Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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"Und dafür stirbt der Regenwald"
Vom globalen Denken zum lokalen Handeln
Gisela Wiegel
 
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"Das Schicksal des Regenwaldes geht uns alle an! Der Regenwald ist nicht so weit weg, dass seine Zerstörung nicht auch uns schädigen wird.
Wie wir helfen können:
- In Gruppen arbeiten, um das Interesse der Nichtaktiven zu wecken und um Ideen auszutauschen.
- Schulische Entlastung: Lehrerinnen und Lehrer sollten die Schülerinnen und Schüler, die sich für den Regenwald einsetzen, unterstützen und ihnen die Stunden kürzen und weniger Hausaufgaben aufgeben.
- Eine-Welt-Gruppen sollten mehr Informationen im Radio, in der Zeitung oder in der Schule geben."
Flyer zur Eine-Welt-WocheSo der Text eines Plakates, das Schülerinnen und Schüler des Workshops: "Einsatz für den Regenwald - am Amazonas und bei uns" entwarfen. Im Rahmen einer Eine-Welt-Woche 1997 boten meine Kollegin Ingrid Heidtmann und ich von der Lernwerkstatt Sekundarstufe I des Bremerhavener Lehrerfortbildungsinstituts diesen Workshop an. Schülerinnen und Schüler der 9. bis 12. Jahrgangsstufe aller Bremerhavener Schulen hatten die Möglichkeit für zwei Workshoptage aus der Schule herauszukommen und in einem von 21 Workshops zur Agenda 21 mitzuarbeiten.
Den Schulen war vorher folgende Information über die inhaltliche Ausrichtung dieses Workshops zugegangen:
"Der Wald ist nicht eine von vielen Ressourcen für uns, sondern er ist das Leben selbst. Für uns ist er der einzige mögliche Ort zu leben" (Evaristo Nugknag Ikanai, Präsident der Indianerorganisation COICA).
Bremerhaven hat sich 1993 mit seinem Beitritt zum Klimabündnis der europäischen Städte mit den indigenen (eingeborenen) Völkern der Regenwälder u.a. verpflichtet, die amazonensischen Regenwaldvölker bei ihren Bemühungen um den Erhalt der tropischen Regenwälder zu unterstützen.
"Durch die Verteidigung der Wälder und Flüsse tragen sie (die Indianervölker Amazoniens) dazu bei, dass unsere Erdatmosphäre für die zukünftigen Generationen als grundlegende Bedingung für ein menschliches Leben erhalten bleibt"
(Manifest europäischer Städte zum Bündnis mit den Indianervölkern Amazoniens).
Aber es gibt bis heute noch kein konkretes Projekt in Amazonien, das von Bremerhaven gefördert wird. Die Abholzung der tropischen Regenwälder dagegen ist in den letzten Jahren noch einmal drastisch angestiegen und die Gefahren für das Überleben der indianischen Völker haben sich verschärft.

Vor diesem Hintergrund sollen sich die Schülerinnen und Schüler an den beiden Workshoptagen mit folgenden Fragen auseinandersetzen.
- Wie sieht die konkrete Lebenssituation der Waldvölker heutzutage aus?
- Wodurch sind sie bedroht und welchen Einfluss haben aktuelle politische Entscheidungen der brasilianischen Regierung auf ihre Überlebenssituation?
- Welche sozialen und kulturellen Normen haben sie entwickelt und was können wir von ihren lernen?
- Wie arbeiten die indigenen Selbsthilfeorganisationen, was sind ihre Ziele, wie können sie in ihrer Arbeit unterstützt werden?
Wir waren überrascht über die große Resonanz in den Schulen auf dieses Angebot. Es zeigten sich wesentlich mehr Jugendliche an dieser Thematik interessiert, als wir im Workshop unterbringen konnten.


Workshopablauf

Einstimmung
Nach einer Einstimmung mit einer Meditations-CD "Regenwald" gab jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ein kurzes Statement zu der Frage ab: "Wodurch kann das heute für dich ein schöner Tag werden?" Wir wollten damit ermitteln, mit welchen Gefühlen und Wünschen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die für sie ungewohnte Situation (neuer Ort, neue Gruppe) gekommen waren.

