Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Kakao/Schokolade und Ghana in Bausteinen
Maria Breddermann, Ilse-Renate Möller, Helgard Müller, Ulrike Winkler

 
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Bei der Planung zum Thema Kakao und Schokolade fielen uns sehr viele Bereiche ein, die einzubeziehen wünschenswert erscheinen. Jedoch sind sie von unterschiedlicher Wichtigkeit und abhängig von der Altersstufe und dem Zeitrahmen, für den das Projekt geplant wird. Es lässt sich auf viele Fächer ausdehnen, wie Sprache, Mathematik, Sachunterricht, Sport, Musik, Kunst, Technik. Deshalb entschieden wir uns für einen Katalog von Bausteinen, von denen einige als sogenannte Kernthemen zwingend bei der Planung berücksichtigt werden müssen, während andere als Zusatzthemen gedacht sind.

Zwei wichtige Ziele sollten während des Unterrichts im Vordergrund stehen:

  1. Die Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit den Lebens- und Kulturformen der Menschen, die den Kakao produzieren.
  2. Die Feststellung, dass wir voneinander lernen können.

Zusätzlich sollten Möglichkeiten der Unterstützung für einen gerechteren Handel weitgehend berücksichtigt werden.

Einstiege
Für den Einstieg in den Themenkomplex bieten sich verschiedene Vorgehensweisen an: Einige Lehrerinnen begannen mit dem Thema «Kakao und Schokolade», so wie die Schülerinnen und Schüler es aus ihrem eigenen Erfahrungsbereich kennen. Eine andere Variante stellte der Einstieg über das Thema «Ghana» dar. In den dritten Schuljahren sollten die Kinder zunächst jeweils ein Ausstellungsstück für ein «Schokoladenmuseum» mitbringen. Neben Schokolade, Kakaogetränkepulvern und Schokoladenprodukten in verschiedensten Varianten sammelten sich hier - von der Lehrerin mitgebracht - auch unerwartete Dinge, etwa Kakaobutter aus dem Kosmetikladen und Zäpfchen. Schnell war klar, dass uns ohne Kakao etwas Wesentliches fehlen würde. Es wurden Fragen zur Herkunft und Verarbeitung des Kakaos gesammelt, deren Klärung zunächst den weiteren Verlauf des Unterrichts bestimmte. Das Schokoladenmuseum blieb während des gesamten Unterrichtsvorhabens bestehen und erinnerte daran, dass das Thema Ghana «gar nicht so fern» liegt. Besonders spannend war für die Kinder das «Verkosten» verschiedener Schokoladenproben: Jeweils ein Stück einer Schokoladensorte ließ man langsam unter dem Gaumen zergehen, danach wurde ein Schluck Wasser zur «Geschmacksneutralisierung» genommen und dann die nächste Probe. In einer Tabelle nahmen die Kinder dann die Geschmackseinstufung der Schokoladenproben 1 bis 4 von «lecker» bis «schlecht» vor. Alternativ zu diesem Einstieg bietet es sich an, die Reihe mit ersten Eindrucken aus Ghana zu beginnen: In einer vierten Klasse bereitete eine Lehrerin eine kleine Afrikaausstellung mit Fotos aus verschiedenen afrikanischen Ländern vor. Dazu schafften westafrikanische Musik sowie Erdnüsse, Cashewkerne und Kokosnüsse ein wenig afrikanische Atmosphäre. Die Kinder sollten nun entscheiden, welches Bild ihnen am besten gefiel und einen Zettel mit einer kurzen Begründung zu «ihrem» Bild heften. Das beliebteste Motiv war übrigens die Abbildung eines traditionellen afrikanischen Rundweilers mit Strohhütten - wie er in der Realität nur noch selten vorkommt. Ein anschließendes Gespräch bildete die Hinführung zum Thema Ghana - einem so vielfältigen Land wie die ausgestellten Bilder es erahnen ließen.

