Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Jeans, Jeans, Jeans ...
Projektarbeit in zwei 4. Klassen
Ute Ritter

 
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Auf der überregionalen Lehrerfortbildungstagung des Projektes "Eine Welt in der Schule" beschäftigten wir uns in einer Arbeitsgruppe mit der Agenda-21 -Thematik unter der Fragestellung:
"Wie können wir Inhalte der Agenda 21 im Unterricht aufgreifen, ohne dass sie zu fern von der Lebenssituation der Schülerinnen und Schüler sind, aber trotzdem die Idee der Agenda 21 - also auch der Entwicklungsgedanke - transportiert wird?"
Sehr schnell kamen wir dabei auf den Themenschwerpunkt "Kleidung", welcher bei Kindern und Jugendlichen viel Interesse findet und in ihrem Alltag eine große Rolle spielt.

Modebewusste Kids
Von Schülerinnen und Schülern gefertigte CollageDas Verlangen nach ständig neuer Kleidung ließ den internationalen Markt für Textilien und Bekleidung auf ein immer größeres Jahresvolumen anwachsen. Der Kleiderrausch des Nordens führte zu einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 17-20 Kilogramm Bekleidung in Deutschland. Zum Vergleich: In Indien beträgt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Bekleidung zwei Kilogramm.
Mode ist ein Thema, das auch Grundschülerinnen und Schüler interessiert. Kleidung und Mode gehört in den 4. Klassen oft zu den Pausen- und Freizeitgesprächen. Mode ist ein Massenphänomen geworden, dem sich kaum jemand in den Industriestaaten entziehen kann.
Ginge es nur um die praktische Funktion und die funktionellen Aspekte der Kleidung (Schutz vor Kälte, Hitze oder anderen Umwelteinflüssen), würden uns einige wenige Kleidungsstücke für ein ganzes Leben genügen. Trotzdem erwerben wir jedes Jahr für jede Saison etwas Neues. Kleidung wird nicht erneuert, weil sie kaputt ist, sondern weil sie dem Trend nicht mehr entspricht.
Viele Kinder legen großen Wert darauf, Kleidung einer bekannten Firma zu tragen. Levis, Adidas, Fishbone, East pak, Nike, Wrangler, Tommy Hilfinger ... - die Liste der Markennamen, die einem in manchen Klassenzimmern auf Pullis, Hosen, Jacken, Schuhen und Rucksäcken entgegen springt, scheint endlos lang.
Die Eltern sind bereit (oder fühlen sich genötigt), für Markenartikel viel Geld auszugeben. Niemand möchte gerne Außenseiter sein, und deswegen nehmen Eltern und Kinder einiges auf sich, um mit den anderen mithalten zu können. Kinder geraten in Streit mit ihren Eltern, die nicht immer bereit sind, den hohen Preis zu zahlen, um die begehrten Objekte zu kaufen.
Die Einstellung der Kinder, dass man nur mit Markenartikeln wer ist, wird tagtäglich durch die Werbung in Rundfunk und Fernsehen gefördert. Sie lässt die Kinder glauben, mit den richtigen Marken hat man viele Freunde und ist "in".
Das Konsumverhalten bei den meisten Kindern ist anerzogen und wird durch die Medien und durch Altersgenossen verstärkt. Häufig sind es Einzelkinder, die von klein auf erleben, dass die Eltern für sich selbst und für ihr Kind großen Wert auf Markenkleidung legen.
Kinderreiche Familien und Familien mit geringem Verdienst können sich so teure Kleidungsstücke nicht leisten. Wer aber nur unbekannte, oft als "Markenschrott" bezeichnete Kleidungsstücke trägt, der läuft Gefahr, deswegen von anderen Kindern gehänselt oder geärgert zu werden, und das ist überhaupt nicht spaßig, bzw. erfordert sehr viel Selbstbewusstsein.
Nur wenige Kinder wissen,
- dass z.B. die oft heiß geliebte Jeans fast einmal um die Erde wandert, bevor wir sie kaufen können;
- dass, bevor ein Kleidungsstück im Laden verkauft wird, es bei Anbau, Herstellung, Veredlung und Transport mit einer Vielzahl von Chemikalien behandelt wird. Diese gelangen auch ins Abwasser, in den Boden und in die Luft;
- dass viele Kleidungsstücke zumeist in Asien, Mittel- und Südamerika und in osteuropäischen Ländern unter Missachtung der Menschenrechte hergestellt werden.
Wenn wir weniger kaufen, können wir auf Herstellungsbedingungen und Gütezeichen achten und für fair und schadstofffrei hergestellte Textilien ein bisschen mehr bezahlen.
Außerdem macht es Spaß, sich seine eigene Mode auszudenken, öfter mal secondhand einzukaufen, eine Kleidertauschbörse einzurichten oder getragene Kleidung an Freunde und Verwandte weiter zu reichen.
Deshalb nahmen wir uns an unserer Schule vor, in der Klassenstufe 4 das Thema "Mode" als Projekt zur Agenda 21 zu gestalten.