Gruppenarbeit
Im Anschluss daran führten wir eine Gruppenarbeit durch, die das Ziel hatte, das sehr unterschiedliche Vorwissen der Jugendlichen auf eine gemeinsame Grundlage zu bringen. Dafür erhielten sie die Aufgabe, sich in der Gruppe darüber auszutauschen, was für sie die Bedeutung des Regenwaldes ausmacht, worin ihrer Meinung nach die Ursachen für die Zerstörung des Regenwaldes zu suchen sind und wie sie in diesem Zusammenhang die Rolle der Regenwaldvölker einschätzen. Die Ergebnisse ihres Gesprächs sollten sie in kurzen Sätzen auf Karten aufschreiben. Die Karten bildeten die Grundlage für die Gestaltung eines Plakates, auf dem die Ergebnisse zusammengefasst und übersichtlich dargestellt werden sollten. Jede Gruppe stellte anschließend ihr Plakat den anderen Gruppen vor.
Für die Gruppen, die ihre Arbeit vor den anderen beendet hatten oder die während der Arbeit bestimmte inhaltliche Fragen klären wollten, lag umfangreiches Lesematerial aus (z.B. über das Klimabündnis europäischer Städte, Text einer Hinweistafel zum Bremerhavener Columbusdenkmal, zur Agenda 21, Broschüren und Infos von Gruppen, die den Schutz des Regenwaldes auf ihre Fahnen geschrieben haben u.a.m.).

Die Ergebnisse des Workshops wurden auf Plakaten zusammengefasst

Robin Wood
Nach dieser Gruppenphase wurde das Plenum von einem Vertreter der Bremer Robin Wood Gruppe in Wort und Bild darüber informiert, was diese Gruppierung bundesweit tut, um den Regenwald zu schützen. Ziel war es dabei, den Jugendlichen durch den direkten Kontakt mit außerschulischen engagierten Experten für den Regenwaldschutz Anstöße für ein mögliches eigenes Engagement zu geben.

Gruppenarbeit
Danach debattierten die Jugendlichen in Gruppen über Notwendigkeit und Wirksamkeit solcher Initiativen wie Robin Wood und über Gründe, warum immer weniger Jugendliche in solchen Gruppen mitarbeiten. Die Gesprächsergebnisse (z.B. zu wenig freie, nicht verplante Zeit, zu viele andere außerschulische Angebote) wurden wieder auf Karten festgehalten und für alle sichtbar ausgehängt.

ARA Am zweiten Tag stellte ein Vertreter von ARA (Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz) ein Projekt mit den indianischen Völkern Rondonias vor, in dem die Schamanin und Ärztin S. Barbosa sehr erfolgreich versucht, das verschüttete Wissen der indianischen Völker über die heilenden Kräfte einzelner Urwaldpflanzen zu aktivieren. Dabei wurde den Jugendlichen die Rolle der indigenen Völker beim Schutz des Regenwaldes eindrücklich deutlich.

Planung von Aktivitäten
Zusammen mit dem ARA-Vertreter wurde im Kreisgespräch die Frage erörtert: "Welches Interesse am Schutz des Regenwaldes haben wir und was können wir hier tun, um den Regenwald zu schützen?" Die Gesprächsergebnisse wurden wieder festgehalten und bildeten eine Grundlage für die nachfolgende Phase der Planung von Aktivitäten für den gemeinsamen Präsentationstag aller 21 Workshops.
Die Jugendlichen arbeiteten während beider Workshoptage beeindruckend motiviert und intensiv, fragten nach, diskutierten, machten konstruktive Vorschläge, entwickelten kreative Ideen, waren bereit, selbst am Nachmittag bestimmte selbstgestellte Arbeitsaufträge zu erledigen.
Für den gemeinsamen Präsentationstag, zu dem auch die Öffentlichkeit eingeladen worden war, gestalteten sie nicht nur Plakate, sondern sie entwarfen ein Flugblatt, sie verfassten einen offenen Brief an den Schuldezernenten und bereiteten den folgenden Text vor, für den sie Unterschriften sammelten:
"Wir, die Teilnehmer/innen der Eine-Welt-Woche, fordern die Schulen Bremerhavens auf - gemäß der Verpflichtung aus der Agenda 21 - die Themenbereiche Umwelt und Entwicklung zukünftig im Unterricht zu beachten und zu behandeln. In diesem Sinne wünschen wir uns auch ein praktisches Engagement aller Bremerhavener Schulen."