Dokumentationsformen

Die Ghana-Kakao-Wand Die Ghana-Kakao-Wand
Es ist ein spannender und eindrücklicher Vorgang für Kinder, augenscheinlich mitzuerleben, wie ein umfangreiches Thema «wächst». Deshalb räumte ich zu Beginn des Projektes drei große Wände leer. Sie wirkten wie «unbeschriebene Blätter», die Erwartungen auf etwas Besonderes weckten. Zur Einstimmung ins Thema legte ich Kalenderfotos von afrikanischen Menschen und Landschaften in der Klasse aus. Die Kinder schlenderten durch den Raum, betrachteten die Fotos, entschieden sich für eines und schrieben auf Zettel die Begründung ihrer Wahl auf. In einer gemeinsamen Runde lasen wir sie vor. Anschließend heftete ich Fotos und Texte der Kinder an die Seitentafel und so entstand der erste Teil der Wand! Titel: Menschen in Afrika (
Hinweis: Afrika ist riesig und vielfältig; Tunesien, Ghana, Südafrika sind afrikanische Länder und höchst unterschiedlich. Alle diese verschiedenen Kulturen in einen Topf zu werfen, kränkt -auch nach Aussage von «Afrikanern» - die Menschen dieser Länder; sie empfinden es als Missachtung ihrer jeweils einzigartigen Kultur! Deshalb habe ich zu jedem Foto einen Hinweis geschrieben, in welchem Land Afrikas es aufgenommen wurde). Die Wand wuchs täglich weiter; alle Themen Ghanas wurden dokumentiert; alle Fotos, Zeichnungen, handwerklichen Arbeiten, Geldscheine und Briefmarken aus Ghana bildeten nach und nach anschaulich die «Ghana-Wand». Daran schloss sich die «Kakao-Wand» an, bei der ähnlich verfahren wurde. Poster, Kakaobohnen, Verpackungen von Kakaoprodukten aus fairem Handel und selbstgeschriebene Texte formten allmählich diese Wand. Zwischen den beiden wuchs der Baum mit den fünf farbenprächtigen Vögeln aus dem «Lied der bunten Vögel» die Wand hoch und verband alle Teile zu einem eindrucksvollen Ganzen.

Das Ghana-Kakao-Heft
Parallel dazu gestaltete jedes Kind sein Heft zum Thema. Es füllte sich mit Texten, Abbildungen, Zeichnungen, Gedichten und Liedern. Alle Themenbereiche wurden auf irgendeine Art darin dokumentiert. Anschließend wurde das Titelblatt mit Kakaobohnen u. ä. verziert. So hält jedes Kind eine bleibende Erinnerung an das Thema in den Händen, die es selbst mit Sorgfalt und Engagement erstellt hat. Bei vielen konnte man Stolz und Wertschätzung «ihres» Heftes spüren.

Das Fest
Im Rahmen von «Eine Welt»-Themen wurde in dieser Zeitschrift schon häufiger von Festen berichtet. Deshalb sei dieses nur kurz erwähnt. Die Aufführung vom «Lied der bunten Vögel», Trommelmusik, Lieder und die Texte des Ghana-Heftes bildeten den Mittelpunkt. Daneben gab es Essen aus Ghana, wurden TransFair-Produkte und Kunsthandwerk aus Ghana verkauft ebenso wie Weihnachtskarten mit Adinkra-Symbolen und ghanaischen Sprichwörtern. Herr Blessed, ein Ghanaer, der in Deutschland lebt, den wir zum Fest eingeladen hatten und der dort einiges zum Leben in Ghana vortrug, bereicherte natürlich die Atmosphäre dieses Festes entscheidend! Die «Ghana-Kakao-Wand» bildete den harmonischen Hintergrund.

Fairer Handel
Ein besonderes Anliegen war uns, das Thema «Fairer Handel» mit einzubeziehen, obwohl es für die Altersstufe der dritten Klasse, in der wir es erprobten, recht schwierig zu vermitteln ist. Wir schildern im Folgenden zwei unterschiedliche Wege, wie wir in unseren dritten Klassen vorgegangen sind. Um die Kinder ins Thema einzustimmen, lasen wir zunächst die Geschichte von «Bikai und Celestine», in der schon anklingt, dass die Kakaopreise sinken. Die Kakaobauer bekommen immer weniger für ihre Rohstoffe, obwohl sie die Kakaopflanzungen vergrößern und hart arbeiten. Sie sind aber abhängig von den Händlern. Mit Hilfe eines Rollenspiels versuchten wir, die Problematik herauszuarbeiten. Die Darstellung einer Tafel Schokolade, deren Stückchen angeben, wie viel die einzelnen Beteiligten vom Rohstoff bis zur Schokolade an diesem Produkt verdienen, sollte den geringen Verdienst der Kakaobauern verdeutlichen. Er bekommt umgerechnet nämlich nur ein Stück bezahlt. Durch Lehrervortrag und Unterrichtsgespräch forschten wir nach den Ursachen für die Abhängigkeit der Kakaobauern und wieso sie kaum Möglichkeiten haben, sich gegen die festgelegten Preise zu wehren. Dabei fanden die Kinder heraus:

  • Die Preise auf dem Weltmarkt werden von den Industrieländern festgelegt, also von den Staaten, die die Rohstoffe kaufen.
  • Die Kakaobauern sind auf ein einziges Produkt festgelegt und haben deshalb keine Möglichkeit, ihr Geld anders zu verdienen. Sie müssen daher jeden Preis akzeptieren.
  • Die sogenannten Entwicklungsländer können nur Rohstoffe zu geringen Preisen verkaufen, da Fertigprodukte von den Industrieländern mit zu hohen Einfuhrzöllen belegt werden.,
  • Die Kakaopreise auf dem Weltmarkt verfallen weil das Angebot immer größer wird durch den Teufelskreis: geringerer Verdienst, also Vergrößerung der Anbaufläche, folglich größeres Angebot und noch niedrigere Preise. Außerdem wächst die Konkurrenz auf dem asiatischen Markt.

