Durchgeführt wurde das Projekt in der dritten Klasse einer
Kölner Integrationsschule. 24 Kinder bearbeiteten ca. drei Wochen
ausführlich das Thema "Kinder in Kamerun / Afrika". Im
Anschluss daran betreuten die Kinder noch eine aus dieser Arbeit hervorgegangen
Ausstellung. Während der gesamten Projektphase standen den Kindern
zur Begleitung vier Pädagoginnen und Pädagogen zur Verfügung:
die Klassenlehrerin, eine Sonderschullehrerin, ein Sozialpädagoge
und ein Praktikant.
Bevor wir uns mit den in der Lehrerarbeitsgruppe erarbeiteten Materialien
und der Ausstellung über Kamerun von Emmanuel Fritzen beschäftigten,
sollte erst einmal das Vorwissen der Kinder gesammelt und dabei auch
eventuell vorhandene Vorurteile thematisiert werden. In einem Unterrichtsgespräch
entwickelten die Kinder ihre Vorstellungen und formulierten Fragen.
Da ihnen das konkrete Land Kamerun zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt
war, richteten sich die Vorstellungen und Fragen ganz allgemein auf
den Kontinent Afrika:
· Was essen die Afrikaner?
· Womit kaufen die Afrikaner ein?
· Gibt es auch Geld dort?
· Gehen afrikanische Kinder auch in die Schule?
· Was spielen die Kinder dort?
· Wie wohnt man in Afrika?
Die Kinder waren vor allem daran interessiert, eine vergleichbare Vorstellung
zu ihrem eigenen Lebensalltag zu bekommen. Ihre Vorstellung von Afrika
war dabei ganz allgemein, dass dort vieles anders sei, evtl. auch die
Vermutung, dass es den Kindern dort nicht immer so gut geht wie bei
uns in Deutschland. Wie dieses "anders Leben in Afrika" konkret
aussieht, konnten sie sich nicht vorstellen. Neugierig geworden, waren
sie aber schnell motiviert, sich näher mit dem Leben der Kinder
in Afrika/ Kamerun zu beschäftigen.
Sechs Stationen als Einstieg
Im Stationsbetrieb erhalten die Kinder die Möglichkeit, mit vorgegebenen
Materialien (Karteien, Versuchsanordnungen, Arbeitsblättern. Texten,
etc.) zu arbeiten. Dabei treffen sie selbständig eine Auswahl:
Welche Aufgaben bearbeite ich und womit beginne ich? Mit wem bearbeite
ich welches Thema? Oft gibt es beim Stationsbetrieb Pflicht- und Zusatzaufgaben.
In unserem Fall sollten alle Kinder alle Stationen durchlaufen, wobei
innerhalb der l. Station entschieden werden konnte, wie viele Tiere
bearbeitet werden. Insgesamt boten wir sechs Stationen an:
· Tiere in Afrika (Kartei)
· Flaggen afrikanischer Länder (Arbeitsblätter und
Lexikon)
· Landkarte Europa-Afrika (Arbeitsblätter und Atlas)
· Afrikanische Rundhäuser (Bastelanleitung)
· Die Geschichte vom Affen und dem Floh (Lesen, Malen, Spielen)
· Kalaha (Spiel)
Die Kinder hatten so die Möglichkeit an ihren Interessen und an
ihrem Vorwissen anknüpfend sich dem Thema zu nähern. Besonders
beliebt war dabei die Arbeit mit der Landkarte, das Spiel "Kalaha"
und der Bau der Rundhäuser. Alle Arbeitsblätter und Zeichnungen
sammelten die Kinder in einer Mappe, mit der sie während der gesamten
Projektphase weiterarbeiten konnten.
Kinder in Kamerun
Nach diesem sehr allgemeinen Einstieg war die Motivation der Kinder
noch größer nun endlich mehr zu erfahren. War bei einigen
Kindern bei der allgemeinen Sammlung der Fragen das Interesse noch etwas
verhalten, so wuchsen nun die Spannung und das Interesse, was wohl die
Dias und Bilder aus Kamerun zeigen würden.
Schon das erste Dia versetzte die Klasse in Erstaunen. Zu sehen war
ein Klassenfoto der Klasse l a der St. Anthonys Grundschule in Kumba.
Die Kinder stehen mit ihrem Lehrer vor dem Klassenzimmer. Die Klasse
hat 61' Schülerinnen und Schüler. Darunter ein Ausländer
- Johannes aus Deutschland. Die Kinder tragen Schuluniformen. Die Mädchen
haben ein hellblaues Kleid an. Die Jungen tragen beige Shorts und ein
hellblaues Hemd. Die Kinder hatten sofort viele Fragen: Wie kommt der
blonde Junge dorthin? Sind das alles Kinder einer Klasse? Wie sieht
die Schule aus? Warum haben alle das gleiche an? usw.
