Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Wunder der Schöpfung
Unterrichtserfahrungen in einer 1. und 2. Grundschulklasse
Ute Graas/Ursula Schelp
 
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Wir sind eine katholische Grundschule in Werne an der Lippe mit ungefähr 230 Kindern. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund ist seit der Zechenschließung sehr gering. In unserer Gemeinde gibt es 5 Grundschulen, eine Gemeinschaftsschule und 4 katholische Grundschulen. Die christliche Lehre spielt somit noch eine große Rolle im Leben unserer Schülerinnen und Schüler. Deshalb ist es uns wichtig, dass die Kinder auch andere Kulturen kennen lernen und mit deren Schöpfungsgeschichten bekannt gemacht werden. Wir hoffen, dass dieses Unterrichtsvorhaben dazu beiträgt, Verständnis für andere Kulturen zu entwickeln.
Wir haben diese Unterrichtsreihe für das Frühjahr ausgewählt, weil zu dieser Zeit auch die Natur wieder neu erwacht und so die Wunder des Lebens, Wachsens und Gedeihens von Menschen, Tieren und Pflanzen direkt miterlebt werden können. Und erreicht haben wir auf jeden Fall, dass die Kinder im Anschluss an diese Unterrichtsreihe ihre Umgebung mit sehr wachen Augen betrachtet haben.
Schülerinnen und Schüler präsentieren ihre FundstückeParallel zu dem religiösen Thema der Schöpfungsgeschichten, das wir fächerübergreifend in Religion, Deutsch, Musik und Kunst angesiedelt haben, lief im Sachunterricht das Thema "Kleine Wunder im Frühling". Hier brachten die Kinder täglich etwas in ihren Augen ganz besonders Schönes aus der Natur mit zur Schule, z.B. einen blühenden Zweig, ein Blatt, einen Stein, eine Feder, etc. Die Schülerinnen und Schüler präsentierten ihre Fundstücke den Mitschülern. Sie wurden besprochen und gebührend bestaunt. So entwickelte sich ein Gefühl dafür, dass das Leben und die Natur in jeder Form etwas sehr wertvolles ist.
Diesen Gedanken griffen wir bei den Schöpfungsgeschichten auf, machten den Kindern klar, dass alle Menschen auf der ganzen Welt und zu allen Zeiten über "die Wunder der Natur" gestaunt haben und versucht haben, dieses Phänomen zu begreifen und für sich verständlich zu machen. Dafür haben sie sehr unterschiedliche Erklärungen und Geschichten gefunden.

Der Urknall
Eingestiegen in dieses Thema sind wir mit der Frage: Wie ist die Welt entstanden?
Zu dieser Frage wurde an der Tafel ein Cluster erstellt. Es war erstaunlich für uns, wie viele Kenntnisse besonders bei den Schülerinnen und Schülern im zweiten Schuljahr schon vorhanden waren. Nach der gemeinschaftlichen Sammlung erhielten sie den Auftrag, weitere Informationen zu dem Thema zu sammeln und mitzubringen.
In der darauf folgenden Stunde stellten die Kinder Bücher und Bildmaterial zum Thema vor. Dies stieß bei allen auf großes Interesse und löste einige Spekulationen aus, die heftig diskutiert wurden. Aus der Sammlung haben wir dann ein Arbeitsblatt erstellt. Dem Text mussten die Kinder die entsprechenden Bilder zuordnen. Anschließend haben sie den Urknall mit Wasserfarbe dargestellt. Diesen Auftrag erledigten sie mit großem Eifer, Präzision und viel Phantasie. Jedes Kind konnte seine Zeichnung genau erklären, "Hier ist der heiße Kern!", "Dies wird die Erde".

Wie ist die Welt entstanden?
Wenn du die Entstehung des Weltalls mit einem Tag vergleichst, dann fand nach der Meinung einiger Wissenschaftler um 0.00 Uhr der Urknall statt, unsere Erde entstand etwa um 17.00 Uhr und erst 1 Minute vor Ende des Tages gab es die ersten Menschen.

UrknallVor etwa 15 Milliarden Jahren gab es eine gewaltige Explosion, den Urknall. Es bildeten sich Gase und Staubwolken.


Bestandteile ballen sich zusammenVor etwa 5 Milliarden Jahren ballten sich die festen Bestandteile der Wolke zusammen und bildeten zuerst die Sonne und dann andere Planeten, auch die Erde.

