Projekt "Eine Welt in der Schule"
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Anregungen für die Grundschule und Sekundarstufe 1

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Ein Projekt des Grundschulverbandes e.V.


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Republik Südafrika in Stationen
Ein Projekt in zwei zehnten Hauptschulklassen
Durchführung: R. Buchholz, C. Gödicke, B. Kulgemeyer/Text: W. Brünjes
 
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Umgesetzt wurde das Thema "Republik Südafrika" im Rahmen eines Projektes zweier Hauptschulklassen des 10. Jahrganges der Waldschule in Schwanewede. Bei der Schule handelt es sich um eine Kooperative Gesamtschule. An drei Schultagen konnten sich 32 Schülerinnen und Schüler jeweils vier bis fünf Unterrichtsstunden mit dem Thema "Republik Südafrika" beschäftigen. Dazu bildeten sie Arbeitsgruppen mit zwei oder drei Schülerinnen bzw. Schüler pro Gruppe.
Um eine möglichst angenehme und ruhige Arbeitsatmosphäre zu schaffen, organisierten wir für die beiden Klassen insgesamt 5 Räume. Dies war möglich, weil andere Klassen zeitgleich an Projekten teilnahmen, die nicht an Räumlichkeiten gebunden waren.
Im Vorfeld der Durchführung besprachen wir mit den Schülerinnen und Schülern, dass ihre Arbeitsergebnisse, die in Form von gruppenweise angefertigten Arbeitsmappen eine Woche nach Beendigung des Projektes abzugeben waren, benotet werden sollten. Die Note konnten die Jugendlichen wahlweise in das Fach Erdkunde, Geschichte oder Politik einfließen lassen. Dies erwies sich im Nachhinein als sehr positiv, da die Schülerinnen und Schüler durch diese Maßnahme zusätzlich motiviert waren.

Nelson Mandela
Als ersten Impuls für das Unterrichtsvorhaben setzten wir den Film "Mandela" (engl.-amerik. Spielfilm von 1987) ein. Diesen Film, der eine Biographie Nelson Mandelas mit Exkursen zur Apartheid und zur Geschichte des African National Congress (ANC) darstellt, zeigten wir wenige Tage bevor wir mit der Projektarbeit begannen. Der Einsatz des Films erwies sich als außerordentlich günstig, da die Jugendlichen auf diesem Weg einen ersten Eindruck über Land und Leute sowie über die politische Situation der letzten Jahrzehnte bekamen. Da Nelson Mandela gleichzeitig eine Symbolfigur für das "neue" Südafrika ist und vielen Schülerinnen und Schülern der Name zumindest geläufig war, bot sich der Einsatz dieses Films geradezu an. Vor allem die Art und Weise wie Mandela trotz schwerster Repressalien den gewaltfreien Widerstand propagiert und umgesetzt hat, beeindruckte die Schülerinnen und Schüler zutiefst.

Arbeit mit den Fotos
Zum eigentlichen Projektbeginn trafen sich beide Klassen für eine Unterrichtsstunde im Plenum. Etwa dreißig laminierte DIN-A4-Fotos - allesamt aus der Republik Südafrika stammend, von der typischen Kap-der-Guten-Hoffnung-Abbildung bis hin zu einer Abbildung von Jugendlichen vor einer Diskothek - wurden im Raum verteilt aufgehängt. Auf diese Weise sollten die Jugendlichen die Vielfalt der Republik
Südafrika und ihrer Einwohner kennen lernen. In einem offenen Klassengespräch wurde erzählt, was auf den Fotos zu sehen ist.
In der zweiten Phase der Einführung wurde mit Detailauszügen gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler bekamen dazu Arbeitsblätter, auf denen Details von Motiven zu sehen waren. Bei den Motiven handelte es sich ausschließlich um farbige, südafrikanische Personen in ihrem Arbeitsprozess. Das Gesamtmotiv war den Schülerinnen und Schülern nicht bekannt. Die Jugendlichen hatten nun die Aufgabe, von den Details auf das Gesamtmotiv zu schließen und die Details "fertigzuspinnen". Wahlweise konnten sie die Fotos fertig zeichnen oder aber in wenigen Sätzen schriftlich festhalten, wie ihrer Meinung nach das Gesamtmotiv aussehen könnte. Die meisten Schülerinnen und Schüler fertigten eine schriftliche Beschreibung an. Mit großem Eifer gingen die Schülerinnen und Schüler ans Werk. Hier konnten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Recht deutlich wurde, dass es sehr schwierig und meist auch mit etwas Glück verbunden ist, vom Detail auf den richtigen Zusammenhang bzw. die richtige Tätigkeit zu schließen. Erfreulich aber war, dass die gängigen Klischees von den "armen Schwarzen" nicht auftauchten. Trotz der hohen Anzahl von "falsch" interpretierten Details konnten wir keine vorurteilsbehafteten Interpretationen, z.B. durchgängig negative Bewertungen der Personen, entdecken.