"Jeans - Jeans - Jeans und Mode"
Unter diesem Titel planten wir unser Projekt und alle Lehrerinnen und Lehrer, die in den vierten Klassen unterrichten, zogen mit.
Den Kindern und auch den Kolleginnen und Kollegen haben diese Thematik und die vielfältigen Arbeitsformen viel Spaß bereitet.
Für unser Projekt "Mode / Jeans" setzten wir uns einige Schwerpunkte wie:
· Kleidung früher - heute - anderswo
· Mode, Marken und Konsum inkl. der sozialen Komponente (Armut in Deutschland)
· Rohstoffgewinnung
· Arbeitsbedingungen bei der Herstellung
· sozial-verträgliche (faire / saubere) Kleidung
· Altkleiderproblematik
· Wertschätzung der Kleidung - Pflege
· Gesundheit / Allergien / Gifte in der Kleidung
· Herstellung von Stoffen / Drucken / Nähen

An unserer Schule in Gera nahmen 52 Kinder an dem Projekt teil. Die Lehrerinnen und Lehrer der Fächer Deutsch, Heimat- und Sachkunde, Mathematik, Ethik, Musik, Kunsterziehung, Schulgarten und Werken berieten gemeinsam, wie sie in ihrem Unterricht thematisch und handlungsorientiert an dem Projekt arbeiten könnten. Viele Ideen wurden zusammengetragen und die Vorschläge der Kinder und Eltern einbezogen.
Mit großer Begeisterung wurde in kleinen und größeren Gruppen gearbeitet, Schüleraufträge übernommen, Interviews durchgeführt, gebastelt, genäht, getanzt, gesungen, Theater gespielt usw. Die Schülerinnen und Schüler übernahmen -.gerne Aufträge, die sie zu Hause vorbereiten mussten. Jede Gruppe gestaltete ein Poster mit den Ergebnissen ihrer Arbeit.
Der Höhepunkt war die Präsentation aller Ergebnisse vor den Schülerinnen und Schülern der 1., 2. und 3. Klassen sowie vor den Eltern.

Was wir in den einzelnen Fächern zum Thema machten:

Deutsch

Zu dem Thema "Machen Kleider Leute?" lernten wir ein Gedicht und wir erarbeiteten ein Interview.

Viele Neuigkeiten erfuhren wir über Secondhand-Geschäfte.
Auch einen Sketch haben wir für die Präsentation eingeübt.

Wir durften eine Reimwortgeschichte mit den Wörtern Jeans - Reise - Erlebnis erfinden und mussten diese natürlich auch aufschreiben.

Für eine Modenschau haben wir alle Texte erarbeitet, haben die Modeartikel und Kleidungsstücke zusammengetragen und führten alles vor.

Schulgarten

Aus Baumwollblüten haben wir Samen gezupft, haben diese ausgesät und unsere eigenen Baumwollpflanzen gezogen.

In einer Gruppenarbeit haben wir ein Baumwollgesteck angefertigt.

Zeichnen

Aus Leder, verschiedenen Stoffen und natürlich Jeansstoff haben wir Collagen gefertigt.

