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Als
die Klasse 3a der Sudbrackschule in Bielefeld einen Umweltpreis für
ein Müllvermeidungsprojekt gewonnen hatte, durften sie sich vom
Preisgeld Bücher aussuchen. Schon bei der Planung der möglichen
Themenbereiche in der Klasse gab es zwei große Hits: die Kinder
wollten Bücher über den Regenwald oder über Wale für
ihre Klassenbibliothek haben. Auch beim genaueren Aussuchen in der Buchhandlung
bestätigte sich diese Präferenz: alle Vorräte der Kinderbuchhandlung
zu den Themen Regenwald und Wale wurden herausgesucht.
Warum interessieren sich Kinder, die in einer Großstadt am Teutoburger
Wald leben, nun für einen Meeressäuger oder gar den Regenwald,
den sie alle noch nie erlebt haben? Wenn wir Kinder aus anderen Regionen
fragen, werden wir gegenwärtig oft feststellen, dass unabhängig
davon, ob sie in Wilhelmshaven oder München wohnen, das Thema Regenwald
eine zentrale Rolle spielt. Kaum ein Kind hat zwar reale Erfahrungen
damit, aber fast alle wissen, dass es sich um ein faszinierendes und
gleichzeitig bedrohtes Gebiet irgendwo auf der Erde handelt. Medien
- insbesondere das Fernsehen - haben das Thema in alle bundesdeutschen
Wohnstuben und Kinderzimmer transportiert, Kinder sind positiv engagiert,
aber haben, wenn wir sie näher fragen, kaum genauere Vorstellungen.
Tarzanseile, Affen, Elefanten, Tiger und andere von ihnen positiv besetzte
exotische Tiere werden - ob dazugehörig oder nicht - mit diesem
Lebensraum assoziiert.
Das große Interesse der Kinder am Thema Regenwald bietet die Chance,
grundlegende soziale und ökologische Probleme an diesem Themenbeispiel
exemplarisch aufzugreifen.
Kinder in der Grundschule lieben die Natur. Für sie wäre es
hilfreich, wenn sie in ihren Sorgen um die bedrohte Natur, die sie durch
die Medien verstärkt vermittelt bekommen, Hilfen zum Entwickeln
von Alternativen - und seien es auch nur Hoffnungen oder prinzipielle
Möglichkeiten - erhalten könnten. Der Unterricht mit den Formen
der Gruppenarbeit und Gesprächskreise bietet dafür wichtige
Möglichkeiten an: Kinder können gemeinsam mit Hilfe einer
erwachsenen Person um Lösungen ringen, verschiedene Ansätze
abwägen und dabei erfahren, dass die Lage in der Welt nicht prinzipiell
hoffnungslos ist, wenn so viele richtige und wichtige Details gefunden
werden können.
Regenwald und Gold?
Neben der starken Naturliebe können wir bei Grundschulkindern eine
ausgeprägte Abenteuerlust beobachten. Entdecker, Forscher, Bergsteiger,
Weltumsegler oder Polarexpediteure stoßen bei Kindern prinzipiell
auf Anerkennung. Goldsucher, die sich heutzutage in die abenteuerliche
Welt der Regenwaldexpeditionen begeben, stehen deshalb hoch im Kurs.
Das große Interesse an Schmuck und die hohe Wertschätzung
von Gold bieten weitere Motive, sich emotional mit den Goldsuchern zu
identifizieren. Jedes Kind hat schließlich schon einmal auf einem
Geburtstag eine Schatzsuche mitgemacht. Welche Probleme es aber mit
sich bringen kann, wenn die Gier nach Schätzen (Gold) zu groß
wird, davon haben die Kinder noch keine Vorstellung. Die Liebe der Kinder
zum Regenwald und die Faszination des Goldes sind nicht so einfach in
Einklang zu bringen.
So betrachtet knüpfen die Stichworte Goldsucher und Regenwald einerseits
an Lernmotive der Kinder an und stoßen andererseits auf ein Widerspruchsfeld,
aus dem heraus sich komplexe Zusammenhänge erschließen lassen.
Aus diesem Grund habe ich mich zusammen mit meinem Kollegen Gert Jannsen,
der als Geographieprofessor einen Forschungsschwerpunkt im Themenbereich
Regenwald hat, dazu entschlossen, zunächst ein Seminar zum Verhältnis
von Goldsuchern und Regenwald anzubieten.
