Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Wo die Schokolade wächst
Ein Projekt im ersten Schuljahr
Lydia Binnewitt

 
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Die 1. Klasse, in der ich das Projekt durchführte, umfasst 31 Schülerinnen und Schüler. Der Zusammenhalt und das soziale Empfinden sind sehr hoch. Die Kinder kommen aus sehr unterschiedlichen familiären und sozialen Milieus, was sich aber auf den alltäglichen Unterricht nicht auswirkt.
Lernmaterial wird bereitwillig ausgeliehen an Kinder, die keines haben. Ich betreue die Kinder in den Fächern Sprache, Sachunterricht, Musik, Kunst und Sport. Die Kinder sind an erste Formen Freier Arbeit gewöhnt. Aus diesen Gründen hatte ich ideale Bedingungen für ein fächerübergreifendes Projekt. Hinzu kam, dass ich im Fach Sprache mit einer Referendarin zusammenarbeitete, die dem Projekt aufgeschlossen gegenüberstand. Für das Projekt standen uns etwa sechs Wochen (30 Unterrichtsstunden) zur Verfügung. An unserer Schule wird alle zwei Jahre ein Schulfest durchgeführt. Das Motto in diesem Jahr lautete «Alle Kinder dieser Erde». Im Rahmen dieses Schulfestes wollte ich mit meiner Klasse unsere Arbeiten vorstellen.

Elternarbeit
Zunächst informierte ich die Eltern während eines Elternabends über das Vorhaben. Dies geschah aus zwei Gründen:
  1. Die Eltern sollten gemeinsam mit der Klasse den Beitrag zum Schulfest gestalten.
  2. Ich wollte bei den Eltern weitergehendes Interesse für die Thematik wecken und mit ihnen überlegen, ob nicht der Aspekt "Gerechter Handel" in die Ausstellung zum Schulfest mit aufgenommen werden konnte.

Das Vorhaben, über das Land Ghana als Land «wo die Schokolade wächst» mit den Kindern im Projekt zu arbeiten und die Ergebnisse auf dem Schulfest vorzustellen, begrüßten die Eltern einhellig. Wie die Eltern dabei eingebunden werden sollten, wurde teilweise schon konkretisiert (Mithilfe beim Plastizieren der Kakaobäume und bei der Herstellung der Kraftbällchen).
Mit Skepsis reagierten die Eltern jedoch auf meinen Vorschlag, die ungerechten Welthandelsbedingungen am Beispiel Kakao zu thematisieren, die Handelsinitiative TransFair als möglichen Lösungsansatz für einen gerechteren Handel vorzustellen und die Ergebnisse auf dem Schulfest entsprechend darzustellen.
Ich vermute, dass die Skepsis einiges mit dem schlechten Gewissen zu tun hat, mit dem auch ich zurechtkommen muss, wenn ich mal wieder zum Kaffee oder zur Schokolade im Sonderangebot greife und keine «fair» gehandelten Produkte kaufe. Außerdem äußerten die Eltern Informationsbedarf über den fairen Handel. Auf dem nächsten Elternabend bekamen sie die geforderten Informationen. Die Skepsis verschwand und die Eltern schlugen von sich aus vor, die erworbenen Kenntnisse an interessierte Eltern auf dem Schulfest weiterzugeben.

Lu ist nicht da!
Die Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse arbeiten im Leselehrgang mit dem zur Fibel gehörigen Stoffraben Lu. Dieses Stofftier ist den Kindern äußerst wichtig. Lu wird zum Sportunterricht und auf Klassenausflügen mitgenommen; er durfte auch schon jedes Kind zu Hause besuchen. Deshalb war es für die Kinder besorgniserregend, als Lu nach den Ferien nicht auftauchte. Doch die Lehramtsanwärterin brachte Post von Lu mit, zunächst aus Italien und eine Woche später aus Ghana. Lu schrieb den Kindern aus der Hafenstadt Akkra und stellte ihnen folgende Forscheraufgabe: Was sind das für merkwürdige Bohnen, die hier in riesigen Säcken im Hafen lagern und mit dem Schiff nach Deutschland gebracht werden? Was wird in Deutschland mit diesen Bohnen gemacht? Eine Bohne hatte Lu dem Brief beigelegt.
Mit Hilfe von Büchern und Lexika fanden die Kinder ziemlich schnell heraus, dass es sich um eine Kakaobohne handelte. Und dass aus Kakao Schokolade gemacht wird, war den Kindern auch schnell klar. Wie das im Einzelnen vor sich geht, blieb zunächst unbeantwortet und schien die Kinder auch nicht so brennend zu interessieren.