Wir haben Puppen hergestellt. Dazu haben wir einen Puppenkopf aus einem Pappteller angefertigt, ein Bekleidungsstück genäht, aus Stöcken ein Gestell gebaut und alles zu einer Puppe zusammengebaut.

Mathe

Wir haben genau errechnet, wie lang der Weg ist, den die Jeans bei ihrer Herstellung zurücklegt. Sie reist dabei einmal um die ganze Welt.

Heimat- und Sachkunde

Zu verschiedenen Themen haben wir Werbeplakate angefertigt.

Das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" von Hans Christian Andersen haben wir kennen gelernt, wir studierten es ein und führten es vor.

Werken

Aus Jeansstoff und Knöpfen nähten wir eine Jeansmaus.

Musik

Die Lieder "Blue" und "Jeans on" haben wir als Tanz einstudiert.

Weiterhin haben wir Plakate zu den jeweiligen Liedern angefertigt.

Englisch

Wir haben die Texte für die Lieder "Blue" und "Jeans on" erarbeitet, die wir als Tanz vortragen wollten.

Über die Seidenraupe haben wir viele Neuigkeiten erfahren und haben Plakate dazu angefertigt.


Woraus besteht eine Jeans?
Das Thema Baumwolle interessierte alle Kinder sehr. Nachdem sie eine Diaserie über die Entstehung der Baumwolle (Wachstum, Ernte usw.) gesehen hatten, wollten sie natürlich auch ausprobieren, ob Baumwolle bei uns im warmen Klassenzimmer wächst.
Jedes Kind züchtete und pflegte eine Baumwollpflanze. Unsere Pflanzen gediehen prächtig und wir verkauften sie später an die Eltern.
Überall im Klassenraum standen unsere Baumwollpflanzen, die bald eine stattliche Höhe von 15 cm erreicht hatten. Die Kinder hegten und pflegten ihre Pflänzchen und stellten fest: Baumwolle braucht sehr viel Wasser.
Über den Baumwollanbau in vielen Gebieten der Welt wie China, Russland, Indien, USA, Brasilien und Pakistan, über die Arbeit der Baumwollpflücker und die Kinderarbeit sammelten die Kinder Informationen und gestalteten ein Poster.
Weltweit wird derzeit auf ca. 320 000 Quadratkilometer Ackerland Baumwolle angebaut. Das entspricht fast der Fläche der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Flächen, auf denen die oft dringender benötigten Grundnahrungsmittel nicht mehr angebaut werden können. Aber Baumwolle kann gegen harte Dollars exportiert werden und diese Devisen brauchen viele ärmere Länder.
In Kasachstan wurde für Baumwollplantagen mehr Wasser entnommen als nach fliessen konnte. Jahrzehntelang! Heute ist der riesige Aralsee fast ausgetrocknet.
Wir lasen das Buch "Baumwolle" von Amos Bar und Shuko Gutman.
Das Etikett "100 % Baumwolle" entdeckten die Kinder in vielen ihrer Sachen. Es war auch spannend mehr über den Anbau und die Ernte zu erfahren, auch über das Leben der Familien, die diese Arbeit machen.

