lerngruppe.
2. Wichtige Ziele der Sozialerziehung kann man nur erreichen mit wirklichen sozialen Problemen.
3. Die fremde "Eine Welt" sollte nicht allzu sehr von der vertrauten Vorstellungs- und Erlebniswelt der Kinder und Jugendlichen abweichen.
4. Einzelepisoden sollen zu Themenbereichen komponiert werden.
5. Um den Bewertungshintergrund der Schülerinnen und Schüler überhaupt in Bewegung zu bringen, ist eine handlungsorientierte Vermittlung der Problematik unbedingt erforderlich.
6. Die Schülerinnen und Schüler dürfen nicht mit unlösbaren Problemen alleingelassen werden.
7. Das wesentliche Ziel ist nicht alleine Toleranz, schon gar nicht Mitleid, sondern vor allem Solidarität.

Solidarisch Handeln
Es muss von Anfang an eine Verbindung zwischen dem solidarischem Handeln in der Klasse und dem solidarischem Handeln der Schülerinnen und Schüler mit Menschen aus "fremden" Ländern hergestellt werden. Kurz gesagt: Es wird nicht klappen, Kinder und Jugendliche zu solidarischem Handeln mit den Menschen aus fernen Ländern zu bewegen, wenn sie nicht in der Lage sind Solidarität mit Mitschülern zu entwickeln.

Unterrichtsprinzip
Das "Eine Welt"-Lernen muss als Unterrichtsprinzip anerkannt werden. Nur wenn kontinuierlich an dieser Thematik gearbeitet wird, kann sich in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler etwas bewegen. Eine einzelne Unterrichtseinheit oder Projektwoche - und sei das Unterrichtsvorhaben noch so umfangreich - kann eine kontinuierliche Aufarbeitung nicht ersetzen.

Themen-/Länderwahl
Bei der Themen- oder Länderwahl muss man behutsam vorgehen. Ein Land auszuwählen, weil die Eltern einer Schülerin oder eines Schülers daher stammen, ist zumindest "gefährlich". Vielen Schülern wird nämlich erst in dem Augenblick, in dem es zur Sprache kommt, ihr Mitschüler als "Ausländer" bewusst.
Afrika ist ein Kontinent und kein Staat. Die unterschiedlichen geografischen Gegebenheiten, kulturelle Disparitäten, verschiedene Problemausgangslagen usw. lassen es nicht zu, dass man von "dem" Afrika spricht.
Das bedeutet auch, dass man es häufig - wenn überhaupt - mit Länder- und nicht mit Afrikaexperten zu tun hat. So kann z.B. das Leben in Senegal nicht stellvertretend für das Leben in Afrika stehen.

Komplexität
Eine Einheit, die sehr viele Kernthemen beinhalt, ist zu komplex. Wie schon beim Punkt "Unterrichtsprinzip" angesprochen, ist eine kontinuierliche Behandlung des Themas notwendig. Dies ermöglicht den Lehrkräften gleichzeitig die Themen miteinander zu kombinieren. In diesem speziellen Fall wäre Punkt 6. der Unterrichtseinheit (Kakao und Schokolade) vollkommen genug gewesen. Die Schülerinnen und Schüler hätten sich mit einem afrikanischen Staat, mit den dort lebenden Menschen, ihrem Alltag, den vorhandenen Problemen usw. beschäftigen können. Bezüge zum "fairen" Handel sind dabei ebenfalls gegeben.
Zu einem späteren Zeitpunkt hätten dann von den Schülerinnen und Schülern andere Aspekte des afrikanischen Kontinents aufgegriffen werden können.

Grafik: Die weite Welt an einem TagAlternativer Gesprächsimpuls

Bewusstseinsänderung
"Wichtiges Ziel unserer Arbeit ist es, eine positive Einstellung gegenüber fremden Kulturen und Völkern bei den Schülerinnen und Schülern zu fördern". Das Erreichen unseres wichtigsten Projektziels ist mit der Eingabe des Einstiegsdias nicht möglich. Die Grundintention der Lehrerin in dieser Geschichte, Betroffenheit auszulösen, bedeutet in letzter Konsequenz, in die Köpfe der Schülerinnen und Schüler ein negatives Bild eines Landes zu zeichnen, das geprägt ist von Hunger, Armut und Elend.

Gemeinsamkeiten
Anstatt Gesprächsimpulse auf gesellschaftliche und kulturelle Unterschiede aufzubauen, sollte eher auf Gemeinsamkeiten mit unserem Leben hingewiesen werden. Außerdem sollte im Unterricht auf ein differenziertes Afrikabild hingearbeitet werden, indem man z.B. Dias vom städtischen Leben denen vom dörflichen Leben gegenüberstellt. Ansonsten wird in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler ein sehr exotisches oder rückständiges Afrikabild geprägt.

