Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.

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Kinder in Kamerun
Projektarbeit in einer dritten Grundschulklasse
Uschi Brokerhoff/Thomas Ridder-Padberg

 
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Durchgeführt wurde das Projekt in der dritten Klasse einer Kölner Integrationsschule. 24 Kinder bearbeiteten ca. drei Wochen ausführlich das Thema "Kinder in Kamerun / Afrika". Im Anschluss daran betreuten die Kinder noch eine aus dieser Arbeit hervorgegangen Ausstellung. Während der gesamten Projektphase standen den Kindern zur Begleitung vier Pädagoginnen und Pädagogen zur Verfügung: die Klassenlehrerin, eine Sonderschullehrerin, ein Sozialpädagoge und ein Praktikant.
Bevor wir uns mit den in der Lehrerarbeitsgruppe erarbeiteten Materialien und der Ausstellung über Kamerun von Emmanuel Fritzen beschäftigten, sollte erst einmal das Vorwissen der Kinder gesammelt und dabei auch eventuell vorhandene Vorurteile thematisiert werden. In einem Unterrichtsgespräch entwickelten die Kinder ihre Vorstellungen und formulierten Fragen. Da ihnen das konkrete Land Kamerun zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, richteten sich die Vorstellungen und Fragen ganz allgemein auf den Kontinent Afrika:
· Was essen die Afrikaner?
· Womit kaufen die Afrikaner ein?
· Gibt es auch Geld dort?
· Gehen afrikanische Kinder auch in die Schule?
· Was spielen die Kinder dort?
· Wie wohnt man in Afrika?

Die Kinder waren vor allem daran interessiert, eine vergleichbare Vorstellung zu ihrem eigenen Lebensalltag zu bekommen. Ihre Vorstellung von Afrika war dabei ganz allgemein, dass dort vieles anders sei, evtl. auch die Vermutung, dass es den Kindern dort nicht immer so gut geht wie bei uns in Deutschland. Wie dieses "anders Leben in Afrika" konkret aussieht, konnten sie sich nicht vorstellen. Neugierig geworden, waren sie aber schnell motiviert, sich näher mit dem Leben der Kinder in Afrika/ Kamerun zu beschäftigen.

Sechs Stationen als Einstieg
Im Stationsbetrieb erhalten die Kinder die Möglichkeit, mit vorgegebenen Materialien (Karteien, Versuchsanordnungen, Arbeitsblättern. Texten, etc.) zu arbeiten. Dabei treffen sie selbständig eine Auswahl: Welche Aufgaben bearbeite ich und womit beginne ich? Mit wem bearbeite ich welches Thema? Oft gibt es beim Stationsbetrieb Pflicht- und Zusatzaufgaben. In unserem Fall sollten alle Kinder alle Stationen durchlaufen, wobei innerhalb der l. Station entschieden werden konnte, wie viele Tiere bearbeitet werden. Insgesamt boten wir sechs Stationen an:
· Tiere in Afrika (Kartei)
· Flaggen afrikanischer Länder (Arbeitsblätter und Lexikon)
· Landkarte Europa-Afrika (Arbeitsblätter und Atlas)
· Afrikanische Rundhäuser (Bastelanleitung)
· Die Geschichte vom Affen und dem Floh (Lesen, Malen, Spielen)
· Kalaha (Spiel)
Die Kinder hatten so die Möglichkeit an ihren Interessen und an ihrem Vorwissen anknüpfend sich dem Thema zu nähern. Besonders beliebt war dabei die Arbeit mit der Landkarte, das Spiel "Kalaha" und der Bau der Rundhäuser. Alle Arbeitsblätter und Zeichnungen sammelten die Kinder in einer Mappe, mit der sie während der gesamten Projektphase weiterarbeiten konnten.