Lieblingsschleckereien
Die folgenden zwei Unterrichtsstunden waren für die Beschäftigung mit der eigenen Lieblingssüßigkeit aus Schokolade eingeplant. Es war nicht ganz einfach, alle Kinder dazu zu bewegen, eine Lieblingssüßigkeit zu benennen und mitzubringen. Ebenso war es für die Kinder schwierig, diese Süßigkeit auf einem Vorstellungsblatt zu beschreiben. Auch das Vorhaben, ein Schoko-Tagebuch zu führen, indem sie eintragen sollten, welche Schleckereien sie während eines gewissen Zeitraumes zu sich nahmen, überforderte die meisten Kinder. Insgesamt wirkte die Beschäftigung mit Schokolade an dieser Stelle für die Kinder nicht so motivierend, wie ich angenommen hatte. Gern sangen sie allerdings ein bekanntes Lied mit, das sie zur Einführung des Buchstaben M gelernt hatten (»Mama macht Marmelade») und das nun «Schari schlickert Schokolade» hieß.

Kwabena lebt in Ghana
Wesentlich motivierender und interessanter war für die Schülerinnen und Schüler das Land geworden, in dem sich unser Stoffrabe Lu aufhielt. Lu hatte in seinem Brief mitgeteilt, dass er sich das Land noch genauer anschauen möchte. Und genau das wollten wir mit den Kindern auch tun. Seit Beginn des ersten Schuljahres hängt eine Weltkarte in der Klasse. Auf dieser hatten die Kinder ihre Herkunftsländer (Türkei, Italien, Russland) schon gefunden. Jetzt suchten sie Ghana. Am nächsten Tag hängten wir noch eine Afrikakarte dazu.
Kwabena

In den nächsten beiden Unterrichtsstunden stellten wir anhand der Tonbildreihe «Ich heiße Dienstag» (Brot für die Welt: Tonbildserie - Ich heiße Dienstag, Stuttgart 1996) einen Jungen aus Ghana vor. Zur Tonbildserie gehören 76 Farbdias neueren Datums, eine doppelseitig bespielte Kassette sowie ein Begleitheft mit Anregungen für die Arbeit mit Kindern im Grundschulalter. Die Serie gliedert sich in die Bausteine Umgebung und Familie, morgendliche Pflichten, Beruf und Schule, Markt und Gewerbe, Feldarbeit, Spiel, Gesundheit, Kinderkirche und Ausklang.

Es empfiehlt sich, das gesamte Tonbildmaterial in zwei oder drei Sequenzen aufzuteilen und dazwischen mit den Kwabena beim Wasser holenKindern über das Gesehene und Gehörte zu sprechen. Gegebenenfalls lohnt sich auch die Wiederholung einzelner Sequenzen. Wir zeigten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zunächst die Diaserie und wiederholten später einzelne Dias ohne Ton, um die Kinder erzählen zu lassen.

Die Kinder tauchten schnell in die dörfliche und teilweise doch sehr andere Welt des Kwabena aus Ghana ein. Denn es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen Kwabena und den Kindern der Klasse: Kwabena ist im gleichen Alter wie sie, er hat eine Familie, er geht zur Schule und spielt gern mit seinen Freunden.
In den nächsten Tagen ging es immer wieder darum, sich mit Kwabena zu identifizieren und das nachzuerleben, was Kwabena tut. So trugen die Kinder im Sportunterricht Reissäckchen auf dem Kopf und stellten sich vor, das seien Wassereimer oder sie spielten verschiedene ghanaische bzw. afrikanische Spiele.