Gespräche über den Workshop mit einem Redakteur des Deutschlandfunks

Aktivitäten nach der Eine-Welt-Woche
Auch nach der Eine-Welt-Woche war ihr Engagement nicht beendet. Die Schülergruppe, die den Brief an den Schuldezernenten verfasst hatte, wurde zur Schulleiterdienstbesprechung aller Sekundarstufe-I-Schulleiterinnen und -leiter gebeten. Sie nahmen Plakate aus dem Workshop mit, stellten die Ergebnisse ihrer Workshoparbeit vor und plädierten engagiert dafür, dass die S-I-Schulen das Thema "Regenwald" intensiver projektmäßig bearbeiten sollten - so wie sie es in den Workshoptagen erlebt hatten. Außerdem war es ihnen ein wichtiges Anliegen, dafür zu werben, dass in den Schulen das außerschulische Engagement von Jugendlichen, z.B. für den Schutz des Regenwaldes, erleichtert und gefördert und in irgendeiner Form schulisch honoriert würde (z.B. durch weniger Hausaufgaben, durch Freistellung von vergleichbaren schulischen Aktivitäten, durch positive Bemerkung im Zeugnis u.a.m.).
Meine Kollegin Ingrid Heidtmann und ich trafen uns nach den Workshoptagen noch zweimal mit den Schülerinnen und Schüler. Ihr Engagement war beeindruckend, aber sie klagten auch über mangelnde Unterstützung in ihren Schulen. Wir berieten sie über weitere Schritte, ermutigten sie, machten ihnen aber auch deutlich, dass ihr Engagement in der eigenen Schule auf Dauer wohl nur schwer durchzuhalten sei, wenn sie dort nicht Bündnispartner (vor allem auch Lehrkräfte) fänden, die sie unterstützten.

Angebote zum Thema "Regenwald"
Nicht zuletzt das Schülerengagement machte meiner Kollegin und mir klar, dass es wichtig war, mit besonderen Angeboten der Lernwerkstatt Lehrkräfte der S I zu animieren, das Thema "Regenwald" im Unterricht so durchzuführen, dass den Jugendlichen auch im ganz "normalen Unterricht" mehr Betätigungsmöglichkeiten angeboten werden, als es die verbreitete Arbeit mit Schulbuch und Arbeitsblättern vorsieht.
Aus diesem Grund nahmen wir das Thema "Tropischer Regenwald" in unser Fortbildungsangebot auf und stellten in unserer Lernwerkstatt eine Materialkiste zum Thema "Regenwald" zusammen. Hier finden die Lehrkräfte neben Konsumartikeln ("Und dafür stirbt der Regenwald": Gegenstände aus Teakholz, Sojabohnen, Kaffee u.a.m.), Dias, Folien, Zeitschriften, Büchern, Broschüren und Bildern vor allem zwei Ordner mit von uns erprobten Unterrichtseinheiten, die die Einbettung des Themas "Tropischer Regenwald" in den Zusammenhang
Klimazonen/Klima/Klimaveränderung (Lehrplanthemen in allen Schularten) berücksichtigen. Die Struktur der Ordner
ermöglicht den Lehrkräften Orientierung im "Dschungel" der vielfältigen Materialien zum Thema.
Ziel der Arbeit unserer Lernwerkstatt ist es dabei, den Lehrkräften konkrete Wege aufzuzeigen, wie offeneres, schülerzentriertes Arbeiten zu diesem Thema zum Beispiel mit Hilfe eines Arbeitsplans oder in Projekten organisierbar ist.