Im Anschluss an das Seminar entwickelten die Studierenden ein Unterrichtsbeispiel
zu diesem Themenbereich und boten dies zur Erprobung verschiedenen Praktikumsschulen
an. Unsere Erfahrungen in der Schulpraxis haben uns gezeigt, dass wir
einen außerordentlich motivierenden Konfliktzusammenhang mit der
vorerst sperrig wirkenden Themenkombination "Gold und Regenwald"
gefunden haben.
Die im Folgenden vorgestellten Unterrichtsideen zum
Thema "Goldsucher und Regenwaldzerstörung" bieten eine
Anregung für die praktische Erprobung dieses Themas im Unterricht
sowie für die Entwicklung weiterer/anderer/neuer Unterrichtsschritte
zu diesem Bereich.
Die Klasse als geheimnisvolles Goldmuseum
Dazu wird der Klassenraum weitgehend verdunkelt, mehrere Tische sind
zu einer "Goldkammer" zusammengestellt und werden durch ein
dunkles großes Stoffstück außen umhüllt. Nur an
einer Stelle ist es für die Kinder möglich, einzeln in die
Goldkammer hineinzukriechen.
Am Eingang erhalten sie eine Taschenlampe, um das "Museumsstück"
anzuleuchten. Drinnen liegt auf schwarzem Samt ein echtes goldenes Schmuckstück.
Die Kinder dürfen nichts sagen, wenn sie herauskommen. Alle Kinder,
die die Goldkammer schon besichtigt haben, dürfen ein besonders
schönes Goldstück malen, ausschneiden oder kleben.
(erforderliche Materialien: schwarze große Decke und schwarzes
Samtstück, Goldkette o. a. Goldschmuck und eine Taschenlampe)
Mensch und Gold - was ist daran toll?
Die Erfahrungen, die die Kinder bei der Besichtigung des Goldmuseums
gemacht haben, werden ausgetauscht. Im Gespräch können u.
a. die folgenden Fragen geklärt werden:
- Haben die Kinder Dinge aus Gold?
- Sind diese Dinge teuer gewesen?
- Warum? (knapp, leicht formbar, keine Oxidation, selten, viel Arbeit,
Aufwand)
- Wie wirkt Gold? (hat eine schöne Farbe, wie die Sonne, funkelt
und glitzert)
- Was bedeutet Gold? (Wenn eine Person Gold trägt, dann steigt
sie anscheinend im Wert. Menschen mögen gerne Seltenes und Schönes
besitzen, um sich selbst wertvoller zu machen. Was kostbar ist, wird
verehrt und gut behandelt. Königinnen und Könige tragen Gold)
- Welche Symbole werden mit Gold ausgedrückt? (Goldene Schallplatten/Goldenes
Kalb/Goldmedaillen als höchste Sportauszeichnung/Goldene Ringe
bedeuten Verlobung und Heirat/Gold als anerkanntes Tauschmittel)
- Was wissen wir über Gold? (Der Goldpreis ist seit 1968 frei/Gold
gehört zu den wertvollsten Edelmetallen/Gold gehört zusammen
mit Kupfer zu den ältesten vom Menschen benutzten Metallen/in Lima
gibt es ein Goldmuseum mit schönen Schätzen der Inka)
Goldgräber im Amazonasregenwald
In Brasilien befindet sich das größte
zusammenhängende Regenwaldgebiet der Welt.
Als die ersten Goldgräber im 17. Jahrhundert in den Amazonas
kamen, hielt sich der Schaden, den diese Art Ausbeutung mit sich
brachte noch in Grenzen. Die Goldgräber wurden getrieben
von Armut und der Sehnsucht nach großem Reichtum. Gekoppelt
mit Abenteuerlust durchstreiften sie den Urwald auf der Suche
nach Gold und ließen sich meist an Flussufern nieder. Den
Flusssand schwenkten sie in einer flachen Schale und hofften,
dass sich kleinste Goldstaubteilchen am Rande der Schale absetzen
würden.
Von der Abenteuerlust der Goldgräber ist nicht viel übriggeblieben.
Oft zwingt die bittere Armut die Menschen, sich von ihrer Familie
zu trennen, um in der Stadt oder im Regenwald ihr Glück zu
versuchen.
