Als Grundlage für meine Arbeit mit den Kindern
wählte ich zwei Bücher: »Gita und ihr Dorf in Indien«
und »Gita will Tänzerin werden«. Das neunjährige
Mädchen Gita lebt mit ihrer Familie im Dorf Balipada in dem Bundesstaat
Orissa, im Norden der Ostküste Indiens gelegen. Die verschiedenen
Bereiche des dörflichen Lebens werden den Kindern vorgestellt:
das Zusammenleben der Familie, das Leben im Haus und im Dorf, Wasser
holen am Brunnen, Essen kochen, Einkaufen auf dem Basar, der Reisanbau,
Schule, Kinderspiele, aber auch die indische Religion und ihre Bedeutung
für das alltägliche Leben. Im zweiten Buch kommt eine Tanzgruppe
ins Dorf. Die begeisterte Gita fährt als »blinder Passagier«
mit der Tanzgruppe nach Kalkutta und darf bei der berühmten Tänzerin
Sandschukta indischen Tanz erlernen. Dabei werden die Kinder mit Musik
und Tanz Indiens bekannt gemacht und mit dem Leben in der Großstadt.
Um einer einseitigen Sichtweise vorzubeugen, wollte ich den Kindern
nicht nur das dörfliche, sondern auch das städtische Leben
zeigen, auch wenn die Mehrheit der Inderinnen und Inder (ca. 70 % der
etwa 913,6 Millionen) in ländlichen Gegenden wohnt. Bei den Sprachen
haben wir uns auf Hindi (laut Verfassung zur Staatssprache erklärt,
obwohl in Indien 14 verschiedene Sprachen existieren) und Englisch beschränkt.
Der Hinduismus (ca. 80 % aller Menschen in Indien sind Hindus) und sein
Einfluss auf das tägliche Leben wurde den Kindern vor allem durch
die beiden Bücher aber auch persönliche Beobachtungen, die
ich auf einer Reise durch den Norden Indiens gewonnen hatte, vorgestellt.
Tanz und Musik waren für uns alle eine gute Gelegenheit, uns in
fremde Welten fühlend und handelnd einzuleben.
Das Projekt beginnt
Als Erstes informierte ich die Kinder meiner zweiten Klasse (10 Mädchen
und 14 Jungen), die im ersten Schuljahr nach der Methode »Lesen
durch Schreiben« arbeitete und gute Erfahrungen mit Stationsbetrieb
und fächerübergreifenden Projekten gesammelt hatte, über
unser neues Projekt. Mir war die Einbeziehung der Kinderinteressen ein
wichtiges Anliegen. Schon an dieser Stelle konnten die Kinder erste
Fragen und Anregungen geben, was sie am Thema Indien besonders interessierte.
Diese Fragen habe ich bei der weiteren Arbeit berücksichtigt. Da
die Arbeit in diesem Projekt sehr umfangreich angelegt war, wählte
ich bei der Durchführung eine Mischform zwischen gemeinsam durchgeführten
Stunden, der Arbeit in der »Indien-Werkstatt« und den notwendigen
Präsentationsrunden. Alle Fächer wurden in die Arbeit eingebunden
Mathematik und Sport nur zum Teil), der Unterricht nach »Fächern«
wurde weitgehend aufgelöst. Zur Verfügung standen uns 14 Stunden
pro Woche für die Projektarbeit.
Als Einstieg in die Arbeit wählte ich eine Traumreise: »Wir
fliegen nach Indien«, von indischer Musik und dem Duft entzündeter
Räucherstäbchen (bekommt man in Asienläden) begleitet.
Nach einem kurzen Gespräch über ihre Eindrücke betrachteten
die Kinder den Bucheinband von »Gita und ihr Dorf in Indien«.
Gruppenweise konnten Fragen aufgeschrieben werden, die wir im weiteren
Verlauf klärten und die aus der »Frageecke« in die
Ecke »Das wissen wir schon« wanderten. Diese Wissensecke
dokumentierte den zunehmenden Wissensstand der Kinder, der ständig
durch neue Informationen ergänzt wurde. Die Kinder sammelten sehr
unterschiedliche Fragen und ließen dabei ihre persönlichen
Bedürfnisse anklingen: Ist Gita ein Kind? Hat es eine Familie?
Hat Gita auch ein Haustier wie ich? Muss sich Gita die Zähne putzen?
Wie heißt die Sprache, die Gita spricht? Geht Gita zur Schule?
Haben die Leute da keine Autos?
Namasthe - Guten Tag
Um
alle noch mehr einzustimmen, las ich im Kreis die beiden ersten Seiten
vor und wir lernten Gita und ihre Familie genauer kennen. Die Texte
des Buches stellen an viele Kinder Anfang des zweiten Schuljahres eine
hohe Anforderung, deshalb habe ich auch im weiteren Verlauf immer wieder
Passagen vorgelesen oder zu Bildern erzählt und erzählen lassen.
Die dabei aufgetretenen Fragen konnten dann sofort geklärt werden.
