Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Jacke wie Hose
Kleidung als Agenda-21-Thema
Wolfgang Brünjes

 
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"Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Habgier." (GANDHI)

1992 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland auf der UN-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro neben 177 weiteren Staaten die Agenda 21. Mit diesem "Aktionsprogramm" oder "Arbeitsplan" für das 21. Jahrhundert wollen sich die Unterzeichnerstaaten für mehr Gerechtigkeit zwischen den Nationen und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen für diese und zukünftige Generationen einsetzen. Nach gewissen Anlaufschwierigkeiten, die für ein solches Projekt sicherlich normal sind, ist es mittlerweile so, dass kaum eine Publikation zur entwicklungspädagogischen Bildung ohne Hinweis auf die Agenda 21 erscheint. Die symbolträchtige 21 wird mittlerweile in mehreren Logos geführt und Begrifflichkeiten wie "Sustainable Development" oder "nachhaltige Entwicklung" sowie Slogans wie "Global denken, lokal handeln" sind, wenn schon nicht in aller Munde, so doch zumindest hinlänglich bekannt. Wie aber erreicht das Thema "Agenda 21" die Lehrerinnen und Lehrer bzw. die Schülerinnen und Schüler?
Auf einer Lehrerfortbildungstagung des Projekts "Eine Welt in der Schule" widmeten wir uns dieser Fragestellung. Neben der inhaltlichen Annäherung an die Agenda 21 ging es darum, ein Unterrichtsbeispiel zu entwickeln, bei dem die doch reichlich abstrakte "Agenda 2l" der konkreten Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler so nahe wie möglich gebracht wird.

Annäherung an das Thema
Die Einarbeitungsphase auf der Lehrerfortbildungstagung war relativ kurz. Dies lag zum Teil daran, dass die Lehrerinnen und Lehrer aus der Grundschule und der Sekundarstufe I, welche die Fortbildung besuchten, sich schon vorher mit der Thematik auseinandergesetzt hatten. Entscheidend für die Kürze des inhaltlichen Inputs war jedoch, dass die Probleme, die in der Agenda 21 angesprochen werden, bereits seit längerer Zeit diskutiert werden. Schon auf der Stockholmer UN-Konferenz "Mensch und Umwelt" 1972 (!) wurde konstatiert, "dass eine weitere Entwicklung in der bisherigen Art und Weise über die bereits erfolgte Schädigung hinaus solch große Umweltschäden verursachen würde, dass langfristig die Grundlagen für Leben auf der Erde entzogen würden". Dies ist nach mittlerweile 30 Jahren in das Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten vorgedrungen. Die Agenda 21, in der die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten in unserem Lebensraum dargestellt und Veränderungen im täglichen Leben vorgeschlagen werden, die eine zukünftige Entwicklung ermöglichen sollen, ist somit inhaltlich nicht neu. Ihre Wertigkeit erreicht sie jedoch dadurch, dass sie das Thema für die Lehrerinnen und Lehrer jetzt greifbarer gemacht hat, indem sie viele Gedanken bündelte und als "Aktions"- oder "Arbeitsplan" Handlungen impliziert.
Deutlich wurde dies auf der Lehrerfortbildungstagung u. a. dadurch, dass bei Durchsicht einer Checkliste für eine Agenda-Schule zahlreiche Einzelpunkte bereits in den Schulen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer umgesetzt werden bzw. die Umsetzung geplant ist.
Durch die Vorkenntnisse der Lehrerinnen und Lehrer konnte somit der inhaltliche Input neben einer kurzen Skizzierung zum Inhalt der Agenda 21 begrenzt werden auf die Bereiche, die für die Lehrerinnen und Lehrer von besonderem Interesse waren: Der rechtliche Status der Agenda 21 - Finanzierungsbedarf - Bürgerbeteiligung - Umwelt und Entwicklung - Bildung.
Die Frage, die sich nun stellte, war: Wie kann der Gedanke der Agenda 21 - also auch der Entwicklungsgedanke - den Schülerinnen und Schülern erfolgreich vermittelt werden? Dazu sei ausdrücklich darauf hingewiesen: Nur eine kontinuierliche Arbeit hat Aussicht auf Erfolg. Es gibt keine Unterrichtseinheit, und sei sie noch so durchdacht und umfangreich, die die Zielsetzung der Agenda 21 in Schülerköpfe verankert, wenn sie nicht eingebettet ist in eine langfristige Auseinandersetzung (und damit in ein langfristiges Lernen) mit dem Thema (vgl. R. SCHMITT 1997). Was die Agenda-21-Thematik vom "Eine Welt"-Lernen unterscheidet, ist in erster Linie, dass die Lebensstilfrage, die unweigerlich zur Lösung vieler Probleme gestellt werden muss, eine noch stärkere Gewichtung bekommt. Das Projekt "Eine Welt in der Schule, Klasse 1-lO" entwickelte im Laufe seiner Tätigkeit zahlreiche Unterrichtsbeispiele (von A wie "Ausländer in unserem Land" bis Z wie "Zimt aus Sri Lanka"), die problemlos zur kontinuierlichen Behandlung des Agenda-Aspekts im Unterricht eingesetzt werden können.