Arbeitsplan
Der ArbeitsplanDabei stellt der Arbeitsplan eine Form der Lernorganisation dar, die es ermöglicht, sowohl das unterschiedliche Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen, als auch Auswahlaufgaben anzubieten, bei denen sich die Jugendlichen auf verschiedene Weise motivierend betätigen können, weil ihnen ein Spielraum für eigene Ideen und für eigene Aktivitäten eingeräumt wird. Beim vorliegenden Arbeitsplan gehört dazu z.B. "eine Reportage aufnehmen" oder "ein Lernspiel herstellen". Es können aber auch Vorschläge der Jugendlichen für Auswahlaufgaben im Arbeitsplan aufgenommen werden, wie z.B. "Briefe an Entscheidungsträger schreiben", "ein Flugblatt entwerfen" oder anderes mehr.
Neben der Beratung der Lehrkräfte über den unterrichtlichen Einsatz der in der Lernwerkstatt vorhandenen Materialien und über mögliche Formen der Unterrichtsorganisation bieten wir an, Unterrichtsbesuche von Experten, wie z.B. Robin Wood und ARA, zu organisieren. Außerdem können Klassen mit ihren Lehrkräften in unserer Lernwerkstatt einen sogenannten "Regenwaldparcours" durchführen, eine motivierende Nachbereitung bzw. Festigung der unterrichtlichen Arbeit zum Thema. Sie erhalten dadurch die Gelegenheit, mit Methoden und Arbeitsformen vertraut zu werden, für die in der normalen Unterrichtssituation oft die Zeit fehlt.

"Regenwald-Parcours" in der Lernwerkstatt
Auf den Namen "Regenwald-Parcours" sind wir gekommen, weil jede Schülergruppe in einer von sieben Stationen ein "Problem", eine "schwierige Aufgabe" (beim Parcours "das Hindernis") bewältigen muss. Jede Gruppe arbeitet aber ausschließlich an einer Station, es findet kein Wechsel der Stationen wie beim Stationenlernen statt. Das gefundene Ergebnis wird am Schluss den anderen präsentiert, die dann den "Parcours" abgehen, d.h., sich nacheinander jeweils zu der Station begeben, die gerade ihr Ergebnis präsentiert.

- Einstimmung
Einstimmung auf den Regenwald-ParcoursWenn Klassen in die Lernwerkstatt kommen, ist es uns wichtig, dass sie diesen außerschulischen Lernraum auch anders wahrnehmen und erleben als die gewohnte Schulsituation.
Wir bereiten deshalb die Räumlichkeiten der Lernwerkstatt für einen Schülerworkshop sorgfältig vor. Beim "Regenwaldparcours" hörten sie beim Eintreten in die Lernwerkstatt brasilianische Musik, sie sahen in der Mitte des Raumes ein Buffet mit Fruchtsäften, Papayastücken, Bananen, Kokosnüssen, verschiedenen "Regenwald"-Nüssen, Musikinstrumenten der Regenwaldvölker (aus dem Bremerhavener Weltladen) und vielen Gegenständen aus Teakholz und anderen Tropenhölzern. In entspannter Atmosphäre wurde ihnen der Zusammenhang der einzelnen Elemente des Buffets zum Thema dargestellt. Bei Getränken, Früchten und Nüssen konnten sie sich bedienen. Nach dieser Einstimmung stellten wir ihnen den Ablauf des Workshoptages vor.
Da die gesamte Planung in Abstimmung mit der Klassenlehrerin ablief, hatte diese die Einteilung der Gruppen und die Verteilung auf die Stationen schon in der Schule vorgenommen, so dass sich die Jugendlichen nach der Einstimmung sogleich auf die Stationen verteilen konnten.
Die sieben Stationen, an denen sie in Gruppen arbeiten sollten, waren räumlich verteilt und durch Schilder gekennzeichnet. Bei jeder Station lagen die zu lösenden Aufgaben mit Hinweisen für die Vorgehensweise noch einmal schriftlich aus. Alle Materialien, die sie für die Arbeit benötigten, wie z.B. Kassettenrecorder, Laptops, Tonpapier, Scheren, Stifte usw. waren übersichtlich angeordnet, so dass die Jugendlichen möglichst selbstständig arbeiten konnten.

- Wir bauen einen Regenwald
Von Schülerinnen und Schüler gebastekltes RegenwaldmodellDas Problem, das diese Gruppe lösen sollte, bestand darin, ein Regenwaldmodell herzustellen, das ihren Mitschülern das komplexe System des tropischen Regenwaldes anschaulich machte.
Neben der notwendigen Ausrüstung zum Basteln erhielten sie eine Anleitung aus Geographie heute ("Lernen am Modell" v. R. Kerstin und B. Krummel, 162/1998). Die Schülerinnen und Schüler hatten beim Umsetzen der Bastelanleitung zunächst Schwierigkeiten, aber durch die sachkundige Betreuung des dritten Lernwerkstattmitarbeiters, Herrn Frank Behrens, wurden alle Schwierigkeiten bewältigt. Die Jugendlichen präsentierten am Schluss sehr stolz ihr Regenwaldmodell und konnten den anderen aus der Klasse am Modell das Besondere des tropischen Regenwaldes im Vergleich zu unseren heimischen Wäldern anschaulich vermitteln.

