Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Mein liebstes Kleidungsstück
Ein Unterrichtsprojekt im 7. Jahrgang
Ludger Klein-Ridder

 
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Vor drei Jahren begann an unserer Schule die Arbeit am Schulprogramm. Anlass war die Vorgabe der Kultusministerin, dass jede Schule sich ein solches zu geben habe.
Ein Arbeitskreis befasste sich mit dem Thema "Agenda 21" und seiner Umsetzung in das Schulcurriculum. Da ich schon immer meinen Schwerpunkt in der Umweltthematik gesehen habe, lag es mir am Herzen, diesen Arbeitskreis auch erfolgreich werden zu lassen. Eine Idee war, einzelne Themen in fächerübergreifenden Ansätzen und nach unterschiedlichen Schwerpunkten in den einzelnen Jahrgangsstufen, mit dem Fach Gesellschaftslehre als Leitfach, einzusetzen.
Einige Ergebnisse dieser in schulinterner Fortbildung ermittelten Konsens-Themen für das Schulprogramm lauten:
- Umweltbildung (7. Jahrgang)
- Eine Welt - Fairer Handel (8. Jg.)
- Globalisierung (10. Jg.).
Diese Themen wurden in der Folgezeit durch die Schulgremien abgesegnet.
Es kam mir sehr gelegen, dass das Projekt "Eine Welt in der Schule" in einer überregionalen Lehrerfortbildung das Thema "Agenda 21" anbot. Hier einigten wir uns in einer Arbeitsgruppe auf das Unterrichtsprojektthema: "Mein liebstes Kleidungsstück"
Eine Menge Medien und Materialien wurden gesichtet und zu einem Unterrichtsbeispiel verdichtet.
Nun sprach ich die Kolleginnen und Kollegen des neuen 7. Jahrganges meiner Schule an und wir waren schnell davon überzeugt, diesen neuen Ansatz im Curriculum ausprobieren zu wollen. Mehrere Kolleginnen und Kollegen nahmen mit insgesamt 5 Parallelklassen an der Erprobung teil.
Unsere Ziele waren, die Schüler auf Zusammenhänge zwischen Konsum und Umwelt aufmerksam zu machen, einen bewussten Umgang mit den für jeden von uns notwendigen Textilien herbeizuführen und Solidarität mit den meist benachteiligten Produzentinnen und Produzenten zu erreichen.

Das Material trifft ein
Die Medienkiste des Projekts "Eine Welt in der Schule" traf rechtzeitig aus Bremen ein. In einer kurzen Besprechung zum methodischen Einsatz, bei dem wir
· die Vielfalt der Medien,
· die Anschaulichkeit durch Baumwolle (real, in Dias und in Filmen),
· die Aktionsmöglichkeiten auf Grund der laufenden Kampagnen (z. B. Kampagne für saubere Kleidung, Öko fair tragen usw.) würdigten, überließen mir meine Kolleginnen und Kollegen weitestgehend die Auswahl der Printmedien, die üblicherweise bequem durch die Risographen-Druckmaschine unserer Schule in genügender Auflagenhöhe bereitgestellt werden können.

Preiszusammensetzung für eine Jeans aus OsteuropaDas Lieblingskleidungsstück
Als Einstieg wurden die Schülerinnen und Schüler nach ihrem liebsten Kleidungsstück gefragt. Sie sollten es dann auch zur nächsten Stunde mitbringen, wenn sie es nicht schon trugen. Bevorzugte Kleidungsstücke waren T-Shirts mit vielfältigen Aufdrucken, Pullover mit Marken-Labels, Jacken und Jeans.
Man spürte, dass einzelne Jugendliche das Prestige von Markenkleidung hervorhoben. Ich wies dabei schon einmal auf den Zusammenhang von "billiger" Produktion und teurer Vermarktung hin, den wir später noch intensiver besprechen wollten.
Ebenso wurden die Waschanleitungen und Hinweise auf Materialbestandteile in Relation zur Umweltbelastung gesetzt.

Kinderarbeit
Als Problemaufriss war das Video "Kinderarbeit in Indien" sehr gut geeignet. Es zeigt, welche Arbeiten bei der Anpflanzung und Bewässerung, beim Einsatz der Giftspritze sowie beim Pflücken der Baumwolle per Hand und der Entkernung der gepflückten Baumwolle anfallen. Die Kinder werden, trotz Kinderarbeitsverbots auch in Indien, mit geschlossenen Kasten-LKWs zur Arbeit "gekarrt" und sind noch froh, den Familien ein wenig Hungerlohn nach Hause zu bringen, weil Erwachsene als Arbeitskräfte angeblich zu teuer sind. Die Schülerinnen und Schüler waren teilweise empört über diese Ausbeutermethoden. Sie meinten, dass diesen Kindern alle Chancen auf ein besseres Leben genommen seien, da sie nicht zur Schule gehen könnten.