Kwabenas Leben nachempfinden
Morgens sangen wir das Lied «Kwabena und Ami» und unterstützten es mit Gesten. Das Lied ist dem Unterrichtsvorschlag eines Buches für den Religionsunterricht («RU praktisch») über zwei Kinder aus dem Sudan entnommen, lässt sich aber vorn Inhalt her ohne weiteres auf Ghana übertragen.
Die Kinder entwickelten noch viele eigene Ideen, Kwabenas Leben nachzuempfinden: Sie trugen Mappen und andere Dinge auf dem Kopf, sie wollten die Hausaufgaben nicht mehr aufschreiben, sondern sich die Dinge merken (Kwabena steht nicht so viel Papier zur Verfügung, haben die Kinder während der Tonbildserie gehört) und sie fegten die Klasse aus wie Kwabena es Zuhause tun muss. Texte folgender Art entstanden, die die Kinder abschrieben und dazu malten:
Kwabena muss morgens schon viel tun: Wasser holen, Zähne putzen, duschen, fegen, frühstücken, Tiere füttern. Das wollen wir tun: Spielen wie Kwabena, tragen wie Kwabena, Hausaufgaben merken, im Haus helfen, essen wie Kwabena.

Kinder üben das BalancierenDas Thema «Häusliche Pflichten», das in einem anderen Rahmen schon zuvor einmal besprochen wurde, thematisierten wir nicht erneut. Auch die Zubereitung ghanesischer Speisen nahm wenig Raum in diesem Projekt ein, da wir bereits vorher einmal Hirsebrei und Erdnüsse zubereitet und probiert hatten.
Besonders gern spielten die Kinder das Spiel «Ein Tag mit Poko», in dem es um das dörfliche Leben eines afrikanischen Kindes und die Bedrohungen (Afrika ist keine heile Welt) geht. Das Spiel kann in drei unterschiedlichen Versionen gespielt werden. Die erste Version konnten die Kinder innerhalb der Freien Arbeit selbstständig spielen. Für das Schulfest wandelten wir das Spiel geringfügig ab und spielten es innerhalb des Klassenraumes.

Der Kakaobaum
Anschließend ging es im Klassenunterricht um die genauere Betrachtung eines Kakaobaumes, um Wachstum und Ernte. Hier nutzten wir die Dias aus der Tonbildserie noch einmal, ebenso wie Farbtransparente von Misereor und Material aus einer «Kakaokiste», die wir vor Ort über die Mediothek des Schulreferates Minden ausgeliehen hatten. Die Kinder waren fasziniert von der unterschiedlichen Farbigkeit der Kakaoschoten und brachten das auf Ausmalbildern zum Ausdruck.
Gemeinsam mit einigen Eltern plastizierten wir an zwei Nachmittagen Kakaobäume aus Kartonpappe, Pappröhren, Zeitungspapier, Kleister, weißem Papier, Draht und Baumwollgarn. Auf einer festen Wellpappe fixierten wir ein Papprohr mit Zeitungspapier und arbeiteten es hoch. Die zwei Äste wurden innen durch Draht und dann zusätzlich mit Fäden mit dem Mittelteil verbunden.
Die Kinder hatten außerdem die Aufgabe, Kakaoschoten aus Zeitungspapier und Kleister herzustellen, sowie grüne Blätter aus Tonpapier auszuschneiden. Nach dem Trocknungsprozess malten die Kinder Bäume und Schoten mit Wasserfarben an. Die Blätter befestigten wir später mit dünnem Draht an den Bäumen und die Schoten legten wir unter die Bäume.

Haferflocken-Kakao-Kugeln
An einem Vormittag stellten wir «Kraftbällchen» als relativ gesunde Süßigkeit her. Dazu verwendeten wir reines Kakaopulver. Die Herstellung der Masse ist sehr einfach. Die Masse selbst sieht etwas unappetitlich aus, beim ersten Probieren änderte sich jedoch die Meinung der Kinder schnell. Die Bällchen sind relativ sättigend und mehrere Tage haltbar.