Jeansgeschichten
Von Schülerinnen und Schülern gefertigte CollageViel Spaß bereitete allen Kindern das Schreiben einer Reizwortgeschichte zum Thema "Jeans". Einige Kinder schrieben einen richtigen Krimi, wo Papa und Mama Jeans entführt wurden und zu Jeanskissen verarbeitet werden sollten. Ein Fußballspiel, Jeans gegen Trainingshosen, war auch sehr lustig, oder wo die Jeans auf einen Stein fiel und Oma sie vor dem Wegwerfen rettete, indem sie einen Flicken draufsetzte.
Einige Geschichten wurden als Schattenspiel vorgetragen. Mit viel Fleiß und tollen Ideen, wobei uns auch der Hort und die Eltern unterstützten, bastelten sie die Figuren und übten die kleinen Theaterstücke ein.
Mit großem Interesse lasen die Kinder über die Erfindung der Jeans. Den Artikel nutzten wir gleich als Leseübung und stellten einige Fragen zur Sinnerfassung.
Neugierig wurden alle Kinder, als sie im Film "Reise einer Jeans" sahen, welchen Weg ihr Lieblingskleidungsstück zurücklegte, bevor sie es im Laden kaufen konnten. Der Film ist interessant und spannend gemacht, weckt die Neugierde der Kinder und vermittelt anschaulich Wissen. Er brachte den Kindern aber auch nahe, unter welchen Bedingungen ihre Lieblingshosen produziert werden.
Auf der Landkarte suchten wir alle Orte auf und berechneten in Mathematik, wie viel Kilometer die Jeans zurücklegt, bevor sie in Deutschland auf den Ladentisch kommt. "Kannst du dir denken, warum eine Jeans nicht komplett in Deutschland hergestellt wird?" Da gab es viele Diskussionen unter den Kindern.
Schick, billig und pflegeleicht soll eine Jeans sein. Zu günstigen Preisen kann man diese Qualität in Deutschland nicht herstellen. Das geht nur in Ländern, wo die Menschen weniger Lohn für ihre Arbeit bekommen - oft kommt es dabei leider zu massiven Menschenrechtsverletzungen.
Auf einer alten Jeans stellten die Kinder einmal dar, wie groß der Anteil Lohn im Verhältnis zu den Produktionskosten und zum Gewinn ist. Die Arbeiter erhalten nur 1 bis 5%!


Wir erzählten den Kindern, dass es auch "fair" hergestellte Kleidung bei uns zu kaufen gibt. Eine oft gestellte Frage war darauf: "Werden diese >sauberen< Kleider (sauber heißt - sozial verträglich) nicht schrecklich teuer?" An unserem Beispiel erarbeiteten sich die Kinder, dass die tatsächlichen Ausgaben für Löhne nur einen sehr kleinen Teil des Preises betragen, den man für eine Jeans bezahlen muss.
Einige Kinder spielten Reporter und interviewten ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zum Thema Kleidung:
- Wie wichtig sind Klamotten für euch?
- Wer sucht denn deine Sachen aus?
- Wenn ihr mit euren Eltern Klamotten kaufen geht, seid ihr euch da immer einig?
- Wie viele Jeans habt ihr eigentlich?
- Was ist denn so toll an Jeans?
- Wie wichtig sind für euch Markenartikel?

Die Ergebnisse veröffentlichten sie dann in der Schule. Die Eltern waren übrigens über die Antworten ihrer Kinder teilweise sehr erstaunt.

Die Erfindung der Jeans
Eine Geschichte aus dem Jahre 1850

"Verflixt, schon wieder ein Riss in der Hose", schimpfte Jack, "so ein dünner Stoff taugt einfach nichts, wenn man dabei ist, nach Gold zu graben." Jack befand sich zusammen mit einigen anderen Männern an einem Fluss in der Nähe eines Goldgräberlagers in Kalifornien. "He, Jack", rief ihm jetzt sein Freund Pete zu, der einige Meter entfernt mit einem Sieb im Fluss stand, "geh einfach mal nach Sacramento und frag nach Levi Strauss. Das ist ein Auswanderer aus old Germany, vor kurzem angekommen. Der näht aus Zeltplanen die festesten Hosen der Welt, Hosen, die einfach alles mitmachen. Und damit die Nähte nicht reißen, verstärkt er sie an den Taschen sogar mit Kupfernieten." "Guter Tipp, Pete, werd mir die Hosen mal ansehen. Wie heißt der Mann noch? Levi Strauss?"
Bald konnte der Schneider Levi Strauss die vielen Aufträge nicht mehr allein schaffen. An die Stelle seiner Schneiderwerkstatt trat eine Fabrik. Aus dem armen Schneider wurde ein reicher Geschäftsmann. Das Unternehmen gibt es heute noch.