Die Erdoberfläche erstarrteNur eine dünne Schicht an der Erdoberfläche kühlte ab und erstarrte.

Heißes Gestein schoss durch die OberflächeHeißes Gestein schoss immer wieder durch die Erdoberfläche (wie heute noch bei den Vulkanen).

Dabei kamen auch Gase, Sauerstoff, Stickstoff und Wasserdampf mit heraus. Die Gase bildeten die Erdatmosphäre, der Wasserdampf ballte sich zu Regenwolken zusammen, aus denen viele tausende Jahre Regen fiel. Das Urmeer entstand. Später entwickelten sich hier die ersten Lebewesen.

Christliche Schöpfungsgeschichte
Da im ersten Schuljahr die Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler noch nicht so weit entwickelt war, dass längere Texte gelesen und verstanden werden konnten, diente "Das Lied von der Schöpfung" als Arbeitsgrundlage. Im zweiten Schuljahr wurde ein Text "Gott erschafft die Welt" aus "Meine große farbige Kinderbibel" zusammengestellt, den die Kinder als Informationstexte nutzten. Gruppenweise wurden die Texte erarbeitet und vorgestellt. Zur Erarbeitung und Veranschaulichung des Textes haben sie danach in arbeitsteiliger Gruppenarbeit ein Schöpfungsfries bzw. eine Plakatwand gestaltet. Dazu wurden die verschiedensten Materialien und Techniken eingesetzt, Malen mit Wasserfarben, Collagen mit Naturmaterialien und Bildern, plastisches Modellieren mit Gips und Draht auf einer Styroporplatte. Die folgenden Lieder wurden in dieser Unterrichtsphase gesungen: "Du hast uns deine Welt geschenkt", "Der Mond ist aufgegangen", "Schön ist es auf der Welt zu sein".
Da wir das Unterrichtsvorhaben im Frühjahr durchgeführt haben, ergab sich die Möglichkeit, die erwachende Natur bewusster wahrzunehmen. Die Anregung der Lehrerinnen jeden Tag etwas Schönes oder Staunenswertes aus der Schöpfung mitzubringen, wurde von den Kindern begeistert angenommen. Jeden Morgen wurde eine Decke in der Mitte des Klassenraumes ausgebreitet, auf der die Fundstücke wie Steine, Zweige, Gräser, Muscheln, Blumen u.Ä. ausgelegt und bewundert wurden. Es war beeindruckend zu sehen, wie dadurch der Blick für die Schönheiten der Natur geschärft wurde. Im Laufe des Schuljahres bemerkten wir immer wieder, dass die Kinder darauf bedacht waren, Leben zu schützen und zu bewahren. Sie sprachen zum Beispiel von Tierquälerei, wenn sich ein Marienkäfer ins Klassenzimmer verirrt hatte. Sie brachten ihn dann umgehend nach draußen und setzten ihn auf eine Pflanze.

Schülerzeichnungen zur Schöpfungsgeschichte der Christen

Schülerzeichnung "Berge und Meer" Schülerzeichnung "Sonne und Mond
Schülerzeichnung "Tiere"
Schülerzeichnung "Pflanzen"
Schülerzeichnung "Frau und Mann"

Eine Schöpfungsgeschichte aus Indien
Da wir an unserer Schule seit Jahren ein soziales Projekt in Indien unterstützen, lag es nahe auch eine indische Schöpfungsgeschichte mit den Kindern zu erarbeiten.
In Indien gibt es viele verschiedene Schöpfungsgeschichten, die größtenteils sehr kompliziert und schwer verständlich sind. Wir haben uns eine herausgesucht, von der wir annehmen, dass sie für die Kinder nachvollziehbar ist. Wir entschieden uns für eine Legende der Santal (eine indische Volksgruppe): "Auf dem Rücken der Schildkröte". Zum besseren Verständnis wurde sie in kindgemäße Sprache umformuliert. Die Geschichte wurde zunächst einmal als Ganzes erzählt, dann in Abschnitte eingeteilt und zum besseren Verständnis in arbeitsteiliger Gruppenarbeit als Fries gestalterisch umgesetzt. Jede Gruppe hat einen Textabschnitt bildlich dargestellt, so dass schließlich die Legende der Santal als Bildergeschichte entstand. Die Gruppen erläuterten jeweils ihr Bild und beantworteten Fragen zum Inhalt.
Bei der anschließenden Reflexion und beim Vergleich mit der christlichen Schöpfungsgeschichte stellten die Kinder heraus, dass die Legende eher wie ein Märchen klingt. Sie mussten sich zunächst in die Andersartigkeit der Erzählung hineindenken. Sie stießen auf viele "unlogische" Einzelheiten, die das Verständnis erschwerten, und stellten fest, dass es nur wenige Gemeinsamkeiten mit der christlichen Schöpfungsgeschichte gibt. Allein der Anfang der Geschichten klingt ähnlich: Es gibt einen Gott, einen Himmel und das Element Wasser auf der Erde.