Soziale Probleme
Jeder, der sich mit dem afrikanischen Kontinent beschäftigt, weiß, dass dort sehr viele soziale Probleme anzutreffen sind. Diese können und müssen z.T. im Unterricht angesprochen werden. Wenn sie wie in dem Beispiel angeführt jedoch dermaßen geballt auftauchen, bleibt in den Köpfen der Kinder und Jugendlichen das Bild eines negativen, problembeladenen Afrikas hängen.

Handlungsorientierung
Es ist pädagogisch angezeigt, den Unterricht handlungsorientiert zu gestalten. Neben der Aufgabe, die Handlungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen (z.B. durch Rollenspiele) zu erweitern, gehören u.a. auch Spiel- und Bastelphasen dazu. Das negative Bild eines Landes oder Kontinents, das durch einen problemüberfrachteten Unterricht entstand, verschwindet so jedoch nicht.
Inhaltlich können auch durch Bastelphasen sehr klischeebehaftete Bilder transportiert werden (Rundhütten in Afrika...). Auf Abschlussfesten, bei der Präsentation von Kulturen in so genannten "Afrika-Räumen" usw. besteht ebenso die Gefahr, Klischees zu bedienen ("die" afrikanische Kultur).

Lösungsansätze
Nicht auf jede Frage und auf jedes Problem hat man eine entsprechende Antwort. Bei den "großen" Problemen, die im Unterricht angesprochen werden, müssen die Schülerinnen und Schüler an einem Lösungsweg arbeiten. Dieser Lösungsweg kann auch realutopisch sein - etwa die Problemlösung in einem Rollenspiel - und Lösungswege aufzeigen, wie es sie wahrscheinlich in der Realität nicht gibt. Wichtig ist jedoch, dass den Schülerinnen und Schülern eine Perspektive vermittelt wird, die sie nicht zu einer schicksalsgläubigen Grundeinstellung verführt, sondern sie zukünftig nach Lösungswegen suchen lässt.

FlüchtlingslagerWas bewirkt dieses Bild bei Schülerinnen und Schülern?

 

 

 

 



Der Entschluss, am Ende einer Unterrichtseinheit Spenden für ein Selbsthilfe- oder Solidaritätsprojekt zu sammeln, ist zumindest problematisch. Häufig transportiert man mit dem gespendeten Geld den Gedanken mit: "Die Personen, Projekte, Länder, ... sind nicht in der Lage ihre Probleme zu lösen. Das müssen wir für sie tun." Dieser Ansatz ist jedoch falsch. Solidarität kann unter Umständen Hilfslieferungen etc. beinhalten. Ziel ist es, eine Partnerschaft anstatt eine Patenschaft aufzubauen, und in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler andere Kulturen oder Menschen aus anderen Kulturkreisen als gleichwertig und gleichberechtigt darzustellen. Spendensammlungen sind in dieser Hinsicht oft kontraproduktiv.

Elternarbeit
Sinnvoll ist es, die Eltern in den Unterrichtsverlauf mit einzubinden, damit man "ihre" Ressourcen nutzt. So ist eher gewährleistet, dass man nicht gegen die Eltern arbeitet, was den Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler ohnehin schmälert.
Berücksichtigt man die "Mängel" bei der Durchführung, so muss bei einer Umsetzung dieser Unterrichtseinheit doch vieles geändert werden. Es folgt ein kleiner Vorschlag, wie so etwas aussehen könnte.

