Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Wolfgang Brünjes

 
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Die unterrichtliche Umsetzung des Themas «Kakao und Schokolade» findet immer wieder viele Freunde. Auch in unserer Zeitschrift wurde das Thema schon mehrfach aufgegriffen. 1983 veröffentlichten wir den Beitrag «Vom Kakaobaum zur Schokolade - Wem bringt die Frucht Xocoatl Nutzen?», 1988 folgte «Bei den Kakaobauern in Ghana». Beide Unterrichtsbeispiele setzten sich mit dem Kakaoanbau in Ghana auseinander.

Kaobauer bei der ArbeitWarum veröffentlichen wir erneut ein Unterrichtsbeispiel zum Thema «Kakao und Schokolade», das in Ghana angesiedelt ist? Diese Frage lässt sich vor allem durch die Jahre, die seit den obengenannten Veröffentlichungen ins Land gegangen sind, beantworten. In der letzten Zeit sind zahlreiche, z.T. sehr umfangreiche Materialsammlungen, Unterrichtsempfehlungen, Unterrichtseinheiten usw. erschienen, die mehr oder weniger gelungen sind. Wir, d.h. die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der überregionalen Lehrerfortbildungstagung zum Thema «Kakao und Schokolade», haben fast alle diese Materialien gesichtet und ebenso wie eigene Ideen für die unterrichtlichen Erprobungen genutzt. Grundlage bildete dabei die Diaserie «Ich heiße Dienstag», die das Leben in Ghana aus Sicht des 7-jährigen Jungen Kwabena in vielen Lebensbereichen gut abbildet. Wir setzten sie in den Erprobungen ein, da wir der Ansicht sind, dass gerade in der Grundschule eine Anbindung der Thematik an eine konkrete Person wichtig ist.


Kakao als Brückenschlag
Die generelle Begründung für die Themenwahl «Kakao und Schokolade» ist recht einfach: Ein bei Kindern äußerst positiv besetztes Produkt dient dazu, eine Brücke zwischen dem Leben hier und dem Leben anderswo zu schlagen. Über das Produkt «Schokolade», das hier produziert und verbraucht wird, dessen Rohstoffe aber von «sehr weit her» stammen, richten wir unseren Blick somit auf ein sogenanntes Entwicklungsland. Die Schülerinnen und Schüler erfahren dabei einiges über Land und Leute.

Gleichzeitig werden einzelne Lebenssituationen der Produzenten aufgegriffen und im Unterricht behandelt. Darüberhinaus können die gegenwärtigen Welthandelsbedingungen, deren Ungerechtigkeiten, aber auch mögliche Lösungsansätze, thematisiert werden.

Ghana bietet sich dabei als Beispiel für ein Land, das diesen Rohstoff für uns produziert, besonders an. So ist der Kakaoanbau in Ghana von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Mengenmäßig steht Ghana an dritter Stelle der Kakaoexporteure (Stand 1993/94). Da die Bundesrepublik den größten Teil ihrer Rohkakaoimporte aus den westafrikanischen Staaten bezieht, ist hiermit eine Verbindung gegeben. Viele Aspekte des Landes Ghana und des Kakaoanbaus in Ghana sind außerdem gut dokumentiert.

Ghana ist vielfältig
Ein Punkt, der allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern während der Planung und Durchführung des Unterrichtsvorhabens besonders am Herzen lag, soll hier noch einmal explizit erwähnt werden. Ghana ist ein vielfältiges Land. Als Zeichen unserer Wertschätzung sollten wir im Unterricht darauf hinweisen. Genauso wenig wie es uns gefällt, als der Deutsche mit diesen oder jenen eindeutig zuordbaren Eigenschaften zu gelten, sind Ghanaer - wie alle anderen Menschen auch - klassifizier- oder kategorisierbar.

Ghana ist ein afrikanisches Land; unser Afrikabild ist geprägt von Hunger, Elend, Kriegen, Krankheiten, Flüchtlingsströmen usw. Das aber ist nur eine verkürzte Wirklichkeit. Denn es gibt u. a. auch ein fröhliches Ghana (Feste feiern, Musik, ...), ein lustiges Ghana (z. B. die Geschichte von Kane dem Sargbauer, der auf Bestellung Rolls-Royce-Särge baut!), ein trauriges Ghana (z.B. die Sklavenvergangenheit) und ein weises Ghana (z.B. die Wertschätzung der alten Menschen, der Kinder und der Gemeinschaft in der ghanaischen Gesellschaft). Ein Mittel, den Schülerinnen und Schülern im Unterricht die Wertschätzung Ghanas nahe zu bringen, kann unter anderem sein, sie Spielzeug basteln oder Stoffe weben zu lassen. Die Einbeziehung und Aufarbeitung der kulturellen Werte Ghanas (z.B. der Gemeinschaftssinn) sind hierbei ebenfalls wichtig.

Erprobungen
Auf unseren Treffen entwickelten wir unter anderem die folgende Unterrichtsskizze für die Klassen 3 und 4.