Auf dem Rücken der Schildkröte
Indien/Legende der Santal

Schülerzeichnung (1)Ganz am Anfang war die Erde mit Wasser bedeckt. Es gab sonst nichts - nur dieses gewaltige Meer, das sich ohne Ende erstreckte. Hoch über der Erde, im Reich des Himmels, herrschte Vater Sonne als Gott. An seiner Seite hatte er noch andere Götter, die unter ihm standen. Sie hatten kaum etwas zu tun und deshalb viel Langeweile. Wenn sie im Himmel ein Fenster öffneten und hinunter schauten, sahen sie nur das riesige Meer. Manchmal sahen sie hohe Wellen mit Schaumkronen, weil es sehr stürmisch war; manchmal sahen sie aber auch nur Wolken, die das Meer verdeckten. (1)
Schülerzeichnung (2)Eines Tages trat jedoch einer der Götter vor den Thron des Sonnenvaters. Er verneigte sich und sagte: "Ich habe heute von seltsamen Wesen geträumt, die sich Menschen nennen und auf der Erde leben. Warum erschaffen wir sie nicht? Vater, gib uns doch bitte deine Erlaubnis dazu."
Der höchste Gott dachte sehr lange über diesen Vorschlag nach. Einige Tage später aber rief er: "Bringt mir die alte Malin. Ihr findet sie in einer Felsenhöhle tief unter dem Meer." (2)
Schülerzeichnung (3)Die alte Malin gehörte zu den dienenden Geistern. Sie hatte sehr geschickte Hände. Deshalb bekam sie den Auftrag, die ersten Menschen zu formen. "Ich werde diese Wesen aus dem Schaum des Meeres machen," sagte sie voller Stolz und der Sonnenvater nickte dazu. "Wenn du fertig bist mit deiner Arbeit, dann hauche ich deinen Geschöpfen den Atem des Lebens ein.", erklärte er feierlich. Einen ganzen Tag lang arbeitete die alte Malin an den Menschen-Formen. Sie gab sich große Mühe. Am Abend hatte sie den Körper einer Frau und den eines Mannes geformt. Sie legte sie zum Trocknen in die Strahlen der untergehenden Sonne. (3)
Schülerzeichnung (4)Da kam das Pferd vorbei, das im Meer seinen Durst löschen wollte, und zertrampelte die kunstvollen Figuren. Wütend lief Malin zum Sonnenvater. "Dein Pferd ist eifersüchtig auf mich. Es will nicht, dass aus meinen Händen die ersten Menschen entstehen," klagte sie. Doch der höchste Gott redete ihr gut zu und besänftigte sie. Tu deine Arbeit noch einmal, sie wird bestimmt nicht mehr zerstört." (4)
Schülerzeichnung (5)So war es dann auch. Am nächsten Abend schlug das Pferd einen großen Bogen um die Figuren. Die Götter aber lobten ihr Werk. Aber noch fehlte den Wesen das Wichtigste. Darum sprach der Sonnenvater zu Malin: "Jetzt ist es so weit. Hol uns zwei Menschenleben. Ich habe sie auf einem Querbalken unter dem Dach meines Hauses abgelegt." Aber Malin war klein, sie kam nur bis zum Türrahmen des Hauses. Dort aber lagen zwei Vogelleben. Die brachte sie dem Sonnenvater. (5)
Kaum hatte der Sonnenvater Malins Geschöpfen das Leben eingehaucht, verwandelten sie sich in Enten und flogen schnell davon. Dabei schimmerte ihr weißes Gefieder wie der Schaum auf den Wellen.
Schülerzeichnung (6)Nach einem Jahr kehrten die beiden Enten munter zurück und erzählten: "Das Meer ist uns Tisch und Bett gewesen, aber jetzt wollen wir ein Nest bauen. Wo gibt es einen Platz, an dem wir unsere Kinder großziehen können?" Darauf fiel dem Sonnenvater keine Antwort ein und er fragte die anderen Götter. Auch sie waren ratlos. (6)
Schülerzeichnung (7)Schließlich trat Prinz Krebs vor und versprach: "Ich schaffe das. Mit meinen Scheren hole ich Erde vom Grunde des Meeres - so viel Erde, dass sie bestimmt für eine Insel genügt!" Aber der Prinz hatte die gewaltige Kraft des Meeres unterschätzt. Immer, wenn er auftauchte, überraschte ihn eine gewaltige Welle, spülte die Erde aus seinen Scheren und ließ sie wieder zum Meeresboden sinken. (7)
Schülerzeichnung (8)Als nächster bot sich Prinz Regenwurm an. Wie kein anderer schlängelte er sich in die Tiefe des Meeresbodens, fraß sich den Bauch voll mit Erde und spuckte sie an der Wasseroberfläche wieder aus. Aber das gierige Meer schluckte einfach alles wieder hinunter. "Ein Stück Land brauchen wir!", riefen die Götter. "Ein Stück Land!" (8)
Schülerzeichnung (9)Nur Prinz Tausendfüßler stimmte nicht ein in das Gejammer. Er hatte eine Idee: "Ihr kennt doch die große, alte Schildkröte mit dem starken Rücken, die im Meer lebt. Wie wäre es, wenn wir ihre Beine am Grunde des Meeres an den vier Enden der Welt festketten würden? Dann könnten wir auf ihrem Rücken genug Erde sammeln." (9)
Schülerzeichnung (10)Der Vorschlag fand großen Beifall. Prinz Tausendfüßler sollte sofort die Schildkröte fesseln und festketten. Diese hatte auch gar nichts dagegen und trug die Last der Erde ohne zu klagen. So entstand wirklich im unendlichen Meer eine Insel, die bald größer und größer wurde. Der Sonnengott pflanzte den ersten Baum auf der Insel und ließ an den Ufern kräfig Schilf wachsen. Hier konnten die Enten geschützt
ein schönes Nest bauen. Bald lagen auch zwei Eier im sicheren Versteck. (10)
0h Wunder der Schöpfung! Als die Eier zerbrachen, schlüpften ein Mann und eine Frau heraus an das Licht der Welt. Es waren die ersten Menschen, geboren auf dem Rücken der Schildkröte. (11)