In den gemeinsamen Stunden beschäftigten wir uns mit den schon
oben erwähnten unterschiedlichsten Lebensbereichen, häufig
in Anlehnung an das Buch. Die Kinder probierten indische Früchte - besonders beliebt waren Ananas und Mango. Wir sprachen an, dass
das Küchenhaus die Arbeitsdomäne der Frauen ist und es den
Männern nicht erlaubt ist, das Küchenhaus zu betreten. Die
Kinder lernten, wie wichtig den Indern die Verehrung ihrer verschiedenen
Götter ist und welche Bedeutung die Religion im alltäglichen
Leben der Menschen hat, vom morgendlichen Gebet - der Puja (gesprochen
pudscha) - über den Tempelbesuch bis zum Vorlesen aus den
heiligen Schriften und dem Malen der heiligen Zeichen: Mandalas als
Versenkung ins Gebet und »Glückszeichen« vor den Türen.
Alle lernten im Religionsunterricht ein indisches Gebet sprechen (aus
»Gita und ihr Dorf in Indien« S. 6 und der dazugehörigen
Materialmappe) und erfuhren etwas über die verschiedenen Götter
der Hindus. Bald begrüßten wir uns nur noch mit »NAMASTHE«
und legten dazu die Hände zum Gruß zusammen.
Alle
Kinder lernten die Zahlen von 1 bis 10 auf Hindi zählen und schreiben.
Als Grundlage dazu erhielten alle Kinder ein Arbeitsblatt mit einigen
gebräuchlichen Idiomen und den Zahlen von eins bis zehn auf Hindi.
Immer wieder verglichen wir das Leben in Balipada mit dem Leben hier,
entdeckten viele Ähnlichkeiten, aber auch große Unterschiede.
Großen Spaß hatten die Kinder daran, Wasser vom »Brunnen«
zu holen und auf dem Kopf zu balancieren. Die Kinder erfuhren aber auch
von den religiösen Vorschriften, die es verbieten, dass jemand
außerhalb der eigenen »Familie« die Wassergefäße
berühren darf, da das Wasser sonst als »unrein« gilt
und nicht mehr verwendet werden darf (Das Kastenwesen in Indien erklärte
ich als Großfamilie im weitesten Sinn, da es meines Erachtens
für die Kinder in diesem Alter anders nicht begreiflich zu machen
ist).
Das Leben ist nicht ohne Probleme
Natürlich sprachen wir über die Schule. In dem Dorf Balipada
lernen die Kinder verschiedener Altersgruppen zusammen in einem Raum.
In der Schule lernen sie eine neue Sprache - Englisch. Die Sprache,
die von den Engländern während der Kolonialzeit eingeführt
wurde und nun in allen Gebiete Indiens verstanden wird. Auch hier stellten
die Kinder wieder Vergleiche zu ihrer eigenen Situation an. In diesem
Zusammenhang habe ich mit den Kindern problematisiert, dass in Indien
längst nicht alle Kinder zur Schule gehen dürfen - vor
allem die Mädchen nicht. In einem Rollenspiel versuchten sich die
Kinder in folgende Situation hineinzuversetzen:
Gitas Freundin soll nicht mehr zur Schule gehen
dürfen. Das hat ihr Vater beschlossen. Stattdessen soll nun der
jüngere Sohn zur Schule gehen, weil das Geld nicht für den
Schulbesuch beider Kinder ausreicht. Der Vater sagt: »Dieses Mädchen
heiratet sowieso in drei Jahren. Sie soll jetzt ihrer Mutter bei der
Hausarbeit helfen. Ihren Namen schreiben kann sie ja und etwas lesen
und rechnen hat sie auch gelernt. Es ist auch viel wichtiger, dass ein
Junge was lernt!«
Dass jemand nur seinen Namen schreiben lernen soll und ein bisschen
lesen und rechnen, führte zunächst zu unterschiedlichen Reaktionen
der Kinder. Einige meinten, dass sie auch lieber etwas anderes machen
wollten als immer nur lernen. Andere führten an, dass so ein bisschen
lesen und rechnen später im Beruf aber wohl nicht ausreiche. Wieder
andere begriffen schnell, dass Gitas Freundin dann nicht nur spielen
kann, sondern die Hausarbeit machen muss - für viele Kinder
keine besonders attraktive Alternative zum Lernen. Insgesamt entspann
sich unter den Kindern eine lebhafte Diskussion, an deren Ende die meisten
der Meinung waren, lernen sei doch sehr wichtig, wenn auch manchmal
etwas anstrengend! Alle, auch die Jungen der Klasse fanden, dass alle
Kinder, also auch die Mädchen etwas lernen können müssen.
Die Kinder waren äußerst kreativ und führten viele Argumente
für den weiteren Schulbesuch von Gitas Freundin auf. Sie ließen
Gita, die Freundin, Schulkameraden, Gitas Eltern und den Lehrer im Rollenspiel
gegen den Vater der Freundin auftreten. Diese Rolle war für die
Kinder sehr schwer auszufüllen, da sie sich in die Argumentation
des Vaters kaum eindenken konnten. Daher habe ich nach anfänglichen
Schwierigkeiten diese Rolle übernommen. Nicht immer konnten die
Kinder den »Vater« mit ihren Argumenten überzeugen.