Kinder in Kamerun
Nach diesem sehr allgemeinen Einstieg war die Motivation der Kinder noch größer nun endlich mehr zu erfahren. War bei einigen Kindern bei der allgemeinen Sammlung der Fragen das Interesse noch etwas verhalten, so wuchsen nun die Spannung und das Interesse, was wohl die Dias und Bilder aus Kamerun zeigen würden.
Schon das erste Dia versetzte die Klasse in Erstaunen. Zu sehen war ein Klassenfoto der Klasse l a der St. Anthonys Grundschule in Kumba. Die Kinder stehen mit ihrem Lehrer vor dem Klassenzimmer. Die Klasse hat 61' Schülerinnen und Schüler. Darunter ein Ausländer - Johannes aus Deutschland. Die Kinder tragen Schuluniformen. Die Mädchen haben ein hellblaues Kleid an. Die Jungen tragen beige Shorts und ein hellblaues Hemd. Die Kinder hatten sofort viele Fragen: Wie kommt der blonde Junge dorthin? Sind das alles Kinder einer Klasse? Wie sieht die Schule aus? Warum haben alle das gleiche an? usw.
Johannes mit seinen Mitschülerinnen und MitschülernWir erklären, dass Johannes ein Kind aus Deutschland ist und dass er mit seinen Eltern für längere Zeit in Kumba lebt. .Kumba ist eine Kleinstadt in Kamerun. Auf den folgenden Bildern begleiten unsere Kinder Johannes nun durch Kumba und lernen so seine Mitschülerinnen und Mitschüler kennen, sehen etwas von der Kleinstadt und auch von der Landschaft in Kamerun.
Viele der Bilder versetzen die Kinder in Erstaunen. So hatten sie sich Afrika nicht unbedingt vorgestellt. Die Ähnlichkeit zu ihrem eigenen Alltag erstaunte sie: Es gibt Autos, Schulen, "richtige" Häuser und Geschäfte, Kinder die Fanta trinken, eine Kirche eine Post, usw. Doch war auch trotzdem vieles fremd. Die Autos sahen anders aus, die Häuser waren oft einfach und unverputzt, die Möbel waren anders und die Straßen nicht so glatt wie bei uns. So wirkte alles Bekannte eigentlich doch wieder ganz fremd. Auch in der Schule in Kamerun ist vieles anders. Die Klassen sind größer und der Unterricht läuft auch nicht so wie bei uns. Wie Johannes sich als "Ausländer" gefühlt hat, konnten sie sich aber gut vorstellen. Auch wie neugierig die dunklen Kinder auf den blonden Jungen waren.
Im Anschluss an eine sehr intensive Frage- und Antwortphase mit den Kindern und Klärung von Zusammenhängen, setzen wir nun die Bearbeitung des Themas in Arbeitsgruppen fort.

Arbeitsgruppen und Stundenplanung
Zu viert (Klassenlehrerin, Sonderschullehrerin, Sozialpädagoge und ein Praktikant) bereiteten wir die Arbeitsgruppen vor, für die sich die Kinder melden konnten. Um den Interessen und Fähigkeiten der Kinder gerecht zu werden, boten wir vier Gruppen an:
Selbst gebaute RasselnAG 1: Einfache Musikinstrumente bauen
Die Kinder bauten mit der Sonderschullehrerin Rasseln aus Astgabeln, Draht und Kronkorken und ein afrikanisches Klavier (dieses war allerdings in der Durchführung zu schwierig und wurde deshalb nur einmal mit Hilfe der Lehrerin fertig). Einige Trommeln wurden später auch noch fertig gestellt. Besonders viel Spaß hatten die Kinder an den Rasseln. Sie waren einfach zu fertigen und hatten einen schönen Klang.
AG 2: Spielzeug aus einfachen Materialien
Selbst gebastelter BallAuf den Dias hatten die Kinder gesehen, wie die Kinder in Kumba mit selbst gebastelten Autos aus Draht spielen. Sie waren sehr motiviert so etwas nachzubauen. Bei der praktischen Durchführung merkten sie schnell, wie viel Arbeit in so einem Auto steckt und dass man sehr geschickt sein muss, um ein entsprechendes Ergebnis zu erzielen. Nur einzelne Kinder hatten genug handwerkliches Geschick und Durchhaltevermögen, ihr Auto auch wirklich zu Ende zu bauen. Besser waren die Ergebnisse dagegen beim Bällebasteln. Die Bälle wurden aus Plastiktüten und viel Kordel gefertigt. Das kostete zwar auch viel Energie, erforderte aber nicht so viel handwerkliches Geschick. So wurden alle Bälle fertig und konnten sofort in der Pause zum Einsatz kommen.
AG 3: Kochen
Die Kochgruppe am WerkIm ersten Schritt besprachen die Kinder mit der Klassenlehrerin die mitgebrachten Rezepte. Nach intensiver Diskussion wählten sie dann ein Menü aus, dass sie für die Klasse zubereiten wollten:
Erdnuss-Suppe, UGALI (Maisbrei), Weißkohl-Tomaten-Möhren-Gemüsebeilage und einen Bananenauflauf.
Anschließend ging die Gruppe auf Einkaufstour. Der Gang durch die Geschäfte führte auch dazu, noch weitere Lebensmittel, die es ebenfalls in Afrika gibt, einzukaufen, um sie der Klasse zu zeigen. Auf den Bildern vom Markt und vom Lebensmittelladen in Kumba hatten die Kinder ja schon einige Nahrungsmittel gesehen und auch erkannt.
Das Kochen am folgenden Tag machte allen viel Spaß und wurde mit großem Eifer - und einigem Zeitstress - zu einem vollen Erfolg. Die ganze Klasse war bereit, alle dargebotenen Speisen zu probieren. Anders als bei Klassenfeiern, bei denen es immer Kinder gibt, die etwas nicht mögen oder nicht essen, weil sie es nicht kennen, waren alle interessiert zu kosten und die fremden Speisen kennen zu lernen. Für alle Kinder war die Erdnuss-Suppe das Beste. Ebenfalls Anklang fand die Bananencreme. Maisbrei und Gemüsebeilage waren dagegen nicht so populär.
AG 4: Die Fotogruppe
Für unsere geplante Ausstellung zum Thema "Kinder in Kamerun" sollte die Fotogruppe Bilder von Kindern in unserem Stadtteil machen. Nach dem Motto:
"Kinder in Kamerun - Kids in Köln"
Die Kinder hatten großen Spaß auf Entdeckungstour und Motivsuche in ihrem Stadtteil zu gehen. Die Bilder aus Kumba halfen ihnen dabei, auszuwählen, was für andere Kinder interessant und wichtig ist zu wissen. Mit ganz anderen Augen wurden nun Geschäfte, Straßen und auch unsere Schule betrachtet. Die Fotos wurden dann entwickelt, vergrößert und den Bildern aus Kumba gegenübergestellt. Die Klasse war begeistert. So konnten sie sehen, wie viel Ähnlichkeiten ihr Leben mit dem der Kinder in Kumba hat und doch auch wie groß die Unterschiede sind.