Eine Grafik, die die Anzahl der Kakaosäcke zeigt, die vor 20 Jahren für den Erwerb eines Autos nötig war und diejenige, die man heute für ein Auto eintauschen müsste, macht den Kindern den Preisverfall deutlich. Dabei hat sich bei uns der Schokoladepreis kaum verändert. Große TransFair-Plakate, die in der Klasse hingen und Produkte in unserem Schokoladenmuseum mit dem TransFair-Siegel ließen die Vermutung bei den Schülerinnen und Schülern aufkommen, dass es vielleicht doch andere Möglichkeiten des Handels gibt. Ein erster Aspekt war die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (gepa), die 1975 gegründet wurde. Die gepa bemüht sich um faire Handelsbeziehungen und zahlt in der Regel höhere Einkaufspreise als sonst üblich. Sie verkauft ihre Waren in Dritte-Welt-Läden und Aktionsgruppen. Das ist wiederum ein Schwachpunkt, weil diese Verkaufsorte nur von einer kleinen Anzahl unterstützungswilliger Käufer aufgesucht werden können. Deshalb wurde TransFair ins Leben gerufen mit der Idee, die typischen «Kolonialwaren» wie Kaffee, Tee und Kakao zu fairen Preisen in normalen Lebensmittelgeschäften anzubieten. In einem kleinen Rollenspiel «Lisa und Mark» ging es um die Frage, wieso fair gehandelte Produkte teurer sind als andere und ob man sie dennoch kaufen würde.

Lisa und Mark

Lisa: Was hast du denn für 'ne Schokolade? Habe ich ja noch nie geseh'n.
Mark: Ist gepa-Schokolade.
Lisa: Wo gibt's die denn?
Mark: Haben wir bei unser'm Supermarkt gekauft.
Lisa: Ist die besonders preiswert?
Mark: Ne, besonders teuer.
Lisa: Find ich ja blöd, würde ich nicht kaufen. Ich hol' mir lieber die Sonderangebote, da krieg ich viel mehr für mein Geld.
Mark: Bei der gepa-Schokolade kriegt aber der Kakaobauer mehr für seine Arbeit.
Lisa: Wieso das denn?
Mark: Normalerweise werden auf dem Weltmarkt nur ganz niedrige Preise für Kakao bezahlt. Das ist so, als wenn der Kakaobauer nur ein einziges Stück von einer ganzen Tafel Schokolade bezahlt bekommt.
Lisa: Das finde ich aber ungerecht.
Mark: Das fanden andere auch. Deshalb wurde eine Gesellschaft gegründet, die dem Kakaobauern höhere Preise zahlt. Dann bekommt er für sieben Stücke einer Tafel Schokolade Geld. Natürlich wird die Schokolade dadurch für uns teurer.
Lisa: Das ist ja nun wieder doof.

Aufgabe: Murmele mit deinem Nachbarn und überlegt, was ihr Lisa antworten könntet!

 
In einem reich bebilderten Heft von «The Body Shop» konnten die Kinder von Kooperativen lesen, die ihre Produkte zu günstigeren Bedingungen und ohne Zwischenhandel direkt an europäische Produzenten verkaufen. Auf diese Weise wird der Verdienst für die Kakaobauern größer. Eine weitere Schokolade-Grafik machte das deutlich, denn hier bekam der Kakaobauer schon sieben Stücke Schokolade bezahlt. Seit Projektbeginn wurde in der Klasse fair gehandelter Kakao getrunken. Die Kinder empfanden ihn als besonders wohlschmeckend und sorgten vielfach zu Hause für entsprechende Einkäufe. Wir stellten eine Liste mit Namen von Geschäften in unserer Umgebung zusammen, die fair gehandelte Produkte verkaufen. Immer wieder berichteten Kinder darüber, wo sie ein TransFair-Siegel entdeckt hätten. Eine zweite Lehrerin stieg in ihrer Klasse mit einem Comic zu diesem Thema ein. Sie erzählte den Kindern dazu von einem Ghanaer, der nicht aus einer armen Familie stammte und trotzdem in seinem Leben nur eine einzige Tafel Schokolade gegessen hatte, die er sich noch mit seiner Schwester teilen musste. Diese Schokolade kostete umgerechnet etwa 10 €. Nun überlegten die Kinder, warum die Schokolade so teuer ist. Es ergaben sich auch die Fragen, wer den Preis für die Schokolade bei uns festsetzt, bzw. wer an der Schokolade verdient und wie viel Geld eigentlich die Kakaobauern für ihren Kakao bekommen. Die Lehrerin war erstaunt, dass die Kinder fast alle Komponenten für den Preis herausfanden. Eine Graphik sollte ihnen veranschaulichen, wer alles an der Schokolade verdient. Sie waren empört, dass der Kakaobauer für die viele Arbeit nur so wenig Geld erhält. Auf die Frage, wie wir das ändern könnten, kam sofort die Idee, Geld zu spenden und an die Kakaobauern zu schicken. Es war schwierig, die Kinder von diesem Gedanken wegzuführen. Der nächste Einfall war, keine Schokolade mehr zu essen. Dass dies auch bei gutem Willen nicht durchführbar sein würde, war den Kindern schnell klar, auch, dass der Kakaobauer dann überhaupt nichts mehr verdienen könnte. Es folgte eine zweite Graphik, die zeigt, dass der Kakaobauer durch fairen Handel einen gerechteren Lohn erhält. Die Kinder wurden anschließend mit dem Transfair-Zeichen bekanntgemacht, das sie sofort auf den Plakaten in der Klasse wiederentdeckten. Ihre Aufgabe war es nun, herauszufinden, wo man Kakao oder Schokolade (aber auch andere Produkte) mit diesem Zeichen kaufen kann. Da es in der Nähe der Schule keinen Eine-Welt-Laden gibt, besuchte die Lehrerin mit den Kindern das Regionallager der gepa. Dort erfuhren sie, dass es eine Fülle von Produkten aus aller Welt gibt, die fair gehandelt werden. Auf die Frage «Warum nicht noch mehr zu fairen Bedingungen gehandelt wird?» erhielten die Kinder die Antwort, dass es noch nicht genügend Genossenschaften gibt, um mit diesen fairen Handel durchzuführen. Die Kinder beschlossen, in der Schule an verschiedene Schokoladenfirmen zu schreiben und sie zu bitten, durch fairen Handel mit den Kakaobauern für eine gerechtere Bezahlung ihrer Arbeit zu sorgen. Nur eine Firma schrieb zurück. Sie begrüßt zwar die Zielsetzung und Initiative von TransFair, geht aber einen anderen Weg und unterstützt seit 1990 ein «agroforstliches Entwicklungsprojekt in Nicaragua». Dem Brief lag zu diesem Projekt eine Broschüre bei, die weitere Informationen brachte.