Umso zufriedener waren sie, wenn sie es nach ausgefeilter Argumentation
geschafft hatten. Sehr erstaunt waren die Kinder übrigens,als ich
ihnen berichtete, dass manche Eltern vor 30 bis 40 Jahren hier bei uns
noch ähnlich gedacht haben wie der Vater von Gitas Freundin. Lernen
dürfen war plötzlich nicht mehr ganz so selbstverständlich!
Wir thematisierten, dass viele Kinder mithelfen müssen, um etwas
zu essen zu verdienen. Dass nicht die »bösen« Eltern
Schuld an der mangelnden Bildung ihrer Kinder haben, wurde allen sehr
deutlich, als wir über den Reisanbau sprachen und über den
mangelhaften Lohn, den die Frauen dafür von Gitas Vater erhalten.
(Vater Raghu ist Großgrundbesitzer und lässt auf seinen Feldern
den Reis von Frauen aus dem Dorf anpflanzen, die dafür jeden Tag
eine entsprechende Portion Reis erhalten, aber kein Geld). Obwohl ich
Sorge hatte, dass die Kinder eine gewisse Antipathie gegenüber
Vater Raghu entwickelten und diese ihren Zugang zu Gitas Geschichte
beeinträchtigen könnte, waren die Kinder sehr wohl in der
Lage, zwischen den unterschiedlichen Personen zu unterscheiden und haben
sich auch im Folgenden gerne mit Gita identifiziert. Die Kinder begriffen
- auch hier im Rollenspiel (für eine sechsköpfige »Familie«
gab es zum »Frühstück« nur eine Scheibe Brot),
dass bei sehr wenig Einkommen jede Hand mithelfen muss. Sie entwickelten
viele Vorschläge, was ein jedes Familienmitglied tun könnte:
Wir gehen alle mit aufs Feld und helfen bei der Arbeit. Wir verkaufen
Früchte. Wir basteln Ketten und verkaufen sie im Dorf. Wir fragen
die Nachbarn, ob sie uns was abgeben. Ich gehe morgens Zeitungen austragen,
dann verdiene ich etwas dazu (Der ältere Bruder des betreffenden
Schülers verdient sich so ein kleines Taschengeld). Ich gehe für
die Nachbarin einkaufen ... Manche dieser Vorschläge wurden
von den Zuhörern als fragwürdig angesehen. (Ob die anderen
Familien wohl mehr zu essen haben und etwas abgeben können? Wer
weiß, ob die so viel Geld haben und selbstgebastelte Ketten kaufen?
Vielleicht lesen die Leute in Balipada gar keine Zeitung!) Aus diesen
Überlegungen spricht meines Erachtens, dass sich einige Kinder
wirklich in die Lage manches indischen Kindes und seiner Familie hineinzuversetzen
bemühten. Ganz kurz ging ich auf die vielen indischen Kinder ein,
die zu Spottlöhnen und z. T. als Kindersklaven Teppiche weben müssen.
Gegen solche Arbeitsbedingungen protestierten alle Schülerinnen
und Schüler und waren froh, als ich ihnen von dem Label »Nur
von Erwachsenen hergestellt« berichtete.
Die Kinder lernten aber auch, dass schon vor ganz langer Zeit in Indien
großartige indische Mathematiker lebten. Diese benutzten als Erste
die Zahl Null, die erst viel später im mittleren Osten und in Europa
eingeführt wurde. Wir lernten in unserem Mathematikbuch den berühmten
indischen Mathematiker Srinivasa Ramanujan kennen, der vor ungefähr
hundert Jahren in Indien in der Nähe der Großstadt Madras
geboren wurde.
Um die Hauptnahrung der Inder näher kennen zu lernen, untersuchten
wir Reiskörner mit der Lupe, ließen Reiskörner keimen,
pflanzten sie ein und kochten Reis, den wir mit geschmortem Gemüse
in der Schule verzehrten.
Auch beim Spielen waren die Kinder ganz begeistert, konnten aber aus
der Betrachtung des Bildes (»Gita und ihr Dorf in Indien«,
S. 23) erkennen, dass hauptsächlich die Jungen Zeit zum freien
Spielen draußen fanden, während die Mädchen eher in
den täglichen Pflichten innerhalb der Familien eingebunden sind
und der Mutter helfen müssen.
Im Sportunterricht lernten wir Spiele aus Indien kennen, ich machte
die Kinder aber auch mit einfachen Yogaübungen (samsolidam, Heft
43) bekannt (Yoga kommt ursprünglich aus Indien und wird dort häufig
praktiziert).
Probleme wie die bis heute noch vorhandene Missachtung der Mädchen
innerhalb vieler Familien, ihre frühe Verheiratung und die daraus
resultierenden Mitgiftprobleme habe ich im zweiten Schuljahr bewusst
ausgeklammert. Auch die Armut in den großen Städten habe
ich nur am Rande erwähnt.
»In Deutschland
ist alles pünktlich ...«
Maria Breddermann
Nayana (N) und Harish (H) Gouniyal, beide Anfang
30, leben seit August 1998 in Aachen. Frau Gouniyal hat in Bombay
als Juristin gearbeitet, Herr Gouniyal als Diplomingenieur in
einer großen Softwarefirma. Ich befragte beide nach ihrem
Leben in Indien und ihren Erfahrungen in Deutschland.