Schöpfungsgeschichten der Indios
Die beiliegende Schöpfungsgeschichte der Indios wurde ausgesucht, weil die Kinder sich sehr für das Leben der Ureinwohner Amerikas interessieren. Ein Buch zu diesem Thema, das einige Wochen zuvor von den Kindern mitgebracht und vorgelesen wurde, regte sie an, von eigenen Vorstellungen über Indianer und Indios zu berichten.
Die Schöpfungsgeschichte wurde gelesen bzw. im ersten Schuljahr vorgelesen. Die verschiedenen "Menschenschöpfungen" (Lehm, Holz, Gold und Mehl) wurden herausgearbeitet und in arbeitsteiliger Gruppenarbeit als "Schuhkarton-Welten" gestaltet. Dazu bekamen die Innenseiten der Kartons einen farbigen Anstrich. Die Schülerinnen und Schüler sammelten die verschiedensten Materialien (Pappe, Holz, Papier, Knete, Stroh, etc.) und gestalteten damit ideenreich und mit viel Freude die "Karton-Welten".
Anschließend wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur christlichen Schöpfungsgeschichte besprochen, z.B. wird in beiden Geschichten der Mensch von einem Gott geschaffen. Bei den Indios setzen die Götter voraus, dass die Menschen sie nicht enttäuschen werden und sich an der Natur erfreuen, in der christlichen Schöpfung soll sich der Mensch als Krönung die Erde untertan machen. Dadurch lässt sich die unterschiedliche Einstellung zur Natur und deren Nutzung bzw. Ausbeutung erklären. Den Kindern fiel außerdem auf, dass die Indios nur die Erschaffung des Menschen, aber nicht die der Erde beschreiben.
Begleitend wurde ein Regenlied der Navajos eingeübt, das die Kinder die Naturverbundenheit und die geduldige Gelassenheit der Naturvölker beeindruckend erfahren ließ. Der selbstgebastelte Kopfschmuck, die rhythmischen Schläge und das gleichmäßige Vorbeugen und Aufrichten des Körpers versetzten die Kinder nach einiger Übung in eine andächtig konzentrierte Stimmung.