Wir
erklären, dass Johannes ein Kind aus Deutschland ist und dass er
mit seinen Eltern für längere Zeit in Kumba lebt. .Kumba ist
eine Kleinstadt in Kamerun. Auf den folgenden Bildern begleiten unsere
Kinder Johannes nun durch Kumba und lernen so seine Mitschülerinnen
und Mitschüler kennen, sehen etwas von der Kleinstadt und auch
von der Landschaft in Kamerun.
Viele der Bilder versetzen die Kinder in Erstaunen. So hatten sie sich
Afrika nicht unbedingt vorgestellt. Die Ähnlichkeit zu ihrem eigenen
Alltag erstaunte sie: Es gibt Autos, Schulen, "richtige" Häuser
und Geschäfte, Kinder die Fanta trinken, eine Kirche eine Post,
usw. Doch war auch trotzdem vieles fremd. Die Autos sahen anders aus,
die Häuser waren oft einfach und unverputzt, die Möbel waren
anders und die Straßen nicht so glatt wie bei uns. So wirkte alles
Bekannte eigentlich doch wieder ganz fremd. Auch in der Schule in Kamerun
ist vieles anders. Die Klassen sind größer und der Unterricht
läuft auch nicht so wie bei uns. Wie Johannes sich als "Ausländer"
gefühlt hat, konnten sie sich aber gut vorstellen. Auch wie neugierig
die dunklen Kinder auf den blonden Jungen waren.
Im Anschluss an eine sehr intensive Frage- und Antwortphase mit den
Kindern und Klärung von Zusammenhängen, setzen wir nun die
Bearbeitung des Themas in Arbeitsgruppen fort.
Arbeitsgruppen und Stundenplanung
Zu viert (Klassenlehrerin, Sonderschullehrerin, Sozialpädagoge
und ein Praktikant) bereiteten wir die Arbeitsgruppen vor, für
die sich die Kinder melden konnten. Um den Interessen und Fähigkeiten
der Kinder gerecht zu werden, boten wir vier Gruppen an:
AG
1: Einfache Musikinstrumente bauen
Die Kinder bauten mit der Sonderschullehrerin Rasseln aus Astgabeln,
Draht und Kronkorken und ein afrikanisches Klavier (dieses war allerdings
in der Durchführung zu schwierig und wurde deshalb nur einmal mit
Hilfe der Lehrerin fertig). Einige Trommeln wurden später auch
noch fertig gestellt. Besonders viel Spaß hatten die Kinder an
den Rasseln. Sie waren einfach zu fertigen und hatten einen schönen
Klang.
AG 2: Spielzeug aus einfachen Materialien
Auf
den Dias hatten die Kinder gesehen, wie die Kinder in Kumba mit selbst
gebastelten Autos aus Draht spielen. Sie waren sehr motiviert so etwas
nachzubauen. Bei der praktischen Durchführung merkten sie schnell,
wie viel Arbeit in so einem Auto steckt und dass man sehr geschickt
sein muss, um ein entsprechendes Ergebnis zu erzielen. Nur einzelne
Kinder hatten genug handwerkliches Geschick und Durchhaltevermögen,
ihr Auto auch wirklich zu Ende zu bauen. Besser waren die Ergebnisse
dagegen beim Bällebasteln. Die Bälle wurden aus Plastiktüten
und viel Kordel gefertigt. Das kostete zwar auch viel Energie, erforderte
aber nicht so viel handwerkliches Geschick. So wurden alle Bälle
fertig und konnten sofort in der Pause zum Einsatz kommen.
AG 3: Kochen
Im
ersten Schritt besprachen die Kinder mit der Klassenlehrerin die mitgebrachten
Rezepte. Nach intensiver Diskussion wählten sie dann ein Menü
aus, dass sie für die Klasse zubereiten wollten:
Erdnuss-Suppe, UGALI (Maisbrei), Weißkohl-Tomaten-Möhren-Gemüsebeilage
und einen Bananenauflauf.
Anschließend ging die Gruppe auf Einkaufstour. Der Gang durch
die Geschäfte führte auch dazu, noch weitere Lebensmittel,
die es ebenfalls in Afrika gibt, einzukaufen, um sie der Klasse zu zeigen.
Auf den Bildern vom Markt und vom Lebensmittelladen in Kumba hatten
die Kinder ja schon einige Nahrungsmittel gesehen und auch erkannt.