Welchen Einfluss haben Traditionen und
Religionen heute noch auf das moderne Indien?
N., H.: 80% der Inder sind Hindus; somit hat der Hinduismus
auch heute noch einen großen Einfluss auf das Alltagsleben
der Menschen. Der Hinduismus vermischt sich aber mit den Traditionen
anderer Religionen: Inder feiern neben Hindufesten ebenfalls
christliche Feste (z.B. Weihnachten), obwohl nur 2% der Inder
Christen sind; aber auch moslemische Feste werden begangen.
Für die Feste aller Religionen kommen Angestellte und Arbeiter
einer Firma zusammen und feiern das Lichterfest ebenso wie das
Zuckerfest oder Weihnachten. Christliche Schulen genießen
einen sehr guten Ruf und gehören zu den bevorzugten Schulen.
Welche positiven Traditionen müssen
eurer Ansicht nach in Indien trotz der Entwicklung zu einem
modernen Staat erhalten bleiben?
N., H.: 1. Der Familienzusammenhalt, denn er ist immer noch
sehr stark und von großer Bedeutung für das gesellschaftliche
Leben. 2. Die Prinzipien des Hinduismus, wie Toleranz und Gleichheit.
Der Respekt vor anderen Religionen und das friedliche Zusammenleben
aller Religionen sind gleichzeitig die Grundlage einer humanen,
menschenfreundlichen Gesellschaft.
Worauf seid ihr stolz als Inderin und Inder?
N.: 1. Auf die Einfachheit der indischen Menschen im Sinne von
Wertschätzung zwischenmenschlicher Werte. Konsum ist weniger
wichtig als ein gutes Familienleben. 2. Auf das Lächeln
der Inder, friedensliebend und offen für alle.
H.: 1. Auf die 5000 Jahre alte Geschichte indischer Zivilisation;
sie gehört zu den drei ältesten Zivilisationen der
Welt. 2. Auf die Toleranz: Jeder wird als Gast empfangen, gleich
welcher Nationalität oder Religion.
Welches stellt für euch das größte
Problem Indiens dar?
N.,H.: Die Bevölkerungsentwicklung!
Es werden viele gute Schritte getan, aber es sind noch nicht
genug. Wir brauchen viel Geduld, aber wir werden sie haben;
das haben wir bei den Engländern bewiesen!
Was ist in Deutschland »anders«
für euch? Was erlebt ihr als positiv, was als negativ?
H.: Der Zeit wird in Deutschland ein viel höherer Stellenwert
zugestanden als in Indien. In Deutschland ist alles pünktlich;
du kannst dich auf alles verlassen. In Indien wird Zeit verschleudert.
90% der einflussreichen Menschen in Indien fliegen mit dem Flugzeug,
aber 95% der Flugzeuge sind unpünktlich! Das indische Essen
und die Sonne fehlen uns in Deutschland.
N.: Ich sehe nicht so große Unterschiede. Überall
auf der Welt streben Menschen das Gleiche an: Ein gutes Familienleben,
Freunde, Feste feiern, Erfolg haben, Geldverdienen. Ältere
Menschen in Deutschland sind viel unabhängiger als in Indien;
sie haben weniger Sorgen, sind aktiver und unternehmungslustiger.
Wie beurteilt ihr die Darstellung von Indien
in deutschen Medien?
N.,H.: Es gibt viele falsche Vorstellungen und Missverständnisse
über Indien. Aber das trifft für viele Länder
der Erde zu - denken wir nur an Afrika! Negative Eindrücke
und Klischees werden zum Bild eines Landes zusammengefügt!
Was könnten Deutsche von Indern, was
Inder von Deutschen lernen?
N.: Deutsche könnten von Indern lernen mehr Toleranz anderen
gegenüber zu zeigen und mehr Geduld zu haben. Inder könnten
von Deutschen lernen, mehr Rücksicht im Verkehr den schwächeren
Verkehrsteilnehmern gegenüber zu zeigen.
H.: Deutsche könnten von Indern lernen, den Wert des Lebens
mehr zu respektieren. Dann respektierst Du auch die anderen
Menschen eher, wie alte Menschen, kranke Menschen, Menschen
in der Familie. Geld ist nicht alles. Inder könnten von
Deutschen lernen, den Wert der Zeit mehr anzuerkennen.
PS.: Am 4.3.99 wurde ihr erstes Kind in Aachen geboren. Indische
Astrologen bestimmten den Namen, nachdem Geburtsort und -zeit
nach Bombay per Email durchgegeben wurde! Kennen gelernt haben
wir uns per Internet - Gegensätze eines modernen Indiens! |
Inder leben nicht nur in Dörfern
Dem dörflichen Leben ein Stück städtische Realität
entgegenzusetzen, war mir äußerst wichtig, damit die Kinder
nicht den Eindruck erhielten, das gesamte Leben in Indien spiele sich
auf dem Lande ab. In den vielen Großstädten Indiens pulsiert
das Leben und verläuft ähnlich hektisch wie bei uns. Das Buch
»Gita will Tänzerin werden« bot eine gute Gelegenheit
dazu, die städtische Welt genauer zu betrachten und ermöglichte
bei genauer Betrachtung der Bildseiten, die vielfältigen Aspekte
kennen zu lernen (viele Menschen, wimmelnder Autoverkehr, englische
Busse und Rikschas, Telefon und Menschen, die nicht selber schreiben
können, Moderne und Tradition, Neustadt und Altstadt ...). Da
bei diesem zweiten Buch die Geschichte noch intensiver von den Erlebnissen
des Mädchens Gita geprägt wird, liebten die Kinder dieses
Buch ganz besonders. Ich stellte es ihnen mit Hilfe bunter Overheadfolien
vor, las wieder vor oder erzählte zu den Seiten oder ließ
die Kinder Dinge entdecken.
