|
Ich unterrichte an einem relativ kleinen Gymnasium
(450 Schüler) mit einem angeschlossenen Internat. Unsere pädagogische
Arbeit beruht auf den Grundsätzen von Maria Montessori. "Die
Schule vom Kinde aus" ist unser Weg und unser Ziel. Dabei stehen
folgende allgemeinen Grundgedanken im Vordergrund:
- Kinder und Jugendliche sollen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln.
- Kinder sollen selbstständig werden (Montessori: "Das Kind
soll Herr seiner selbst sein").
- Die Kinder/Jugendlichen sollen Arbeitskompetenzen entwickeln (Fleiß,
Ausdauer, Sachgerechtigkeit, Zuverlässigkeit, Ordnung).
- Ihre sozialen Kompetenzen (Kooperationsfähigkeit, Hilfsbereitschaft,
Rücksichtnahme, Toleranz, ...) fortentwickeln.
- Die Kinder und Jugendlichen sollen ihre ursprüngliche Begeisterung
am Lernen, Entdecken und Probieren weiterentwickeln.
Um diese Ziele zu erreichen, spielt ein selbstbestimmtes und handlungsorientiertes
Lernen an unserer Schule eine wichtige Rolle. Wir haben 8 - 10 Stunden
Freie Arbeit pro Woche in den Klassen 5 und 6. In den höheren Jahrgangsstufen
wird die Freie Arbeit durch fächerübergreifenden Unterricht
und projektorientiertes Arbeiten ersetzt. Lehrkräfte sind im Laufe
des Lernprozesses eher als Lernberater gefragt!
Die Sherpas haben zwei heilige
Berge.
Wen verehren sie dort?
Dort werden die Schutzgötter
der Bergdörfer verehrt.
Die heiligen Berge der Sherpas heißen:
1. Chongmolungma.
Dort wird Liru mung sanga verehrt, eine Schutzgöttin, die
als Frau mit Blumen im Haar dargestellt wird. Sie reitet auf
einem roten Tiger.
2. Khumbu Yülha. Sitz der Schutzgötter.
|
Mit einer Kollegin zusammen bin
ich Klassenlehrerin eines 5. Schuljahres. In dieser Klasse unterrichte
ich Biologie, Erdkunde und Politik. Im Politikunterricht ist "Kinder
aus verschiedenen Teilen der Welt" ein wichtiges Thema. In diesem
Unterrichtsvorhaben stehen die grundlegenden Lebensbedürfnisse
von Kindern im Vordergrund. Ausgehend von der eigenen Person sollen
die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit bekommen, ihre
eigene Lebenswelt mit der von Kindern aus einem anderen Kontinent zu
vergleichen. Im letzten Jahr hatte ich dafür Guatemala ausgesucht,
in diesem Jahr - als Ergebnis einer Lehrerfortbildung - Nepal.
Dieser Staat hat durch seine exponierte Lage (mit dem höchsten
Berg der Erde) eine besondere Faszination für Kinder und ermöglicht
einen motivierenden Einstieg in die Welt der Kinder Nepals.
Inhaltlich
standen einige "Daseinsgrundfunktionen" (leben, arbeiten,
wohnen, lernen) des Staates Nepal, seine besondere Oberflächenform,
seine Tiere und Pflanzen im Vordergrund. Hierzu bot die CD-ROM "Doma
und Dikki - Kinder im Himalaja" (Ausführliche Besprechung
in Ausgabe 1/2001 - 2,9 MB als pdf-Datei
- von "Eine Welt in der Schule") eine gute Informationsquelle
für die Schülerinnen und Schüler, die sich durch ihre
Übersichtlichkeit sehr leicht benutzen lässt.
Methodisches Ziel sollte es sein, einen Raum zu gestalten, der zeigt
wie Doma und Dikki in Nepal leben. Die Kinder sollten eigenständig
Informationen sammeln und zusammenstellen. Dabei sollte die CD-ROM nur
ein Medium unter vielen sein. Der Computereinsatz ermöglicht m.E.
eine Individualisierung des Lernprozesses, veranschaulicht das Lernen
durch Visualisierung und ist für Schülerinnen und Schüler
dadurch sehr motivierend.
Um
eine möglichst intensive Auseinandersetzung mit dem Thema zu ermöglichen,
hatte ich die Schülerinnen und Schüler für 3 Tage aus
dem "normalen" Unterricht herausgezogen. Den Zeitraum wählte
ich kurz vor den Ferien, wo die Kinder sich relativ entspannt auf diese
fremde Welt einließen. Aus schulorganisatorischen Gründen
wurde der Biologieraum zum "Nepalraum".
Der 1. Arbeitstag
Die
Schülerinnen und Schüler bereiteten den Einstieg mit einer
vorbereitenden Hausaufgabe vor: "So lebe ich ..." (Mit
Informationen über Wohnort, Land/Haus und Familie/Wohnverhältnisse/Mein
Zimmer/Schulbesuch/Aufgaben in der Familie/Freizeitaktivitäten/Träume
und Wünsche).