Weltreise einer Jeans
Danach machten wir uns durch Atlasarbeit und mit Hilfe der Lehrbücher den Baumwollanbau klar. Baumwolle zum Anfassen hatten wir ja, und auch die Samen in der Baumwolle waren anschaulich genug, um klarzumachen, dass Handarbeit beim Entfernen der Samen aus der Baumwolle eine langwierige Angelegenheit bedeutete.
Die Bewässerung (dadurch fehlt es z. B. an Trinkwasser anderswo, Aralsee geschrumpft), die Monokultur (Notwendigkeit erhöhten Pestizideinsatzes, da kein biologisches Gleichgewicht), der Energieverbrauch (Verschwendung von Ressourcen) und der Pestizideinsatz (Umweltbelastung durch Giftstoffe) waren weitere Bereiche, die problematisiert wurden, bevor die "Weltreise einer Jeans" los ging.
1) Kasachstan: Baumwollanbau
2) China: Spinnen des Garns
3) Philippinen: Färben des Garns
4) Polen: Weben des Stoffes
5) Frankreich: Herstellung von Labels und Futterstoffen
6) Philippinen: Zusammennähen
7) Griechenland: Stonewash mit Lavagestein aus der Türkei
8) Deutschland: Verkauf
9) Niederlande: Sortieren der Altkleider
10) Ghana: Secondhand-Verkauf
Zielsetzungen dieser Weltreise waren die Veranschaulichung der geographischen Dimensionen, der CO2-Probleme durch die Erdumkreisungen der Ware und der Einseitigkeit des Welthandels durch reiche Länder.
Die unterschiedlichen Arbeiten in den einzelnen Ländern waren mit einem Kinderweltspiegel-Video ("Die Jeans") gut nachvollziehbar. Das Video nahm ich privat auf. Dort wird der Herstellungsprozess einer Jeans im Stile der Sendung mit der Maus genau beschrieben. Dabei werden weite Reisen gemacht und die Einzelteile in einer Reisetasche aufgehoben, damit am Ende die fertige Jeans vorgezeigt werden kann. Die Darstellung im Film ist leider etwas zu unkritisch, da die Reise der Jeans-Einzelteile als Abenteuer dargestellt wird, welches kindliches Erstaunen auslösen soll.
In einem anschaulich mit Nationalitätenflaggen strukturierten Arbeitsblatt, das die verschiedenen Stationen dieser Weltreise zum Inhalt hatte, sollten die Schülerinnen und Schüler die zurückgelegten Kilometer eintragen. Sie taten sich jedoch schwer, die Entfernungen in den unterschiedlichen Atlanten mit den verschiedenen Maßstäben der Karten zu ermitteln;
auch die Mitte der jeweiligen Länder zu nehmen, um annähernd gleiche Entfernungsangaben zu erhalten, war ihnen neu.
Ausgehend von der Weltreise der Jeans schlossen sich Arbeiten an drei verschiedenen Themenbereichen an.

1. Transportwege
Aus der Weltreise der Jeans ergab sich die Frage der Umweltbelastung durch Verkehrsmittel. Hier standen sich niedriger Lohn in armen Ländern und billige Transportkosten auf der einen und Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt durch Kohlendioxid auf der anderen Seite als unvereinbare Gegensätze gegenüber.

2. Naturfasern
Ein ökologischer Vergleich von Natur- und Chemiefasern schloss sich an. Naturfasern, die regenerierbar sind, also nachwachsend, haben einen Nachhaltigkeitsgrad, den Ressourcen verbrauchende Chemiefasern nie erreichen können, auch wenn man es mit Recycling versuchen wollte.