Im 19. Jahrhundert, ca. Mitte der 70er Jahre plante Brasilien
die Rohstoffgewinnung von Holz, Gold, Bauxit, Eisenerz und anderen
Metallen durch Großprojekte. Hierdurch hoffte die Regierung
die großen Schulden, die Brasilien im industriellen Ausland
hatte, verringern zu können. Viele Männer fanden Arbeit
bei den Großunternehmen. Einige machten sich dann bald selbständig,
um einen kleinen Trupp Arbeiter einzustellen, der für sie
arbeitete.
Wenn ein Gebiet zu einer lohnenswerten Goldstätte bestimmt
wird, dann ist der erste Schritt, ein großes Gelände
des Urwaldes abzubrennen, um eine Lichtung für die Flugschneise
kleiner Transportmaschinen zu schaffen. In heutiger Zeit wird
nicht mehr nur in Flussniederungen nach Goldsand gesucht, sondern
auch auf relativ trockenem Boden.
Die Yanonami-Indianer, die in Gebieten großen Goldvorkommens
wohnen, müssen in den meisten Fällen tatenlos mit ansehen,
wie ihr Lebensraum, der Wald, unwiederbringlich vernichtet wird.
Um möglichst wenig Aufwand zu betreiben, gehen die großen
Goldgräberunternehmen mehr oder weniger geschickt vor, um
die Indianer von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Es ist nicht
immer einfach, denn offiziell gibt es mittlerweile ein Gesetz,
das festlegt, dass den Ureinwohnern der ständige Besitz ihres
Gebietes zusteht.
In der täglichen Praxis aber werden nationale Interessen,
wie die Einnahme von Devisen für das hoch verschuldete Land,
über dieses Gesetz gestellt. Die FUNAI (Nationale Indianerstiftung)
arbeitet sogar oft den Interessen der Industrie zu, obwohl diese
Organisation ursprünglich zum Schutz der Indianer eingerichtet
worden ist.
Die Goldgräber haben verschiedene Taktiken, um das Land der
Indianer zu kolonisieren: Eine dieser Methoden, die von den großen
Unternehmen erfolgbringend angewendet wird, ist die ausreichende
Versorgung der Indianerstämme mit Lebensmitteln, so dass
sie es nicht mehr nötig haben, selber nach Nahrung zu suchen.
Bedingung hierfür ist natürlich, dass keine Einwände
gegen die Abholzung des Waldes und die Ausbeutung des Bodens erhoben
werden.
In vielen Indianerdörfern wird auf diese Weise eine völlig
neue Infrastruktur und Sozialstruktur geschaffen. Neue Häuser,
Straßen und Läden entstehen, die den Indianern völlig
fremd sind. Die soziale Struktur der Indianer zerbricht infolge
neu geschaffener Hierarchien. Einige Indianer, die für die
Großunternehmer arbeiten, erhalten plötzlich eine neue
Stelle im sozialen Miteinander, nur weil sie Geld verdienen. Das
Dorf spaltet sich in zwei Lager. Es kommt auch untereinander zu
Neid, Hass und Unterdrückung. Das Zusammengehörigkeitsgefühl
des Stammes ist zerstört, und die Gegenwehr gegen die Kolonialisten
kann nicht mehr organisiert werden. Genau das ist dann der Zustand,
den sich die Unternehmen wünschen. Nun kann keine Gefahr
mehr von den Ureinwohnern ausgehen. Nach 400 Jahren rücksichtsloser
und gewalttätiger Kolonisation sind von den ursprünglich
5 Millionen Indianern ganze 200.000 übriggeblieben.
von Ute Agina (gekürzte Fassung) |
Bilder mit goldenen Gegenständen
Es wird auf schwarzem Fotokarton eine Collage aus Bildern von Goldobjekten
hergestellt. Die Kinder sollen vorher
möglichst viele Bilder von goldenen Kulturgegenständen und
Wörter mit "Gold" mitbringen.
Die mitgebrachten Bilder und Wörter ("goldene Moschee",
"goldener Tempel") werden nach verschiedenen Kriterien geordnet,
u. a. Form, Verwendungszweck (Kette, Krone, Armband, Ring, Statue, Religionssymbol),
verschiedene kulturelle Räume (vergoldete buddhistische Gottheiten,
Krone deutscher Kaiser, russische Kathedralen, Statuetten der Inka,
etc.). Die Klasse entscheidet sich für eine Variante (erforderliche
Materialien: Fotokarton, alte Geo-Zeitschriften, Kataloge o. ä.)