Südafrika 1991:
- die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung verdienten ungefähr 4 Prozent des Gesamteinkommens
- die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung verdienten etwas mehr als 50 Prozent des Gesamteinkommens

Südafrika 1997:
- die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung verdienten etwas weniger als 6 Prozent des Gesamteinkommens
- die reichsten 5 Prozent der Bevölkerung verdienten etwas mehr als 70 Prozent des Gesamteinkommens

Das Lernen an Stationen
Jetzt ging es endlich zum Stationenlernen. Nach einer kurzen Einweisung, in der wir den organisatorischen Ablauf erläuterten, bildeten die Schülerinnen und Schüler Gruppen. Dabei konnten sich die Gruppen auch klassenübergreifend zusammensetzen.
Nachdem von unserer Seite die Materialien für die verschiedenen Stationen in den Räumen verteilt wurden - vorsichtshalber hatten wir sämtliche Aufgaben in 35-facher Ausführung kopiert, um Staus und Gerangel an Stationen auszuschließen - konnten sich die Gruppen in den fünf Räumen verteilen. Auf eine anfängliche Zuweisung der Startstation hatten wir verzichtet. Die Gruppen konnten gleich zu Anfang wählen, welches Thema sie bearbeiten wollten. Probleme gab es dabei nicht. Ebenso wenig wurden die Pflichtaufgaben als solche hinterfragt: sie wurden von den Schülerinnen und Schülern einfach akzeptiert.
Während der folgenden Unterrichtsstunden arbeiteten die Schülerinnen und Schüler selbstständig. Nur hier und da, wenn es zum Beispiel Verständnisschwierigkeiten gab - es lag normalerweise daran, dass die Arbeitsanweisungen nicht oder nicht aufmerksam genug gelesen wurden - oder der Kassettenrekorder für mitgebrachte Rap-Musik missbraucht wurde, mussten wir helfend eingreifen.

Eingesetzte Stationen
Bereits bei der Planung des Unterrichtsvorhabens hatten wir uns darauf geeinigt, auf die Stationen "Die südafrikanische Küche", "Spielen" und "Südafrika im Internet" zu verzichten.
Letztere konnten wir nicht anbieten, da an den Projekttagen die Computerräume von anderen Lerngruppen genutzt wurden. Zu der Station "Die südafrikanische Küche" gehört unter anderem ein Rezept für die Herstellung von Bananencreme. Dort werden zum Anrühren der sicherlich recht schmackhaften Creme unter anderem zwei rohe Eier verwendet. Anfänglich wollten wir die Gruppen zum Einkaufen der Zutaten schicken. Da wir aber nicht sicher waren, wo sie die Zutaten kaufen würden, hatten wir aufgrund der Salmonellengefahr gänzlich auf diese Station verzichtet. Auf die Station "Spielen" verzichteten wir, weil die angebotenen Spiele eher etwas für die unteren Klassen-Stufen der Sekundarstufe I sind und in der Altersgruppe von 16- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schülern nicht akzeptiert worden wären.
Somit kamen wir auf 13 Stationen, die wir an den Projekttagen anbieten konnten. Im Einzelnen waren dies:

Cartoon "Madam and Eve"1. Ländererkundung Südafrika
2. Die Geschichte Südafrikas
3. Wahlen in Südafrika
4. Apartheid
5. Tourismus
6. Wohnen
7. Schule
8. Südafrika in Zahlen
9. Jugendliche in Südafrika
10. Ein Cartoon aus Südafrika
11. Musik
12. Sport
13. Reisevideo