Wichtig war uns, dass der Lerngegenstand ausgeprägte Anknüpfungspunkte zu Ländern des Südens besitzt. Allzu häufig werden Themen behandelt, die sich allein auf die Situation in der Bundesrepublik Deutschland oder, wenn es hoch kommt, Europa beziehen. Diesen eurozentristischen Ansatz, der wesentliche Belange der Agenda 21 missachtet - letztlich ist dort die Rede von der globalen Umwelt und Entwicklung - und oft noch mit einer Reduktion auf Umweltthemen einhergeht, wollten wir auf jeden Fall vermeiden.

"Kleidung" als Agenda-Thema
In den einschlägigen Publikationen zur Agenda 21 werden Vorschläge zur konkreten unterrichtlichen Umsetzung gemacht. Inhaltlich reicht die Palette von Ernährung über Tourismus bis hin zu Zukunftsängsten und -wünschen. Nach kurzer Diskussion wählten wir das Thema Kleidung. Ausschlaggebend war für uns zum einen die Interessenlage der Schülerinnen und Schüler und zum anderen die enge Verknüpfung des Themas mit zentralen Aspekten der Agenda 21.

Die textile Kette

Am seidenen Faden:
Schwachstellen In der Textilindustrie

Fasergewinnung: Die vermeintlich "reine Baumwolle" ist gar nicht so natürlich: Bei ihrem Anbau werden Unmengen von Pestiziden eingesetzt, die das Grundwasser belasten, Tiere und Pflanzen verdrängen, die Arbeiterinnen auf den Plantagen vergiften und deren Lebenserwartung einschränken.
Textilerzeugung und -veredelung: Der Großteil der FabrikabeiterInnen der Textilindustrie sind Frauen und Kinder, die oft für extrem niedrige Löhne, ohne ausreichenden Arbeitsschutz und in zu langen Arbeitszeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen Kleidungsstücke herstellen.
Veredelung: Die Verwendung von Farbmitteln und Chemikalien wie Säuren, Laugen, Natriumchlorid belastet das Abwasser stark und führt zu Gesundheitsschäden bei den ArbeiterInnen. 100% der Grundchemikalien, 71 % der Textilhilfsmittel und 20 % der Farbstoffe gelangen ins Abwasser - der Rest bleibt in der Kleidung!
Gebrauch: Auch beim Waschen unserer Kleidung belasten wir das Wasser durch Wasch- und Reinigungsmittel, außerdem leiden immer mehr Menschen unter Allergien, die unter anderem durch ausdunstende Veredelungschemikalien ausgelöst sind.
Entsorgung: Durch die Altkleiderexporte in die Länder der "Dritten Welt" werden die dortigen Textilhersteller gefährdet.