Das Kochen am folgenden Tag machte allen viel Spaß und wurde mit
großem Eifer - und einigem Zeitstress - zu einem vollen Erfolg.
Die ganze Klasse war bereit, alle dargebotenen Speisen zu probieren.
Anders als bei Klassenfeiern, bei denen es immer Kinder gibt, die etwas
nicht mögen oder nicht essen, weil sie es nicht kennen, waren alle
interessiert zu kosten und die fremden Speisen kennen zu lernen. Für
alle Kinder war die Erdnuss-Suppe das Beste. Ebenfalls Anklang fand
die Bananencreme. Maisbrei und Gemüsebeilage waren dagegen nicht
so populär.
AG 4: Die Fotogruppe
Für unsere geplante Ausstellung zum Thema "Kinder in Kamerun"
sollte die Fotogruppe Bilder von Kindern in unserem Stadtteil machen.
Nach dem Motto:
"Kinder in Kamerun - Kids in Köln"
Die Kinder hatten großen Spaß auf Entdeckungstour und Motivsuche
in ihrem Stadtteil zu gehen. Die Bilder aus Kumba halfen ihnen dabei,
auszuwählen, was für andere Kinder interessant und wichtig
ist zu wissen. Mit ganz anderen Augen wurden nun Geschäfte, Straßen
und auch unsere Schule betrachtet. Die Fotos wurden dann entwickelt,
vergrößert und den Bildern aus Kumba gegenübergestellt.
Die Klasse war begeistert. So konnten sie sehen, wie viel Ähnlichkeiten
ihr Leben mit dem der Kinder in Kumba hat und doch auch wie groß
die Unterschiede sind.
Johannes sitzt mit seinen Freunden Eric und Tomm auf der Mauer. Sie planen das nächste gemeinsame
Projekt. Sie wollen gemeinsam ein Drahtauto bauen. In Kamerun
bauen sich die Kinder die meisten Spielzeuge selbst
aus Altmaterialien. |
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| Die Hauptgeschäftsstraße von Kumba sieht sehr viel
anders aus, als wir uns das in Deutschland vorstellen. Die Schilder
sagen aber deutlich, welches Geschäft sich in dem Haus
verbirgt. So sieht man das gelbe Haus mit der roten Aufschrift
"Ebassy Book Shop". Es ist eine sehr gut sortierte
Buchhandlung. Weiter hinten steht das blaue Schild einer Versicherungsgesellschaft.
Ganz hinten sieht man noch eine Bank. Die gelben Autos sind
Sammeltaxen, die in der Stadt feste Routen fahren. Es steigen
immer wieder Leute zu, bis das Taxi voll ist. Am Straßenrand
stehen Leute und fragen den Taxifahrer, ob er in ihre Richtung
fährt. Jeder zahlt einen festen Preis, so wie wir beim
Stadtbus. In Kumba gibt es Strom- und Wasserversorgung. Manche
Häuser haben einen Telefonanschluss. |
Bereits die Grundschulen
haben eigene Spielmannszüge, die in einer bunten
Tracht marschieren.
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Manchmal werden die Holzhäuser auch angestrichen. Dann sehen sie sehr bunt aus. Auf der offenen
Veranda spielt sich ein großer eil des Familienlebens
ab. Hier ist es nicht so stickig und heiß, wenn die
Sonne auf das Haus scheint. Der Eingang zu diesem Haus ist
mit Palmenblättern geschmückt, weil Besucher erwartet
werden.
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Wenn
Buschpfade einen Fluss kreuzen, gibt es oft aus Lianen gebaute Hängebrücken. Man darf nicht schwindelig sein,
wenn man diese überschreiten will. Johannes' kleiner Bruder
hat Angst. Deshalb trägt ein junger Mann ihn "Huckepack"
über die Brücke. |
Erst
wenn man Nyamsaris Supermarkt betritt, sieht man die gefüllten
Regale. Viele Waren sind uns vertraut. Es gibt auch Einkaufswagen.
Da die Marktstraße nicht asphaltiert ist, stauben die
Waren an trockenen Tagen stark ein, wenn die Autos am Supermarkt
vorbeifahren.
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Bei vielen Feiern tanzen die Kinder zum Klang der Trommeln. Die Jungen schlagen
die aus dem Baumstamm hergestellte Schlitztrommel. |

Die Kinder haben in Kamerun auch viele andere Aufgaben.
