Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Von der Entstehung der Erde
Fächerübergreifendes Unterrichtsvorhaben in einem 5. Schuljahr
Hans-Werner Blume
 
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Als Lehrer an der Integrierten Gesamtschule Garbsen (Niedersachsen) arbeite ich seit Schuljahresbeginn in den Fächern Deutsch und Kunst in einer Kerngruppe unseres 5. Jahrgangs. Die Schülerinnen und Schüler haben sich größtenteils erst in unserer Schule kennen gelernt und sich im vergangenen halben Schuljahr recht gut "zusammengerauft". Die 28 Kinder meiner Kerngruppe sind sehr aufgeschlossen - ja neugierig! - und arbeitswillig; sie bringen aus den Grundschulen mehrerer umliegender Ortschaften Grundwissen in Arbeits- und Lerntechniken mit und überraschen immer wieder mit für 10-bis 11-jährige ungewöhnlichen Präsentationsideen.
In Absprache mit der Kollegin für die Fächer Gesellschaft (Geschichte, Erdkunde, Politik/Sozialkunde) und Werte und Normen habe ich fast zeitgleich zu den Unterrichtseinheiten "Entstehung der Erde" bzw. "Weltreligionen" die Unterrichtsreihe "Schöpfungsgeschichten" fachübergreifend und mit allen mir zur Verfügung stehenden Stunden (8 pro Woche) durchgeführt.
Neben fachbezogenen Aspekten ist der Schwerpunkt "Lernen in Kleingruppen/Teamfähigkeit" ein wesentlicher Faktor der Arbeit an diesem Thema gewesen. Für die Schülerinnen und Schüler (und für mich als Gedächtnisstütze für die weitere Planung) habe ich durch den Einsatz großformatiger "Programm-Poster" (Flipchart, DIN-A1/A0-Papier/Rückseite alter Wahlplakate) den Ablauf bzw. die Reihenfolge der Arbeitsaufträge, die Arbeitszeiten und Terminsetzungen festgehalten, so dass eine "optische" Kontrolle und damit die Übersicht gesichert worden ist. Diese Poster haben auch den Vorteil gehabt, dass sie während der gesamten Arbeit am Thema im Kerngruppenraum hängen bleiben konnten.

Gruppenarbeit "Vorwissen"
In einem Sitzhalbkreis vor der Tafel bzw. dem Flipchart berichteten die Schülerinnen und Schüler - unter hoher Beteiligung auch der sonst eher ruhigen -, was sie zum Stichwort "Entstehung der Erde" wissen. Die meisten Beiträge entsprangen der gerade abgeschlossenen Unterrichtseinheit im Fach Gesellschaft. Es kamen aber auch einige manchmal kontroverse Meinungen und hervorrufende Erklärungsversuche, deren Grundlagen aus Fernsehberichten oder -filmen, manchmal sogar aus Büchern(!) stammten.
Die sich aus dem Gespräch ergebenden Stichwörter wurden sortiert auf drei großen Postern zusammengefasst.
Schülerinnen arbeiten an einer CollageZur Visualisierung des Themas erhielten die Tischgruppen (in der Regel 2 Mädchen, 2 Jungen = 7 Tische) nun den Auftrag, ihre Vorstellungen zur Entstehung der Erde in Form einer Collage "zu Papier zu bringen". Dadurch ergab sich der Zwang, in der Kleingruppe die Raumaufteilung auf dem Papier gerecht zu regeln. Ich hob in der Aufgabenstellung hervor, dass jedes Gruppenmitglied die eigenen Vorstellungen realisieren sollte.
Natürlich ergaben sich ohne mein Zutun durchaus gewünschte Kooperationen, z.T. über die Tischgruppen hinaus. Insbesondere der Materialaustausch ("Hast du mal ...? Kannst du mir ... geben?") funktionierte bei nur leicht erhöhtem Lärmpegel.
Die wichtige Abschlussaufgabe zur Collage bildete ein Ergebnisbericht jeder Tischgruppe, der vor der gesamten Kerngruppe vorzutragen war und zwar in einer Form, die alle Teammitglieder beteiligte. Dazu wurde die Kerngruppe jeweils 20 Minuten vor dem Ende der Arbeitsdoppelstunde erinnert, Notizen anzufertigen, um wichtige Einzelheiten der abgelaufenen Stunde und inhaltliche Erläuterungen festzuhalten.
Fertige Collage zur Entstehung der ErdeNach Fertigstellung der Collage (die in den Kleingruppen nicht zeitgleich erfolgte) hatten die Kinder ca. 45 Minuten Zeit ihren Bericht vorzubereiten. Die Vorstellungsrunde in der folgenden Stunde ergab einige Überraschungen: Neben dem "normalen" Vortrag, der aus dem Vorlesen mit verteilten Rollen der Aufzeichnungen und dem Zeigen der Collage bestand, sprach eine Gruppe ihre Kapitelüberschriften "im Chor" und anschließend den Text mit verteilten Rollen, die einzige Vierer-Mädchengruppe hatte ihren Text vertont (ein Hörerlebnis mit besonderem Aufmerksamkeitscharakter), eine dritte Gruppe trug die Erdentstehung als Pantomime mit Geräuschen vor (die Darstellung des Urknalls wurde begeistert beklatscht!). Da ich in die Vorbereitung der Kleingruppen, die alleinverantwortlich im Schulgebäude geprobt hatten, nicht unmittelbar einbezogen war, hatte ich meinen Fotoapparat zu meinem großen Bedauern nicht "schussbereit".