Kontrastbilder als Gesprächsanlass
Zwei kontrastierende größere Bilder, z.B. ein großes
Dschungelposter und das Bild einer Goldmaske, werden für den Gesprächskreis
deutlich sichtbar aufgehängt. Die Bilder sollen den qualitativen
Gegensatz zwischen dem Gold und der natürlichen Artenvielfalt im
Regenwald sichtbar machen, also zwei positiv besetzte Phänomene
in ihrer Unterschiedlichkeit visualisieren. Für die Kinder ist
beides spannend: die Tiere und Pflanzen des Regenwaldes
und der Glanz des Goldes. Nach einem ausführlichen Gespräch
über die Bilder sind die Kinder gut auf die Geschichte von Reinaldo
Flores vorbereitet.
Die Geschichte von Reinaldo
Flores
Reinaldo Flores hat schon im Alter von fünf
Jahren seine Eltern verloren. Sehr früh musste er sich selber
sein Geld verdienen.
Er arbeitete in verschiedenen Tätigkeiten, die typisch sind
für elternlose Kinder, die sich in einer Großstadt
durchschlagen müssen: Schuhe putzen, Müll sammeln usw.
Manchmal stahl er auch aus Hunger Geld oder Lebensmittel. Gerne
wollte er aber einer richtigen Arbeit nachgehen. So lieh er sich
einmal Geld und eröffnete eine Lottofiliale. Zunächst
lief diese auch ganz gut,
dann jedoch wurde seine Kasse aufgebrochen und sein Verdienst
gestohlen. Es waren Straßenkinder, die (genau wie früher
Reinaldo) kleine Einbrüche machten, um etwas zu essen zu
haben. Reinaldo verlor all sein Geld und seinen Mut. Er fing an
Alkohol zu trinken, um so seinen Kummer zu betäuben.
Eines Tages hörte er von einer Firma, die den Männern
ein gutes Angebot machte: Die Männer sollten Gold im Regenwald
suchen. Die Bedingung war, dass die Männer auf eigenes Risiko
arbeiteten. Nur wer Gold fand, bekam auch seinen Lohn. Würde
Reinaldo also kein Gold finden, so hätte er umsonst gearbeitet.
Wenn er jedoch Gold finden würde, so hätte er mit einem
Schlag viel Geld. Er könnte seine Schulden bezahlen, sich
etwas zu essen kaufen und vielleicht sogar eine Familie gründen.
Davon
hatte er schon immer geträumt.
Reinaldo machte sich zusammen mit anderen Männern auf den
Weg. Monatelang fanden die Arbeiter nichts. Sie wollten
schon aufgeben, und die Stimmung im Lager wurde immer schlechter.
Eines Tages stießen sie jedoch auf eine dicke
Eisenerzschicht, die einen großen Goldfund vermuten ließ.
Große Freude herrschte bei den Männern im Lager.
Als sie sich jedoch so richtig an die Arbeit machen wollten, stießen
sie plötzlich auf massiven Widerstand der dort lebenden
Indianer des Stammes Arakeen. Es kam zu einer großen Auseinandersetzung,
und was dann geschah, weiß keiner mehr so genau. Auf einmal
fing jedenfalls die Maloka (großes Haus für mehrere
Familien der Indianer) an zu brennen und Reinaldo Flores wurde
angezeigt ... |
Nachdem die Geschichte den Kindern erzählt wird,
können im Anschluss daran folgende Fragen geklärt werden:
- Ist die Goldgräberei eine leichte Arbeit?
- Sollte der ganze Regenwald nach Gold abgesucht werden?
- Wie werden die Indianer behandelt? Warum?
- Auf wessen Seite stehst du?
- Wie sehen das die anderen Menschen, die Goldgräber oder die Indios?
Aus diesem Unterrichtsgespräch können auch Dialogspiele entwickelt
werden.
Wie leben die Yanonami?
Frage- und Antwortkarten zu diesem Kartenspiel oder Quiz können
nach verschiedenen Regeln eingesetzt werden.
Wo leben die Yanonami? |
Können
auch die Kinder der Yanonami schon jagen? |
| Das
Siedlungsgebiet ist die bergheiße und feuchte Urwaldlandschaft
im Süden von Venezuela und im nordöstlichen Brasilien.