So gehört es zu den Aufgaben, an der Quelle die
Töpfe zu scheuern. |
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Zusätzlich zu den Arbeitsgruppen gab es noch
zwei weitere Aktivitäten für die Kinder. Den Kindern wurde
zum einen ein Bongo-Kurs angeboten. Für diesen Kurs holten wir
uns die Unterstützung eines Sozialarbeiters, der in einer anderen
Grundschule regelmäßig solche Kurse durchführt. Die
Kinder wurden mit verschiedenen Rhythmen und Bongotrommeln bekannt gemacht.
Alle beteiligten Kinder waren restlos begeistert. Selbst schwierige
Kinder der Klasse ließen sich die ganze Zeit auf den Kursleiter
ein und integrierten sich ohne Probleme in die Gruppe.
Parallel zum Bongo-Kurs bauten andere Kinder Regenrohre aus Postrohren.
Wir hatten vorher mit der ganzen Klasse gemeinsam einen Film über
ein Regenwaldprojekt in Kamerun angesehen, um die Kinder auch ein wenig
mit der Landschaft vertraut zu machen. Auf den Bildern von der Umgebung
Kumbas hatten die Kinder schon einen Eindruck vom Regenwaid bekommen.
Die Regenrohre hatten die Kinder im Film gesehen und gehört. Wir
nahmen dafür Postrohre. Diese wurden mit Nägeln behauen und
mit Krepppapier verziert. Gefüllt wurden die Rohre mit Reis, Nägeln
und getrockneten Erbsen.
In allen Arbeitsgruppen herrschte eine sehr entspannte und solidarische
Atmosphäre. Während des gesamten Projektes gab es so gut wie
keine Streitereien unter den Kindern und obwohl der ganze Tagesablauf
vollständig verändert war und viele verschiedene Personen
mit den Kindern arbeiteten, hatten alle - auch die Integrationskinder
- keine Umstellungsprobleme.
Während die Kinder im normalen Schulalltag auf alle fremden Situationen
eher ablehnend reagieren, fremde Kinder aus anderen Kulturen eher skeptisch
beäugt werden, waren jetzt alle Kinder offen für das Thema.
Sie nahmen alles Fremde und Neue begeistert auf und versuchten sich
in die Situation der Kinder in Kumba hineinzuversetzen. Besonders deutlich
wurde das bei einem Gespräch über einen Text von Ursula Wölfel
"Warum bin ich nicht schwarz?" den wir den Kindern vorlasen.
Die Offenheit und Nähe der Kinder zu den schwarzen Kindern wirkte
richtig euphorisch. Man darf wohl nicht zu viel erwarten, in anderen
Situationen außerhalb der Klasse werden sicherlich Fremdartiges
und Fremde weiterhin skeptisch gesehen werden - aber ein Einstieg in
Empathie für Andere und Andersartige ist unseres Erachtens doch
erzielt worden.
Die Ausstellung "Kinder in Kamerun"
Nach
der mehrwöchigen Projektphase bauten wir mit einigen Kindern der
Klasse die Ausstellung "Kinder in Kamerun", die mittlerweile
aus Berlin angekommen war, im Musikraum unserer Schule auf. Bei der
Ausstellung handelt es sich um Bilder von Grundschulkindern aus Kamerun,
die durch Auszüge aus Schulbüchern und -heften ergänzt
und mit sehr kurzen, für Kinder verständlich gehaltenen Texten
ergänzt werden. Die Bilder wurden von Heidrun und Emmanuel Fritzen
während ihres fünfjährigen Arbeitsaufenthaltes im Rahmen
der Entwicklungszusammenarbeit in Kamerun aufgenommen. Sie zeigen auch
die Situation ihrer Kinder, die als Ausländer mit heller Hautfarbe
zwischen all den dunkelhäutigen Kindern aufwuchsen.
Speziell geht es in der Ausstellung um Johannes und sein Leben in der
Kleinstadt Kumba in Kamerun. Er ist ein deutscher Junge, der mit seinen
Eltern und seinen beiden kleinen Geschwistern für einige Jahre
in Kumba gelebt hat, weil seine Eltern dort gearbeitet haben. Kumba
ist eine Stadt in der Südwestprovinz Kameruns in der tropischen
Regenwaldzone mit ungefähr 120.000 Einwohnern. In Kumba leben nur
sehr wenige Europäer. Alle Nachbarn und auch alle Freunde von Johannes
sind Kameruner.
Johannes hat den größten Teil seiner Grundschulzeit in einer
kameruner Schule verbracht, in der er viele neue Freunde gewonnen hat.
Sein bester Freund Eric wohnte auf dem Nachbargrundstück. Erics
Vater ist Landwirt und lebt vor allem vom Kakaoanbau. Erics Mutter verkauft
auf dem Markt Gemüse. Eric hat sechs Geschwister.