Die Schöpfungsgeschichte der Indios
Schülerinnen und Schüler arbeiten an der Darstellung der Schöpfungsgeschichte der IndiosGanz am Anfang schufen die Götter die Sonne. Aber die unzähligen Tiere in der Luft und im Wasser und auf der Erde freuten sich nicht über die Sonne. Das ärgerte die Götter. "Wir werden Menschen schaffen, beschlossen sie, die werden uns nicht enttäuschen." Und so geschah es!
Der blaue Gott Tlaloc nahm Lehm und schuf daraus einen Menschen. Aber der Lehmmensch konnte nicht einmal aufrecht stehen. Kaum war er in eine Pfütze gerutscht, da löste er sich auf. Da lachte Xipe Totec und sagte kühn: "Wie kann man Menschen aus Lehm machen. Schaut her, meine Menschen werden bestehen und sich nicht auflösen!" Und schon nahm er ein Messer zur Hand, schnitt damit einige Äste ab und schnitzte aus den Ästen Figuren. Die Holzmenschen verhielten sich wie Marionetten. Ihre Gesichter zeigten kein Lächeln, ihre Augen weinten keine Tränen.
Da sagte der schwarze Gott Tezcatlipoca: "Gold ist das Wertvollste, wir machen Menschen Gold." Und Tezcatlipoca schuf seine Menschen aus Gold. Es waren nicht viele, doch sie strahlten so hell, dass allen die Augen übergingen. Tezcatlipoca hatte Freude an seinen Menschen.
Mit unterschiedlichen Materialien wurden sie in Schuhkartons gestaltetAber eines Abends sagte der weiße Gott Quetzalcoatl: "Die Welt braucht deine Aufgeblasenen, deine Goldenen, nicht! Sie rühren keinen Finger und lassen die Tiere für sich arbeiten Die rechten Menschen müssen sich das Leben durch eigene Arbeit verdienen. Solche Menschen werde ich schaffen!" Er knetete aus weißem und gelbem Mais eine Masse und schnitt sich in den kleinen Finger, damit sich sein Blut mit der Masse vermische. Dann modellierte er sorgfältig den Rumpf, den Kopf und alle Glieder. Der, Mensch war fertig Nun hauchte ihm sein Schöpfer das Leben ein, und Morgenröte strahlte am Himmel, der neue Tag begann. Seit dieser Zeit leben die Menschen auf der Erde, Menschen aus dem Blut des Gottes Quetzalcoatl

Fazit
In der Planungsphase war es schwierig geeignete Schöpfungsgeschichten für die Schülerinnen und Schüler zu finden. Sie sollten einerseits ihren Interessen entgegenkommen, andererseits aber auch Unterschiede aufweisen, d.h. aus verschiedenen Kulturen stammen sowie Möglichkeiten der kindgerechten Erarbeitung bieten.
Die Durchführung bereitete viel Freude. Die Kinder waren von Anfang an mit Interesse dabei. Sie hatten viele eigene Ideen und Vorstellungen, brachten Bücher und Materialien mit und sprachen zu Hause mit Eltern und Geschwistern über das Thema.
Durch diese Unterrichtsreihe konnten die Kinder ihr Verständnis für andere Kulturen erweitern, denn viele Kinder kannten bisher nur die christliche Schöpfungsgeschichte und einige auch den naturwissenschaftlichen Ansatz. Es wurde ihnen nun deutlich, dass es kulturbedingt verschiedene Sichtweisen auf den Ursprung der Welt gibt, die aber auch einige Gemeinsamkeiten aufweisen.


Literatur und Medien
HELGA HORNUNG: Lalu und die Schöpfung. Rex Verlag, Luzern 2000
"Auf dem Rücken der Schildkröte" aus: ERICH JOOß: Kinder des Himmels und der Erde. Ellermann Verlag, München 1998
Christliche Schöpfungsgeschichte aus: D. BLOCK: Meine große farbige Kinderbibel. Gondrom Verlag, Bindlach 2001
Schöpfungsgeschichte der Indios: "Wo die Sonne übernachtet" erzählt nach DIETRICH STEINWEDE, S. 21, aus: Arbeitsstelle Kindergottesdienst im Amt für Gemeindegottesdienst der ev.-luth. Landeskirche (Hrsg.): Am Anfang ..., Hannover 1999
Musik in der Grundschule, Heft 3/99, Schott Verlag
Religionsbuch für das 3. Schuljahr, Patmos 1996

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 3/2004 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,1 MB).

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