I. Einstiegsphase
Die Schülerinnen und Schüler fertigen über 2-3 Tage ein «Schokoladenmuseum» an. Die Produkte dazu werden von den Schülerinnen und Schülern mitgebracht. Ergänzt wird die Ausstellung durch Produkte, die die Lehrerin bzw. der Lehrer mitbringt (z. B. Kosmetikartikel/Kakaopulver).
Eine Supermarkt-Rallye kann durchgeführt werden, wenn die Sammlungsphase nicht sehr ergiebig war. Ebenso kann das Museum um «Analysen» des eigenen Schokoverbrauchs erweitert werden.

II. Bestandteile der Schokolade
Es schließt sich die Frage nach den Bestandteilen der Schokolade an. Ein Geschmackstest mit unterschiedlichen Schokoladensorten (Zartbitter, Vollmilch, weiße Schokolade) soll zu den verschiedenen Anteilen der Bestandteile hinführen. Eine Grafik kann die unterschiedlichen Rohstoffanteile abbilden.

III. Kakaoanbauländer
Ein mit einigen Produkten des Schokoladenmuseums geschmückter Ast leitet die Frage nach der Herkunft des Kakaos ein. Mit Hilfe einer Weltkarte wird deutlich, dass der Anbau auf die tropischen Länder begrenzt ist.

IV. Das Leben in Ghana
Die Thematik soll an einem konkreten Land - hier: Ghana - festgemacht werden. Eine Identifikationsfigur ist für die Schülerinnen und Schüler dieser Altersstufe zu empfehlen. Wir haben dazu einen Jungen aus der Diareihe «Ich heiße Dienstag» ausgewählt. Anhand des ersten Bausteins der Diaserie wird der Junge vorgestellt. Poster (z. B. von Dienstag), die während des Unterrichtsbeispiels im Klassenzimmer an die Wand geklebt werden, sollen die Identifikation mit dem Thema stärken. Außerdem soll zu diesem Zeitpunkt eine geographische Einordnung (z. B. über eine Afrika- und Ghanakarte) geschehen. Mit der Präsentation weiterer Bausteine aus der Diaserie wird das Land Ghana vorgestellt. An einzelnen Punkten können Aktivitäten für die Schülerinnen und Schüler eingebaut werden (u. a. Kochen, Weben, Musik).

Den Schluss bildet der Baustein, der sich u.a. mit dem Kakaoanbau beschäftigt. Texte können hier die Lebenssituation in Ghana ansprechen.

V. Kakaoanbau und -ernte
Anschließend wird der Kakaoanbau dargestellt (Kakaokiste/Videofilm/Folien). Ein Quiz dient zur Selbstkontrolle der Schülerinnen und Schüler.

VI. Kulturgeschichte des Kakaos
Mit Hilfe von Texten, Folien usw. soll die Kulturgeschichte des Kakaos abgebildet werden. Die Darstellung kann u. a. enthalten, dass Kakaobohnen als Zahlungsmittel dienten. Zum Ende dieser Sequenz können Rezepte ausprobiert werden (z. B. ein bitter schmeckendes aztekisches Rezept/ein selbstangerührtes Kakaogetränk/ ein Kakaofertiggetränk).

VII. Kakao-Handel
Die ungerechten Handelsbedingungen können über Texte abgebildet werden. Außerdem dokumentiert die Aufteilung einer (Riesen-)Schokolade («Wer bekommt wieviel?») die ungerechten Bedingungen. Die Aufteilung einer zweiten Schokolade kann dagegen die Änderung der Verteilung, d.h. die stärkere Berücksichtigung des Rohstofflieferanten, aufzeigen und den Weg zu einer Lösungsmöglichkeit anbahnen. Hier bietet sich ggf. an, eine «TransFair-Kooperative» in Ghana vorzustellen, um die Schülerinnen und Schüler darüber zu informieren, wie der «faire» Handel funktioniert.

Zu diesem Zeitpunkt kann auch ein Besuch in einem Dritte-Welt-Haus oder Eine-Welt-Laden sinnvoll sein, bieten sich hier doch zahlreiche Gesprächsanlässe zu den Welthandelsbedingungen. Interessant ist hierbei auch, die Schülerinnen und Schüler nach ihren Lösungsvorschlägen zu befragen.

VIII. Abschluss
Um die Schülerergebnisse zu präsentieren und die gewonnenen Erkenntnisse einem breiteren Spektrum zukommen zu lassen, kann neben der Darstellung im Klassenraum u. a. auch die Schulöffentlichkeit gesucht werden. Auf einem Schulfest oder auf einem Elternabend können vielleicht Rezepte ausprobiert, Kakaoartikel angeboten, GEPA-Artikel verkauft werden. Auch ein Parcours mit Sachfragen, Spielen, Geschmackstests usw. ist denkbar.

Diese Skizze ist nur als Orientierung, wie man das Thema «anpacken» kann, zu verstehen. Uns ist klar, dass z. B. der Umfang den Gegebenheiten vor Ort angepasst werden muss. Einzelne Inhalte können wegfallen, andere hinzugefügt (Werbung, Rassismus) werden.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 4/1998 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,6 MB).

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