Essen
Fufu ist das in ganz Ghana verbreitete Hauptgericht und wird jeden Tag gegessen. Es wird aus der Yamknolle hergestellt. Yam ist das Grundnahrungsmittel in Ghana. Es ist eine Schlingpflanze, von der (ähnlich unserer Kartoffel) die Knollen gegessen werden. Nach zehn Monaten sind diese unter der Erde für die Ernte bereit. Sie können bis zu 70 cm lang und 10 kg schwer werden! Nach der Ernte des Yam findet ein großes, dreitägiges Fest mit Musik, Tanz und reichlichem Essen statt. Für Fufu werden die Knollen geschält, gekocht und anschließend im Mörser gestampft, bis ein Kloß entsteht. Man isst es mit allen möglichen Soßen, mit Fleisch oder Fisch. Als traditionelles ghanaisches Essen bot sich an, Fufu mit Soße zu kochen. Da wir die sehr umständliche Zubereitung nicht nachvollziehen konnten, probierten wir ein Rezept aus, das zumindest geschmacklich recht ähnlich wie das Originalrezept schmeckt. Dazu gab es Tomatensoße nach einem Rezept eines ghanaischen Nachbarn.

Fufu (für etwa sechs Personen)

Zutaten:

3 Tassen Wasser
4 Tassen Kartoffelmehl
Salz
Wasser

Tomatensoße

Zutaten:

etwas Öl
2 Zwiebeln
pürierte Tomaten aus der Dose
2 Esslöffel Erdnusscreme*

Zubereitung:

Püree und Mehl zusammen mit etwas kaltem Wasser in einem Kochtopf anrühren. Etwas Salz nach Geschmack hinzufügen. In einem zweiten Topf Wasser zum Kochen bringen und bei kleiner Flamme kochend halten. Den ersten Topf auf die Herdplatte setzen und bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren kochendes Wasser hinzufügen. Solange kochendes Wasser hinzufügen und rühren, bis die Masse weich und ziemlich steif ist.

Zubereitung:

Schneide die Zwiebeln klein. Gib das Öl in einen kleinen Topf und erhitze es. Füge nun die Zwiebeln hinzu und lass sie anbräunen. Füge langsam zuerst die Flüssigkeit aus der Dose hinzu, dann die pürierten Tomaten. Rühre alles gut durch und lass es leicht kochen. Rühre nun vorsichtig die Erdnusscreme darunter.

* Nimm nicht mehr als zwei Esslöffel Erdnusscreme, auch wenn es gut schmeckt. Du könntest sonst Bauchweh bekommen!

 
Den Kindern schmeckte das selbstgekochte fremdländische Essen gut, besonders das Fufu. Mit den Fingern wollte aber jemand essen.

Inhaltlich begleitet wurde das Thema Essen dadurch, dass wir die Zubereitung des Abendessens (Fufu) in dem Buch «Meine Oma lebt in Afrika» lasen.