Arbeit in der Indien-Werkstatt
Neben den gemeinsamen Stunden (ungefähr ein Drittel der gesamten
Stundenzahl) arbeiteten die Kinder allein, zu zweit oder auch als Gruppe
an ihren Werkstattaufgaben. Alle erhielten in der 5. Stunde einen Werkstattpass,
der wie immer Pflichtaufgaben und Wahlaufgaben enthielt. In die Pflichtaufgaben
waren auch Aufgaben zum Grundwortschatz und freie und gebundene Schreibaufgaben
integriert - für 4 Wochen ca. zwei bis drei Pflichtaufgaben
pro Woche. Die Wahlaufgaben konnten die Kinder natürlich frei bearbeiten.
Neu begonnene Arbeiten wurden gelb (Pflicht) oder rot (Wahl) eingefärbt
und bei Beendigung in der Spalte erledigt mit einem Kreuzchen versehen.
Fertige Arbeitsblätter haben die Kinder ins Gita-Heft - ein
DIN-A4-Heft - eingeklebt. Einmal in der Woche habe ich die Hefte
eingesammelt und kontrolliert. So erhielten die Kinder sofort schriftlich
wie mündlich Rückmeldung über ihre Arbeit. Jeweils eine
Station war ohne speziellen Auftrag, konnte also von den Kindern nach
ihren eigenen Vorstellungen ausgeführt werden. Aufgaben, die nicht
im Werkstattpass aufgeführt sind, haben wir gemeinsam bearbeitet.
Der Pass wurde vorne ins Gita-Heft auf die erste Seite geklebt und dokumentierte
den individuellen Lernfortschritt jeden Kindes.
Dscharkakani,
das Spiel mit den 4 Steinen
Dieses Spiel ist bei Kindern in Indien sehr beliebt.
Du brauchst einen Mitspieler, den Spielstein und je 4 Steine.
Jeder
legt abwechselnd immer einen Stein auf die Punkte. Sind alle Steine
gesetzt, so werden sie von einem Punkt entlang der Linie auf einen
anderen geschoben, wenn dieser frei ist. Bleibt hinter einem Stein
ein Punkt frei, kann der Partner über den gezogenen Stein
Springen. Er darf diesen dann aus dem Spiel wegnehmen.
Gewonnen hat, wer alle Spielsteine seines Partners
eingezogen hat.
Du kannst dieses Spiel auch
spielen. Wenn du die Regeln nicht verstanden hast, gehe zum Experten! |
Bei der Zusammenstellung der Aufgaben, Pflicht- wie
Wahlaufgaben, habe ich darauf geachtet, dass möglichst viele Sinne
angesprochen wurden und nicht nur mit dem Kopf, sondern auch immer wieder
mit der Hand gearbeitet wurde. Lese-, Schreib- und Malaufgaben wechselten
mit anderen Tätigkeiten. Für die Leseaufträge in der
Werkstatt musste ich viele Texte aus dem Buch vereinfachen, da die Buchtexte
für die selbständige Arbeit oft zu anspruchsvoll waren. Manche
Leseaufträge bezogen sich aber auch auf Ausschnitte aus den Texten,
die ich dann den Kindern in vierfacher Form kopiert zur Verfügung
stellte. (Das Buch »Gita und ihr Dorf in Indien« hatten
wir in dreifacher Ausfertigung vorliegen.) Viele Ergebnisse wurden in
der Klasse ausgestellt - unsere Klasse wurde immer mehr zu einem
indischen Raum: Gebastelte Blumenketten aus Papier, mit Stempeln aus
Indien (sie sind in Eine-Welt-Läden oder über den Team-Verlag
zu beziehen) bedrucktes Papier und Stoffsets schmückten unseren
Raum. Es roch nach indischen Gewürzen. Glückszeichen, welche
die Kinder nach Vorlagen abgemalt hatten, wurden an der Wand und über
dem Eingang angebracht. Dabei war das Malen mit Reismehl (erhält
man in Asienläden) zwar interessant, aber auch ganz schön
schwierig, sodass viele Kinder lieber auf die ihnen vertraute Technik
des Malens mit Jaxon-Kreide zurückgriffen. Sie malten zur Entspannung
und als Konzentrationsübung Mandalas aus, während wir Ragamusik
hörten. Ich sprach allerdings auch die religiöse Bedeutung
dieser Gemälde an, sodass meine Kinder bis heute die vielen auf
dem Markt befindlichen themenorientierten Mandalas (Jahreszeiten-, Weihnachts-,
Mathematik-Mandalas ...) entschieden ablehnen. Fotos aus Indien und
Bilder aus den Gita-Büchern (Farbkopien) mit freien Texten der
Kinder dazu ließen Indien immer realistischer für uns werden.