- Und dafür stirbt der Regenwald
Diese Gruppe sollte dem Betrachter in einer Ausstellung verdeutlichen, für welche Produkte unseres täglichen Bedarfs "der Regenwald stirbt".
Als Grundlage für ihre Arbeit erhielten sie neben den notwendigen Bastelutensilien eine kurze von BUND herausgegebene Broschüre "Und dafür stirbt der Regenwald! Tropenwaldschutz im Alltag". Darin heißt es z.B.: "Doch mehr noch als die Folgen der Abholzung sollten uns ihre Ursachen nahe sein. Denn jeder einzelne von uns ist direkt oder indirekt an der Vernichtung beteiligt. Viele Prozesse, die in den Tropen zur Entwaldung führen, haben ihren Ursprung in den Industrieländern - also auch bei uns in Deutschland. Viele Produkte, die zur Zerstörung des Regenwaldes beitragen, begegnen uns täglich und werden doch kaum als solche wahrgenommen: Möbel aus Tropenholz, Bananen, mit Soja gefütterte Kühe, Kaffee etc."

Ausstellungsgegenstände - Und dafür stirbt der Regenwald

Außerdem erhielten sie Ausstellungsgegenstände, die (z.T. symbolisch) das jeweilige Produkt darstellen sollten, wie z.B. Zigarettenschachteln, Hamburgerverpackungen und Sojabohnen, Bananen, Kaffee,ein Goldarmband, Teakholzgegenstände, Blumen, Dosen und viele Schuhkartons, um ihrer Ausstellung einen einheitlichen Rahmen geben zu können. Auch dieses Problem wurde sehr ansprechend gelöst. Bei der Präsentation zeigte sich, dass erst durch diese anschauliche Darstellung so manchem in der Klasse der Zusammenhang zwischen unserem Konsum und der Regenwaldvernichtung deutlich wurde.

- Fantasiereise in den tropischen Regenwald
Diese Gruppe sollte ihre Mitschüler motivieren, ihnen auf eine (Fantasie-)Reise in den tropischen Regenwald zu folgen. Dafür sollten sie mit Hilfe des zur Verfügung gestellten Materials Bedingungen schaffen, die es ihren Mitschülern erleichtern würden, sich vorzustellen im tropischen Regenwald zu sein.
Als Material erhielten sie neben einem Text, der eine Fantasiereise in den Tropenwald mit vielen sinnlichen Eindrücken beschreibt (Praxis Geographie 3/2000 von A. u. Ch. Stein), eine große Folie, um einen abgeschirmten, dunklen Raum herzustellen. Musikinstrumente aus dem Regenwald, Regenwaldpflanzen in großen Töpfen, eine Regenwaldkassette mit Regenwaldgeräuschen wie Wasserplätschern, Vogelgezwitscher usw. schafften eine entsprechende Kulisse. Durch einen Heizlüfter wurde "tropische" Wärme in der "Regenwaldhöhle" geschaffen; Lemongrasduftöl und eine Hängematte verstärkten die entspannende Atmosphäre für die Fantasiereise.
Diese Gruppe war diejenige, die als letzte fertig wurde. Die beteiligten Jugendlichen arbeiteten während der ganzen Zeit ohne Pause und waren so begeistert bei der Sache, dass wir alle davon angesteckt wurden. Es gelang der Gruppe bei der Präsentation leicht, uns Lehrkräfte und einige ihrer Mitschüler auf eine Reise in den Tropenwald zu entführen. Am liebsten hätten sich alle Schülerinnen und Schüler der Klasse auf die Fantasiereise in den Regenwald gemacht, was leider aus Zeitgründen nicht möglich war.
Gerade bei dieser Station waren wir zunächst sehr skeptisch, ob die Schülerinnen und Schüler die gestellte Aufgabe bewältigen würden und freuten uns deshalb besonders über die Begeisterung.