Die Erzählkunst in Ghana
In Ghana, wie in vielen afrikanischen Ländern, ist das Erzählen ein Ereignis wie bei uns ein Theaterstück mit einem «Schauspieler» (als Erzähler), Ort und Publikum. Es umfasst Geschichtenerzählen, Rollenspiel, Trommeln und Gesang. In den Dörfern ist es auch heute noch ein alltägliches Ereignis und ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens. Abends versammeln sich die Dorfbewohner um das Feuer; Trommler sitzen hinter dem Erzähler. Dieser ist oft ein alter weiser Mann, der mit Gestik, Mimik und Tonfall seiner Stimme seine Zuschauer in den Bann zieht, während er Geschichten, Märchen und Fabeln erzählt. Das Publikum verhält sich jedoch nicht so ruhig wie unser Theaterpublikum! Sie schimpfen, wenn ihnen etwas missfällt, lachen laut oder springen bei spannenden Stellen auf, um zum Rhythmus der Trommler zu tanzen und zu singen, um ihre innere Anspannung abzubauen. Für jeden afrikanischen Menschen sind diese Abende ein wichtiger Teil seiner Kindheit, der nicht nur der Unterhaltung dient, sondern ihnen auch moralische Verhaltensweisen und die Kultur und Lebensweisheiten seines Volkes vermittelt. In Ghana sind die Fabeln von Ananse, einer trickreichen, verschmitzten, phantasiereichen, manchmal unrühmlichen Spinne am beliebtesten.. Wie auch in europäischen Fabeln werden bestimmten Tieren bestimmte. Charaktereigenschaften zugeordnet. Der Elefant ist klug und impulsiv, die Hyäne ist feige, Hase und Spinne schwindeln gern.. Diesen Sachverhalt haben wir in der Klasse genutzt, um, ausgehend von bei uns bekannten Fabeln, selbst ghanaische Fabeln zu schreiben. Da dies erst gegen Ende der Reihe über Ghana geschah, konnten die Kinder die Lebensweisheiten der Menschen Ghanas kreativ in ihre Texte einbeziehen. Die «Moral am Ende der Geschichte» zielt auf ähnliche Wertvorstellungen wie bei uns «Ehrlich währt am längsten», «Hochmut kommt vor dem Fall» u. a. Aus diesen selbstverfassten Texten entstand ein Fabelbuch für die Klasse. In unserer Sitzecke versuchten wir, das Erzählen der Fabeln ähnlich wie in Ghana zu gestalten: abgedunkelter Raum, afrikanische Decke, Trommelmusik und Kerzenlicht. Das Temperament und die Spontanität des afrikanischen Publikums konnten wir jedoch nur annähernd erreichen!

Geschichte des Kakaos
Ich halte es für wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass Kakao nicht ursprünglich aus Afrika stammt. Deshalb machten wir einen «Ausflug» in die Geschichte. Wir nahmen uns die Weltkarte vor und suchten das Amazonasgebiet und ich erzählte den Kindern von der Sage der Tolteken, in der es heißt, dass der Schlangengott Quetzalcoatl den Menschen die Kakaobohnen geschenkt habe und zum anderen, dass es Vermutungen gebe, die besagen, dass Vögel die Kakaobohnen aus dem tropischen Amazonasbecken weiter nach Norden verbreiteten. Ziemlich sicher ist, dass schon vor 3000 Jahren das Volk der Olmeken im feuchten Tiefland der mexikanischen Golfküste den Kakaobaum züchtete. Und wahrscheinlich war es das erste Volk, das aus Kakao Schokolade herstellte. Einige Jahrhunderte später entstand die berühmte klassische Kultur der Maya, die ihre Blütezeit von 250 bis 900 n.Chr. erlebte. In einem erhaltenen «Maya-Buch» sind Götter mit Kakaofrüchten oder Gefäße voller Kakaobohnen abgebildet. Der Text über einem der Bilder klärt darüber auf, dass Kakao die Nahrung des Gottes ist. Eine andere Quelle der Überlieferung sind Keramikgefäße, die man in Gräbern fand. Auch sie zeigen Abbildungen und Schriftzeichen von Kakao. Es ist davon auszugehen, dass die Maya unzählige Varianten der Kakaozubereitung kannten. Man veränderte den Geschmack durch Gewürze, wie Gefäßinschriften erkennen lassen. Ebenso lassen archäologische Funde Rückschlüsse zu, dass die Maya schon Kakaopflanzungen mit geeigneten Schattenbäumen hatten und regen Handel mit dem Kakao trieben, auch indem sie die fast unbegrenzt haltbaren Bohnen als Zahlungsmittel nutzten. Insbesondere Lastträger, die weite Strecken überbrücken mussten, wurden mit Kakaobohnen bezahlt. Es ist urkundlich belegt, dass der Kakao eine wichtige Rolle in religiösen Zeremonien, bei den Festbanketten der Adeligen und bei Hochzeitszeremonien spielte. Die reichen Kakaoanbaugebiete wurden Anlass für etliche kämpferische Auseinandersetzungen. So wurden die Maya von den Tolteken verdrängt, diese von den Azteken und die wiederum von den Spaniern. Die Information über die Kakaowährung nutzten wir, um einige Rechenaufgaben zu lösen. Die Wertangaben unserer aztekischen Preistafel stammen allerdings aus einem Dokument von 1545. Die Kinder bekamen Info-Blätter zur Geschichte des Kakaos, Abbildungen von Maya-Wandzeichnungen und Rechen-Arbeitsblätter. Wir bereiteten auch Kakao nach aztekischem Rezept zu. Das schmeckte allerdings den wenigsten.