Was passiert mit den "alten" Sachen?
Wenn Kleidung so wichtig ist und wir so viel davon verbrauchen, stellt sich natürlich das Problem mit dem "Modemüll".
Wohin mit dem alten Lieblingspullover oder der Hose, aus der man herausgewachsen ist? In den Müll? Zu schade! Was könnte mit den alten Sachen geschehen?
In die Altkleidersammlung - schlugen einige Kinder vor. Das ist für einen guten Zweck. Wie überrascht waren sie aber, als sie erfuhren, dass die besterhaltenen Teile in Deutschland wieder in die Secondhand-Läden gehen und einige daran gut verdienen. Ca. 30 % unserer Altkleider enden in den afrikanischen Ländern. Die importierten Altkleider werden dort verkauft, und die einheimische Textilindustrie kann gegen die Billigimporte nicht konkurrieren. So geraten die fantasievollen Muster der Kleiderstoffe in Afrika ins Abseits. Quer über den afrikanischen Kontinent sind durch diese Altkleiderverwertung der Industriestaaten viele Arbeitsplätze verloren gegangen.
Viel besser ist es, hochwertige Sachen zu kaufen und sie später über Second-hand-Läden selbst zu verkaufen.

Besuch im Secondhand-Laden
Einige Kinder besuchten einen Secondhand-Laden und stellten der Besitzerin Fragen. Hier ein Auszug:
- Was wird bei Ihnen am meisten gekauft?
- Kann ich auch allein etwas kaufen oder verkaufen?
- Woher kommen Ihre Waren?
- Bekomme ich das Geld gleich?
- Wer kauft bei Ihnen ein?
- Wie müssen die Waren sein, wenn ich sie zu Ihnen bringe?
- Wie sind Ihre Öffnungszeiten? u. a.
Dieses Interview spielten die Kinder dann zur Information den Mitschülerinnen und Mitschülern sowie den Eltern vor und zeigten in einer kleinen Modenschau Kleidung, die sie dort preiswert erstanden hatten.
Viel Spaß bereitete es auch Kleidung zu verändern und Vorschläge zu machen, wie man langweilige Jeans aufpeppen kann. Es kamen viele tolle Ideen zustande, die dann auf Poster ausgestellt wurden. Im Schulhaus wurde eine große Tafel mit den Vorschlägen der Kinder gestaltet.
Im Werken bastelten alle Kinder eine Jeansmaus. Dabei probierten sie auch einmal im Akkord zu arbeiten. Schon beim Annähen der Knöpfe (für Augen und Nase) brauchten einige Schülerinnen und, Schüler fast eine Stunde, "Ganz schön anstrengend", war der einhellige Kommentar zu dieser Arbeit. Die fertigen Mäuse wurden mit Reis oder Watte gefüllt und als Kuscheltiere verschenkt oder auch selbst benutzt.
Im Zeichenunterricht bastelten die Kinder lustige Puppen und bekleideten sie nach ihren Entwürfen mit Jeanskleidung. Das hat allen unheimlich viel Spaß gemacht und sah auch sehr vielfältig aus.
Aus einem Pappteller, Tapetenleim, Toilettenpapier und Wasserfarben wurde ein Gesicht geformt. Mit Wollfäden wurden Haare aufgeklebt. 2 Holzstäbe bildeten die Grundlage für die Kleidung. Darauf konnte jeder nach seinen Entwürfen die Kleidung der Puppe befestigen. Mit Kleidungsresten wurden noch lustige Sachen hergestellt. Die Kinder merkten auch, wie man die langweilig gewordene Kleidung durch einige Dinge verändern kann und schon sieht sie modisch und flippig aus. Und das Ganze kostet nicht einmal viel Geld.

Rollenspiele über Mode
Noch einmal zum Thema "Markenklamotten". Zu einer Karikatur dachten wir uns einen Sketch aus und spielten die Situation, die ja gar nicht so ungewöhnlich ist, nach. Wie reagierten Luca, Ina, Benjamin oder Sandra, wenn man von Klassenkameraden ausgelacht wird wegen der Kleidung?