Johannes sitzt mit seinen Freunden Eric und Tomm auf der Mauer. Sie planen das nächste gemeinsame Projekt. Sie wollen gemeinsam ein Drahtauto bauen. In Kamerun bauen sich die Kinder die meisten Spielzeuge selbst aus Altmaterialien.Johannes sitzt mit seinen Freunden auf der Mauer

Die Hauptgeschäftsstraße von Kumba

Die Hauptgeschäftsstraße von Kumba sieht sehr viel anders aus, als wir uns das in Deutschland vorstellen. Die Schilder sagen aber deutlich, welches Geschäft sich in dem Haus verbirgt. So sieht man das gelbe Haus mit der roten Aufschrift "Ebassy Book Shop". Es ist eine sehr gut sortierte Buchhandlung. Weiter hinten steht das blaue Schild einer Versicherungsgesellschaft. Ganz hinten sieht man noch eine Bank. Die gelben Autos sind Sammeltaxen, die in der Stadt feste Routen fahren. Es steigen immer wieder Leute zu, bis das Taxi voll ist. Am Straßenrand stehen Leute und fragen den Taxifahrer, ob er in ihre Richtung fährt. Jeder zahlt einen festen Preis, so wie wir beim Stadtbus. In Kumba gibt es Strom- und Wasserversorgung. Manche Häuser haben einen Telefonanschluss.

Bereits die Grundschulen haben eigene Spielmannszüge, die in einer bunten Tracht marschieren.Kamerunischer Spielmannszug

 

Manchmal werden die Holzhäuser auch angestrichen. Dann sehen sie sehr bunt aus. Auf der offenen Veranda spielt sich ein großer eil des Familienlebens ab. Hier ist es nicht so stickig und heiß, wenn die Sonne auf das Haus scheint. Der Eingang zu diesem Haus ist mit Palmenblättern geschmückt, weil Besucher erwartet werden.
Bunt angestrichenes Holzhaus

Hängebrücke aus LianenWenn Buschpfade einen Fluss kreuzen, gibt es oft aus Lianen gebaute Hängebrücken. Man darf nicht schwindelig sein, wenn man diese überschreiten will. Johannes' kleiner Bruder hat Angst. Deshalb trägt ein junger Mann ihn "Huckepack" über die Brücke.

Nyamsaris SupermarktErst wenn man Nyamsaris Supermarkt betritt, sieht man die gefüllten Regale. Viele Waren sind uns vertraut. Es gibt auch Einkaufswagen. Da die Marktstraße nicht asphaltiert ist, stauben die Waren an trockenen Tagen stark ein, wenn die Autos am Supermarkt vorbeifahren.

Bei vielen Feiern tanzen die Kinder zum Klang der Trommeln. Die Jungen schlagen die aus dem Baumstamm hergestellte Schlitztrommel.Jungen schlagen die Schlitztrommel

Kinder beim Töpfe reinigen

Die Kinder haben in Kamerun auch viele andere Aufgaben. So gehört es zu den Aufgaben, an der Quelle die Töpfe zu scheuern.