Als das Geld an Bäumen wuchs

Die Spanier hörten zuerst von den Maya aus Yucatan in Mexiko, dass Kakaobohnen Grund- lage für Speisen und Getränke waren, aber auch Zahlungsmittel. Um das Jahr 1545 hatten Kakaobohnen folgenden Wert:

1 Sklave .....100 Bohnen

Tageslohn eines Lastträgers .....100 Bohnen

1 gute Truthenne .....100 dicke Bohnen oder 120 geschrumpfte Bohnen

1 Truthahn ..... 200 Bohnen

1 Hase .....100 Bohnen

1 Kaninchen ..... 30 Bohnen

1 Truthennenei ..... 3 Bohnen

1 frische Avocado ..... 3 Bohnen

1 große Tomate ..... 1 Bohne

1 großes Axolotl (Larve eines Salamanders) ..... 4 Bohnen

1 in Maisblätter eingewickelter Fisch ..... 3 Bohnen

Und immer, wenn eine Währung einen bestimmten Wert erlangt, beginnen einige Menschen sich zu überlegen, wie man sie fälschen könnte. Das war auch bei den Azteken schon so. Der unehrliche Händler - röstete die Kakaobohnen, um sie besser aussehen zu lassen, - ließ sie in Wasser quellen, damit sie dicker wurden, - gab ihnen künstlich die aschgraue oder fahlrote Farbe der besseren Sorten, - füllte die Kakaoschalen mit schwarzem Wachs  und so manches mehr.


Der Kakaobaum und die Arbeit des Kakaobauern
Direkt neben dem Schokoladenmuseum mit den Endprodukten wurde ein Kakaobaum - sozusagen als Ausgangspunkt der Schokoladenproduktion - gestaltet. Ein kahler, auf Papierbahnen gezeichneter und ausgeschnittener Kakaobaum war von der Lehrerin an eine Wand bis Deckenhöhe geklebt worden (= etwa halb so groß wie ein «echter» Kakaobaum). Nun sollten in einem Stationslauf die fehlenden Früchte, Blüten und Blätter erstellt werden. Auf Karten geklebte Fotos, kurze Sachtexte und Bücher lieferten an jeder Station die notwendigen Informationen. Da die Blüten sehr schwierig zu zeichnen sind, erhielten die Kinder an dieser Station Abbildungen, die sie lediglich anmalten und ausschnitten. Wie ein echter Kakaobaum trug auch unser Baum zur gleichen Zeit Blüten und Früchte verschiedener Reifestadien. Das Schöne an diesem Baum war, dass er erst durch die Zusammenarbeit aller Kinder entstanden war. Schließlich verglichen die Schülerinnen und Schüler bei einem Besuch des Tropenhauses im Botanischen Garten ihren Kakaobaum mit dem Original. Gerade im Hinblick auf den Baustein «Fairer Handel» schien es uns wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler neben den biologischen Informationen zur Kakaopflanze erfuhren, wie aufwendig Kakaoanbau, -ernte und die weitere Verarbeitung sind. Hierzu wurden verschiedene Medien eingesetzt: Zusammen lasen wir einen aus der Sicht eines ghanaischen Kakaobauern verfassten längeren Text über den Arbeitsalltag in den Pflanzungen. Insbesondere der Vorgang der Fermentierung musste besonders erläutert werden. Zusätzlich bestand in Freiarbeitphasen die Möglichkeit, sich in dem Buch «Wo die Schokolade wächst» zu informieren, einen Fragebogen zu Kakaobaum und -ernte zu beantworten, eine «Kakao-Uhr» zum Jahreslauf der anfallenden Arbeiten herzustellen oder auch eine Zeichnung zur Kakaoernte auszumalen.