Gegen Ende der jeweiligen Arbeitsphasen (ungefähr eine Zeitstunde
am Tag) gab es jeweils eine Präsentationsrunde, in der die Ergebnisse
vorgestellt und eventuelle Schwierigkeiten mit dem Material besprochen
wurden. Diese Phase wurde auf Wunsch der Kinder immer von der Ragamusik
eingeleitet, die sie aus der Traumreise kannten. Experten, die bestimmte
Stationen betreuten, erklärten Hilfe suchenden Kindern, was sie
bei dieser Station zu bearbeiten hatten. Fotos der jeweiligen Experten
wurden zu den entsprechenden Stationen gehängt, um eine klare Zuordnung
zu gewährleisten. Die Arbeit in der Indien-Werkstatt war bei den
Kindern sehr beliebt und hat ihre Selbständigkeit beim Lernen erheblich
gefördert.
Indien ist der
größte demokratische Staat der Erde
Maria Breddermann
Indien
ist das siebtgrößte Land der Welt. Es umspannt rund
3200 km vom Norden in den Süden und 2800 km vom Westen
in den Osten. Dieser gigantische Subkontinent ist, was seine
Fläche, aber auch die unterschiedlichen Landschaften und
verschiedenen Kulturen betrifft, eher mit Europa als mit Deutschland
zu vergleichen. Die indische Bevölkerung lebt je nach Region
in tropischen oder subtropischem Klima, in trockenen Steppen,
feuchten Wäldern oder in kalten Gebirgen. Auf mehr als
der Hälfte der gesamten nutzbaren Fläche wird Reis
angebaut.
Die westlichen Staaten gelten als Kornkammern des Landes. In
Indien lebt etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung.
Indien ist die Wiege der Weltreligionen, die bis auf den heutigen
Tag das Leben der Bevölkerung bestimmen. Fast ein Jahrhundert
lang war Indien britische Kolonie, bis es am 15. August 1947
die Unabhängigkeit erlangte.
Indien besitzt als Staatsform eine parlamentarische Republik
und ist u. a. Mitglied der UNO, der Blockfreienbewegung und
des Commonwealth. Nach seiner Verfassung ist Indien ein säkularer
Staat, in dem Freiheit des Glaubens und der Gedanken gesichert
sind.
Indien teilt sich in drei geographische Hauptregionen: die große
Gebirgsregion im Norden mit den drei fast parallel verlaufenden
Ketten des Himalaja daran anschließend die Tiefebene der
großen Flüsse Indus, Ganges und Brahmaputra die südliche
Halbinsel mit dem Dekkan-Hochplateau, eingerahmt von den steil
zum Meer abfallenden Gebirgszügen Eastern und Western Ghats.
Das typische Klima wird geprägt vom »Sommermonsun«
(Juni bis September), der den überwiegenden Teil der Niederschläge
bringt. Zeitlich und räumlich schwankend fallen im Jahresdurchschnitt
im NO bis zu 10000 mm und weniger als 130 mm in Teilen Rajasthans
im NW. Die für den Ackerbau und die Energiegewinnung wichtigen
Wasserreserven sind aufs Ganze gesehen sehr reichhaltig, auch
wenn es in einzelnen Landesteilen immer wieder zu Dürreperioden
kommt (nach: Handbuch 3. Welt Bd., 1983).
| Indien in Zahlen |
| Fläche: |
3.290.000 qkm (BRD 360.000
qkm) |
| Einwohner: |
967.000.000 (BRD ca. 80.000.000) |
Lebenserwartung: |
61 Jahre für Männer
und Frauen |
| Kindersterblichkeit: |
11,6 % |
| Jährliches Bevölkerungswachstum: |
2 % |
| Analphabetenrate: |
48 % (1951: 84 %) |
| Sprachen: |
Hindu (40 %) und Englisch als
Staatssprachen, daneben 18 weitere überregional anerkannte
Sprachen (1961 wurden 1652 Sprachen unterschieden) |
| Religion: |
80,3 % Hindus, 11 % Muslime,
2,4 % Christen (überwiegend Katholiken), 1,1 % Sikks,
0,5 % Dschainas, 0,7 % Buddhisten, 120.000 Parsen |
| Städtische Bevölkerung: |
27 % |
| Beschäftigte in der Industrie: |
11 % |
| Beschäftigte in der Landwirtschaft: |
63 % |
| Hauptstadt: |
Neu-Delhi (7 Mio. Einwohner) |
| Millionenstädte: |
17 (Bombay, 13 Mio.) |
| Bundesstaaten |
22 |
| (nach Fischer Weltalmanach
1997 und Münzinger Archiv 1998) |
Auch das ist Indien ...
Indien ist ein sich rasch entwickelndes Schwellenland. Die indische
Wirtschaft befindet sich im Umbruch. Unser Indienbild ist geprägt
von Begriffen wie »Armut«, »Kastenwesen«,
»Kinderarbeit« oder auch »Witwenverbrennung«.
Asit Datta, ein in Deutschland lebender Inder, meint dazu: »Alles,
was man über Indien sagt, stimmt - aber auch das Gegenteil«.
