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Wir haben inzwischen gelernt, die Welten Eins bis Drei zusammen
zu sehen in der "Einen Welt", vielleicht sollten wir auch
lernen, die Schulklassen eins bis zehn als eine Einheit zu begreifen,
zum Wohle der Kinder und Jugendlichen, für die "Übergänge"
zwischen den Schulsystemen nur allzu oft Brüche in ihren Lernbiographien
bedeuten. Die vielfältigen Bruchstellen aufzuzeigen, inhaltlich,
methodisch, kognitiv, emotional usw. wäre ein leichtes, hier möchte
ich mich auf die Darstellung der didaktisch-methodischen Prinzipien
zur Behandlung der "Eine Welt"-Thematik in den Klassen 1 bis
10 beschränken.
Meine Grundthese lautet: Pädagogisch-didaktische
Prinzipien, die sich in der Grundschule bewährt haben, gelten auch
für die weiterführenden Schulen.
Das gilt z.B. für den fächerübergreifenden
Unterricht, für das Zusammenspiel von Kopf, Herz und Hand, für
selbstbestimmtes Lernen und vieles mehr. Was bei den Heranwachsenden
von Klasse 1-10 jedoch kontinuierlich zunehmen sollte, sind die kognitive
Breite und Differenziertheit, die persönliche Selbständigkeit
und Eigenverantwortlichkeit, das emotionale Engagement und die Handlungsspielräume.
Didaktisch-methodische
Prinzipien
1. Alle Bemühungen
um ein partnerschaftliches Verhältnis zu Menschen in der
fernen "Dritten Welt" müssen eingebettet
sein in eine umfassende Sozialerziehung in der Schulklasse.
Diese Verankerung im lokalen Geschehen garantiert, dass die
Beschäftigung mit den Problemen der scheinbar fernen Welt
den Bewertungshintergrund der Kinder und Jugendlichen in Bewegung
bringt, d.h. Betroffenheit und Engagement auslöst.
2. Wichtige Ziele der Sozialerziehung - z.B. Selbständigkeit,
Kritikfähigkeit, kooperatives oder gar solidarisches Verhalten
- erreichen Kinder und Jugendliche nur im Zusammenhang mit
wirklichen sozialen Problemen. Kinder leben in keinem Schonraum.
Leben in Gruppen, in der Familie, in einer über das Fernsehen
täglich vermittelten Welt kann schön, aber auch spannungsgeladen
sein. Geholfen wird den Heranwachsenden, wenn sie diese Wirklichkeit
besser durchschauen und bewältigen lernen, auch am Beispiel
anderer junger Menschen, die es eventuell noch schwerer haben.
So ist z.B. das Thema "Kinderarbeit" durchaus geeignet,
den Blick für zumutbare und unzumutbare, weil zerstörende
Arbeitsbelastungen zu schärfen.
3. Die fremde "Dritte Welt" sollte nicht allzu sehr
von der vertrauten Vorstellungs- und Erlebniswelt der Kinder
und Jugendlichen abweichen. Zu vermeiden
sind Exotik und allzu krasse Formen von Krankheit und Elend.
Im Vordergrund stehen Ähnlichkeiten des alltäglichen
Lebens. Dieses dritte Kriterium ist gleichsam eine Warnung vor
zwei Fehlern, die vielen Unterrichtsvorhaben zum Thema "Eine/Dritte
Welt" immer noch anhaften: das Abgleiten in bloße
Folklore- andere Länder als die exotische Fremde -, oder
die Reduktion der "Dritte Welt"- Problematik auf Hunger
und Krankheit, ein Bild, das die Medien immer noch gerne und
eindringlich vermitteln.
4. Für jüngere Kinder sollten Einzelepisoden
zu Themenbereichen komponiert werden, so dass gleichsam
in einem Transfer von "konkret" zu "konkret"
allmählich die Komplexität der Zusammenhänge
vermittelt werden kann. Dieser Grundsatz bringt Ruhe in ein
Unterrichtsprojekt. Auch wenn man nicht alles sofort den Kinder
vermitteln kann, so sollte man auf die Zeit vertrauen, in der
sich die Bausteine nach und nach zusammensetzen. Ebenso brauchen
die älteren Schülerinnen und Schüler Kontinuität bei der Behandlung der "Eine Welt"- Thematik - möglichst
über ihre ganze Schulzeit hinweg.
5. Eine handlungsorientierte Vermittlung der Thematik (Rollenspiel, Aktionen, Begegnungen mit Menschen
aus anderen Ländern) ist erforderlich, damit der Bewertungshintergrund
bei den Schülerinnen und Schülern in Bewegung gerät.
Von Vorteil ist die Einführung einer Identifikationsfigur (Mädchen oder Junge, möglichst im gleichen Alter wie
die Schülerinnen und Schüler), um die sich alle Geschehnisse
und Informationen ranken.
6. Die Schülerinnen und Schüler dürfen nicht
mit unlösbaren Problemen allein gelassen werden. Zumindest
eine simulierte, real-utopische Problemlösung sollte versucht
werden, z. B. nach dem Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe".
Das bedeutet nicht, dass die Probleme verharmlost oder die Beschwernisse
ausgeblendet werden sollen. Es heißt nur, dass Heranwachsende
eine konkrete Perspektive brauchen,
die sie z. B. simulativ im Rollenspiel realisieren können.
7. Nicht Toleranz allein, schon gar nicht Mitleid, sondern Solidarität
ist das Ziel eines Lernbereiches "Eine Welt" in
der Schule. Solidarität wird dabei nicht verstanden als
bloßer Zusammenhalt einer beliebigen Gruppe. Solidarität
meint immer den bewussten Zusammenschluss von Unterdrückten
bzw. Unterprivilegierten in der Absicht, ihre Lage durch gemeinsames
Handeln zu verbessern und ihre Interessen gegenüber denjenigen
durchzusetzen, die die Herrschaft ausüben. Zwei Formen
der Solidarität sind möglich: Schwächere schließen
sich gegen Stärkere zusammen oder einige Starke ergreifen
die Partei der Schwächeren, in der Absicht, die Interessen
der Schwachen gemeinsam mit diesen durchzusetzen.
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Nicht unerwähnt soll sein, dass
es institutionelle Rahmenbedingungen gibt, die die Behandlung des Themas
"Eine Welt" in der Schule begünstigen und die es zu fordern
gilt:
Das ist einmal der fächerübergreifende
Unterricht, der umfangreiche Projekte erst ermöglicht.
Das ist das Prinzip der Kollegialität,
die Zusammenarbeit mehrerer Lehrerinnen und Lehrer - auch über
Schulen hinweg.
Das ist - je nach Alter der Schülerinnen und Schüler - die
regelmäßige Einbeziehung
der Eltern in die Planung, Durchführung und Bewertung der
Arbeit in der Schule.
Die Schule ist keine pädagogische
Insel, sondern ein Brennpunkt unseres gesellschaftlichen Lebens. In
der Schule treffen harte soziale Gegensätze aufeinander. Gerade
in Hinblick auf eine langfristige und verantwortbare Leistungsorientierung
sollten wir die "Eine Welt"- Thematik nicht als Nebensache
ansehen. Die "Eine Welt" ist letztlich kein Inhalt, sondern
ein Prinzip, das für die Gestaltung des gesamten Lernangebotes
der Schule Gültigkeit hat.

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