Mit kaum einem Bereich kommen Kinder so früh und so hautnah in Berührung wie mit Textilien. Wie wichtig dieses Thema für Kinder und Jugendliche ist, merkt man spätestens dann, wenn im Zusammenhang mit Kleidung Lebensstilfragen berührt werden. Dieser Umstand macht es möglich, das Thema Kleidung sehr schülernah zu unterrichten. Außerdem bietet sich hier die Möglichkeit, den Schülerinnen und Schülern einen "realutopischen" Lösungsansatz aufzuzeigen, z.B. indem man ihr gegenwärtiges Konsumentenverhalten untersucht und mit Problemlösungsansätzen vergleicht.
Bei den Aspekten, die uns veranlassten "Kleidung" als Thema zu wählen, um den Schülerinnen und Schülern die Agenda 21 näher zu bringen, gingen wir von dem "Zieldreieck" der Agenda 21 aus. "Zukunftsfähig ist eine Entwicklung dann, wenn sie für gegenwärtige und zukünftige Generationen weltweit ein sozial, ökonomisch und ökologisch wünschenswertes Leben ermöglicht.
Daher muss sich eine nachhaltige Entwicklung an vier Elemente messen lassen:
- Ist sie umweltverträglich?
- Ist sie sozialverträglich?
- Ist sie wirtschaftverträglich?
- Wahrt sie die kulturelle Vielfalt und Identität der Menschen?"
(BÖHM 1999)

Bezogen auf das Thema Kleidung bieten sich vielfältige Ansatzpunkte, um diese vier Elemente im Unterricht zu thematisieren. Hier eine kurze Auflistung:
· Die ökologische Komponente spielt bei der Rohstoffgewinnung (z. B. Pestizideinsatz bei der Baumwollproduktion, Bewässerung der Monokulturen) eine Rolle.
· Ebenso kommen bei der Produktion von Textilien (Färben, Ausrüsten usw.) häufig gesundheitsschädliche Chemikalien (z. B. Formaldehyd) zum Einsatz.
· Die Transportwege von z. T. vielen Tausend Kilometern werden deutlich, wenn man sich anschaut, welche Wege die Rohstoffe und auch die Kleidungsstücke in ihrem Lebenszyklus zurücklegen.
· Lebensstilfragen tauchen im Zusammenhang mit der Vermarktung auf.
· In "Freien Produktionszonen" (z.B. El Salvador, Guatemala) wird Kleidung unter menschenunwürdigen Bedingungen (Löhne, Arbeitsrecht usw.) produziert.
· Altkleiderlieferungen können zur Vernichtung heimischer Märkte in so genannten Entwicklungsländern führen.

Nachdem auf der Fortbildungstagung noch das inhaltliche Gerüst für das Thema Kleidung festgelegt wurde (Schwerpunktthemen u. a.: Rohstoffgewinnung; Arbeitsbedingungen bei der Herstellung; Der Weg der Kleidung; Mode, Marken und Konsum; sozial-verträgliche Kleidung; Der Weg der Kleidung/Altkleiderproblematik), wurden weitere Schritte für eine Unterrichtserprobung (Materialrecherche, Materialsichtung usw.) in Angriff genommen.
Ein zweites Treffen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Arbeitsgruppe war notwendig, um die Bezüge zwischen dem Thema Kleidung und der Agenda 21 genauer zu analysieren, die Schwerpunktthemen entsprechend abzustecken, bisher fehlendes Material zusammenzustellen und organisatorische Fragen zu klären. In der Folge wurden die Erprobungen durchgeführt. Auf den nächsten Seiten finden Sie zwei Erprobungen. durchgeführt in zwei 4. Grundschulklassen sowie in dem 7. Jahrgang einer Gesamtschule, die die Ergebnisse unseres Unterrichts Vorhabens "Agenda 2l/Kleidung" dokumentieren.

Literatur
BÖHM, H.-M.: Die Agenda 21 für Umwelt und Entwicklung. Lindenberg 1999
SCHMITT, R. (Hrsg.): Sammelband "Eine Welt in der Schule, Klasse 1-10". Frankfurt/M. 1997

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 3/2001 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,3 MB).

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