Schokoladenherstellung
Die fabrikmäßige Herstellung köstlicher Schokolade ist ein komplizierter, langwieriger Prozess, der  - sehr verkürzt - folgendermaßen abläuft: Die Kakaobohnen werden geröstet und gebrochen, dabei saugt ein ständiger Luftstrom die Schalen ab. Dann werden die zerkleinerten Bohnen gemahlen. Die dabei entstehende Reibungswärme und der hohe Fettanteil der Kakaobohnen bewirken eine Verflüssigung der Masse. In diesem Zustand werden Milch- und Sahnepulver, Zucker und Gewürze (z. B. Vanille) hinzugefügt. Die Schokoladenrohmasse ist noch sehr grobkörnig. Sie wird zunächst abgekühlt, damit sie fest wird, und nun über viele Walzen hinweg hauchdünn zerrieben. In diesem Zustand wird die Schokolade conchiert, d.h. erwärmt und über viele Stunden bewegt und geknetet. Je länger dieser Vorgang dauert, desto köstlicher und zarter schmeckt die fertige Schokolade. Es wird noch einmal Kakaobutter zugesetzt. Der letzte Schritt ist das Temperieren, d.h. die Masse muss in einer bestimmten Reihenfolge verschiedene Temperaturen erlangen. Damit erreicht man den feinen Glanz der Schokolade. Zur maschinellen Herstellung haben wir uns ausschnittsweise ein Video angesehen, eine vereinfachte Darstellung «gelesen» und ein Arbeitsblatt bearbeitet. Später haben wir dann mit viel Spaß selbst Schokolade hergestellt. Die Schokolade lässt sich mit relativ wenig Aufwand herstellen und schmeckt lecker.
 

Schokolade

Zutaten:

4 Esslöffel Kakaobutter
75 g Puderzucker
4 Esslöffel Wasser oder Milch (vielleicht etwas mehr)
4 Esslöffel Kakaobutter
Zutaten zur Verfeinerung (z.B. Nüsse, Sahne)

Zubereitung:

Mische Kakaopulver und Zucker, füge Wasser (oder Milch) hinzu. Achtung: Du darfst nur wenig mehr als einen Esslöffel Wasser nehmen! Nimmst du zu viel Wasser, wird deine Schokolade später nicht fest!
Lasse die Kakaobutter vorsichtig schmelzen.
Mische die Kakaobutter langsam unter die Masse aus Kakaopulver, Zucker und Wasser.
Rühre die Nüsse (oder was du dir zur Verfeinerung ausgewählt hast) zu deiner Schokolade.
Streiche die Masse auf das Pergamentpapier und lasse sie erstarren.


Weben
Ghana ist seit dem 17. Jahrhundert die Heimat der «Kente-Stoffe», eine Webkunst, bei der meterlange handbreite Webstreifen zu Tüchern und Decken zusammengenäht werden. In manchen Gegenden steht fast in jedem Haus ein Webstuhl; die ganze Familie ist mit Herstellung und Verkauf der Kente-Bänder beschäftigt. Während die Frauen für das Spinnen und Färben der Garne zuständig sind, ist das Weben vorwiegend Männersache. Ursprünglich wurden die Tücher für den Königshof der Ashantis hergestellt und waren aus reiner Seide. Sie wurden von reichen Leuten als Prestigeobjekt getragen, neugeborene Zwillinge wurden in ihnen eingewickelt oder sie dienten als Geldanlage. Später waren die traditionellen Kente-Stoffe eine Alltagskleidung. Das Typische an Kente-Stoffen sind neben den leuchtenden Farben (orange, blau, pink, grün) die geometrischen Muster, die fast alle eigene Namen haben (z. B. «Goldstaub», «kleiner Pfeffer»).

Gewebter Schal mit "typischem" Muster

Das Erstellen einer Webdecke ist in Ghana auch ein Symbol für den Wert der Gemeinschaft. Jeder einzelne webt ein Stück und trägt damit zu einem farbenprächtigen Ganzen bei.

Diesen Aspekt kann man mit den Kindern einer Klasse anschaulich nachvollziehen. Jedes Kind webte einen Streifen in den traditionellen Farben der Kente-Stoffe. Es ist wichtig, dass die Lehrerin diese Garne in den leuchtenden Farben für alle besorgt - und nicht irgendwelche Wollreste verarbeitet werden -, damit später ein kleiner Eindruck der Farbenpracht entstehen kann. Die Kinder wählten natürlich einfache Muster. Durch das eigene Tun konnten sie die hohe ghanaische Webkunst mit ihren mehr als 300 komplizierten Ornamenten um so mehr wertschätzen!

Abschließend wurden die Streifen zu einer Decke zusammengenäht, die nun den Tisch der Sitzecke ziert. Das Weben begleiteten Märchen aus Ghana, die sich mit dem Spinnen und Weben befassten. So erlebten die Kinder die ghanaische Webkunst als wichtigen Teil der Kultur und nicht nur als eine handwerkliche Fähigkeit.

Trommeln
Eine wichtige Rolle in der westafrikanischen Kultur spielt die Trommel. Trotz der modernen Zeit mit Fernsehen und Video werden kulturelle Traditionen in vielen Ländern Afrikas noch gepflegt. In Ghana z. B. wird das Herausziehen der Fischerboote aus dem Wasser mit Trommelrhythmen begleitet. Und natürlich werden Feste mit Musik und Tanz gefeiert.

Während einzelner Unterrichtsphasen hatten die Kinder meiner Klasse zur Einstimmung schon Trommelmusik von dem Ghanaer M. T. ADDY gehört. Nun wollten wir selbst trommeln.