Kraft-Bällchen

Du brauchst:
saubere Hände
Rührschüssel
Mixer mit Knethaken
Teller oder Brettchen
200 g feine Haferflocken
200 g grobe Haferflocken
100 g Rübenkraut
50 g Honig
50 g Kakao
Vanille
Milch

Rühre alle Zutaten mit dem Mixer, bis eine feste Masse entsteht.
Dann kannst Du mit der Hand Bällchen formen. Sofort essen oder kühl stellen.
Guten Appetit!

Kakaobutter wird zu Zäpfchen
Die 45-minütige Fernsehreportage «Kakao eine bittersüße Geschichte» (Das Video liegt der Kakaokiste, die das Dritte Welt Haus Bielefeld ausleiht, bei) bildet den Kakaoanbau, die Ernte und Verarbeitung der einzelnen Rohstoffe sowie die Geschichte des Kakaos ab. Ich präsentierte sie den Kindern, weil die Bilder sehr anschaulich und ansprechend sind und wir keine Möglichkeit hatten, uns den Produktionsprozess der Schokolade «live» anzuschauen. Um die Aufmerksamkeit der Kinder auf die wichtigen und für sie verständlichen Dinge zu richten, stoppte ich die Filmvorführung zwischendurch mehrfach und moderierte einzelne Sequenzen an. Über die Hausaufgabe («Male und schreibe zu dem Film, was du behalten hast») kamen interessante und detaillierte Rückmeldungen, z. B. hatten sich einzelne Kinder die Verarbeitung der Kakaobutter zu medizinischen Zäpfchen gemerkt.

Das Sommerfest
Großen Jubel gab es für die Kinder am Tag vor der Ausstellung, als morgens der Stoffrabe Lu auf einem Koffer in der Klasse hockte. Er ließ sich von den Kindern erzählen, was sie erlebt hatten und hatte auch einen Brief von Kwabena im Gepäck. So bekam das Projekt eine abgerundete Rahmenhandlung und wir konnten uns auf die Ausstellung freuen.
Die Ausstellung für das Sommerfest umfasste folgende Teile:
- Die mit Schoko-Süßigkeiten behängten Kakaobäume
Sie sollten die Neugier der Besucherinnen und Besucher wecken («Wächst so die Schokolade?») und den Kindern der Klasse die Möglichkeit geben, ihr Wissen weiterzugeben. Außerdem wurden zwei Kakaobäume mit Wachsmalstiften groß auf Packpapier gemalt und mit Schoko-Verpackungsmaterial beklebt und zusätzlich aufgehängt.
- Das Kwabena-Spiel (ein abgewandeltes Poko-Spiel)
Wir bauten das Spiel mit Gymnastikreifen und Markierungspfählen aus der Turnhalle, einem großen Schaumstoffwürfel und den betreffenden Utensilien für die Stationen im Kreis auf. Bei dem Spiel konnten jederzeit Spielerinnen und Spieler einsteigen und auch aufhören. Es ging darum, mehr über das Leben in einem ghanaischen Dorf zu erfahren. Die Kinder der Klasse betreuten das Spiel. Stationen waren unter anderem das gemeinsame Singen des Liedes «Kwabena und Ami», das richtige Benutzen der Rassel, das Beantworten von Fragen über den Kakaobaum, das Erklären der Kakaoernte sowie das Tragen eines Korbes mit Erdnüssen auf dem Kopf.
-Schokoladeherstellung
Das Info-Material einer Schokoladenfabrik sowie Tüten mit den einzelnen Zutaten im unverarbeiteten Zustand und Bilder der Kinder befanden sich hier.
- Schokoladen-Wurf-Maschine
Von einer Schokoladenfabrik hatten wir als Spende 100 Tafeln Schokolade erhalten. Diese verwendeten wir für einen richtigen «Publikumsmagneten». Über zwei Holzkisten wurde Maschendraht gespannt (Achtung: Verletzungsgefahr!). Auf den Maschendraht legten wir in unterschiedlicher Dichte Schokoladetafeln. Die Mitspieler warfen nun aus einem akzeptablen Abstand 10-Pfennig-Stücke. Blieb das Geld auf einer Tafel liegen, so war die Tafel «bezahlt», traf man daneben, fiel das Geld in die Kiste. 
- Gerechter Handel 
Plakate und Informationsmaterial über TransFair hingen bzw. lagen hier aus. Im Wechsel wurden zwei Videofilme über den Fairen Kakaohandel gezeigt.
- Afrika
Bücher, Stoffe, Spielzeug, Musikinstrumente und Plakate hauptsächlich der Kakaokiste entnommen - waren hier zu sehen. Um einen der Kakaoplantage nachempfundenen Lichteinfall zu haben, hängten wir alle Fenster mit grünem Taftstoff zu.