"Wie stellen sich Menschen die Entstehung der Erde vor?"
Auch in diesem Teil der Unterrichtsreihe starteten wir mit einem Sitzkreisgespräch, in dem nach dem Vorwissen der Schülerinnen und Schüler über Schöpfungsgeschichten verschiedener Religionen gefragt wurde. Ein Kriterium für die Antwort auf die Frage, über welche Schöpfungsgeschichten weiter gearbeitet werden sollte, ergab sich aus diesem Vorgespräch: Die Kinder hatten nur vage Vorstellungen von einigen Mythen so dass meine Hauptquelle, das Buch "Die Regenbogenschlange" eine passende Grundlage liefern konnte.
Aus diesem Buch wurden die Schöpfungsgeschichten der Aborigines, des Islam und des Buddhismus ausgewählt. Ein Schüler wählte sich selbst die Geschichte eines südamerikanischen Volkes aus, die er als Kurzreferat vorzutragen wünschte.
Im Prinzip liefen die folgenden Stunden nach einem ähnlichen Muster ab:
Ich habe aus der "Regenbogenschlange" absatzweise ausgewählte Textstellen vorgelesen. Die Schülerinnen und Schüler waren angewiesen, ruhig und konzentriert zuzuhören (Leseunterbrechung bei auch nur geringer Störung der Ruhe). Nach jedem Absatz wurden Fragen geklärt oder Kommentare abgegeben. Außerdem boten die kurzen Lesepausen Gelegenheit Notizen auf "Schmierzettel" aufzuschreiben.
Nach einer abschließenden kleinen Gesprächsrunde begannen die Schülerinnen und Schüler das Gehörte allein oder zu zweit in ein Bild (Format DIN-A3/A2, auf Wunsch größer) umzusetzen. Die Arbeitszeit wurde auf je 2 Stunden begrenzt, das Arbeitsmaterial war auf Tuschkasten und Farbstifte aller Art (Ausnahme: breite Filzstifte) festgelegt.
Auffallend bei den Ergebnissen war, dass die meisten Kinder ihr Bild als nacherzählbare Geschichte dargestellt haben und so einen kleinen Vortrag halten konnten. Alle Bilder wurden auf unserer Freifläche ausgestellt.

Wie schließen wir die Unterrichtsreihe ab?
In der den zweiten Teil abschließenden Gesprächsrunde, in der auch über den Ablauf der Reihe diskutiert wurde, äußerten die Schülerinnen und Schüler ihre Unzufriedenheit damit, "jetzt einfach aufzuhören". Wir hatten zwar unser Bildmaterial ausgestellt, aber ein "richtiger" Schluss war das nicht. Da ein klassischer Test bei dieser Arbeitsform und den Ergebnissen nicht in Frage kam, erörterten die Schülerinnen und Schüler - bei nur geringem Zutun meinerseits - Möglichkeiten anders gearteter Aufgaben.