Neben Fotos von der Stadt Kumba, den Häusern, Straßen und
Geschäften, zeigt die Ausstellung vor allem noch folgende Schwerpunkte
aus dem Alltag von Johannes: Grundschule, Kinderpflichten (-arbeit),
Schulaufmarsch zum Jugendtag, Kindergeburtstage und den Schulwettbewerb
traditioneller Tänze. Die Ausstellung "Kinder in Kamerun"
wurde im Herbst 1995 bei der Fortbildungstagung des Projektes "Eine
Welt in der Schule" in Bad Oeynhausen zusammengestellt. Sie soll
vorrangig Kinder im Grundschulalter ansprechen und ihnen einen Einblick
in das Leben in einem anderen Kulturkreis vermitteln. Um jedoch nicht
die typischen Bilder von "armen" Kindern in afrikanischen
Ländern zu zeigen, wie wir sie von Plakaten und Broschüren
karitativer Organisationen zum Teil immer noch kennen, wird als Vermittlungsfigur
ein deutscher Junge gezeigt, der als Ausländer zwischen kameruner
Kindern lebt. Eine Situation, die unsere Kinder sonst nur umgekehrt
erleben.
Kids in Köln und Kumba
In der Projektwoche haben sich die Kinder unserer Klasse intensiv mit
Kamerun, den Menschen, der Schule und dem Alltag dort beschäftigt.
Die Ausstellung bildete den Anschluss dieser Arbeit und wurde mit großem
Erfolg an der ganzen Schule gezeigt. Sie musste sogar um zwei Wochen
verlängert werden, da nicht nur die Klassen unserer Schule, sondern
auch die umliegenden Tageseinrichtungen (Hortgruppen, etc.) sich zum
Besuch ansagten. Spannend war dabei vor allem auch das Arbeitsergebnis
der Foto-AG. Ihre Bilder aus unserem Stadtteil in Köln wurden auf
die gleichen Maße wie die Bilder aus Kumba vergrößert.
Mit Wollfäden verbunden wurden sie dann den Bildern der Ausstellung
gegenübergestellt. Auf der einen Wandtafel sah man nun also den
Wochenmarkt in der Stadt Kumba, auf der anderen den in Markt in Köln-Bocklermünd.
Diese Gegenüberstellung verschaffte allen Kindern ein sehr intensives
Ausstellungserlebnis, da alle sofort einen Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt
herstellen konnten.
Interessant war auch, dass immer zwei Kinder aus unserer Klasse die
erstellten Projektarbeiten und die Ausstellung den anderen Klassen,
den Lehrerinnen und Lehrern und außerschulischen Gruppen vorstellten.
Immer hatte man dann das Gefühl, dass die Kinder sehr tief mit
der Thematik verwurzelt waren und ihnen diese Projektphase mindestens
so viele elementare Kenntnisse vermittelt hat, wie sonst der alltägliche
Unterricht.
Resümee
Uns allen, den beteiligten Erwachsenen und Kindern hat das Projekt sehr
gut gefallen. Wir haben eine neue Nähe zu unseren Mitschülerinnen
und -schülern und den Lehrerinnen und Lehrern aufgebaut. Auch haben
alle so etwas wie direkte persönliche Nähe zu Johannes und
seinen Freunden in Kamerun empfunden. Das Ergebnis unserer Arbeit später
in der Ausstellung und in einem Videofilm zu betrachten, war ein ganz
besonderes Erlebnis - wir waren alle recht stolz auf unsere Arbeit.
Das Projekt in der vorgestellten Form durchzuführen, war letztlich
nur möglich durch die Zusammenarbeit von vier Pädagoginnen
und Pädagogen, die bereit waren über ihre normale Unterrichtsverpflichtung,
hinaus in der Schule, auf Vorbereitungsnachmittagen und -abenden alles
zu organisieren. Ohne ein sehr solidarisches Kollegium, das bereit war
unsere Unterrichtsverpflichtungen in den anderen Klassen zu übernehmen
und mit ihren Klassen die Ausstellung zu besuchen, wäre die Arbeit
so nicht durchführbar gewesen.
Erwähnt werden muss auch, dass die finanziellen Aufwendungen von
uns allen zwar gerne geleistet wurden, aber eigentlich so nicht zu verantworten
sind. Beim nächsten Projekt werden wir im Vorfeld auch über
den finanziellen Rahmen genauer nachdenken und Finanzierungsmöglichkeiten
erkunden müssen.
Materialien
Materialpaket "Johannes in Kumba/Kamerun": Karteikarten, Dias,
Landkarten und didaktische Kommentare können beim Projekt "Eine Welt in der
Schule" ausgeliehen werden.