Die Schokoladenreporter
Für die nächste Ausgabe der Schulzeitung schrieben die Kinder über ihr Projekt. Dazu standen ihnen als erinnerungsstützen Fotos vom Projekt zur Verfügung. Die Berichte spiegeln wider, was die Kinder besonders beeindruckt hat: Kwabenas Leben in Ghana, der Kakaobaum, das Schulfest. Sie erlebten noch einmal die Außenwirkung ihrer Arbeit und waren sehr stolz auf «ihre» Seite in der Zeitung.

Rückblick und Kritik
Auch nach über einem Jahr ist das Projekt «Wo die Schokolade wächst» immer mal wieder präsent. Auf Weltkarten wird Ghana gesucht und gefunden, die Kinder interessieren sich für die Tiere Afrikas, die Lieder werden von Zeit zu Zeit gesungen, die Spiele werden manchmal noch hervorgeholt und mit Kakao und Schokolade verbinden die Kinder weit mehr als nur Schleckereien aus dem Supermarkt. Sie sind sensibilisiert worden für das Hinterfragen scheinbarer Selbstverständlichkeiten, auch wenn die ungerechten Handelsbedingungen nur ganz am Rand Thema für die Kinder war. In erster Linie ging es darum, Interesse für die Lebensbedingungen eines Kindes in einem anderen Land zu wecken. Dies war so gut möglich, da die Kinder sich für lange Zeit intensiv mit Kwabena beschäftigen konnten und sich teilweise sehr stark mit Kwabena identifizierten. Wesentlich während des gesamten Projekts war die Handlungsorientierung als didaktisch-methodischer «Roter Faden».
Eine Rahmenhandlung zu erfinden erscheint mir für diese Altersstufe möglich und angemessen, es wurden nie Zweifel an meiner Darstellung geäußert.
Wichtig erschien mir auch die Darstellung des Erlebten innerhalb der Ausstellung und der Beitrag in der Schulzeitung. Dies machte das Tun doppelt sinnvoll, sowohl für mich und die Kinder als auch für andere. Ebenfalls für sehr wichtig und eine Chance halte ich die Einbindung der Eltern in Projekte dieser Art. Einbindung sollte dabei nicht nur als Mithilfe beim Herstellen von Kakaobäumen verstanden werden, sondern auch Information und Diskussion über die Unterrichtsinhalte und deren Bedeutung beinhalten.

Literatur/Medien

Brot für die Welt (Hrsg.): Ich heiße Dienstag - Eine Tonbildserie. Stuttgart 1996
Hans Freudenberg (Hrsg.): RU praktisch. Göttingen 1989
Hans-Martin Große-Oetringhaus: United Kids - Spiel- und Aktionsbuch Dritte Welt. Berlin 1991
"Mama macht Marmelade" aus der CD «Auf geht's» Lieder zum Zuhören und Mitsingen von KARIN MEIER
Mathias Mala: Komm und spiel mit uns. Würzburg 1993
Misereor (Hrsg.): Ein Tag mit Poko. Aachen HORST SPEICHERT: Süße Sachen. Reinbek 1982
Unicef (Hrsg.): Spiele rund um die Welt. Köln 1992

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 4/1998 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,6 MB)

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