Mutter: Tina, komm mal her, ich habe dir eine hübsche Jacke mitgebracht.
Tina: Prima, zeig doch mal her. Toll, die sieht wirklich gut aus. Aber sag mal, wo ist denn das Schild?
Mutter: Was für ein Schild?
Tina: Na, das Schild eben! Du weißt schon...
Mutter: Ich weiß nicht, was du meinst. Doch, warte mal, hier ist ein Anhänger, den meinst du sicher.
Tina: Was? Kaufhalle - 9,95 €? Das zieh ich nie an! Meinst du, ich mach mich zum Gespött der ganzen Klasse?

Dann erklärt die Mutter Tina, dass sie ja sparen müssen, weil sie in Urlaub fahren wollen. Schließlich sieht Tina das ein. Sie trifft ein paar Freunde und verteidigt ihre Jacke. Zum Schluss sprechen die Kinder alle an und fragen:
- Und ihr? Wie wichtig sind euch Markenklamotten? Sprecht in eurer Klasse mal darüber.
- Ich kaufe viele Sachen im Secondhand-Laden, die sind billig und ich finde meist etwas Schickes.
- Meine Mutter bringt die Sachen, die mir nicht mehr passen, auch dorthin. Da bekommen wir noch Geld dafür und schützen die Umwelt.
- Einige Kinder unserer Klasse waren dort und haben nachgefragt.
Eine Klasse übte das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" ein. Das gab einen Heidenspaß, die Kinder schrieben sich selbst ihre Texte und diskutierten lange darüber, wie sie das Märchen darstellen könnten.
Dabei kamen natürlich auch der Wert der Kleidung, Bedeutung der Mode, Mode und Charakter usw. zur Sprache.
Alle Kinder durften mitspielen und zum Schluss wurde Menuett getanzt.

Präsentation der Ergebnisse
Die Schülerinnen und Schüler präsentieren ihre ErgebnisseDie Eltern und die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe l - 3 unserer Schule waren natürlich auch neugierig und wollten gerne genauer erfahren, was so in den vierten Klassen los ist. Also wurden alle an einem Nachmittag zur Präsentation eingeladen. Folgendes Programm hatten wir geplant:
1. Gedicht
2. Tanz "Blue" Klasse 4a
3. Sketch
4. Interview
5. Des Kaisers neue Kleider
6. Die Reise einer Jeans
7. Schattenspiel
8. Kleidung aus dem Secondhand-Laden
9. Tanz "Jeans On" Klasse 4b
10. Modenschau
Zur Begrüßung erhielt jeder Gast ein von den Kindern entworfenes Kreuzworträtsel. Das Lösungswort hieß übrigens Jeans.
Der Raum war mit den Arbeiten der Kinder geschmückt. An den Wänden hingen Plakate zu verschiedenen Themen:
Farbe Blau, Modevorschläge für Jeans, Mode in den einzelnen Jahrhunderten, Seidenraupe und Baumwolle. Zusätzlich präsentierten die Kinder stolz ihre Baumwollpflänzchen, die Jeansmäuse und die Kleiderpuppen.
Viel Spaß machte besonders den Jungen das Tanzen nach den Liedern "Blue" und "Jeans on".
Auf der Landkarte wurde die lange Reise der Jeans gezeigt und von den Kindern erklärt. Anschließend zeigten sie ihre Arbeiten, erzählten, wie man diese herstellt und was sie dabei gelernt haben.
Durch das ganze Programm führte ein als Jeans verkleideter Schüler.
Am Ende seiner Reise forderte unser "Jeans-Schüler" die Eltern und Kinder auf, sich für saubere Kleidung (Kleidung ohne Ausbeutung der Natur und der Menschen) einzusetzen.
Zum Schluss gab es eine Modenschau mit einigen spaßigen Einlagen, aber auch mit Beispielen, wie man mit wenigen Kleidungsstücken, die man immer wieder anders kombiniert, fetzig aussehen kann. Die gezüchteten Baumwollpflänzchen wurden an die Eltern verkauft (der Erlös ging in die Schulgartenkasse) und alle stellten sich noch einmal hinter die Forderung:

Kein Modespaß auf Kosten anderer Menschen und der Umwelt!

Die Diaserie "Baumwolle" sowie ein Materialordner "Kleidung" können beim Projekt "Eine Welt in der Schule" entliehen werden.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 3/2001 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,3 MB).

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