Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Apfel aus China
Das Thema Orangensaft in der Schule
Wolfgang Brünjes
 
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Schon seit längerer Zeit wurden wir darauf angesprochen, dass "Orangensaft" doch ein "ergiebiges" Thema für uns sei. Nach einer entsprechenden Einarbeitungsphase und Sichtung der vorhandenen Materialien unsererseits, konnten wir diesen Eindruck nur bestätigen. Daraufhin boten wir vor gut einem Jahr auf einer überregionalen Lehrerfortbildungstagung für die Grundschule das Thema "Orangensaft" an

Wussten Sie schon,

... dass die ersten Orangen um 1550 von portugiesischen Seefahrern von China nach Europa mitgebracht wurden?

Was spricht für Orangensaft
Orangensaft ist ein klassisches Produktthema wie Kakao, Tee, Kaffee usw. Zu fast allen diesen Produkte haben wir im Laufe unserer Arbeit bereits Unterrichtsbeispiele entwickeln und dokumentieren können. Der Vorteil bei der unterrichtlichen Auseinandersetzung mit einem Produkt ist ohne Zweifel, dass die Schülerinnen und Schüler über das Produkt, welches sie hier konsumieren, Verbindungslinien zwischen ihrem Leben und dem Leben in fernen Ländern herstellen können. Außerdem haben sie zumeist eine positive Grundeinstellung gegenüber dem Produkt, die dann genutzt werden kann, um sie für das Leben in fremden Ländern zu interessieren und motivieren.
Diese Anknüpfungspunkte bei Produktthemen mit der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler sind meist - im Gegensatz zu Anknüpfungspunkten bei vielen anderen aufgegriffenen Lerngegenständen - nicht konstruiert. Für die unterrichtliche Umsetzung des Themas Orangensaft spricht u.a.,
- dass er das beliebteste Fruchtsaftgetränk in der BRD darstellt.
- dass Orangen und Orangensaft von Kindern und Jugendlichen gerne gegessen bzw. getrunken werden.
- dass die Kinder und Jugendlichen Orangen und Orangensäfte mittlerweile das ganze Jahr über kaufen können und die Produktpalette äußerst groß ist.
- dass er gesund ist.
Darüber hinaus kann das Produkt aber auch einiges zum Lernbereich "Eine Welt" beitragen. Das Leben in "fremden" Ländern (hier z.B. Brasilien), Kinderarbeit auf den Orangenplantagen und fair gehandelte Produkte sind nur einige Aspekte, die im Unterricht aufgegriffen werden können.

Wussten Sie schon,

... dass die Pflücker auf den brasilianischen Orangenplantagen bóias-frias (kalte Töpfe) genannt werden, weil ihr Mittagfessen frühmorgens gekocht wurde und beim Verzehr kalt ist?

Die Vorplanung
Bei der Vorbereitung der unterrichtlichen Umsetzung stellte sich relativ frühzeitig heraus, dass es mittlerweile einiges an Material zu diesem Thema gibt. Die Palette reicht von Hintergrundinformationen und Unterrichtsmaterialien über Diaserien bis hin zu Videofilmen. Wenn auch das meiste Material für höhere Klassenstufen konzipiert ist, kann vieles in den Klassenstufen drei und vier - allerdings häufig erst nach Überarbeitung - eingesetzt werden.
Günstig erweist sich bei dem Thema, dass es sehr viele methodische Möglichkeiten beinhaltet, es im Unterricht umzusetzen. Ob es das Zusammenstellen einer Ausstellung ist, Orangen bzw. Orangensaft verkostet werden sollen, eine "künstlerische" Umsetzung geplant ist oder ob das Thema "Fairer Handel" in einem Rollenspiel thematisiert werden soll - all dies ist mit relativ geringem Aufwand möglich. Für große Phasen der unterrichtlichen Umsetzung bieten sich sogar freiere Arbeitsformen an.
Leider fehlte uns zu diesem Thema eine durchgängige Identifikationsfigur. Trotz eifriger Recherche ist es uns nicht gelungen, Material zu finden, in dem ein Mädchen oder ein Junge das Unterrichtsbeispiel während der problemorientierten Phasen (z.B. Kinderarbeit) auf längeren Strecken "begleitet". Es gibt zwar einige Texte, Arbeitsblätter usw., die gewisse Lebenssituationen aus Sicht eines Kindes behandeln, diese stehen allerdings relativ isoliert da. Ein weiteres Problem war, dass uns ein positives Gegengewicht fehlte, um den Schülerinnen und Schülern bei einigen Fragestellungen leichter Lösungsansätze aufzuzeigen.

Wussten Sie schon,

... dass in großen Saftfabriken 40.000 Orangen pro Minute entsaftet werden können?

Einige inhaltliche Aspekte
Bei der Planung des Unterrichtsbeispiels waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr schnell darüber einig, dass das Thema "Orangensaft" länderbezogen unterrichtet werden soll. Eine geografische Verankerung ist für die Schülerinnen und Schüler notwendig, um sich konkret mit der Lebenssituation von gleichaltrigen Kindern aus "fremden" Ländern auseinander zu setzenauseinanderzusetzen. Da Brasilien der weltweit führende Orangenproduzent ist und ca. 90 Prozent des in Deutschland konsumierten Orangensafts von dort stammt, entschieden wir uns für dieses Land.
Natürlich genügt es nicht, im Unterricht das Produkt vorzustellen, die Schülerinnen und Schüler mit Orangen hantieren zu lassen und zum Resümee zu gelangen, dass Orangensaft gesund sei. Die Realität, die sich hinter einem Glas Orangensaft verbirgt, ist um einiges härter. So ist es uns wichtig, dass folgende Aspekte zum festen Bestandteil des jeweiligen Unterrichtsvorhabens gehören:
- Orangen/Orangensaft
- Kinderarbeit
- Fairer Handel.