Verpflichtend war für die Jugendlichen die Bearbeitung der ersten drei Stationen. Aus den Bereichen 4. bis 9. und 10.-13. hatten sie jeweils zwei Stationen zu bearbeiten, so dass jede Gruppe schließlich auf sieben bearbeitete Stationen kam.
Insgesamt konnten wir feststellen, dass zu sämtlichen Stationen intensiv gearbeitet wurde. Natürlich gab es auch Stationen, die beliebter waren als andere. Wir konnten jedoch kein so großes Gefälle feststellen, dass man von eindeutigen Favoriten und von rundum abgelehnten Stationen sprechen kann.
Besonders erfreulich war für uns, dass die drei Pflichtstationen nicht nur ohne Murren bearbeitet wurden, sondern dass die Jugendlichen mit viel Spaß und Engagement bei der Sache waren.

· Ländererkundung Südafrika
Die Arbeitsaufgaben dieser Station (Fragen zur physischen Geographie, zur Landesflagge und -Währung usw.) waren den Schülerinnen und Schülern größtenteils bereits durch den traditionellen Unterricht vertraut, so dass sie vieles einfach "abarbeiten" konnten. Trotzdem oder gerade deshalb wurde diese Station von allen Jugendlichen gern bearbeitet und fast alle Gruppen erzielten hier sehr gute Ergebnisse.
· Die Geschichte Südafrikas
Hier mussten die Schülerinnen und Schüler einen recht umfangreichen Text lesen und wichtige historische Entwicklungen der Republik Südafrika in einer Zeitleiste ergänzen. Daran machten sie sich mit viel Energie und erzielten bei dieser Aufgabe sehr gute Ergebnisse. Obwohl der Text, was den Umfang und die sprachlichen Anforderungen anbelangt, für viele Schülerinnen und Schüler sehr anspruchsvoll war, lahmte dieser Umstand nicht die Bereitschaft, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Dies lag vermutlich auch an der Tatsache, dass sie die vorformulierten Antworten aus einem Arbeitsblatt ausschneiden und in ein Lösungsblatt hineinkleben konnten.
· Wahlen in Südafrika
Mit Hilfe eines Textes, der vielfältige Informationen zum politischen und gesellschaftlichen Leben in der Republik Südafrika enthält, mussten die Jugendlichen ein Kreuzworträtsel lösen. Da die Lösung des Kreuzworträtsels allein aus dem Text hervorging, beschäftigten sich die Gruppen sehr intensiv mit ihm. Auch dieser Text forderte die Schülerinnen und Schüler. Letztlich kamen sie aber alle auf das Lösungswort "Nelson Mandela".
· Apartheid
Diese Station bestand aus einem Text, der aufmerksam gelesen werden musste, und aus drei Fotos zum Thema Apartheid. Die Schülerinnen und Schüler konnten wahlweise eine Rede gegen die Apartheid schreiben oder eine Bildbeschreibung zu einem der Fotos anfertigen. Etwas überrascht waren wir über das Engagement der Jugendlichen bei diesem Thema. Hatten wir zuerst angenommen, dass diese Station eher auf verhaltenes Interesse bei den Schülerinnen und Schülern stoßen würde, sah es am Ende ganz anders aus: Sehr viele Gruppen hatten diese Station durchlaufen. Sie waren dabei selbst überrascht, wie interessant sich das Thema für sie darbot und arbeiteten zum Teil sehr intensiv an dieser Station, indem sie Reden gegen die Apartheid schrieben oder Bildbeschreibungen zum Thema "Apartheid" anfertigten. Sogar in der Abschlussbesprechung wiesen sie noch einmal darauf hin, wie interessant dieser Aspekt für sie gewesen ist.
· Tourismus
Eine Collage zum Thema "Tourismus in Südafrika"Hier sollten die Schulerinnen und Schüler einen Südafrikaurlaub planen und die Auswahl ihrer Reise begründen sowie eine Südafrika-Collage anfertigen. Als Hilfsmittel standen ihnen Reiseprospekte zur Verfügung.
Auch an dieser Station arbeiteten die Schülerinnen und Schüler gerne. Dies lag sicherlich daran, dass die Jugendlichen hier unter anderem mit Schere und Kleber zu Werke gehen konnten und ihre Kreativität ein Stück weit gefragt war. Dadurch hatten sie sowohl an der Planung eines eigenen Südafrika-Urlaubs als auch an der Anfertigung eines Südafrika-Posters viel Freude.