Es erstreckt sich rund um die Sierra Parima. Das Gebiet umfasst
ungefähr 80.000 - 100.000 km² |
Ja,
sogar Sechsjährige können schon sehr geschickt mit Pfeil
und Bogen umgehen. |
Um den Kindern eine bessere Identifikation mit der Problematik
zu ermöglichen, bietet sich die Geschichte von Reinaldo Flores
an.
In Form eines Gerichtsspiels können sich die Kinder nun mit der
Geschichte Reinaldos auseinandersetzen. Anhand von Zeugenaussagen aus
verschiedenen Richtungen kann das ganze Geschehen noch einmal betrachtet
werden. Die Kinder sind bei dieser Geschichte mit großem Engagement
und Gerechtigkeitsgefühl dabei. Spannend ist es, wenn die Kinder
die Regeln für das Gerichtsspiel gemeinsam entwickeln. Lediglich
für die Zeugenaussagen gibt es vorbereitete Zettel.
Ein
Indianer des Stammes Arakeen:
"Ich war gerade auf der Jagd, als ich sah, wie Reinaldo Flores
unten am Fluss nach Gold gesucht hat. Als ich näher kam,
erkannte ich noch andere Leute, die ebenfalls nach Gold suchten.
Einige tauchten nach Flusssand, andere saßen am Flussufer
und wuschen diesen Sand." |
Ein
Mädchen der Arakeen:
"Während ich versuchte, ein Feuer zu entfachen,
um zu kochen, sah ich, wie mehrere Männer zu unserem Häuptling
gebracht wurden. Ich lächelte sie an, doch sie machten nur
sehr ernste Gesichter." |
Die
Frau mit dem Kind:
"Als ich zurück ins Dorf kam, habe ich gesehen, dass es
sich nicht um einen netten Besuch handelt. Es kamen mir
nämlich drei Fremde zusammen mit dem Häuptling entgegen.
Sie waren sehr aufgebracht und schienen sich fast zu streiten." |
Ein
Goldgräber:
"Ja es stimmt, dass wir dort saßen, aber das ist nicht
verboten. Wir dürfen Gold suchen, wo wir wollen. Auch Reinaldo
war natürlich dabei. Er ist ja schließlich unser Chef." |
Der
Arbeitsleiter einer Goldminenfirma:
"Wir haben tatsächlich versucht, mit dem Häuptling
des Stammes zu sprechen. Er konnte unser Anliegen jedoch nicht verstehen.
Auch mit Händen und Füßen konnten wir ihm nicht
klarmachen, dass sein Stamm mitten in einem Gebiet mit wahrscheinlich
großem Goldvorkommen liegt." |
Der
zweite Goldgräber:
"Ich habe ein Mädchen gesehen, das mit dem Feuer spielte
und war besorgt, es könnte sich ein Brand entwickeln.
Deswegen ging ich kurz zum Feuer." |
Eine
Frau des Stammes Arakeen:
"Ich lief zum Fluss mit meinem kleinen Kind und wollte
schauen, ob unsere Gäste aus dem anderen Stamm gekommen seien
und nahm etwas Bananenbrei mit, um sie zu begrüßen. Statt
dessen sah ich diese fremden Männer. Sie kamen auf mich zu
und
fragten, wo mein Lager sei." |
Zeugenaussagen
für das Gerichtsspiel |
Das Mädchen:
"Der Fremde wollte keinen Brei, sondern nahm einen
Ast aus dem Feuer und fuchtelte damit in der Luft herum, so dass
ich Angst bekam." |
Ein
anderer Goldgräber:
"Ja, das ist wohl wahr. Wir wollten jedoch nur etwas zu essen,
da wir tagelang schon arbeiten und total ausgehungert
waren." |
Der
Arbeitsleiter:
"Im Namen der Regierung ist es erlaubt, in Fällen bei
großem Goldvorkommen die Interessen der Regierung an erste
Stelle zu stellen. Brasilien braucht dringend Geld, um die Auslandsschulden
zu begleichen." |
Ein
Junge der Arakeen:
"Es kam ein Mann, der ganz verlaust, dünn und heruntergekommen
aussah,in unsere Maloka, während ich in der Hängematte
lag und mit meiner kleinen Schwester spielte. Ich war sehr erstaunt,
als er den Boden im Innenhof der Maloka in die Hand nahm, um ihn