Wussten Sie schon,

... dass Orangenbäume 25 bis 40 Jahre lang ca. 140 kg Früchte pro Jahr tragen?

Auf dieser Grundlage entwickelten wir folgende Unterrichtsskizze:

1. Rund um die Orange
Hierbei geht es um das Sammeln von Produkten mit Orangenbestandteilen. Kinder können im Supermarkt stöbern und Dinge mitbringen. Ein Orangenbäumchen kann gepflanzt und gezogen werden.
Ebenso bietet sich ein Geschmackstest an: Orangennektar, gekaufter Orangensaft und frisch gepresster Saft.
Eine Orange kann geschält und untersucht, die Anzahl der Segmente von den Kindern geschätzt werden.
2. Der Orangenbaum
Die Kulturgeschichte der Orange und das Aussehen der Pflanze und der Frucht sollen in diesem Teil thematisiert werde. Woher kommt die Orange? Was bedeutet der Name Apfelsine?
3. Orangensaft
Woher kommt der Orangensaft? Hier soll die Verbindung zu Brasilien hergestellt werden. Wie leben die Menschen dort? Wer arbeitet auf den Plantagen? Wie sieht so eine Plantage aus (Größe, Pflanzen, Klima). Eine Weltkarte mit Pfeilen soll den Kindern die Vorstellung erleichtern, wie weit der Weg des Orangensaftes nach Deutschland ist.
4. Alltag in Brasilien
Der Alltag in Stadt und Land soll beschrieben werden. Dias und evtl. der Kontakt mit Brasilianern in Deutschland sollen dabei helfen. Kinder können Reiseprospekte besorgen.
Einzelaspekte des Alltags wie Musik, Fußball, Sprache und Essen sollen angesprochen und vorgestellt werden.
5. Leben der Orangenpflücker/Kinderarbeit
Die Darstellung eines Tagesablaufes und des Arbeitsalltags soll mit Hilfe von Dias und einer Erzählung geschehen.
6. Lösungswege
Suche von fair gehandelten Produkten in Supermärkten, evtl. Briefe an die Geschäftsführung.
1. Rollenspiele mit Lösungsansätzen
2. Briefe an die Saftindustrie
3. Stellwände mit Informationen oder Verteilen von Handzetteln in der Schule oder im Stadtteil

Aufgepasst!
Bei der unterrichtlichen Umsetzung müssen jedoch zwei Dinge beachtet werden:
1. Die thematische Aufarbeitung soll nicht dazu führen, dass Kinder oder Jugendliche den Spaß an einer Sache verlieren.
Auch nach der Behandlung des Themas "Orangensaft" sollen sie Orangensaft noch genießen können. D.h. allerdings nicht, dass der "unreflektierte" Konsum wie bisher fortgesetzt werden soll. Die Beurteilung, inwiefern hier die Chance zu einer Bewusstseins- oder gar Verhaltensänderung genutzt wurde, ist für Lehrerinnen und Lehrer immer äußerst schwierig. Wenn Schülerinnen und Schüler jedoch lange nach Durchführung des Unterrichtsbeispiels noch auf die Lehrerin bzw. den Lehrer zugehen und sie über Produkte mit TransFair-Siegel informieren, sind dies zumindest Hinweise darauf, dass die Denkanstösse bei den Kindern angekommen sind.
2. Eine Reduzierung des Brasilienbildes auf Kinderarbeit und Armut muss vermieden werden.
Die Gefahr, dass die Thematik das Brasilienbild sehr stark einengt ist recht groß. Wenn sich die unterrichtliche Aufarbeitung nur mit den Aspekten "Orangensaft" - "Kinderarbeit in Brasilien" - "Armut in Brasilien" beschäftigt, kann es bei den Kindern zu einer sehr eingegrenzten Sichtweise kommen, die letztlich zu einer fatalen Äußerung wie "In Brasilien möchte ich nicht leben; dort ist alles schlecht" führen kann.
Dies steht unseren Zielen jedoch diametral gegenüber! Zum einen spiegelt eine solche Äußerung die nur sehr begrenzten landes- und kulturkundlichen Kenntnisse wieder, zum anderen geht es uns doch gerade darum, eine positive Einstellung gegenüber Völkern und Kindern aus "fremden" Ländern zu fördern.

Wussten Sie schon,

... dass der Durchschnittsverdienst eines Orangenpflückers in den USA bei 50 bis 70 $ pro Tag und in Brasilien bei 80 bis 150 $ pro Monat liegt?

Erfahrungsberichte
Auf den folgenden Seiten sind die Ergebnisse zweier Erprobungen dokumentiert. Die erste Erprobung soll vor allem einen Überblick geben und ist stark an die von uns entwickelte Unterrichtsskizze angelehnt. Der zweite Bericht beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Kinderarbeit und dem fairen Handel und soll beispielhaft dazu dienen, wie diese Einzelaspekte im Kontext eines Unterrichtsvorhabens "Orangensaft" aufgegriffen werden können.
Anschließend folgen einige Kurzbesprechungen von Materialien, die sich bei der unterrichtlichen Umsetzung des Themenkomplexese als sehr hilfreich erwiesen haben.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 2/2001 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,0 MB).

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