3. Arbeitsbedingungen
Schüler informieren über ÖkolabelsDen Schülerinnen und Schülern konnten die Arbeitsbedingungen in den freien Produktionszonen anschaulich vermittelt werden. Ihnen wurde deutlich, zu welchen Bedingungen anderswo gearbeitet werden muss und warum die Kleidung z.B. bei "Takko" so billig sein kann.
Besonders anschaulich war die Schilderung der Entlassung einer jungen Frau, die der Ausbeutung in den Maquilladoras (= Fabriken in so genannten freien Produktionszonen) durch die Bildung einer Gewerkschaftsgruppe entgegentreten wollte. Entlassung von Beschäftigten ist jedoch nur eine Reaktion der Arbeitgeber. Diese verschwinden bei Nacht und Nebel, wenn es auch nur den geringsten Widerstand gibt und strafen so kritische Menschen mit dem Entzug von Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten, so elend schlecht diese auch sind. Das Schicksal eines jungen Mädchens (13 Jahre), das sich mit der Schwester das Bett teilen musste und dafür Tag- und Nachtschicht im Wechsel arbeitete, war besonders ergreifend: immer drohten die Finger vor Übermüdung in die Nadeln der Nähmaschine zu geraten.
Angelehnt an die oben genannten Themenbereiche vergewisserten sich die Schülerinnen und Schüler anschließend, wie Umwelt-, Gesundheits- und Sozialverträglichkeit in der Textilproduktion auszusehen hat. Dazu werteten sie in Partner- und arbeitsteiliger Gruppenarbeit diverse Arbeitsblätter, Texte u. Ä. aus. Sachfragen konnten dabei jederzeit mit dem Lehrer geklärt werden. Ziele waren u. a.
Umweltverträglichkeit:
- ressourcen- und umweltschonende Rohstoffgewinnung, umweltfreundliche Produktion
- reduzierte Transportwege
- Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit der Kleidungsstücke
- Recycle- oder Kompostierbarkeit der Textilien
Gesundheitsverträglichkeit:
- Einhaltung von Arbeitsschutzbestimmungen
- Vermeidung von Gesundheitsschäden bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
- Vermeidung langfristiger Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher
Sozialverträglichkeit:
- keine Kinderarbeit
- keine Zwangsarbeit
- Vereinigungsfreiheit der Arbeitnehmerinnen
- Recht auf Kollektiv Verhandlungen (Gewerkschaften erlaubt?)
- Diskriminierungsverbot (Frauen und Männer sind gleichberechtigt)
- Gerechte Entlohnung
- Mindestlohn zum Leben

Alternativen zum bisherigen Einkaufsverhalten wurden durch die Ökolabels ("Naturtextil", "Green Cotton", "Alb-Natur", "Living Crafts" usw.) deutlich. Die dazu notwendigen Informationen besorgten wir uns aus Label-Übersichten in der Literatur.

Südkorea:
Geschichte einer Näherin

"Nichts hat sich geändert, dachte Un-Ha. Das neue Jahr fängt genauso an, wie das alte aufgehört hat. Sie schob den Saum des T-Shirts mit beiden Zeigefingern unter die Nadel. Die Nähmaschine surrte. Was sollte sich geändert haben? Es war doch immer das gleiche. Dieselben Handgriffe. Nach rechts in den Karton greifen. Zuschnitt rausholen. Unter den Arm der Maschine legen. Ruhig die Naht führen. Rrrrrrrr, Abschneiden. In den Karton auf der linken Seite werfen. T-Shirts! Immer nur T-Shirts! Tagein, tagaus. Elf Stunden am Tag. Manchmal sogar noch länger. In gebückter Haltung. Grelles Neonlicht. Der Gestank von Schweiß ~ Maschinenöl. Dicker Staub, der einen ständig zum Husten brachte. Stickige Luft. Keine Fenster. Niedrige Decken. Der Fabrikbesitzer hatte noch mehr Näherinnen einstellen wollen und eine Zwischendecke einziehen lassen.
Jetzt waren die Räume so niedrig, dass man kaum genügend Luft zum Atmen hatte. Die wenigen Ventilatoren reichten bei weitem nicht aus.
Nichts hatte sich geändert. Wirklich gar nichts. Schon seit einem Jahr arbeitete Un-Ha in der Näherei. Sie war gerade dreizehn geworden, als sie hier angefangen hatte. Seitdem bestand ihr Leben einzig und allein darin, während der Arbeit von dem einzig freien Tag zu träumen, den die Arbeiterinnen alle zwei Wochen erhielten. Alle Näherinnen, deren Eltern nicht allzuweit entfernt wohnten, fuhren an diesem Tag nach Hause.
Un-Has Eltern lebten in einem Dort im Süden. Darum hatte sie sich mit ihrer Schwester Sun-Hi ein Zimmer in Seoul mieten müssen. Nur selten konnten die beiden ihre Eltern besuchen. Wie an den beiden vergangenen Tagen zum Beginn des neuen Jahres. Die Freude über das Wiedersehen war stets groß bei diesen Besuchen. Aber sie mußte immer für lange Zeit ausreichen.
Un-Ha führte den Saum mit automatischen Bewegungen unter der Nadel her. Es waren immer die selben Griffe. Sie beherrschte sie im Schlaf. Sie waren ihr so in Fleisch und Blut übergegangen, dass die Hände noch arbeiteten, selbst wenn ihr die Augen bereits zuzufallen drohten. Am Ende der Nachtschicht war es immer besonders hart. Da tanzte ihr die Nadel vor den Augen. Der Saum verschwamm. In solchen Augenblicken waren ihr schon mehrmals die Finger in die Nadel geraten. Die Narben konnte man heute noch sehen.
Un-Ha arbeitete nur nachts. Das hatte sie mit Sun-Hi so ausgemacht. Weil die Miete so teuer war, hatten sie sich ein kleines Zimmer geteilt. Es war fürchterlich eng, eigentlich nur ein Verschlag. Immer nur eine von den beiden konnte dort ihre Matte ausbreiten."
Hans-Martin Große-Oetringhaus. In: Ders./Peter Strack (Hrsg.): Verkaufte Kindheit. Kinderarbeit für den Weltmarkt. Münster 1995, S. 163f.