- Ein Regenwaldspiel herstellen
Die Gruppe dieser Station sollte ein Brettspiel herstellen, durch das ihre Mitschüler spielerisch möglichst viel Wichtiges über den Regenwald und über die Ursachen für seine Zerstörung lernen sollten.
Als Materialien zum Lösen dieser Aufgabe erhielten sie Spielvorlagen, Bildmaterial zur Gestaltung der Spielvorlage, Vorlagen für Spielkarten und Anregungen für mögliche Aufgaben. Hier zeigte die Präsentation, dass solch ein Spiel eine überzeugende Form darstellen kann, Lernstoff zu wiederholen und Wichtiges von einem Thema einzuprägen.

- Rallye für die Dosenausstellung
(Leihgabe aus dem Bremerhavener Eine-Welt-Zentrum)
Diese Gruppe sollte versuchen, ihre Mitschüler zu animieren, die Informationen der "Dosenausstellung", eine Ausstellung, die den Zusammenhang zwischen Regenwaldvernichtung und unserem Dosenkonsum aufzeigt, bewusst aufzunehmen. Dafür sollte sie aus den 24 Plakaten der Ausstellung acht auswählen, die ihnen die wichtigsten zu sein schienen. Wie bei einer Rallye sollten sie Fragen formulieren, für die die Antworten nur durch das "Ablaufen" der Ausstellung und deren genaues Betrachten gefunden werden konnten.
Diese Gruppe brauchte zunächst Hilfe und Anleitung, um auf Fragen zu kommen, die durch den kurzen Plakattext
oder durch das Bild beantwortet wurden. Die Aufgabe erschien zunächst nicht so attraktiv wie die der anderen Stationen. Aber bei der Präsentation zeigte sich, dass die Gruppe es geschafft hatte, ihre Mitschüler zum intensiven Lesen der Plakattexte zu animieren, denn nur so konnten sie die ihnen gestellten Fragen beantworten. Das machte die Gruppe dann doch sehr stolz.

- Weltkarte - Gefährdungen der Regenwälder
Eine Regenwald-Weltkarte wird hergestelltDie Schülerinnen und Schüler sollten eine große Karte für den Klassenraum herstellen, die anschaulich und übersichtlich die unterschiedlichen Gefährdungen der Regenwälder darstellt.
Diese Station hatte sich aus den vorherigen Gesprächen mit der Lehrerin ergeben. Die Karte war schon im Unterricht begonnen worden, aber es fehlte die Möglichkeit sie zu beenden. Als Material erhielt die Gruppe Beispiele für solche Karten ("Die Regenwälder der Welt" und die Karte "Gefahr für Amazonien") und viel Bildmaterial.
Auch hier ergab die Präsentation, dass die Zusammenschau der Gefährdungen der Regenwälder auf einer selbst hergestellten großen Karte eine gute Möglichkeit zur Festigung und Wiederholung des Lernstoffes bietet.

- Zeitungsseiten herstellen
Schülerinnen und Schüler präsentieren "ihre" ZeitungsseitenBei dieser Station erhielten die Jugendlichen die Aufgabe, eine Zeitungsseite herzustellen, die bei ihren Mitschülern und bei anderen in der Schule Interesse am Regenwald hervorrufen könnte.
Als Material erhielten sie eine Musterseite der Nordsee-Zeitung, eine Zeitungsvorlage, Fotos, die beim Besuch der Klasse im Regenwaldhaus in Hannover entstanden waren, Bildmaterial und Texte, die als Grundlage für eigene Zeitungsberichte Verwendung finden konnten.
Die Gruppe machte in verschiedenen Berichten auf die Probleme der Regenwaldvölker, auf die Abholzung der Regenwälder und auf die Folgen für uns aufmerksam. Bei der Präsentation ihrer Zeitungsseiten zeigte sich, wie ernsthaft sich diese Gruppe mit der Problematik auseinandergesetzt hatte.

Blitzlicht
Nach der Präsentation der Ergebnisse konnten die Jugendlichen in einer Schlussrunde ein kurzes Statement darüber abgeben, wie ihnen der Regenwaldparcours gefallen hatte. Ihr eindeutig positives Echo hat uns darin bestärkt, Lehrkräften zu empfehlen, wenn sie es nicht schaffen, mit ihren Klassen in die Lernwerkstatt zu kommen, Aufgaben der einzelnen Stationen im Unterricht zum Thema "Tropischer Regenwald" zu übernehmen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 1/2002 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,5 MB).

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