· Wohnen
Ein Text sowie vier Fotos bildeten an dieser Station die Materialgrundlage. Die Jugendlichen sollten zu den Fotos, die verschiedene Wohnformen abbilden, jeweils eigene Unterschriften und eine Gesamtüberschrift erfinden. Da hier viele Informationen visuell übermittelt wurden und der Arbeitsauftrag nicht sehr umfangreich war, war auch diese Station sehr beliebt. Die Gruppen lieferten auch zu dieser Station gute Ergebnisse ab.
· Schule
Mit Hilfe von vier Textblöcken sollten die Schülerinnen und Schüler das südafrikanische mit dem deutschen Bildungssystem vergleichen und die Bildungschancen der schwarzen südafrikanischen Bevölkerung bewerten. Die Gegenüberstellung der Bildungssysteme interessierte viele Gruppen. Sie arbeiteten sehr intensiv daran, das zeigte sich unter anderem in den Arbeitsergebnissen.
· Südafrika in Zahlen
Schülerinnen und Schüler arbeiten an ihren AufgabenEine Statistik zur Bevölkerung und zwei Statistiken zur Wirtschaft bildeten hier die materielle Grundlage. Die Jugendlichen hatten die Aufgabe, diese Statistiken in Diagramme umzusetzen. Ebenso wie bei der Tourismusstation hatten wir hier nicht damit gerechnet, mit welch großem Spaß einige Schülerinnen und Schüler an die Lösung der Aufgabe herangingen. Die graphische Umsetzung von reinem Zahlenmaterial in Diagramme sprach aber auch Schülerinnen und Schüler an, die sich häufig im gesellschaftskundlichen Bereich eher zurückhalten. Hier konnten sie mit ihren Fähigkeiten "glänzen" und fertigten zum Teil sogar Kreisdiagramme an.
· Jugendliche in Südafrika
Dabei ging es darum, die Lebenssituation von einem südafrikanischen schwarzen Jungen und einem weißen Burenmädchen miteinander zu vergleichen. Dieser Station wurde relativ wenig Beachtung geschenkt. Vermutlich liegt es daran, dass das Material - jeweils ein kurzer Text - für die Schülerinnen und Schüler nicht so ansprechend war und ihre Lebenssituation eine deutlich andere ist als die von südafrikanischen Jugendlichen.
· Ein Cartoon aus Südafrika
Die Aufgabe, ein Cartoon zu interpretieren und einen neuen Text für dieses Cartoon zu entwerfen, stieß auf große Resonanz. Sehr viele Gruppen bearbeiteten diese Station. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Fantasie und Kreativität wiederum ein Stück einbringen.
· Musik
Eine Kassette mit südafrikanischer Musik bildete hier die Grundlage. Für einen Text lag die deutsche Übersetzung vor. Die Gruppen hatten nun die Aufgabe, den Textinhalt zu beschreiben, das Lied zu bewerten und in einige andere Lieder "hineinzuhören". Die Musikstation wurde von den Gruppen ebenfalls häufig frequentiert. Die melodiöse Musik kam bei den Jugendlichen durchweg gut an. Schade fanden die Schülerinnen und Schüler, dass lediglich ein Liedtext auch in deutscher Übersetzung vorlag. So konnten sie zwar die Musik anhören, aber viele Lieder inhaltlich nicht einordnen. Das tat der Auseinandersetzung mit der Musik allerdings keinen Abbruch.
Bei dieser Station erwies es sich als günstig, mehrere Räume für ein solches Projekt zur Verfügung zu haben. Neben der Musikstation befand sich lediglich eine weitere Station im Raum. So konnte der Lärmpegel in Grenzen gehalten und eine fruchtbare Arbeitsatmosphäre aufrecht erhalten werden.
-Sport
Ein Text, der auf die Chancen zu sprechen kommt, die die Republik Südafrika besitzt, die Fußballweltmeisterschaft 2006 auszutragen, aber gleichzeitig das Thema Gewalt und Hooliganismus in Südafrika, England und in der Bundesrepublik anspricht, war hier das entscheidende Medium. Die Schülerinnen und Schüler sollten ihre Meinung dazu festhalten und begründen.
Diese Station wurde nur von wenigen Gruppen aufgesucht.
· Reisevideo
Hier konnten sich die Schülerinnen und Schüler einen Videofilm ansehen. Darüber sollten sie anschließend eine Inhaltsangabe anfertigen. Dieser Station schenkten die Gruppen relativ wenig Beachtung.