Dies wurde auf einer DIN-A4-Seite niedergeschrieben und im Klassenraum
aufgehängt und dabei kurz von jedem kommentiert. Damit standen
ihre eigenen Lebensbedürfnisse im Vordergrund.
Nun entführte ich die Kinder in ein "anderes" Land. Dazu
hatte ich den Nepal-Raum schon etwas vorbereitet, mit Bildern auf großen
Stellwänden, Musik, Tee, Räucherstäbchen, Rhododendron.
Dies war gedacht als vorbereitete, motivierende Umgebung für die
Kinder. Der Raum hatte durch diese Veränderungen eine fremde Atmosphäre.
Vor dem Nepalraum zogen die Schülerinnen und Schüler ihre
Schuhe aus, wir begrüßten uns in diesem Raum mit "Namaste".
Da die Kinder das Land nicht direkt errieten, half ich ihnen mit einer
Fantasiereise. Daraufhin fiel es ihnen nicht mehr schwer Nepal zu erkennen.
Die Schülerinnen und Schüler verlangten nach einer Wandkarte
und ihrem Atlas. Dieser Einstieg hatte sie sehr motiviert. Die Kinder
genossen die entspannte Atmosphäre und wollten mehr über Nepal
erfahren.
Was sind Tschörten (Stupa)?
Der Tschörten ist ein Gebäude,
in dem sich Heiligenbilder und die Asche verstorbener Mönche
befinden; Tschörten stehen am Wegesrand und bringen demjenigen,
der sie umkreist, Glück und Gesundheit.
|
Ein Kollege, der im letzten Jahr Nepal bereiste, zeigte
uns Dias aus diesem Land; er hatte viele Kinder fotografiert, so dass
mir anschließend die Überleitung zu Doma und Dikki nicht
so schwer fiel.
Wie finde ich Informationen?
Die
Informationsbeschaffung ist für mich immer eine wichtige Frage.
Die Schülerinnen und Schüler benannten Bücher, Bildbände
aus der Bibliothek, Freunde und Verwandte, die schon mal in Nepal waren,
das Internet usw. Nun konnte ich mit meinem besonderen Medium aufwarten,
der CD-ROM. Ich stellte ihren Inhalt und die Vorgehensweise mit Hilfe
einer Übersicht auf dem Overhead-Projektor vor. Dieses Computerprogramm
wurde auf drei Computern von mir installiert. Die Computer stehen in
kleinen Nachbarräumen, dort konnte ich den Schülerinnen und
Schülern individuell weiterhelfen, sie konnten sich jedoch auch
gegenseitig bei Bedarf unterstützen. Damit stand den Kindern die
CD-ROM als eine mögliche Informationsquelle zur Verfügung.
Anschließend stellte ich ihnen das Ziel des Unterrichtsvorhabens
vor und wir planten die weitere Vorgehensweise. Die Schülerinnen
und Schüler teilten sich in entsprechende Gruppen ein:
1. Das Land Nepal
2. Wie wir leben und arbeiten
3. Unsere Religion
4. Tiere und Pflanzen
5. Der Mount Everest
6. Wie wir lernen
7. Der nepalesische Kalender
Ziel der Gruppenarbeit sollte es sein, eine entsprechende
Wandzeitung zu entwickeln. Informationen sollten aus den Büchern
und der CD-ROM dazu gesammelt werden. Ich hatte die Kinder bei ihrer
Arbeit beraten und unterstützt. Diese Arbeitsphase stand am Ende
des ersten Arbeitstages, denn dann gab es 2 Stunden Sport, den nicht
nur die Kinder in Nepal lieben!

2. Arbeitstag
Als Einstieg für diesen Morgen wählte ich die Diaserie "Bhum
aus Nepal" und las einige Textstellen aus dem Begleitheft vor.
Somit waren wir wieder direkt im Thema drin!
- Arbeit in den Kleingruppen
-
Eine Gruppe konnte kochen. Dies war durch die freundliche Hilfe eine
Erzieherin aus dem Internat möglich. Die Kinder kauften ein und
kochten für die gesamte Klasse ein nepalesisches Gericht.
- Die Mount Everest - Gruppe bekam einen für Nepal-Trekking gepackten
Rucksack von einem hier ansässigen sehr hilfsbereiten Geschäft
zur Anschauung zur Verfügung gestellt. Klasse!
- Der Religionslehrer kümmerte sich besonders um die Buddhismus-Gruppe,
da sie ein sehr schwieriges Thema hatte. Seine angefragte Hilfe wurde
nötig.
-
Abschluss des Vormittages: Gemeinsames Essen mit den Kindern, wie Bhum
es uns gezeigt hatte.