In den letzten Jahren hat Indien eine rasante Entwicklung durchgemacht;
innerhalb von etwa 3 Jahren ist Indien, das Land der Bauern,
zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten auf den Gebieten der
Entwicklung, Modifizierung und Wartung von Computerprogrammen
geworden. Bangalore, die Zweimillionenstadt im Süden des
Landes, entwickelte sich zum »Silikon-Valley« Indiens.
Das moderne Indien sollte auch Kindern vermittelt werden, um
nicht durch einseitige Unterrichtsarbeit die vorhandenen Klischees
über Indien zu vertiefen. Harish Gouniyal, mein Gesprächspartner,
meint dazu: "Auch wir Inder haben unsere Wurde und empfinden
die Gleichsetzung von Indien und Armut als entwürdigend."
Deshalb im Folgenden "Blinklichter", die die andere
Seite der Medaille Indiens zeigen sollen:
- Indien hat als Wirtschaftsmacht - vom Bruttosozialprodukt
(absolut) her - Deutschland überholt.
- Indien ist der größte Lieferant für Arzneimittelgrundstoffe.
- Indien besitzt ein enormes Wissenschaftspotential. Allein
die Universität Bombay wird von 500.000 Student/innen besucht.
Aufgrund der großen Anzahl an Ingenieurstudent/innen (pro
Jahr werden 500.000 graduiert) besitzt Indien eine der bedeutendsten
Softwareindustrien der Welt.
- Jedes Jahr bewerben sich 10 Millionen Student/innen auf 40.000
Studienplätze. Für Informatikstudienplätze werden
nur die besten 100 genommen, weshalb indische Softwarefachleute
zu den besten gehören, was Ausbildungsniveau und Leistungsbereitschaft
angeht.
2/3 der amerikanischen Softwarespezialisten sind Inder!
Für indische Mädchen und Frauen ist die Bildung von
der Grundschule bis zum Abitur kostenfrei!
- Indien ist das Land bedeutender Nobelpreisträger C.V.
Raman für Physik, Chan Drashmerhar für Astrophysik,
Amartya Sen für Wirtschaft, Ramanujan für Mathematik
u.v.m.
Letzterer gehört zu den bedeutendsten Mathematikern der
Welt. Seine mathematische Genialität hat u.a. Eingang gefunden
in ein deutsches Mathematikschulbuch für die Grundschule!
(Das Zahlenbuch 2. Schuljahr, Klett Verlag, Stuttgart). |
Höhepunkte unserer Arbeit
Einmal in der Woche war besondere Vorstellungsrunde im Kreis. Bei den
Klängen von Ragamusik wurden Räucherstäbchen angezündet
und ich las indische Märchen vor. Hier konnten die Kinder Dinge
vorstellen, die sie herausgefunden hatten oder Theater spielen.
Sehr gern haben alle indische Lieder (aus den Materialmappen zu den
Gita-Büchern) gesungen, ein Lied haben wir sogar auf Hindi gelernt.
Das Regenlied und das Schlaflied für Visal wurden - wie es
in Indien oftmals üblich ist - von Handbewegungen begleitet,
die wir im Unterricht gemeinsam entwickelten. Die Handbewegungen zum
Lied vom blauen Wasser (»Gita will Tänzerin werden«,
S. 23) stellte hohe Anforderungen an die Koordination der Hände,
aber die Kinder waren davon begeistert. Sie haben sich gegenseitig Mut
gemacht und keiner hat aufgegeben. Auch mit den Instrumenten der indischen
Musik haben sich die Kinder auseinander gesetzt. Das indische Saiteninstrument
Sitar wurde mit unserer Gitarre verglichen, indische Trommeln mit Trommeln
aus dem Orffinstrumentarium oder dem Schlagzeug einer Rockband. Leider
gelang es mir nicht, einen Sitarspieler einzuladen, so mussten wir uns
mit Abbildungen und Hörbeispielen begnügen. Trommeln war bei
allen äußerst beliebt. Auf den Bau von Trommeln habe ich
verzichtet. Wir nutzten mitgebrachte Eimer und Waschmittelkartons, wobei
jedes Kind eigene Rhythmen entwickelte, welche von den anderen nachgetrommelt
wurden. Meine indische Trommel wurde bestaunt und jedes Kind durfte
einmal seinen Rhythmus darauf trommeln. Ich erzählte den Kindern,
dass in den siebziger Jahren viele berühmte Beat-Musiker bei indischen
Trommlern gelernt haben, so auch die Beatles.
Zufälligerweise
wurden zur Zeit unserer Indieneinheit mehrfach Berichte über Indien
im Fernsehen gesendet. Kurze Ausschnitte über die Tierwelt (Tiger,
Elefanten) und sogar eine kleine Sequenz aus dem Tanz einer indischen
Tempeltänzerin konnte ich auf Video aufnehmen und den Kindern zeigen.