Die Kleingruppen präsentieren ihre Arbeitsergebnisse

Mit Freude präsentiert diese Kleingruppe ihre Zeichnungen Dioramen wurden gebastelt
Weitere Bildgeschichten wurden erstellt
Theaterstücke über die Schöpfungsgeschichten wurden eingeübt und aufgeführt
Auch ein Puzzlespiel wurde präsentiert

Nach einer Grobsortierung ergaben sich sechs realisierbare Vorschläge, die im Rahmen einer "Vernissage" auf unserem Pausenflur vorzustellen waren.
Meine Rolle beschränkte sich während dieser arbeitsteiligen Phase auf das zur Verfügung stellen von Materialien, auf technische und organisatorische Ratschläge, auf Hilfen bei der Theaterregie, darauf Streitigkeiten zu lösen und die Weiterarbeit "anzuschieben", manchmal auch zu trösten, wenn eine Idee absolut nicht klappen wollte, aber auch Ideen und Arbeitsfortschritte zu loben. Die Präsentation ergab schließlich ein sehr unterschiedliches, abwechslungsreiches Programm.

Brainstorming zur Frage: Wie schließen wir das Unterrichtsvorhaben ab?
- Alle Schülerinnen und Schüler schreiben zwei Vorschläge auf (DIN-A6 Blätter, je ein Vorschlag auf ein Blatt, große Schrift!)
- Alle Blätter werden sortiert an eine Tafel geheftet.
- Hinweis: "Eigene Vorschläge sind erwünscht - nicht etwas, das man mit der besten Freundin/dem besten Freund gern tun möchte!"

Reduktion der Vorschläge
- In den Tischgruppen schreibt jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer einen Vorschlag auf ein DIN-A6 Blatt. Anschließend erhalten alle Schülerinnen und Schüler in den Tischgruppen einen Kennbuchstaben (A, B, C ...). Das Kind mit dem Buchstaben A wechselt in die linke Nachbartischgruppe und erläutert dort seinen Vorschlag (ca. drei Minuten), anschließend wandert das Kind B in die rechte Nachbartischgruppe und stellt dort seinen Vorschlag vor (ebenfalls ca. 3 Minuten). Das Ziel ist eine "Ideenstreuung".
- Die Entscheidung für einen Vorschlag (per Zuruf).

Hat sich der Aufwand gelohnt?
Während der Arbeit an bzw. in einem derartigen Unterrichtsprojekt beschleichen einen doch ab und zu große Zweifel, ob sich "das alles" eigentlich lohnt.
Neben der großen Fröhlichkeit in der Gruppe, die auch durch Rückschläge in der Arbeit oder durch natürlich auch vorkommende Störungen einzelner Schülerinnen und Schüler nicht verloren gegangen ist, also neben der Erfahrung, dass Schule Spaß macht, hat mich die Kreativität und die zielgerichtete Produktivität der Kinder, ihre Offenheit für scheinbar noch so unmögliche Vorschläge immer wieder beeindruckt.
Sie haben für sich selbst gelernt,
- Hemmungen abzubauen, wenn es gilt, sich vor die Gruppe zu stellen und einen Vortrag zu halten,
- sich beim Zuhören zu konzentrieren, um möglichst viel behalten und anschließend umsetzen zu können,
- viele "kleine" methodische Hilfen einzusetzen, um besser, um zielgerichteter arbeiten zu können,
- in einem gewissen Maße eigenverantwortlich eine Aufgabe zu entwickeln und zu verwirklichen usw.
Die Schülerinnen und Schüler haben viel gelernt auf dem Weg von einer zufällig zusammengesetzten Gruppe in Richtung auf ein Team, in dem jedes Mitglied seine Ideen verantwortlich einbringen muss und darf.
Ja, es hat sich gelohnt.
Selbstverständlich sind auch fachliche Ziele erarbeitet worden: Die Schülerinnen und Schüler haben ihr Vorwissen über die ihnen bekannte naturwissenschaftliche, bzw. christliche Entstehungsgeschichte der Erde ergänzt um die Schöpfungsgeschichten anderer Kulturkreise. Sie haben durch Texte und Diskussionen als auch durch Umsetzung in Collagen, bzw. gemalte Bilder und Theaterszenen erfahren, dass die Erklärungen für die Entstehung der Welt über alle Kulturen hinweg, viele Gemeinsamkeiten haben.
Schließlich haben die Schülerinnen und Schüler festgestellt, dass es für uns schwer verständliche Vorstellungen in anderen Kulturkreisen gibt, die denselben Stellenwert haben wie unsere eigenen, weil Menschen auf der ganzen Welt versuchen, für "Unerklärbares" doch eine Erklärung zu finden.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 3/2004 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,1 MB).

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