Eine Schande! (II.)
Frau T. betritt den Klassenraum ihrer 6b. ... Daher und weil die Kinder bereits in sehr jungen Jahren Vorurteile bilden, kann man mit dem Einsatz des Themas gar nicht früh genug beginnen.
Das Problem mit der Klassengemeinschaft hat sie allerdings erkannt. Sie arbeitet intensiv mit den Schülerinnen und Schülern daran, denn es besteht schon eine Verbindung mit dem "solidarisches Handeln" hier in der Schulklasse oder dort in einem sogenannten Entwicklungsland. Somit muss man auch eine Verbindung zwischen diesem solidarischem Handeln in der Klasse und dem solidarischem Handeln der Schülerinnen und Schüler mit den Menschen in diesen Ländern herstellen.
Endlich ist es so weit, aus organisatorischen Gründen immer wieder verschoben, will sie jetzt, gegen Ende des Schuljahres, eine weitere Unterrichtseinheit zum Lernbereich "Eine Welt" durchführen. Da die Klasse bereits einige Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen aus der "Einen Welt" kennen gelernt hat, und die Schülerinnen und Schüler jedes Mal engagiert und interessiert bei der Sache waren, möchte sie dies ein weiteres Mal durchführen. Durch die kontinuierliche Arbeit konnte Frau T. bereits zahlreiche Teilaspekte dieses Lernbereichs thematisieren. Aus diesem Grund muss sie die "Eine Welt" auch nicht "grundlegend" unterrichten, sondern kann einige - bereits in früheren Unterrichtseinheiten angesprochene - Sachverhalte weiter vertiefen.
Inhaltlich möchte Frau T. sich mit dem fairen Handel auseinandersetzen. Sie entschließt sich, dies mit dem Thema "Kakao und Schokolade" zu tun, da die Schüler bei diesem Thema sicherlich recht motiviert bei der Sache sind. Auf dem Elternabend informiert sie die Eltern über das Vorhaben. Einige erklären sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt zu Mitarbeit bei irgendwelchen Aktivitäten bereit.
Weil die Materiallage gut ist, wird der geographische Schwerpunkt in Ghana spielen. Sie ist recht froh, dass das Thema nicht in Senegal spielt, da die Eltern von G., einer Schülerin ihrer Klasse, dorther stammen. Zwar könnte G. ihren Mitschülern viel Wissenswertes über Senegal näher bringen, doch ist G. äußerst "unscheinbar" und zurückhaltend. Es würde ihr gar nicht gut bekommen, wenn sie in den Mittelpunkt gezerrt werden würde.
Nach umfangreicher Recherche, Gesprächen mit in Deutschland lebenden Afrikanern, mühsamer und z.T. auch kostspieliger Materialbeschaffung sowie einigen anschließend verworfenen Unterrichtsplanungen skizziert sie ihre Unterrichtseinheit wie folgt:

Unterrichtseinheit "Kakao und Schokolade"
1. Einstiegsphase
Die Schülerinnen und Schüler fertigen ein "Schokoladen-Museum" an.
2. Bestandteile der Schokolade
Ein Geschmackstest mit unterschiedlichen Schokoladensorten führt zu den verschiedenen Anteilen der Bestandteile.
3. Kakaoanbauländer
Ein mit einigen Produkten des Schokoladen-Museums geschmückter Ast leitet die Frage nach der Herkunft des Kakaos ein.
4. Das Leben in Ghana
Die Thematik wird an einem konkreten Land - hier: Ghana - festgemacht.
5. Kakaoanbau und -ernte
Anschließend wird der Kakaoanbau dargestellt (Kakaokiste/Videofilm/Folien ...).
6. Kulturgeschichte des Kakaos
Texte, Folien usw. bilden die Kulturgeschichte des Kakaos ab.
7. Kakao-Handel
Die ungerechten Handelsbedingungen werden hier thematisiert.
8. Abschluss
Die Schülerergebnisse werden auf dem Schulfest präsentiert.

Wie steige ich ein?
Die Thematisierung von so genannten Entwicklungsländern war schon immer ein Anliegen von Frau T. Aufgewachsen in einer Wohlstandsgesellschaft denkt sie bereits seit ihrer Kindheit, es ist eine Schande, wie Menschen in anderen
Teilen der Erde leben und leiden müssen.
Daher möchte sie ihre Schülerinnen und Schüler in manchen Dingen des Lebens aufklären und ihnen mit auf den Weg geben, für eine gerechtere Welt einzutreten und dieses Ziel offensiv zu vertreten.
Als Einstieg wählt Frau T. ein von allen Schülerinnen und Schüler gemeinsam zusammengetragenes "Schokoladenmuseum". Neben Schokolade, Kakaogetränkepulvern und Schokoladenprodukten in verschiedensten Varianten sammeln sich hier - von Frau T. mitgebracht - auch unerwartete Dinge, etwa Kakaobutter aus dem Kosmetikladen und Zäpfchen. Schnell ist den Schülerinnen und Schülern klar, dass uns ohne Kakao etwas Wesentliches fehlen würde.
Mit den Schülerinnen und Schülern bespricht Frau T. die weitere Vorgehensweise. In den Folgestunden lernen sie einiges über die Bestandteile der Schokolade, über die Kakaoanbauländer und über das Leben in Ghana kennen.

Gemeinsamkeiten!
Frau T. weiß, dass Gemeinsamkeiten zwischen den der Kinder und Jugendlichen hier bei uns und in fremden Ländern auf Interesse stößt. Diese Motivationshilfe macht sie sich zunutze und leitet einige Unterrichtsstunden mit einem Dia als Gesprächsimpuls ein.

Afrikanische Großstadt
Auch das ist Afrika!

Dabei versucht sie auch ein ausgewogenes Bild von Ghana zu vermitteln. So zeigt sie z.B. neben Dias vom Leben auf dem Lande auch Dias aus der ghanaischen Hauptstadt Accra.