Der Tanz sprach die Kinder sehr an und viele waren hoch motiviert, auch
ein bisschen so tanzen zu lernen. Selbst ein großer Teil der Jungen,
die sich ja sonst beim Tanzen etwas schwer tun, war begeistert, und
alle gaben ihr Bestes. Die Musik zu dem Tanz (Musikkassette zur Materialmappe
»Gita will Tänzerin werden«), den die Kinder lernten,
war rhythmischer und klarer strukturiert als die Ragamusik. Die Abfolge
der Bewegungen habe ich mir selbst ausgedacht - in Anlehnung an
den Tempeltanz aus dem Fernsehen und den Vorschlägen aus der Materialmappe
von Unicef. Nur die Ausgangsstellung (Fußspitzen jeweils nach
außen, die Fersen gegeneinander gestellt) haben wir übernommen.
Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch einer Inderin, die ich
eingeladen hatte. Viele Fragen, die wir gesammelt hatten, konnten jetzt
ganz authentisch beantwortet werden. Dabei hat sich als äußerst
günstig herausgestellt, dass ich vorher mit Frau S. ein längeres
Gespräch führen und ihr die Projektarbeit vorstellen konnte.
Auch die eventuellen Fragen der Kinder konnten wir kurz ansprechen.
So war sie bei ihrem Besuch nicht überrascht, als die Kinder fragten:
Warum dürfen in Indien nicht alle Mädchen zur Schule gehen?
Warum verdienen manche Eltern so wenig, dass sie auch die Kinder mitarbeiten
lassen müssen? Wo sind Sie geboren, in der Stadt oder auf dem Land?
Welches ist Ihr Lieblingsgott?
Unser Gast beantwortete mit Geduld alle Fragen der Kinder und berichtete
von ihrer Kindheit in Bombay. Sie half, Indien in seiner Vielfältigkeit
für uns noch erfahrbarer zu machen. Frau S. hatte auch einen Sari
mitgebracht und zeigte uns, wie man ihn genau anziehen muss. Mehrere
Mädchen wurden wie eine Inderin angezogen. Unsere Besucherin zeigte
den Kindern noch einige Tanzschritte und Handbewegungen dazu. Daraufhin
entschlossen sich fünf Mädchen spontan, unseren Tanz vorzuführen.
Einen
Abschluss fand die Arbeit in der Einladung der Eltern zu einer »Indienstunde»
in die Schule. Die Kinder überlegten sich, was sie den Eltern präsentieren
wollten und kamen auf die Idee, dass auch die Eltern in Stationen etwas
über Indien lernen könnten. So wählten die Kinder 10
Stationen aus, die die Eltern dann auf eigens für sie entworfenen
Stationskarten bearbeiten konnten. Zu Beginn wurde jedes Elternteil
mit einer selbstgebastelten Papierblumenkette und natürlich auf
Hindi mit »namasthe« begrüßt. Nach einigen Informationen
der Kinder über Indien, das Mädchen Gita und ihre Geschichte
und einem Begrüßungstrunk (die Kinder hatten Lassi, ein Joghurtgetränk,
in Mengen zubereitet) ging es an die Arbeit. Für die Eltern war
dieses Ereignis eine gute Möglichkeit, Werkstattarbeit kennenzulernen,
und gleichzeitig sich mit der indischen Kultur vertraut zu machen. Viele
Eltern sagten im Anschluss, dass sie in diesen zwei Schulstunden sehr
viel über Indien gelernt hätten und fanden den hohen Wissenstand
ihrer Kinder beeindruckend.


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Vogel
Beide Handflächen vor das
Gesicht halten. Die Hände kreuzen und mit den Daumen einhängen.
Flatterbewegungen mit beiden Händen.
Fisch
Beide Hände aufeinander legen, die Daumen herausstellen
und drehen. Die Hände vor- und zurückziehen, als würde
der Fisch schwimmen.
Rehe
Daumen, Mittel- und Ringfinger zusammenhalten. Den Zeigefinger
und den kleinen Finger in die Höhe strecken.
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Im Rückblick zeigte sich für mich, dass in
diesem umfangreichen Projekt alle Kinder mit großer Freude viel
gelernt haben, und dass sich das Lernen nicht nur auf Lesen, Schreiben,
Rechnen (aber natürlich darauf auch) bezogen hat. Noch heute, einem
Dreivierteljahr später, berichten Kinder, wenn sie etwas über
Indien gehört, gelesen oder gesehen haben. Sie sind der fremden
Kultur mit Respekt gegenübergetreten und haben die Menschen dort
als gleichwertig erlebt. Im Übrigen steht das nächste Projekt
schon an - die Kinder fragen: Wann lernen wir mal wieder was über
Menschen aus anderen Ländern so wie Gita?
Literatur/Medien
FISCHER, B. und E.: Gita und ihr Dorf in Indien, Peter Hammer Verlag,
Wuppertal 1983
FISCHER, B. und E.: Gita will Tänzerin werden, UNICEF o. J.
samsolidam Heft 43, Januar 97, S. 28/29
SHANKAR, RAVI: Ragamusik von Ravi Shankar - The Genius of Ravi
Silallkar. Best.-Nr. CBS 5 67269
UNICEF: Spiele rund um die Welt, Köln 1990
KLETT VERLAG: Das Zahlenbuch 2, Stuttgart o. J.
Musikkassette zum Begleitheft »Gita will Tänzerin werden«
Dieser Artikel wurde veröffentlicht
in Ausgabe 4/1999 von "Eine Welt in der Schule". Sie können
diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,7 MB).

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