Zu wenig Zeit
Gegen Ende des Projektes wollten wir ein Rollenspiel, das die gegenwärtige Situation in Südafrika diskutiert, durchführen und ein Brettspiel mit Fragen zu den vorhergehenden Unterrichtsinhalten spielen lassen. Beides konnten wir jedoch aus Zeitmangel nicht mehr einsetzen.
Stattdessen fand ein etwa einstündiges Schüler-Lehrer-Gespräch statt. Im Verlauf dieses Gesprächs äußerten sich die Schülerinnen und Schüler ausgesprochen positiv über das Projekt "Republik Südafrika".
Als wichtigster Punkt wurde dabei angegeben, dass sie allein, d.h. ohne ständige Kontrolle durch den Lehrer, arbeiteten konnten. Auch die Arbeit im Team, die Arbeitsform, die mehr Freiheit als gewöhnlich - z. B. eine offene Reihenfolge und eine freie Wahl der Aufgaben - beinhaltete, sowie die sehr gute Arbeitsatmosphäre, die durch die verschiedenen Räume, die wir zur Verfügung hatten, zustande kam, kamen bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut an.
Kritik wurde vor allem hinsichtlich der Anzahl und des Umfangs der Arbeitsblätter, die zu den Stationen gehörten, laut. "Zu viele Texte ...", von denen einige auch noch langweilig und sehr fordernd waren, wurde von Schülerseite bemängelt. Da sie andererseits bei einer nochmaligen Projektdurchführung für einen ausgeweiteten Projektzeitraum von einer Woche plädierten, wurde aber deutlich, dass die Kritik der Schülerinnen und Schüler nicht den positiven Gesamteindruck des Projektes schmälern konnte.
Großes Interesse bestand von Seiten der Schülerinnen und Schüler auch an Informationen über das südafrikanische Gesundheitssystem. Es kamen im Verlauf des Projektes immer wieder Nachfragen dazu. Leider boten wir hierzu keine Station an, was wir bei einer nochmaligen Durchführung des Projektes jedoch ändern würden.

Unser Eindruck
Vorher hatten wir noch nie ein solches Thema im Rahmen eines Projektes durchgeführt und wussten daher nicht, ob die Durchführung mit den Schülerinnen und Schülern überhaupt klappen würde. Im Nachhinein sind wir aber ganz froh darüber, dass wir es ausprobiert haben, denn sowohl inhaltlich als auch von der Arbeitsweise waren wir und die Jugendlichen positiv überrascht.
Gut wahrnehmbar wurde die Leistungsbereitschaft unter anderem in der disziplinierten und selbstständigen Arbeit der Schülerinnen und Schüler.
Das Stationenlernen hat aber unseres Erachtens auch positive Auswirkungen auf den Lernerfolg der Jugendlichen. So konnten sie Kenntnisse entwickeln, die im herkömmlichen Unterricht nicht so ohne weiteres vermittelt werden können, da die Inhalte stärker begrenzt werden. Und die Blickrichtung ist ebenfalls eine andere, sind doch die Anregungen, die sie beim Betrachten von Nachrichten etc. bekommen (z. B. bezüglich der Entwicklung des südlichen Afrikas) eher auf Defizite, die dort auftreten, ausgerichtet. So aber konnten wir diesem "defizitären Blick" ein wenig entgegentreten und ihnen neue Aspekte näher bringen. Für viele Schülerinnen und Schüler war es z.B. eine neue Erkenntnis, dass nicht nur eine Region Südafrika existiert, sondern dass es auch den Staat "Republik Südafrika" gibt.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Ausgabe 2/2000 von "Eine Welt in der Schule". Sie können diese Ausgabe jetzt herunterladen (2,0 MB).

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