Die Schülerinnen und Schüler hatten an diesem
Vormittag recht intensiv gearbeitet, die unterschiedlichen "Eingangskanäle"
machten sich positiv bemerkbar. Ein weiterer Computer an diesem Vormittag
wäre hilfreich gewesen. Einige Kinder brauchten eine besondere
Ansprache, um sich vom Computer zu lösen und die Informationen
auf eine Präsentationsform zu übertragen. Es gab auch Schülerinnen
und Schüler, die den Computer gar nicht nutzten, z.B. die Religionsgruppe.
Da das Thema schwierig ist, half der Religionslehrer.
Der Glaube der Sherpas. Buddhismus
in Nepal
1. Einführung
Die im Himalaja lebenden Sherpakinder
Doma und Dikki verehren Buddha, einen Prinzen, der vor ungefähr
2500 Jahren im heutigen Nepal lebte. (Eigentlich heißt
er Siddharta Gautama.) Die Sherpas sind also Anhänger des
Buddhismus. Diese religion ist im asiatischen Bereich weit verbreitet.
Über den Buddhismus der Sherpas erfährst du einiges
aus der CD "Doma und Dikki. Kinder im Himalaja", und
zwar unter den Symbolen:
- Unsere Tradition (in der unteren Leiste, zweites Symbol links)
- Unsere Religion (in der unteren Leiste, viertes Symbol links)
Schauen wir uns zunächst einmal diesen Siddharta Gautama,
genannt Buddha, an. Dazu musst du auf der CD die Leiste "Unsere
Religion" besuchen. Dort erscheint beim Durchlauf eine
Buddhafigur.
Aufgabe: Beschreibe die Buddhafigur. Was gefällt dir? Was stört
dich? Welche Gefühle weckt das Bild? (macht es dich eher
ruhig, traurig, heiter ...)
|
3. Arbeitstag
Zu
Beginn des dritten Tages las ich den Schülerinnen und Schülern
als Einstimmung ein nepalesisches Märchen aus "Yak & Yeti"
vor.
- Weiterarbeit in den Gruppen
- Eine weitere Gruppe kochte und bereitete das Essen vor.
- Das Thema Kinderarbeit (in der Teppichindustrie) fiel den Schülerinnen
und Schülern auf. Wir hatten von der Firma Karstadt einen Rugmark-Teppich
ausgeliehen, ich konnte den Kindern das Label vorstellen. Dies war mein
Beitrag in der abschließenden Vorstellung der Gruppenergebnisse.
- Abschluss: Vorstellung der Gruppenergebnisse und gemeinsames Essen
mit unserer Schulleiterin
Rückblick und Ausblick
Die Kinder und ich waren von dieser Vorgehensweise ganz begeistert.
Diese Unterrichtsform, frei vom zeitlichen Alltagsraster gab uns die
Möglichkeit, uns intensiver mit einer Sache auseinander zu setzen.
Sie war für mich jedoch sehr aufwendig in der Vorbereitung, das
ist im "normalen" Lehreralltag mit voller Stundenzahl nur
selten möglich. Trotzdem sollte man sich solch ein "Highlight"
auch mal gönnen.
Was sind Manisteine?
Mönche meißeln Gebete
in Stein und Felsen; diese werden auch farbig bemalt.
Wenn der Wind über sie streicht, werden die Gebete zum
Himmel getragen.
Sie stehen oft am Wegesrand, damit der Wanderer sich diesen
Gebeten im Geiste anschließen kann.
|
Der Computer als eine Informationsquelle hat sich bewährt.
Dies liegt an der einfach und klar verständlichen CD-ROM. Eine
Ausweitung durch zusätzliche Informationen aus dem Internet halte
ich in diesem Zusammenhang für Schülerinnen und Schüler
des 5. Schuljahrs für verwirrend. Hier stellte sich für mich
ein methodisch schwieriger Punkt, nämlich interaktiv zugängliche
Informationen so zu verknüpfen, dass daraus (Handlungs-)Wissen
entsteht. Die Problematik liegt dann stärker an der Verarbeitung
der Informationen zu echtem Wissen.
Welche Bedeutung haben die draußen
hängenden Stofffähnchen?
Sie sind mit Gebetsformeln bedruckt.
Durch das Flattern werden - nach buddhistischem Glauben - Gebete
in die Welt getragen
|
Viele Schülerinnen und Schüler (und ich) wünschten
sich mehr Zeit für dieses Thema. Wir konnten uns dies jedoch nicht
mehr in dieser offenen Form vorstellen. Beim nächsten Mal würde
ich das Thema der Religion aus diesem Unterrichtsvorhaben herausnehmen
und im "normalen" Religionsunterricht vor- oder nachbereiten
lassen. Es war in dieser Form zu schwierig.
Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 4/2002 von "Eine
Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,8 MB).

Seitenanfang
|