Zusätzlich zu den Arbeitsgruppen gab es noch zwei weitere Aktivitäten für die Kinder. Den Kindern wurde zum einen ein Bongo-Kurs angeboten. Für diesen Kurs holten wir uns die Unterstützung eines Sozialarbeiters, der in einer anderen Grundschule regelmäßig solche Kurse durchführt. Die Kinder wurden mit verschiedenen Rhythmen und Bongotrommeln bekannt gemacht. Alle beteiligten Kinder waren restlos begeistert. Selbst schwierige Kinder der Klasse ließen sich die ganze Zeit auf den Kursleiter ein und integrierten sich ohne Probleme in die Gruppe.
Parallel zum Bongo-Kurs bauten andere Kinder Regenrohre aus Postrohren. Wir hatten vorher mit der ganzen Klasse gemeinsam einen Film über ein Regenwaldprojekt in Kamerun angesehen, um die Kinder auch ein wenig mit der Landschaft vertraut zu machen. Auf den Bildern von der Umgebung Kumbas hatten die Kinder schon einen Eindruck vom Regenwaid bekommen. Die Regenrohre hatten die Kinder im Film gesehen und gehört. Wir nahmen dafür Postrohre. Diese wurden mit Nägeln behauen und mit Krepppapier verziert. Gefüllt wurden die Rohre mit Reis, Nägeln und getrockneten Erbsen.
In allen Arbeitsgruppen herrschte eine sehr entspannte und solidarische Atmosphäre. Während des gesamten Projektes gab es so gut wie keine Streitereien unter den Kindern und obwohl der ganze Tagesablauf vollständig verändert war und viele verschiedene Personen mit den Kindern arbeiteten, hatten alle - auch die Integrationskinder - keine Umstellungsprobleme.
Während die Kinder im normalen Schulalltag auf alle fremden Situationen eher ablehnend reagieren, fremde Kinder aus anderen Kulturen eher skeptisch beäugt werden, waren jetzt alle Kinder offen für das Thema. Sie nahmen alles Fremde und Neue begeistert auf und versuchten sich in die Situation der Kinder in Kumba hineinzuversetzen. Besonders deutlich wurde das bei einem Gespräch über einen Text von Ursula Wölfel "Warum bin ich nicht schwarz?" den wir den Kindern vorlasen. Die Offenheit und Nähe der Kinder zu den schwarzen Kindern wirkte richtig euphorisch. Man darf wohl nicht zu viel erwarten, in anderen Situationen außerhalb der Klasse werden sicherlich Fremdartiges und Fremde weiterhin skeptisch gesehen werden - aber ein Einstieg in Empathie für Andere und Andersartige ist unseres Erachtens doch erzielt worden.

Die Ausstellung "Kinder in Kamerun"
Eine Karteikarte zum Thema "Essen"Nach der mehrwöchigen Projektphase bauten wir mit einigen Kindern der Klasse die Ausstellung "Kinder in Kamerun", die mittlerweile aus Berlin angekommen war, im Musikraum unserer Schule auf. Bei der Ausstellung handelt es sich um Bilder von Grundschulkindern aus Kamerun, die durch Auszüge aus Schulbüchern und -heften ergänzt und mit sehr kurzen, für Kinder verständlich gehaltenen Texten ergänzt werden. Die Bilder wurden von Heidrun und Emmanuel Fritzen während ihres fünfjährigen Arbeitsaufenthaltes im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in Kamerun aufgenommen. Sie zeigen auch die Situation ihrer Kinder, die als Ausländer mit heller Hautfarbe zwischen all den dunkelhäutigen Kindern aufwuchsen.
Speziell geht es in der Ausstellung um Johannes und sein Leben in der Kleinstadt Kumba in Kamerun. Er ist ein deutscher Junge, der mit seinen Eltern und seinen beiden kleinen Geschwistern für einige Jahre in Kumba gelebt hat, weil seine Eltern dort gearbeitet haben. Kumba ist eine Stadt in der Südwestprovinz Kameruns in der tropischen Regenwaldzone mit ungefähr 120.000 Einwohnern. In Kumba leben nur sehr wenige Europäer. Alle Nachbarn und auch alle Freunde von Johannes sind Kameruner.
Johannes hat den größten Teil seiner Grundschulzeit in einer kameruner Schule verbracht, in der er viele neue Freunde gewonnen hat. Sein bester Freund Eric wohnte auf dem Nachbargrundstück. Erics Vater ist Landwirt und lebt vor allem vom Kakaoanbau. Erics Mutter verkauft auf dem Markt Gemüse. Eric hat sechs Geschwister.
Neben Fotos von der Stadt Kumba, den Häusern, Straßen und Geschäften, zeigt die Ausstellung vor allem noch folgende Schwerpunkte aus dem Alltag von Johannes: Grundschule, Kinderpflichten (-arbeit), Schulaufmarsch zum Jugendtag, Kindergeburtstage und den Schulwettbewerb traditioneller Tänze. Die Ausstellung "Kinder in Kamerun" wurde im Herbst 1995 bei der Fortbildungstagung des Projektes "Eine Welt in der Schule" in Bad Oeynhausen zusammengestellt. Sie soll vorrangig Kinder im Grundschulalter ansprechen und ihnen einen Einblick in das Leben in einem anderen Kulturkreis vermitteln. Um jedoch nicht die typischen Bilder von "armen" Kindern in afrikanischen Ländern zu zeigen, wie wir sie von Plakaten und Broschüren karitativer Organisationen zum Teil immer noch kennen, wird als Vermittlungsfigur ein deutscher Junge gezeigt, der als Ausländer zwischen kameruner Kindern lebt. Eine Situation, die unsere Kinder sonst nur umgekehrt erleben.