Mode
Wir haben dann noch einen Modetest durchgeführt. Grundlage war ein Fragebogen, dessen Ergebnis den Schülerinnen und Schülern ihren eigenen "Modetyp" verdeutlichen sollte. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass der verwendete Fragebogen das Thema "Mode" eher unkritisch angeht. Die Schülerinnen und Schüler kommen oft erst durch die Fragestellung darauf, dass mit ihnen vielleicht etwas nicht in Ordnung sein könnte, wenn sie sich nicht nach dem Modetrend richten, dabei ist es doch eher wünschenswert, sich nicht dem Modediktat mit seinen verschwenderischen Implikationen zu unterwerfen.
Manche Schülerinnen und Schüler äußerten ganz selbstbewusst, dass sie doch nicht so verrückt wären, so viel Geld nur für einen Markenartikel auszugeben. Andere betonten ganz deutlich, dass ihre Eltern nicht bereit wären, beliebig viel Geld für Kleidung auszugeben. Einzelne kamen mit dem Kompromissvorschlag, dass sie selber mit einem begrenzten Betrag von den Eltern einkaufen gehen könnten, in Ergänzung der anspruchvolleren Einkaufswünsche aber ihr (Taschengeld-) Konto bemühen oder sich das Geld erst verdienen müssten. Einige sahen ein, dass sie viel zu viel im Kleiderschrank hatten. Die Weiterverwendung abgelegter Kleidung durch Verschenken oder Übergabe an Straßensammlungen oder Altkleidercontainer stellte sich als durchaus üblich heraus.

Altkleider
"Der Weg der alten Kleider" diente dann noch einmal zur Problematisierung eines hohen Kleiderverbrauchs. Ziel muss es sein, weniger zu verbrauchen und qualitativ höherwertige Textilien zu produzieren, die nicht als Recyclingware die Märkte in anderen Ländern, deren Textilproduktion im Aufbau ist, zerstören.

Fazit
Die Verbindung von Agenda-Thematik und tatsächlichen Lebenszusammenhängen hier und anderswo erschließt sich am Beispiel der Kleidung in ganz ausgezeichneter Form. Die vorhandene Literatur und die weiteren Medien erlauben eine problematisierende Erarbeitung, die über den interessenorientierten Ansatz hinausweisen.
Man kann auch sagen, dass den Schülerinnen und Schülern das Unterrichtsbeispiel in relativ konservativer Unterrichtsmethodik Spaß gemacht hat und nicht einmal ein abschließender Test, der auch bewertet wurde, die Freude daran trüben konnte. Die Jugendlichen fanden es einfach gut, über "ihre" Kleidung zu sprechen und fühlten sich dadurch ernst genommen.
Auf die Frage, wie ihnen dieses Unterrichtsprojekt gefallen hat, ertönte ein einhelliges "Super"!
Für mich als Lehrer ist natürlich eine interessante Frage, welche Lehren Jugendliche aus so einem Projekt ziehen können. Als ich diese Frage stellte, überraschte mich die Bandbreite der Antworten:
- "dass man Firmen zwingen kann, Sportschuhe ohne Kinderarbeit herzustellen (Beispiel Nike)"
- "dass ein bewusstes eigenes Verbraucherverhalten auch die Lebensumstände in den Herstellerländern verbessern helfen kann"
- "nicht einfach drauf los zu kaufen"
- "auf Stoffzusammensetzung zu achten"
- "Billiganbieter kritischer zu prüfen"

Viele der genannten Punkte können uns dem Ziel eines "kritischen Verbrauchers" vielleicht ein Stück näher bringen.
Ich persönlich war nicht immer mit der Selbsttätigkeit der Schülerinnen und Schüler zufrieden. Häufig musste ich Grundlegendes im Lehrervortrag klären. Bei einer erneuten Durchführung kann man eventuell einzelne Schwerpunkte in Lernstationen bearbeiten.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 3/2001 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,3 MB).

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