Auf einem Workshop lernte ich an einem Wochenende, wie verschiedene Rhythmen, die in der westafrikanischen Musik vorkommen, auf Trommeln gespielt werden. Ohne Trommeln begannen wir zunächst mit einfachem Stampfen im Kreis: Auf Ta wurde der rechte Fuß nach rechts gesetzt, auf ke wurde der linke Fuß daneben gestellt, auf ti ging der linke Fuß nach links und auf na wurde der rechte Fuß rangesetzt. Das Stampfen soll so erfolgen, als wolle man in den Boden eindringen. Dabei wurde geklatscht, zunächst auf den ersten Schlag (Ta), nach einiger Übung nur auf den zweiten Schlag (ke) usw. Das Stampfen ging ununterbrochen weiter. Nun klatschte dazu gleichzeitig eine Gruppe auf Ta, eine andere auf ke usw. Wer wollte, konnte dazu frei singen. Natürlich mussten wir immer die Schläge zählen, um Zugang zu den verschiedenen Rhythmen und Betonungen zu gewinnen.

Schülerinnen mit WassertrommelnMit der Klasse begann ich ebenfalls mit Stampfen und Klatschen. Es erwies sich aber als recht schwierig, da es eine hohe Konzentration erforderte und die Kinder schnell ermüdeten. Um einen leichteren Zugang zu afrikanischen Rhythmen und zum Selbertun zu finden, hörten wir uns deshalb zunächst eine Kassettenaufnahme des Märchens «Das Lied der bunten Vögel» an. Die Kinder waren sofort von der Melodie begeistert und sangen sie schnell mit. «Tsche tsche kule» wurde ein Ohrwurm und zu jeder Gelegenheit im Wechsel gesungen. Spontan erfanden zwei Mädchen einen Tanz dazu.

Im zweiten Schuljahr hatten wir innerhalb eines Unterrichtsvorhabens zu «Aminatas Entdeckung» Trommeln hergestellt und ausprobiert. Um den Kindern einen neuen Anreiz zu bieten, sollten es diesmal Wassertrommeln werden, wie sie von den Frauen der Madinke in Westafrika gespielt werden.

Wassertrommeln lassen sich schnell und ohne großen Aufwand herstellen und klingen lauter als z. B. die Blumentopftrommeln. Sie bestehen aus einer mit Wasser gefüllten Kalebasse, in die eine kleinere Kalebasse mit der Öffnung nach unten gesetzt wird. Man kann statt der Kalebassen verschieden große Plastikschüsseln verwenden. Will man den Baustein Musik weiter ausdehnen, kann man auch Trommeln nach verschiedenen «Anleitungen» herstellen.
 

Adinkra-Symbole
Im Rahmen der Begegnung mit der Kultur in Ghana sprachen wir über das Volk der Ashanti, das eine Vielzahl von Symbolen hat, die heute noch in Gebrauch sind und deren Bedeutung bei der Bevölkerung bekannt ist. Adinkra-Symbole versinnbildlichen Lebensweisheiten, Erfahrungen, Gefühle und Einsichten. Sie werden mit schwarzer Farbe auf weiße oder einfarbige Stoffe gedruckt, die als Kleider getragen werden. Neben den Symbolen haben die Farben zusätzliche symbolische Bedeutung:

weiß:
           Reinheit, Tugend, Freude
schwarz:
Melancholie, Teufel, Tod, Alter
grün:
Neuheit, Lebenskraft, Fruchtbarkeit
blau:
Liebe, Zärtlichkeit, Morgendämmerung
gold:
Königtum, Wärme, ewiges Leben
rot:
Melancholie, Tod, Trauer, Krieg, Gewalt, Elend, Unglück

Kinder stempeln Adinkra-SymboleDie Farben rot und rotbraun werden bei Trauer getragen und sind deshalb für den täglichen Gebrauch tabu. Durch die Wahl von Farbe und Motiv kann man also etwas ausdrücken bzw. eine Mitteilung machen. Heute sind für die Symbol-Stempel ungefähr 50 Zeichen in Gebrauch, die alle einen Namen und eine Bedeutung haben. Sie lassen sich in verschiedener Weise einsetzen.
Ich wählte die Adinkra-Symbole aus, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, praktisch umzusetzen, was sie erfahren hatten und um zu zeigen, was wir von den Ashanti lernen können. Zunächst gab es ein Arbeitspapier, das die Tradition des Ashanti-Volkes vorstellte. Dazu hatte ich Stempel hergestellt, indem ich aus Moosgummi einige Symbole ausschnitt und sie auf kleine Holzplatten klebte. Die Symbole mit ihrer jeweiligen Bedeutung hingen vergrößert an der Wand im Klassenraum. Die Schüler hatten den Auftrag, einige Symbole zu stempeln und die entsprechende Bedeutung dazuzuschreiben. Diese Blätter wurden in unser Kakaobuch geheftet. Als Gruppenarbeit bedruckten wir ein Bettlaken, das zum Tischtuch wurde. Außerdem konnten sich die Kinder Stoffbeutel und T-Shirts bedrucken sowie Geschenkpapier herstellen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 4/1998 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,6 MB)

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