zu prüfen." |
Der
Häuptling:
"Ich habe es im Prinzip schon verstanden, was ihr vorhattet,
nämlich unseren Wald zerstören, um ein ganzes Goldgräberlager
zu errichten. Bei unserem Nachbarstamm ist so etwas nämlich
auch passiert und die Bewohner sind geflohen." |
Der Häuptling:
"Deswegen kannst du uns aber nicht einfach unser Land wegnehmen
und unsere Maloka anzünden. Nach dem Gesetz gehört dieses
Land uns." |
Reinaldo
Flores:
"Ich wollte zusammen mit meinen Kollegen mit den Bewohnern
der Maloka ins Gespräch kommen und sie fragen, ob sie hier
auch schon Gold gefunden hätten." |
Erster
Goldgräber:
"Aber das Gold können wir doch nicht einfach so unter
der Erde liegen lassen. Wir sind viele Kilometer weit gezogen und
wollen jetzt endlich einmal das Gold besitzen." |
Der
Häuptling:
"Später brannte die Maloka und die Indianer des
Stammes Arakeen mussten fliehen. In diesem Gebiet wurde eine große
Fläche von den Goldgräbern gerodet, um eine Flugschneise
und eine kleine Straße zu bauen." |
Die Kinder haben sich nun intensiv mit den Goldsuchern
und der Landproblematik im Regenwald auseinandergesetzt. Es bietet sich
deshalb an, auch noch einige Informationen zum Regenwald selber zu geben.
Wir haben zu diesem Zweck einen kurzen Informationstext für die
Kinder vorbereitet.
Der Regenwald als fruchtbares System
Das Klima:
Der Regenwald macht sein Klima selbst. Die hohe Verdunstung der dicht
stehenden Bäume bewirkt die großen Niederschlagsmengen im
Jahr. Entscheidend für den Regenwald ist aber auch die gleichmäßige
Verteilung der Niederschlagsmenge im Jahr. Die Temperaturen sind das
ganze Jahr über fast gleich hoch (25 - 27°C).
Der Boden im Regenwald:
(Im Regenwald ist die Humusschicht nie sehr dick.) Die Böden können
keine großen Mengen von Nährstoffen speichern.
Um die Informationen für die Kinder etwas fassbarer
zu machen, gibt es zahlreiche Handlungsmöglichkeiten. Beliebt ist
zum Beispiel ein Memory mit den Tieren des Regenwaldes.
Eine weitere Möglichkeit ist eine Leseübung als Vergleichsinszenierung.
Die Hälfte der Klasse hat die Rolle, das zu lesen, was vor einer
Brandrodung auf einem Landstück des Regenwaldes wachsen konnte
(Maniok, Paranuss, Kokosnuss, Farne, Moose, Würgefeige, Lianen,
Pilze), die andere Hälfte liest den Zustand desselben Stückes
Land nach der Brandrodung (nichts, nichts, nichts, Bohne, nichts, nichts,
Tomate, nichts). Man kann diese Wörter beliebig oft wiederholen
lassen, was für die Kinder den Unterschied noch beeindruckender
erscheinen lässt.
Ein besonders faszinierendes Tier im Regenwald ist der
Kolibri. Auch dazu haben wir einen Text vorbereitet.
Die Kolibris im Regenwald
Kolibris
ernähren sich vom Nektar vieler verschiedener Blütenpflanzen.
So zum Beispiel auch vom Nektar
des Paranussbaumes. Der Kolibri hat die ausgezeichnete Fähigkeit,
auf der Stelle fliegen zu können. Dadurch
kann er von Blüte zu Blüte schwirren, ohne sich absetzen
zu müssen. Seinen langen feinen Schnabel führt er in
die Blütenkrone ein. In einer Röhre befindet sich der
Nektar. Manchmal pickt er auch ein Loch in die Blüte, um
leichter an den Nektar heranzukommen. Der Vogel saugt dann mit
seiner Zunge die Flüssigkeit auf. Kolibris fressen aber auch
Insekten und Spinnen.
Während er jedoch den Nektar aus der Blüte saugt, stößt
er mit seinem Kopf gegen die Pollen der Blüte. Sie bleiben
am Kopfgefieder kleben.