Kids in Köln und Kumba
In der Projektwoche haben sich die Kinder unserer Klasse intensiv mit Kamerun, den Menschen, der Schule und dem Alltag dort beschäftigt. Die Ausstellung bildete den Anschluss dieser Arbeit und wurde mit großem Erfolg an der ganzen Schule gezeigt. Sie musste sogar um zwei Wochen verlängert werden, da nicht nur die Klassen unserer Schule, sondern auch die umliegenden Tageseinrichtungen (Hortgruppen, etc.) sich zum Besuch ansagten. Spannend war dabei vor allem auch das Arbeitsergebnis der Foto-AG. Ihre Bilder aus unserem Stadtteil in Köln wurden auf die gleichen Maße wie die Bilder aus Kumba vergrößert. Mit Wollfäden verbunden wurden sie dann den Bildern der Ausstellung gegenübergestellt. Auf der einen Wandtafel sah man nun also den Wochenmarkt in der Stadt Kumba, auf der anderen den in Markt in Köln-Bocklermünd. Diese Gegenüberstellung verschaffte allen Kindern ein sehr intensives Ausstellungserlebnis, da alle sofort einen Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellen konnten.
Interessant war auch, dass immer zwei Kinder aus unserer Klasse die erstellten Projektarbeiten und die Ausstellung den anderen Klassen, den Lehrerinnen und Lehrern und außerschulischen Gruppen vorstellten. Immer hatte man dann das Gefühl, dass die Kinder sehr tief mit der Thematik verwurzelt waren und ihnen diese Projektphase mindestens so viele elementare Kenntnisse vermittelt hat, wie sonst der alltägliche Unterricht.

Resümee
Uns allen, den beteiligten Erwachsenen und Kindern hat das Projekt sehr gut gefallen. Wir haben eine neue Nähe zu unseren Mitschülerinnen und -schülern und den Lehrerinnen und Lehrern aufgebaut. Auch haben alle so etwas wie direkte persönliche Nähe zu Johannes und seinen Freunden in Kamerun empfunden. Das Ergebnis unserer Arbeit später in der Ausstellung und in einem Videofilm zu betrachten, war ein ganz besonderes Erlebnis - wir waren alle recht stolz auf unsere Arbeit.
Das Projekt in der vorgestellten Form durchzuführen, war letztlich nur möglich durch die Zusammenarbeit von vier Pädagoginnen und Pädagogen, die bereit waren über ihre normale Unterrichtsverpflichtung, hinaus in der Schule, auf Vorbereitungsnachmittagen und -abenden alles zu organisieren. Ohne ein sehr solidarisches Kollegium, das bereit war unsere Unterrichtsverpflichtungen in den anderen Klassen zu übernehmen und mit ihren Klassen die Ausstellung zu besuchen, wäre die Arbeit so nicht durchführbar gewesen.
Erwähnt werden muss auch, dass die finanziellen Aufwendungen von uns allen zwar gerne geleistet wurden, aber eigentlich so nicht zu verantworten sind. Beim nächsten Projekt werden wir im Vorfeld auch über den finanziellen Rahmen genauer nachdenken und Finanzierungsmöglichkeiten erkunden müssen.

Materialien
Materialpaket "Johannes in Kumba/Kamerun": Karteikarten, Dias, Landkarten und didaktische Kommentare können beim Projekt "Eine Welt in der Schule" ausgeliehen werden.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 3/1998 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,4 MB).

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