 

Das Leben in Ghana
Frau T. weiß, eine Identifikationsfigur ist für die Schülerinnen und Schüler günstig. Bei der Materialrecherche ist sie fündig geworden. Anhand einer Diaserie wird ein ghanaischer Junge vorgestellt.

Fußballspielende Kinder
Schulpause in Ghana

 

 

 

 

 

 

 

 

 





Mit der Präsentation weiterer Bausteine aus der Diaserie wird das Land Ghana vorgestellt. Begeistert sind die Schülerinnen und Schüler als sie einzelne Punkte (u.a. Essen, Erzählkunst, Weben, Musik) in Freiarbeit selbständig vertiefen können.
In der sich anschließenden Phase beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Kakaoanbau und mit ausgewählten Punkten zur Kulturgeschichte des Kakaos.

Kakao-Handel
Mit einem kurzen Text steigt Frau T. in die ungerechten Handelsbedingungen ein. Mit der Aufteilung einer Riesenschokolade zeigt sie den Schülerinnen und Schülern die ungerechten Bedingungen. Mit Hilfe eines Rollenspiels lässt sie diese Ungerechtigkeit die Schülerinnen und Schüler erfahrbar machen. Anschließend wird eine zweite Schokolade aufgeteilt, die die Änderung der Verteilung, d.h. die stärkere Berücksichtigung des Rohstofflieferanten, berücksichtigt. Die Schülerinnen und Schüler erkennen sofort, dass dies wesentlich gerechter ist.
Hier setzt Frau T. einen Videofilm über eine "TransFair-Kooperative" in Ghana ein, um die Schülerinnen und Schüler darüber zu informieren, wie der "faire" Handel funktioniert.
Frau T. sucht gerne außerschulische Lernorte auf, weiß sie doch, wie motivierend so etwas auf Kinder und Jugendliche wirkt. Was bietet sich also mehr an als ein Besuch in einem Eine-Welt-Laden. Nach vorheriger Absprache besucht die Klasse an einem Vormittag für einige Stunden das Geschäft. Für einige Schülerinnen und Schüler ist es der erste Besuch eines Eine-Welt-Ladens. Eine Mitarbeiterin des Hauses führt sie durch das Geschäft. Die Schülerinnen und Schüler stöbern sofort in den Regalen und schnell finden sich über die unterschiedlichsten Waren zahlreiche Gesprächsanlässe über die Welthandelsbedingungen.
Natürlich wollen die Schülerinnen und Schüler ihr Vorwissen einbringen und sehr schnell wird über das Für und Wider des Fairen Handels diskutiert. Auch wenn alles ein wenig beengt ist und wegen der Räumlichkeiten improvisiert werden muss, sind die Schülerinnen und Schüler interessiert bei der Sache.

Wie geht es weiter?
Natürlich weiß auch Frau T. nicht immer eine Antwort auf die Frage, wie die Probleme gelöst werden können. Sie ist aber der Meinung, dass sie mit der Skizzierung des Fairen Handels den Schülerinnen und Schülern einen möglichen Lösungsweg aufgezeigt hat. Sie ist sich bewusst, dass mit dem Kauf einer fair gehandelten Schokolade die Probleme der Kakaoanbauer nicht gelöst sind. Andererseits hat sie den Schülerinnen und Schülern aber damit aufgezeigt, dass u.a. die ungerechten Welthandelsbedingungen ursächlich für viele Probleme sind und dass der faire Handel das Handeln der Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern fordert und sie nicht zu Almosen empfangenden Objekten degradiert.

Abschluss
Zusammen mit den Kindern und einigen Eltern bereitet Frau T. das abschließende Schulfest vor. Zu diesem Zweck werden mit Schokosüßigkeiten behängte modellierte Kakaobäume geschmückt, Spiele entwickelt, die Schokoladenherstellung nachgezeichnet und über Afrika und den gerechten Handel mit Plakaten, Büchern, Videofilmen, Stoffen, Spielzeug, Musikinstrumenten usw. informiert.
Die Eltern der Klasse, aber auch Außenstehende nutzen die Chance, sich über einzelne Sachverhalte zu informieren.

Zu guter Letzt
Frau T. ist glücklich und stolz. Die ganze Unterrichtseinheit über waren die Schülerinnen und Schüler bei der Sache. Sie haben neben vielfältigen Informationen über den Kakaoanbau und die Schokoladenherstellung sehr viel über das Leben in Ghana gelernt. Sie haben außerdem erfahren, mit welcher Achtung man den Menschen dort begegnen muss, denn wie schwierig das Weben von Kente-Stoffen ist, wie schön Trommelrhythmen und Gesang zueinander passen und wie anstrengend die Arbeit auf einer Kakaoplantage ist, davon hatten sie vorher ja keine Ahnung.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 1/2002 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,5 MB).

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Universität Bremen - Fachbereich 12
Erziehungs- und Bildungswissenschaften

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