Fliegt der Kolibri jetzt von Blüte zu Blüte und von
Baum zu Baum, berührt er mit dem Kopf auch andere Blüten
und befruchtet sie auf diese Weise. So werden auch sehr weit voneinander
entfernte Pflanzen miteinander befruchtet.
Die Kolibris brauchen immer wieder Zwischenhalt bei ihren Befruchtungsflügen.
Wenn
große Schneisen für den Straßenbau geschlagen
werden, dann können Kolibris diese nicht mehr überfliegen
und die Vermehrung der Paranuss ist nicht mehr gewährleistet.
Wenn viele Paranussbäume gefällt werden, dann ist eine
große Nahrungsquelle der Kolibris sehr eingeschränkt.
Kolibris sind Zugvögel. Alljährlich fliegen sie vom
Osten der USA nach Südamerika, wo ihr Winterquartier ist.
Dabei legen sie 3000 km zurück. Der Zug in den Süden
beginnt Anfang August und erstreckt sich bis spät in den
Oktober hinein.
Kolibris sind 10 cm lang. Ihre Flügelspannweite beträgt
12 cm. Sie wiegen ungefähr 3 g.
Fähigkeiten: Sie können rückwärts, senkrecht,
auf und ab fliegen und in der Luft stehen bleiben.
|
Der Informationstext kann vorgelesen oder zusammenfassend
erklärt werden.
Die Kinder können das Fliegen der Kolibris spielen oder die Kolibris
malen:
- mit Hilfe von Schablonen
- Anmalen des Kolibriarbeitsblattes
- Zeichnungen mit Kolibris in Sachbüchern vergleichen
- den Vögeln Phantasienamen geben usw. ...
Das Abschlussgespräch
Die Kinder haben nun viel über den Regenwald erfahren. Über
die Menschen die dort wohnen, über die Tiere und Pflanzen und über
das Gold, das der Mensch dort findet und abbauen möchte. Zum Abschluss
sollte deshalb noch einmal eine klärende Gesprächsrunde mit
den Schülerinnen und Schülern geführt werden. Zielsetzung
sollte dabei auch die Frage nach unseren Möglichkeiten und Verantwortungen
sein. Folgende Sammlung von Aktivitäten bei uns in der Bundesrepublik
Deutschland könnte am Ende an der Tafel stehen:
- Verzicht auf Tropenholz (Fenster, Türen, Küchenbrettchen,
Tischlerplatten, Gartenbänke, Gartenzäune, Toilettensitze
... werden häufig aus Tropenholz hergestellt.)
- Gespräche mit den Eltern
- Interviews mit Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern
- Brief an die Stadt als Aufruf zum Verzicht auf Tropenholz
- Aufforderung von Holzfirmen, keine Tropenhölzer mehr zu kaufen
- Schreiben an den Umweltminister ...
An diesem Unterrichtsvorhaben haben Ute Agina (Geschichten
und Unterrichtsmaterialien) und Claus Rabba (Zeichnungen) mitgewirkt.
Literatur
BUND-Fakten: Die tropischen Regenwälder. Januar 1990
CHERRY, LYNNE: Der große Kapokbaum. München: ars edition
1991
DEUTSCHE UMWELTHILFE: Der tropische Regenwald. Radolfzell o. J.
GALIEANO, E.: Die offenen Adern Lateinamerikas. Hammer-Verlag 1981
GAWORA, D./MOSER, C.: Amazonien. Die Zerstörung, die Hoffnung,
unsere Verantwortung. Misereor-Schrift 1993
INSTITUT FÜR ÖKOLOGIE UND AKTIONS-ETHNOLOGIE e. V. (Hrsg.):
Unterrichtsmaterialien "Tropischer Regenwald". Lichtenau 1992,
S.127
LICHTE, M: Goldfunde in Brasilien. Bedeutung für die sozio-ökonomische
Entwicklung. In: Geographische Rundschau 43 (1991) H. 3, S.183-187
MERTINY, A.: Der Regenwald. Nürnberg: Tessloff 1991
NEHBERG, R.: Yanonami. Überleben im Urwald. Frankfurt 1994 (5)
SIEGERT, F. u. a.: Arrang lebt im Regenwald. Wuppertal: Hammer 1991
Dieser Artikel wurde veröffentlicht in
Ausgabe 2/1997 von "Eine Welt in der Schule". Sie können
diese Ausgabe jetzt herunterladen (1,1 MB).

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